D/R/No.
Herrn
Sehr verehrter Meister Schönberg!
Nach einem anstrengenden Kuraufenthalt aus Marienbad zurück-
gekehrt, möchte ich den Empfang Ihres Schreibens vom 12. ds. bestätigen.
Es ist nicht leicht auf diesen Brief zu antworten und ich glaube, dass
Sie eigentlich gar keine Antwort auf denselben erwarten. Welche Nutz-
anwendung soll ich daraus ziehen, dass Sie es als bewiesen erachten,
dass eine noch so angestrengte Propaganda-Tätigkeit für Ihre Werke er-
folglos bleiben muss, weil die U.E. den Markt mit Werken überschwemmt,
welche leicht aufzuführen sind. Halten Sie es wirklich für möglich, dass
wir, um Ihren Werken keine Konkurrenz zu machen, nur ebenso schwere oder
noch schwerere herausbringen müssen, leichte Werke aber nicht verlegen
sollen? Meinen Sie wirklich, dass unser Verlag auch nur einen Monat lang
weiterbestehen könnte, wenn er die Politik in Ihrem Sinne betreiben würde?
Ganz unverständlich ist mir Ihre Frage, warum die U.E. Sie
zwingen will, ihr Ihre Werke zum Verlag zu übergeben. Ich habe keine
Ahnung woraus Sie schliessen, dass wir Sie zwingen wollen, uns Ihre Wer-
ke zu überlassen und sogar unhaltbare Repressalien anwenden sollen.
Ihre Mitteilung, dass Ihnen von einer anderen Seite das Fünffache des
Betrages angeboten war, den wir zahlen wollten, ist doch für Sie so er-
freulich, dass ich es mir doch gar nicht denken kann, dass Sie ein der-

artiges Anbot, das in der heutigen Zeit nur ein Mäzenatenverleger
sich leisten kann, nicht angenommen haben. Da unser Anbot abgesehen
von einer recht hohen Tantiemenbeteiligung noch M 10.000.– betragen
hat, so wäre das Fünffache eben M 50.000.– und überdies die erwähnte
Tantiemenbeteiligung. Hiezu kommt noch, dass wir Ihnen im Falle der
Ueberlassung der Oper auch noch in einer anderen Weise über die alten
Verträge hinausgehende Vorteile angeboten haben. Ich würde Ihren Brief
wohl verstehen, wenn Sie auf Grund des früheren Vertrages1 für Ihr in
Rede stehendes Werk an die U.E. gebunden wären und wir Sie trotz eines
5 mal so hohen anderweitigen Anbotes nicht freigegeben hätten. Ich ver-
stehe aber nicht, dass Sie mir schreiben konnten, wie Sie es getan ha-
ben, nachdem Sie vollkommen frei waren und daher in der Lage gewesen sind,
ein 5 mal so hohes Angebot glattweg anzunehmen. Ich verstehe ebenso we-
nig, dass Sie aus meinem Verhalten einen bösen Willen ersehen können
und ich bin sehr traurig über die Verständnislosigkeit, die Sie der Si-
tuation entgegenbringen.
Wiewohl ich bei der von Ihnen bekundeten Einstellung mir
nicht allzuviel davon versprechen kann, stelle ich mich zwecks Ausspra-
che, sobald Sie nach Berlin zurückkehren, mit grösster Bereitwilligkeit
zur Verfügung und empfehle mich inzwischen mit besten Erholungswünschen
Ihr stets in warmer Verehrung
ergebener

D/R/No.
Sehr verehrter Meister Schönberg!
Nach einem anstrengenden Kuraufenthalt aus Marienbad zurückgekehrt, möchte ich den Empfang Ihres Schreibens vom 12. ds. bestätigen. Es ist nicht leicht auf diesen Brief zu antworten und ich glaube, dass Sie eigentlich gar keine Antwort auf denselben erwarten. Welche Nutzanwendung soll ich daraus ziehen, dass Sie es als bewiesen erachten, dass eine noch so angestrengte Propaganda-Tätigkeit für Ihre Werke erfolglos bleiben muss, weil die U.E. den Markt mit Werken überschwemmt, welche leicht aufzuführen sind. Halten Sie es wirklich für möglich, dass wir, um Ihren Werken keine Konkurrenz zu machen, nur ebenso schwere oder noch schwerere herausbringen müssen, leichte Werke aber nicht verlegen sollen? Meinen Sie wirklich, dass unser Verlag auch nur einen Monat lang weiterbestehen könnte, wenn er die Politik in Ihrem Sinne betreiben würde?
Ganz unverständlich ist mir Ihre Frage, warum die U.E. Sie zwingen will, ihr Ihre Werke zum Verlag zu übergeben. Ich habe keine Ahnung woraus Sie schliessen, dass wir Sie zwingen wollen, uns Ihre Werke zu überlassen und sogar unhaltbare Repressalien anwenden sollen. Ihre Mitteilung, dass Ihnen von einer anderen Seite das Fünffache des Betrages angeboten war, den wir zahlen wollten, ist doch für Sie so erfreulich, dass ich es mir doch gar nicht denken kann, dass Sie ein derartiges Anbot, das in der heutigen Zeit nur ein Mäzenatenverleger sich leisten kann, nicht angenommen haben. Da unser Anbot abgesehen von einer recht hohen Tantiemenbeteiligung noch M 10.000.– betragen hat, so wäre das Fünffache eben M 50.000.– und überdies die erwähnte Tantiemenbeteiligung. Hiezu kommt noch, dass wir Ihnen im Falle der Ueberlassung der Oper auch noch in einer anderen Weise über die alten Verträge hinausgehende Vorteile angeboten haben. Ich würde Ihren Brief wohl verstehen, wenn Sie auf Grund des früheren Vertrages1 für Ihr in Rede stehendes Werk an die U.E. gebunden wären und wir Sie trotz eines 5 mal so hohen anderweitigen Anbotes nicht freigegeben hätten. Ich verstehe aber nicht, dass Sie mir schreiben konnten, wie Sie es getan haben, nachdem Sie vollkommen frei waren und daher in der Lage gewesen sind, ein 5 mal so hohes Angebot glattweg anzunehmen. Ich verstehe ebenso wenig, dass Sie aus meinem Verhalten einen bösen Willen ersehen können und ich bin sehr traurig über die Verständnislosigkeit, die Sie der Situation entgegenbringen.
Wiewohl ich bei der von Ihnen bekundeten Einstellung mir nicht allzuviel davon versprechen kann, stelle ich mich zwecks Aussprache, sobald Sie nach Berlin zurückkehren, mit grösster Bereitwilligkeit zur Verfügung und empfehle mich inzwischen mit besten Erholungswünschen
Ihr stets in warmer Verehrung ergebener
Emil Hertzka

26. August 1929


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 26. August 1929, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17346.

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