Lieber Herr Schönberg!
Besten Dank für die Uebersendung der Liebstöckelei1. Sie haben ganz
recht, sie ist sehr infam. Aber den Gefallen irgendwie darauf zu rea-
gieren will ich diesem Herrn doch nicht tun.
Mit Oskar Fried sprach ich gestern; in dieser Saison wird es nichts
mit der Aufführung2 von „Pelleas und Melisande“ werden. Doch für die
nächste Saison hat Fried grosse Pläne. Er will nämlich eine Art musi-
kalischer Gesellschaft gründen, und dann könnte er machen, was er woll-
te. Bisher war er immer nur von Mäcenen abhängig. Nächstens will er übri-
gens „Pelleas und Melisande“ mal in einer Probe durchspielen. Die
Pelleas und Melisande-Partitur3 will ich ihm deshalb noch eine Weile
lassen. Den vierhändigen Klavierauszug4 der Kammersinfonie habe ich ihm
angezeigt; ich bitte Sie nunmehr ihn zu schicken.
Was den Klavierauszug5 zu „Pelleas und Melisande“ anbelangt, das
Stechen der Quartettstimmen, die Drucklegung der Kammersinfonie und der
Orchesterlieder, /die übrigens nicht in meinem Besitz sind/, so müssen
definitive Entscheidungen noch ausstehen aus einem Grunde, den ich Ihnen
momentan noch nicht mitteilen kann.
Den Verlagsentwurf sollen Sie nächstens erhalten und über Ihre Dar-
lehensaffaire werde ich mit Peters Rücksprache nehmen, um sie definitiv
zu erledigen.
Mit besten Grüssen an Sie und Ihre Frau
Ihr

Max Marschalk
Lieber Herr Schönberg!
Besten Dank für die Uebersendung der Liebstöckelei1. Sie haben ganz recht, sie ist sehr infam. Aber den Gefallen irgendwie darauf zu reagieren will ich diesem Herrn doch nicht tun.
Mit Oskar Fried sprach ich gestern; in dieser Saison wird es nichts mit der Aufführung2 von „Pelleas und Melisande“ werden. Doch für die nächste Saison hat Fried grosse Pläne. Er will nämlich eine Art musikalischer Gesellschaft gründen, und dann könnte er machen, was er wollte. Bisher war er immer nur von Mäcenen abhängig. Nächstens will er übrigens „Pelleas und Melisande“ mal in einer Probe durchspielen. Die Pelleas und Melisande-Partitur3 will ich ihm deshalb noch eine Weile lassen. Den vierhändigen Klavierauszug4 der Kammersinfonie habe ich ihm angezeigt; ich bitte Sie nunmehr ihn zu schicken.
Was den Klavierauszug5 zu „Pelleas und Melisande“ anbelangt, das Stechen der Quartettstimmen, die Drucklegung der Kammersinfonie und der Orchesterlieder, /die übrigens nicht in meinem Besitz sind/, so müssen definitive Entscheidungen noch ausstehen aus einem Grunde, den ich Ihnen momentan noch nicht mitteilen kann.
Den Verlagsentwurf sollen Sie nächstens erhalten und über Ihre Darlehensaffaire werde ich mit Peters Rücksprache nehmen, um sie definitiv zu erledigen.
Mit besten Grüssen an Sie und Ihre Frau Ihr
Max Marschalk

13. März 1907


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief

Zitierhinweis:

Verlag Dreililien an Arnold Schönberg, 13. März 1907, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.12435.

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