Pult und Taktstock an Arnold Schönberg
26. Oktober 1928
PULT UND TAKTSTOCK
MONATSSCHRIFT FÜR DIRIGENTEN
Verlag der Universal-Edition
WIEN, 26. Oktober 1928.
I. KARLSPLATZ 6
MONATSSCHRIFT FÜR DIRIGENTEN
Verlag der Universal-Edition
WIEN, 26. Oktober 1928.
I. KARLSPLATZ 6
K. S./P.
Herrn
Professor Arnold Schönberg,
Roquebrune Cap Martin
Lieber Herr Schönberg!
Ich habe mir Ihre Bach
Partitur1 angeschaut und bin be-
geistert2. Hoffentlich kann ich das Werk schon sehr bald hören. Die
Gründe, die Sie zu der grossen Orchesterbesetzung veranlassen,
sehe ich sehr gut ein; sie beruhen auf der Vorstellung der Orgel,
und zwar nicht nur ihres Klanges.
geistert2. Hoffentlich kann ich das Werk schon sehr bald hören. Die
Gründe, die Sie zu der grossen Orchesterbesetzung veranlassen,
sehe ich sehr gut ein; sie beruhen auf der Vorstellung der Orgel,
und zwar nicht nur ihres Klanges.
Erlauben Sie mir aber, dass ich jetzt für einen Augen-
blick den Standpunkt des Leiters der Orchesterabteilung der
Universal-Edition vertrete. Da finde ich, dass es sehr praktisch
wäre, wenn auch eine Fassung für kleines, oder wenigstens kleineres
Orchester vorläge. Von den Choralvorspielen3 zähle ich bis jetzt
cca. 40 Abschlüsse. Orchesterbearbeitungen Bach’scher Werke durch
Schönberg würden aber einen noch ganz anderen Absatz haben und
wahrscheinlich von allen Orchestern gespielt werden, wenn die Be-
setzung entsprechend kleiner wäre. Dazu kommt, dass unter den
blick den Standpunkt des Leiters der Orchesterabteilung der
Universal-Edition vertrete. Da finde ich, dass es sehr praktisch
wäre, wenn auch eine Fassung für kleines, oder wenigstens kleineres
Orchester vorläge. Von den Choralvorspielen3 zähle ich bis jetzt
cca. 40 Abschlüsse. Orchesterbearbeitungen Bach’scher Werke durch
Schönberg würden aber einen noch ganz anderen Absatz haben und
wahrscheinlich von allen Orchestern gespielt werden, wenn die Be-
setzung entsprechend kleiner wäre. Dazu kommt, dass unter den
Städten, welche die Choralvorspiele aufgeführt
haben, einzelne
sind, von denen ich nicht glaube, dass sie wirklich 2 Engl.-
Hörner, 6 Klarinetten und 2 Kontrafagotte aufbringen konnten.
Es ist wahrscheinlich, dass sich der betreffende KapelleKapellmeister die
Besetzung selbst vereinfacht hat. Das lässt sich nicht kontrollieren,
da Einzüge ja wieder ausradiert werden können. Die kleinere Be-
setzung würde solche Unzukömmlichkeiten verhindern. Selbstver-
ständlich dürfte sie nur für jene Orchester in Betracht kommen,
welche die Originalfassung unmöglich aufführen können.
sind, von denen ich nicht glaube, dass sie wirklich 2 Engl.-
Hörner, 6 Klarinetten und 2 Kontrafagotte aufbringen konnten.
Es ist wahrscheinlich, dass sich der betreffende KapelleKapellmeister die
Besetzung selbst vereinfacht hat. Das lässt sich nicht kontrollieren,
da Einzüge ja wieder ausradiert werden können. Die kleinere Be-
setzung würde solche Unzukömmlichkeiten verhindern. Selbstver-
ständlich dürfte sie nur für jene Orchester in Betracht kommen,
welche die Originalfassung unmöglich aufführen können.
Ich würde Ihnen den Vorschlag einer 2. Fassung – die
Anregung stammt von Direktor Hertzka – nicht machen, wenn ich
mich nicht an Ihren Aus[s]pruch erinnerte, dass man heute Alles für
jede Kombination von Instrumenten, sogar für Mundharmonika, so
setzen kann, dass es klingt. Bitte lassen Sie mich, resp. die
Universal-Edition wissen, wie Sie über die Sache denken.
Anregung stammt von Direktor Hertzka – nicht machen, wenn ich
mich nicht an Ihren Aus[s]pruch erinnerte, dass man heute Alles für
jede Kombination von Instrumenten, sogar für Mundharmonika, so
setzen kann, dass es klingt. Bitte lassen Sie mich, resp. die
Universal-Edition wissen, wie Sie über die Sache denken.
Auf beiliegendem Zettel erhalten Sie ein Verzeichnis
der für diese Saison geplanten Aufführungen Ihrer Werke (ohne
Gurre-Lieder).
der für diese Saison geplanten Aufführungen Ihrer Werke (ohne
Gurre-Lieder).
Von sehr vielen Seiten wurden wir schon nach Ihrer
Adresse gefragt, so gestern telegrafisch von Stiedry. –
Furtwängler war jetzt in Wien, er hat Rheingold einstudiert.
Es war eine sehr gute Aufführung4. Scheinbar hat er für Ihre
Variationen wirklich sehr viele Proben5 vor.
Furtwängler war jetzt in Wien, er hat Rheingold einstudiert.
Es war eine sehr gute Aufführung4. Scheinbar hat er für Ihre
Variationen wirklich sehr viele Proben5 vor.
Partitur
bin begeistert
Choralvorspielen
Aufführung
sehr viele Proben
PULT UND TAKTSTOCK
MONATSSCHRIFT FÜR DIRIGENTEN
Verlag der Universal-Edition
WIEN, 26. Oktober 1928.
I. KARLSPLATZ 6
MONATSSCHRIFT FÜR DIRIGENTEN
Verlag der Universal-Edition
WIEN, 26. Oktober 1928.
I. KARLSPLATZ 6
K. S./P.
Lieber Herr Schönberg!
Ich habe mir Ihre Bach
Partitur1 angeschaut und bin begeistert2. Hoffentlich kann ich das Werk schon sehr bald hören. Die Gründe,
die Sie zu der grossen Orchesterbesetzung veranlassen, sehe ich sehr gut
ein; sie beruhen auf der Vorstellung der Orgel, und zwar nicht nur ihres
Klanges.
Erlauben Sie mir aber, dass ich jetzt für einen Augenblick den Standpunkt des Leiters der Orchesterabteilung der
Universal-Edition vertrete. Da finde ich, dass es
sehr praktisch wäre, wenn auch eine Fassung für kleines, oder wenigstens
kleineres Orchester vorläge. Von den Choralvorspielen3 zähle ich bis jetzt cca. 40 Abschlüsse. Orchesterbearbeitungen
Bach’scher Werke durch
Schönberg würden aber einen noch ganz
anderen Absatz haben und wahrscheinlich von allen Orchestern gespielt
werden, wenn die Besetzung entsprechend kleiner wäre. Dazu kommt, dass unter den
Städten, welche die Choralvorspiele aufgeführt
haben, einzelne sind, von denen ich nicht glaube, dass sie wirklich 2 Engl.Hörner, 6 Klarinetten und 2 Kontrafagotte aufbringen konnten. Es ist
wahrscheinlich, dass sich der betreffende Kapellmeister die Besetzung selbst vereinfacht hat. Das lässt sich nicht
kontrollieren, da Einzüge ja wieder ausradiert werden können. Die kleinere
Besetzung würde solche Unzukömmlichkeiten verhindern. Selbstverständlich dürfte sie nur für jene Orchester in Betracht kommen,
welche die Originalfassung unmöglich aufführen können.
Ich würde Ihnen den Vorschlag einer 2. Fassung – die Anregung stammt von
Direktor Hertzka – nicht machen, wenn ich
mich nicht an Ihren Ausspruch erinnerte, dass
man heute Alles für jede Kombination von Instrumenten, sogar für Mundharmonika,
so setzen kann, dass es klingt. Bitte lassen Sie mich, resp. die
Universal-Edition wissen, wie Sie über die Sache denken.
Auf beiliegendem Zettel erhalten Sie ein Verzeichnis der für diese Saison
geplanten Aufführungen Ihrer Werke (ohne
Gurre-Lieder).
Ich höre von Greissle, dass Sie noch einige Zeit in
Cap Martin bleiben und dort
arbeiten.
Von sehr vielen Seiten wurden wir schon nach Ihrer Adresse gefragt, so gestern telegrafisch von Stiedry. –
Furtwängler war jetzt in Wien, er hat Rheingold einstudiert. Es war eine sehr gute Aufführung4. Scheinbar hat er
für Ihre
Variationen wirklich sehr viele Proben5 vor.
Partitur
bin begeistert
Choralvorspielen
Aufführung
sehr viele Proben
26. Oktober 1928
The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Brief
Zitierhinweis:
Pult und Taktstock an Arnold Schönberg, 26. Oktober 1928, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.16815.