Sehr geehrter Herr Schönberg,
die Vorarbeit zu den Musikblättern des Anbruch ist
soweit gediehen, dass ich eben mit der Zusammenstel-
lung der ersten Nummer1 beschäftigt bin. Wie ich schon
in meiner Einladung und gelegentlich meines Besuches
betonte, halte ich gerade Ihre Mitarbeit von uner-
lässlichster Wichtigkeit; persönlich und im Interesse
der Sache tat es mir ausserordentlich leid, dass eine
ständige Mitarbeit unter Ihren Bedingungen im Verlag
nicht durchzusetzen war. Sie erklärten mir jedoch
damals schon, dass nichtsdestoweniger eine gelegent-
liche Mitarbeit im Bereich der Möglichkeit liege.
Diese Gelegenheit – meiner Meinung nach sachliche
Notwendigkeit – ergibt sich in der ersten Nummer.
Eine Musikzeitschrift, mit dem Sitz in Wien und den
Ihnen bereits dargetanen Zielen und künstlerischen
Ambitionen, wäre von Vornherein eine halbe Aufgabe,
müsste sie, sozusagen mit ihrer Geburtsanzeige der

ersten Nummer eine musikalische Persönlichkeit Ihres
Ranges, einen Grundpfeiler der internationalen Mu-
sik überhaupt, darin vermissen. Ich halte Ihre Mit-
arbeit schon in der ersten Nummer für eine essentiel-
le Vorbedingung für uns, da sie ein Grundelement
unsrer prinzipiellen Gesichtspunkte, mithin ein Teil
jener künstlerischen Physiognomie ist, mit der wir
in die Öffentlichkeit treten.
Zusagen zur Mitarbeit haben bisher gegeben: Schreker,
Marx, Walter, Fried, Furtwängler, Blech, Berg u. a.
Je nach den Postverhältnissen werden erwartet: Men-
gelberg
, Busoni, Schillings, Delius, Strawinski,
Bartok, Kodaly, Novak, Suk, Stepan, Klemperer. Je
nach dem rechtzeitigen Eintreffen der Beiträge wird
sich das Material ausschliesslich aus diesen zusam-
mensetzen. Ich bitte Sie daher um einen Beitrag für
diese Nummer; das Manuskript müsste ich spätestens
anfangs September in Händen haben. Es ist selbstver-
ständlich, dass in entsprechender Bewertung Ihres
Beitrages ein ausserordentliches Honorar festgelegt
wird, um dessen Bemessung ich Sie bitte; ich über-
nehme die persönliche Bürgschaft für die Bestätigung
seitens des Verlages.
In Erwartung Ihrer sehr gesch. Rückantwort empfehle
ich mich Ihnen in ergebenster Hochachtung
Sehr geehrter Herr Schönberg,
die Vorarbeit zu den Musikblättern des Anbruch ist soweit gediehen, dass ich eben mit der Zusammenstellung der ersten Nummer1 beschäftigt bin. Wie ich schon in meiner Einladung und gelegentlich meines Besuches betonte, halte ich gerade Ihre Mitarbeit von unerlässlichster Wichtigkeit; persönlich und im Interesse der Sache tat es mir ausserordentlich leid, dass eine ständige Mitarbeit unter Ihren Bedingungen im Verlag nicht durchzusetzen war. Sie erklärten mir jedoch damals schon, dass nichtsdestoweniger eine gelegentliche Mitarbeit im Bereich der Möglichkeit liege. Diese Gelegenheit – meiner Meinung nach sachliche Notwendigkeit – ergibt sich in der ersten Nummer. Eine Musikzeitschrift, mit dem Sitz in Wien und den Ihnen bereits dargetanen Zielen und künstlerischen Ambitionen, wäre von Vornherein eine halbe Aufgabe, müsste sie, sozusagen mit ihrer Geburtsanzeige der ersten Nummer eine musikalische Persönlichkeit Ihres Ranges, einen Grundpfeiler der internationalen Musik überhaupt, darin vermissen. Ich halte Ihre Mitarbeit schon in der ersten Nummer für eine essentielle Vorbedingung für uns, da sie ein Grundelement unsrer prinzipiellen Gesichtspunkte, mithin ein Teil jener künstlerischen Physiognomie ist, mit der wir in die Öffentlichkeit treten.
Zusagen zur Mitarbeit haben bisher gegeben: Schreker, Marx, Walter, Fried, Furtwängler, Blech, Berg u. a. Je nach den Postverhältnissen werden erwartet: Mengelberg, Busoni, Schillings, Delius, Strawinski, Bartok, Kodaly, Novak, Suk, Stepan, Klemperer. Je nach dem rechtzeitigen Eintreffen der Beiträge wird sich das Material ausschliesslich aus diesen zusammensetzen. Ich bitte Sie daher um einen Beitrag für diese Nummer; das Manuskript müsste ich spätestens anfangs September in Händen haben. Es ist selbstverständlich, dass in entsprechender Bewertung Ihres Beitrages ein ausserordentliches Honorar festgelegt wird, um dessen Bemessung ich Sie bitte; ich übernehme die persönliche Bürgschaft für die Bestätigung seitens des Verlages.
In Erwartung Ihrer sehr gesch. Rückantwort empfehleich mich Ihnen in ergebenster Hochachtung
Dr Otto Schneider

3. August 1919


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

Musikblätter des Anbruch an Arnold Schönberg, 3. August 1919, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.12849.

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