Herrn
Roquebrune Cap Martin
Lieber Herr Schönberg!
Vielen Dank für Ihren Brief und Ihre interessanten Mitteilungen.
Auf den Oratorientext bin ich ja kolossal neugierig. Ist es eine Um-
arbeitung des Dramas?
Auf die Fragen, die Sie urgieren, konnte ich Ihnen damals
noch nichts sagen, zum Teil auch heute noch nichts genaues. Wegen des
Honorares: Sie sagten, dass Sie auf Mk. 35.– pro Seite nicht bestehen.
Direktor Hertzka möchte auch prinzipiell nicht so viel bezahlen. Er
sprach von Mk. 100.– Gesamthonorar, falls der Aufsatz zuerst in „Pult
und Taktstock
“ erscheint. Ist Ihnen das recht? Der Aufsatz wird im
Dezember-Heft erscheinen, ungefähr gleichzeitig mit der Uraufführung1.
An Prunière schicke ich ihn etwa in der nächsten Woche. – Ueber die
Aufführung2 der Gurre-Lieder in Buenos haben wir bis jetzt nichts weiter
gehört. Die Bestellung erfolgte durch eine Berliner Handlung für das
Teatro Colon. Als Dirigent wurde uns Egon Pollak, (Hamburg) angegeben.
Nach unseren Informationen hat die Aufführung bis jetzt nicht stattge-
funden. Ich habe veranlasst, dass die Sache urgiert wird.

Furtwängler sagte mir, dass er einen Brief3 von Ihnen
erhalten hat, in welchem von Bedingungen die Rede war, unter denen
Sie eine Aufführung eines Ihrer Werke durch die Wiener Philhar-
moniker
gestatten würden. Ob dies der Brief vom ungefähr 15.IX.
ist, weiss ich nicht. Jedenfalls hat Furtwängler die Absicht, die
Variationen schon anlässlich einer früheren Probe für ein früheres
Konzert (Mitte November) durchzuspielen. Das Material hat Greissle,
dem einige Helfer gegeben wurden, für den 10. ds. versprochen. Es
wird dann sofort nach Berlin abgehen. – Die Angelegenheit der Einzüge
in Ihrer Bach Bearbeitung habe ich mit Direktor Hertzka besprochen.
Es wird also, wenn das Material fertig vorliegt, auch eine ent-
sprechende Einziehung gemacht und nur nach den Prinzipien, wie Sie
sie wünschen, verliehen werden.
Steht es schon fest wie lange Sie noch an der Riviera
bleiben? Ich werde oft um Ihre Adresse gefragt.
Haben Sie die Wiener Pierrot Aufführung4 gehört? Ich glaube
sie war recht gut. Berg und andere, die das Werk gut kennen, sagen5,
dass es im Radio sehr gut geklungen hat. Die Sendung wurde auch
nach Agram übertragen.
Haben Sie eigentlich prinzipiell etwas dagegen, wenn ein

Mann den Pierrot spricht? Ich habe in letzter Zeit einige Anfragen
hierüber erhalten. – Eben war Franz Schmidt, der jetztige Rektor
der Hochschule, bei Direktor Hertzka und hat ihm einen interessanten
Plan
6 mitgeteilt: Er will Pierrot mit einem Schüler-Ensemble ein-
studieren und hofft das zu Stande zu bringen.
Ich hoffe, dass es Ihnen weiter recht gut geht und
grüsse Sie und Ihre Frau auf das Herzlichste.
Viele Grüße an Sie beide auch von meiner Frau
Stets Ihr
Herrn
Roquebrune Cap Martin
Lieber Herr Schönberg!
Vielen Dank für Ihren Brief und Ihre interessanten Mitteilungen. Auf den Oratorientext bin ich ja kolossal neugierig. Ist es eine Umarbeitung des Dramas?
Auf die Fragen, die Sie urgieren, konnte ich Ihnen damals noch nichts sagen, zum Teil auch heute noch nichts genaues. Wegen des Honorares: Sie sagten, dass Sie auf Mk. 35.– pro Seite nicht bestehen. Direktor Hertzka möchte auch prinzipiell nicht so viel bezahlen. Er sprach von Mk. 100.– Gesamthonorar, falls der Aufsatz zuerst in „Pult und Taktstock“ erscheint. Ist Ihnen das recht? Der Aufsatz wird im Dezember-Heft erscheinen, ungefähr gleichzeitig mit der Uraufführung1. An Prunière schicke ich ihn etwa in der nächsten Woche. – Ueber die Aufführung2 der Gurre-Lieder in Buenos haben wir bis jetzt nichts weiter gehört. Die Bestellung erfolgte durch eine Berliner Handlung für das Teatro Colon. Als Dirigent wurde uns Egon Pollak, (Hamburg) angegeben. Nach unseren Informationen hat die Aufführung bis jetzt nicht stattgefunden. Ich habe veranlasst, dass die Sache urgiert wird.
Furtwängler sagte mir, dass er einen Brief3 von Ihnen erhalten hat, in welchem von Bedingungen die Rede war, unter denen Sie eine Aufführung eines Ihrer Werke durch die Wiener Philharmoniker gestatten würden. Ob dies der Brief vom ungefähr 15.IX. ist, weiss ich nicht. Jedenfalls hat Furtwängler die Absicht, die Variationen schon anlässlich einer früheren Probe für ein früheres Konzert (Mitte November) durchzuspielen. Das Material hat Greissle, dem einige Helfer gegeben wurden, für den 10. ds. versprochen. Es wird dann sofort nach Berlin abgehen. – Die Angelegenheit der Einzüge in Ihrer Bach Bearbeitung habe ich mit Direktor Hertzka besprochen. Es wird also, wenn das Material fertig vorliegt, auch eine entsprechende Einziehung gemacht und nur nach den Prinzipien, wie Sie sie wünschen, verliehen werden.
Steht es schon fest wie lange Sie noch an der Riviera bleiben? Ich werde oft um Ihre Adresse gefragt.
Haben Sie die Wiener Pierrot Aufführung4 gehört? Ich glaube sie war recht gut. Berg und andere, die das Werk gut kennen, sagen5, dass es im Radio sehr gut geklungen hat. Die Sendung wurde auch nach Agram übertragen.
Haben Sie eigentlich prinzipiell etwas dagegen, wenn ein Mann den Pierrot spricht? Ich habe in letzter Zeit einige Anfragen hierüber erhalten. – Eben war Franz Schmidt, der jetztige Rektor der Hochschule, bei Direktor Hertzka und hat ihm einen interessanten Plan6 mitgeteilt: Er will Pierrot mit einem Schüler-Ensemble einstudieren und hofft das zu Stande zu bringen.
Ich hoffe, dass es Ihnen weiter recht gut geht und grüsse Sie und Ihre Frau auf das Herzlichste.
Viele Grüße an Sie beide auch von meiner Frau
Stets Ihr Stein

8. November 1928


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

Pult und Taktstock an Arnold Schönberg, 8. November 1928, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.16816.

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