Lieber Herr Schönberg!
Ich war über 14 Tage an der See, wodurch es gekommen ist, dass
Sie wieder einmal etwas länger haben warten müssen, als es Ihnen
lieb ist.
Wie Sie aus beiliegendem Briefe ersehen, hat das Holländische
Streichquartett
die Absicht, Ihr Sextett am 24. Oktober aufzuführen1.
Vielleicht schreiben Sie ein par Worte an die Leute, in denen Sie
Ihre Freude über das Eintreten für Ihr Werk Ausdruck geben. Die ge-
wünschten biographischen Notizen bitte ich an mich zu schicken; ich
werde sie dann umgehend weiter schicken.
Das gewünschte Streichquartett erhalten Sie eingeschrieben unter
Kreuzband zurück.
Was den Verlag Ihrer uns eingereichten neueren Arbeiten anbelangt,
so möchte ich Ihnen endgültige Vorschläge in der nächsten Zeit unter-
breiten; ich möchte Sie nur einstweilen bitten mir mitzuteilen, in wel-
cher Reihenfolge Sie die Drucklegung besorgt wünschten. Ich denke, dass
wir vielleicht zuerst die Klavierlieder in Stich geben und dann das
Quartett folgen lassen. Was das Quartett anbelangt, möchte ich wegen
eventueller Retouchen vorschlagen, die Aufführung2 durch Rosé abzuwar-
ten. Warten werden wir ja ohnedies müssen, da Sie offenbar nur eine Par-
titur
3 besitzen. Auf jeden Fall brauchen Sie sich wohl wegen des Vorschus-

ses keine grossen Sorgen zu machen. Wir sind im Prinzip natürlich
entschlossen mit Ihnen sozusagen durch Dick und Dünn zu gehen; wir
werden dabei voraussichtlich noch Geduld haben müssen, und auch Sie
werden hier und da zu beweisen notwendig haben, dass auch Sie – uns
gegenüber – Geduld haben können.
Mit Fried hatte ich eine längere Unterredung über Ihre sinfoni-
sche Dichtung „Pelleas und Melisande“. Er ist durchaus gewillt
sie aufzuführen
4, nur weiss er noch nicht, ob er die Aufführung ma-
teriell wird ermöglichen können. Er behauptet, dass ca. 5000 Mk.
nötig seien. Ich habe ihm nun bereits die kostenfreie Ueberlassung
des Materials in Aussicht gestellt, ihm ausserdem versprochen eine
materielle Subvention durch den Verlag anzuregen. Wir wollen
sehen, wie sich die Sache entwickeln wird.
Mit besten Grüssen auch an Ihre Frau
Ihr

Max Marschalk
Lieber Herr Schönberg!
Ich war über 14 Tage an der See, wodurch es gekommen ist, dass Sie wieder einmal etwas länger haben warten müssen, als es Ihnen lieb ist.
Wie Sie aus beiliegendem Briefe ersehen, hat das Holländische Streichquartett die Absicht, Ihr Sextett am 24. Oktober aufzuführen1. Vielleicht schreiben Sie ein par Worte an die Leute, in denen Sie Ihre Freude über das Eintreten für Ihr Werk Ausdruck geben. Die gewünschten biographischen Notizen bitte ich an mich zu schicken; ich werde sie dann umgehend weiter schicken.
Das gewünschte Streichquartett erhalten Sie eingeschrieben unter Kreuzband zurück.
Was den Verlag Ihrer uns eingereichten neueren Arbeiten anbelangt, so möchte ich Ihnen endgültige Vorschläge in der nächsten Zeit unterbreiten; ich möchte Sie nur einstweilen bitten mir mitzuteilen, in welcher Reihenfolge Sie die Drucklegung besorgt wünschten. Ich denke, dass wir vielleicht zuerst die Klavierlieder in Stich geben und dann das Quartett folgen lassen. Was das Quartett anbelangt, möchte ich wegen eventueller Retouchen vorschlagen, die Aufführung2 durch Rosé abzuwarten. Warten werden wir ja ohnedies müssen, da Sie offenbar nur eine Partitur3 besitzen. Auf jeden Fall brauchen Sie sich wohl wegen des Vorschusses keine grossen Sorgen zu machen. Wir sind im Prinzip natürlich entschlossen mit Ihnen sozusagen durch Dick und Dünn zu gehen; wir werden dabei voraussichtlich noch Geduld haben müssen, und auch Sie werden hier und da zu beweisen notwendig haben, dass auch Sie – uns gegenüber – Geduld haben können.
Mit Fried hatte ich eine längere Unterredung über Ihre sinfonische Dichtung „Pelleas und Melisande“. Er ist durchaus gewillt sie aufzuführen4, nur weiss er noch nicht, ob er die Aufführung materiell wird ermöglichen können. Er behauptet, dass ca. 5000 Mk. nötig seien. Ich habe ihm nun bereits die kostenfreie Ueberlassung des Materials in Aussicht gestellt, ihm ausserdem versprochen eine materielle Subvention durch den Verlag anzuregen. Wir wollen sehen, wie sich die Sache entwickeln wird.
Mit besten Grüssen auch an Ihre Frau Ihr
Max Marschalk

10. September 1906


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief

Zitierhinweis:

Verlag Dreililien an Arnold Schönberg, 10. September 1906, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.12392.

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