Lieber Herr Schönberg.
Wir wollen das Sextett doch lieber nicht
drucken lassen, bevor Sie die letzten Korrekturen der
Stimmen gelesen haben werden. Sie sehen ja – es
finden sich immer noch Fehler. Wenn mir also
nicht noch etwas ganz besonderes in den Weg laufen
wird, werde ich zur Aufführung1 Ihrer symph. Dich-
tung
nach Wien kommen. Es ist doch sehr wich-
tig, dass ich die Sache höre.
Nun möchte ich Sie fragen, ob Sie Zeit
und Lust hätten die beiden Gesänge H. van
Eykens
Walkürenlied“ und „Ikarus“ zu instrumen-
tieren
2 und zu welchem menschlichen Preise Sie
diese Prozedur vornehmen würden. Sodann schicke
ich Ihnen zwei Schmarren. Meinen Sie, dass mit
ihnen / im Verlage Helianthus natürlich / was anzufan-
gen wäre? Es müssten wohl gleich die üblichen Aus-
gaben vorbereitet werden, Pariser-Besetzung3 etc. Haben
Sie darin einige Erfahrung?
Wo könnte man in Wien angenehm
wohnen, ohne gerade seine Haut einzubüssen

oder von den Wanzen aufgefressen zu werden?
Vor Jahren habe ich mal im Hotel Kronprinz
ganz passabel gewohnt.
Also machen Sie, dass Sie die Stim-
men fertig korrigieren, damit wir das Sex-
tett nun endlich herausbringen.
Mit besten Grüssen
Ihr

Max Marschalk
Wenn es sich einrichten lassen wird,
werde ich natürlich schon zur Generalprobe
da sein. Um wie viel Uhr? Und wo?
Lieber Herr Schönberg.
Wir wollen das Sextett doch lieber nicht drucken lassen, bevor Sie die letzten Korrekturen der Stimmen gelesen haben werden. Sie sehen ja – es finden sich immer noch Fehler. Wenn mir also nicht noch etwas ganz besonderes in den Weg laufen wird, werde ich zur Aufführung1 Ihrer symph. Dichtung nach Wien kommen. Es ist doch sehr wichtig, dass ich die Sache höre.
Nun möchte ich Sie fragen, ob Sie Zeit und Lust hätten die beiden Gesänge H. van EykensWalkürenlied“ und „Ikarus“ zu instrumentieren2 und zu welchem menschlichen Preise Sie diese Prozedur vornehmen würden. Sodann schicke ich Ihnen zwei Schmarren. Meinen Sie, dass mit ihnen / im Verlage Helianthus natürlich / was anzufangen wäre? Es müssten wohl gleich die üblichen Ausgaben vorbereitet werden, Pariser-Besetzung3 etc. Haben Sie darin einige Erfahrung?
Wo könnte man in Wien angenehm wohnen, ohne gerade seine Haut einzubüssen oder von den Wanzen aufgefressen zu werden? Vor Jahren habe ich mal im Hotel Kronprinz ganz passabel gewohnt.
Also machen Sie, dass Sie die Stimmen fertig korrigieren, damit wir das Sextett nun endlich herausbringen.
Mit besten Grüssen Ihr Max Marschalk
Wenn es sich einrichten lassen wird, werde ich natürlich schon zur Generalprobe da sein. Um wie viel Uhr? Und wo?

9. Jänner 1905


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief

Zitierhinweis:

Verlag Dreililien an Arnold Schönberg, 9. Jänner 1905, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.12385.

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