Universal-Edition an Arnold Schönberg
26. August 1929
UNIVERSAL-EDITION, A.-G.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Karlstrasse 10
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
Telegr. Adr.: Musikedition, Wien. A. B. C. Code 5th. Ed. Mosse Code.
Telefon U-47-5-85 Serie. Bank-Konto: Zentral-Europä-
ische Länderbank Wien. Postsparkassen-Kto. 57557.
Wien, am 26. August 1929.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Karlstrasse 10
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
Telegr. Adr.: Musikedition, Wien. A. B. C. Code 5th. Ed. Mosse Code.
Telefon U-47-5-85 Serie. Bank-Konto: Zentral-Europä-
ische Länderbank Wien. Postsparkassen-Kto. 57557.
Wien, am 26. August 1929.
D/R/No.
Herrn
Prof. Arnold Schönberg
Sehr verehrter Meister Schönberg!
Nach einem anstrengenden Kuraufenthalt aus Marienbad zurück-
gekehrt, möchte ich den Empfang Ihres Schreibens vom 12. ds. bestätigen.
Es ist nicht leicht auf diesen Brief zu antworten und ich glaube, dass
Sie eigentlich gar keine Antwort auf denselben erwarten. Welche Nutz-
anwendung soll ich daraus ziehen, dass Sie es als bewiesen erachten,
dass eine noch so angestrengte Propaganda-Tätigkeit für Ihre Werke er-
folglos bleiben muss, weil die U.E. den Markt mit Werken überschwemmt,
welche leicht aufzuführen sind. Halten Sie es wirklich für möglich, dass
wir, um Ihren Werken keine Konkurrenz zu machen, nur ebenso schwere oder
noch schwerere herausbringen müssen, leichte Werke aber nicht verlegen
sollen? Meinen Sie wirklich, dass unser Verlag auch nur einen Monat lang
weiterbestehen könnte, wenn er die Politik in Ihrem Sinne betreiben würde?
gekehrt, möchte ich den Empfang Ihres Schreibens vom 12. ds. bestätigen.
Es ist nicht leicht auf diesen Brief zu antworten und ich glaube, dass
Sie eigentlich gar keine Antwort auf denselben erwarten. Welche Nutz-
anwendung soll ich daraus ziehen, dass Sie es als bewiesen erachten,
dass eine noch so angestrengte Propaganda-Tätigkeit für Ihre Werke er-
folglos bleiben muss, weil die U.E. den Markt mit Werken überschwemmt,
welche leicht aufzuführen sind. Halten Sie es wirklich für möglich, dass
wir, um Ihren Werken keine Konkurrenz zu machen, nur ebenso schwere oder
noch schwerere herausbringen müssen, leichte Werke aber nicht verlegen
sollen? Meinen Sie wirklich, dass unser Verlag auch nur einen Monat lang
weiterbestehen könnte, wenn er die Politik in Ihrem Sinne betreiben würde?
Ganz unverständlich ist mir Ihre Frage, warum die U.E. Sie
zwingen will, ihr Ihre Werke zum Verlag zu übergeben. Ich habe keine
Ahnung woraus Sie schliessen, dass wir Sie zwingen wollen, uns Ihre Wer-
ke zu überlassen und sogar unhaltbare Repressalien anwenden sollen.
Ihre Mitteilung, dass Ihnen von einer anderen Seite das Fünffache des
Betrages angeboten war, den wir zahlen wollten, ist doch für Sie so er-
freulich, dass ich es mir doch gar nicht denken kann, dass Sie ein der-
zwingen will, ihr Ihre Werke zum Verlag zu übergeben. Ich habe keine
Ahnung woraus Sie schliessen, dass wir Sie zwingen wollen, uns Ihre Wer-
ke zu überlassen und sogar unhaltbare Repressalien anwenden sollen.
Ihre Mitteilung, dass Ihnen von einer anderen Seite das Fünffache des
Betrages angeboten war, den wir zahlen wollten, ist doch für Sie so er-
freulich, dass ich es mir doch gar nicht denken kann, dass Sie ein der-
artiges Anbot, das in der heutigen Zeit nur
ein Mäzenatenverleger
sich leisten kann, nicht angenommen haben. Da unser Anbot abgesehen
von einer recht hohen Tantiemenbeteiligung noch M 10.000.– betragen
hat, so wäre das Fünffache eben M 50.000.– und überdies die erwähnte
Tantiemenbeteiligung. Hiezu kommt noch, dass wir Ihnen im Falle der
Ueberlassung der Oper auch noch in einer anderen Weise über die alten
Verträge hinausgehende Vorteile angeboten haben. Ich würde Ihren Brief
wohl verstehen, wenn Sie auf Grund des früheren Vertrages1 für Ihr in
Rede stehendes Werk an die U.E. gebunden wären und wir Sie trotz eines
5 mal so hohen anderweitigen Anbotes nicht freigegeben hätten. Ich ver-
stehe aber nicht, dass Sie mir schreiben konnten, wie Sie es getan ha-
ben, nachdem Sie vollkommen frei waren und daher in der Lage gewesen sind,
ein 5 mal so hohes Angebot glattweg anzunehmen. Ich verstehe ebenso we-
nig, dass Sie aus meinem Verhalten einen bösen Willen ersehen können
und ich bin sehr traurig über die Verständnislosigkeit, die Sie der Si-
tuation entgegenbringen.
sich leisten kann, nicht angenommen haben. Da unser Anbot abgesehen
von einer recht hohen Tantiemenbeteiligung noch M 10.000.– betragen
hat, so wäre das Fünffache eben M 50.000.– und überdies die erwähnte
Tantiemenbeteiligung. Hiezu kommt noch, dass wir Ihnen im Falle der
Ueberlassung der Oper auch noch in einer anderen Weise über die alten
Verträge hinausgehende Vorteile angeboten haben. Ich würde Ihren Brief
wohl verstehen, wenn Sie auf Grund des früheren Vertrages1 für Ihr in
Rede stehendes Werk an die U.E. gebunden wären und wir Sie trotz eines
5 mal so hohen anderweitigen Anbotes nicht freigegeben hätten. Ich ver-
stehe aber nicht, dass Sie mir schreiben konnten, wie Sie es getan ha-
ben, nachdem Sie vollkommen frei waren und daher in der Lage gewesen sind,
ein 5 mal so hohes Angebot glattweg anzunehmen. Ich verstehe ebenso we-
nig, dass Sie aus meinem Verhalten einen bösen Willen ersehen können
und ich bin sehr traurig über die Verständnislosigkeit, die Sie der Si-
tuation entgegenbringen.
Wiewohl ich bei der von Ihnen bekundeten Einstellung mir
nicht allzuviel davon versprechen kann, stelle ich mich zwecks Ausspra-
che, sobald Sie nach Berlin zurückkehren, mit grösster Bereitwilligkeit
zur Verfügung und empfehle mich inzwischen mit besten Erholungswünschen
nicht allzuviel davon versprechen kann, stelle ich mich zwecks Ausspra-
che, sobald Sie nach Berlin zurückkehren, mit grösster Bereitwilligkeit
zur Verfügung und empfehle mich inzwischen mit besten Erholungswünschen
Ihr stets in warmer Verehrung
ergebener
ergebener
Vertrages
Der Vertrag vom 7. Juli
1924 liegt nicht vor, das Konzept, zwischen 12. Oktober 1922 und 7. Juli 1924 stellt
vermutlich einen Entwurf dar. Die Abmachung garantierte Schönberg u. a. einen monatlichen
Vorschuss von 500 Reichsmark (bzw. zunächst Schweizer Franken),
rückwirkend vom 1. Jänner 1924 bis zum
31. Dezember
1928.
UNIVERSAL-EDITION, A.-G.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Karlstrasse 10
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
Telegr. Adr.: Musikedition, Wien. A. B. C. Code 5th. Ed. Mosse Code.
Telefon U-47-5-85 Serie. Bank-Konto: Zentral-Europä-
ische Länderbank Wien. Postsparkassen-Kto. 57557.
Wien, am 26. August 1929.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Karlstrasse 10
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
Telegr. Adr.: Musikedition, Wien. A. B. C. Code 5th. Ed. Mosse Code.
Telefon U-47-5-85 Serie. Bank-Konto: Zentral-Europä-
ische Länderbank Wien. Postsparkassen-Kto. 57557.
Wien, am 26. August 1929.
D/R/No.
Sehr verehrter Meister Schönberg!
Nach einem anstrengenden Kuraufenthalt aus Marienbad zurückgekehrt, möchte ich den Empfang Ihres Schreibens vom 12. ds. bestätigen.
Es ist nicht leicht auf diesen Brief zu antworten und ich glaube, dass
Sie eigentlich gar keine Antwort auf denselben erwarten. Welche Nutzanwendung soll ich daraus ziehen, dass Sie es als bewiesen
erachten, dass eine noch so angestrengte Propaganda-Tätigkeit für Ihre
Werke erfolglos bleiben muss, weil die U.E. den Markt mit Werken überschwemmt, welche leicht
aufzuführen sind. Halten Sie es wirklich für möglich, dass wir, um Ihren
Werken keine Konkurrenz zu machen, nur ebenso schwere oder noch schwerere
herausbringen müssen, leichte Werke aber nicht verlegen sollen? Meinen Sie
wirklich, dass unser Verlag auch nur einen Monat lang weiterbestehen
könnte, wenn er die Politik in Ihrem Sinne betreiben würde?
Ganz unverständlich ist mir Ihre Frage, warum die U.E. Sie zwingen will, ihr Ihre Werke zum Verlag zu
übergeben. Ich habe keine Ahnung woraus Sie schliessen, dass wir Sie
zwingen wollen, uns Ihre Werke zu überlassen und sogar unhaltbare Repressalien anwenden
sollen. Ihre Mitteilung, dass Ihnen von einer anderen Seite das Fünffache
des Betrages angeboten war, den wir zahlen wollten, ist doch für Sie so
erfreulich, dass ich es mir doch gar nicht denken kann, dass Sie
ein derartiges Anbot, das in der heutigen Zeit nur
ein Mäzenatenverleger sich leisten kann, nicht angenommen haben. Da unser
Anbot abgesehen von einer recht hohen
Tantiemenbeteiligung noch M 10.000.– betragen hat, so wäre das Fünffache
eben M 50.000.– und überdies die erwähnte Tantiemenbeteiligung. Hiezu kommt
noch, dass wir Ihnen im Falle der Ueberlassung der Oper auch noch in einer anderen Weise über die alten Verträge
hinausgehende Vorteile angeboten haben. Ich würde Ihren Brief wohl
verstehen, wenn Sie auf Grund des früheren Vertrages1 für Ihr in Rede
stehendes Werk an die U.E.
gebunden wären und wir Sie trotz eines 5 mal so
hohen anderweitigen Anbotes nicht freigegeben hätten. Ich verstehe aber nicht, dass Sie mir schreiben konnten, wie Sie es
getan haben, nachdem Sie vollkommen frei waren und daher in der Lage gewesen sind, ein
5 mal so hohes Angebot glattweg anzunehmen. Ich verstehe ebenso wenig, dass Sie aus meinem Verhalten einen bösen Willen ersehen
können und ich bin sehr traurig über die Verständnislosigkeit, die Sie der
Situation entgegenbringen.
Wiewohl ich bei der von Ihnen bekundeten Einstellung mir nicht
allzuviel davon versprechen kann, stelle ich mich zwecks Aussprache, sobald Sie nach Berlin zurückkehren, mit grösster Bereitwilligkeit zur
Verfügung und empfehle mich inzwischen mit besten
Erholungswünschen
Vertrages
Der Vertrag vom 7. Juli
1924 liegt nicht vor, das Konzept, zwischen 12. Oktober 1922 und 7. Juli 1924 stellt
vermutlich einen Entwurf dar. Die Abmachung garantierte Schönberg u. a. einen monatlichen
Vorschuss von 500 Reichsmark (bzw. zunächst Schweizer Franken),
rückwirkend vom 1. Jänner 1924 bis zum
31. Dezember
1928.
26. August 1929
The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Brief
Zitierhinweis:
Universal-Edition an Arnold Schönberg, 26. August 1929, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17346.