Lieber Herr Schönberg.
Endlich komme ich dazu Ihren Brief1 zu beantworten. Eine Lösung des
Vertrages beabsichtigen wir also nicht; ich glaube auch nicht, dass
das nötig ist. Ihre Orchesterlieder und Ihre Kammersymphonie haben
wir abgelehnt, Sie haben also vollkommen freie Hand sie anderen Ver-
legern anzubieten. Was Ihre neuen Arbeiten anbelangt, so schicken Sie
sie uns bitte ein. Wir werden uns jedesmal längstens innerhalb von
vier Wochen entscheiden, ob wir sie annehmen und drucken oder sie
ablehnen. – Dass die Pelleas und Melisande-Partitur nicht schon lan-
ge autographiert vorliegt, ist lediglich Ihre Schuld; wir hatten da-
mals begonnen sie autographieren zu lassen und Ihnen die fertigen
Bogen zur Korrektur2 geschickt. Sie liegen noch bei Ihnen und sind
inzwischen wertlos geworden. Die Partitur3 liegt, wie Sie ja wissen,
bei Fried, der unentwegt behauptet das Werk aufführen4 zu wollen.
Wenn Sie sie zu anderen Zwecken benötigen, so müssen Sie sie sich
von Fried erbitten. Sie müssen nicht irgendwelches Heil davon erwar-
ten, dass die Sachen gedruckt vorliegen. Ihr Sextett und Ihr Quartett
sind erschienen und kein Mensch – leider! – kümmert sich darum.
Mit besten Grüssen auch an Ihre Frau
Ihr

Max Marschalk
Lieber Herr Schönberg.
Endlich komme ich dazu Ihren Brief1 zu beantworten. Eine Lösung des Vertrages beabsichtigen wir also nicht; ich glaube auch nicht, dass das nötig ist. Ihre Orchesterlieder und Ihre Kammersymphonie haben wir abgelehnt, Sie haben also vollkommen freie Hand sie anderen Verlegern anzubieten. Was Ihre neuen Arbeiten anbelangt, so schicken Sie sie uns bitte ein. Wir werden uns jedesmal längstens innerhalb von vier Wochen entscheiden, ob wir sie annehmen und drucken oder sie ablehnen. – Dass die Pelleas und Melisande-Partitur nicht schon lange autographiert vorliegt, ist lediglich Ihre Schuld; wir hatten damals begonnen sie autographieren zu lassen und Ihnen die fertigen Bogen zur Korrektur2 geschickt. Sie liegen noch bei Ihnen und sind inzwischen wertlos geworden. Die Partitur3 liegt, wie Sie ja wissen, bei Fried, der unentwegt behauptet das Werk aufführen4 zu wollen. Wenn Sie sie zu anderen Zwecken benötigen, so müssen Sie sie sich von Fried erbitten. Sie müssen nicht irgendwelches Heil davon erwarten, dass die Sachen gedruckt vorliegen. Ihr Sextett und Ihr Quartett sind erschienen und kein Mensch – leider! – kümmert sich darum.
Mit besten Grüssen auch an Ihre Frau Ihr
Max Marschalk

29. Juni 1908


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief

Zitierhinweis:

Verlag Dreililien an Arnold Schönberg, 29. Juni 1908, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.12410.

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