Universal-Edition an Arnold Schönberg
22. Dezember 1913
UNIVERSAL-EDITION, A.-G.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Sternwartenstr. 15–21
WIEN
I·Reichsratsstrasse 9
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 22877·Bank-Konto: k·k·privil·österr.
Länderbank, Wien·Postsparkassen-Konto: 57557.
Wien 22. Dez. 1913.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Sternwartenstr. 15–21
WIEN
I·Reichsratsstrasse 9
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 22877·Bank-Konto: k·k·privil·österr.
Länderbank, Wien·Postsparkassen-Konto: 57557.
Wien 22. Dez. 1913.
W
Wohlgeboren
Herrn Arnold Schönberg
Lieber Herr Schönberg!
Gestern Abend erhielt ich Ihr Telegramm1, aus dem ich zu
meinem Bedauern ersehe, dass Sie sich wieder in Geldverlegenheiten
befinden.
meinem Bedauern ersehe, dass Sie sich wieder in Geldverlegenheiten
befinden.
Ich hätte, wie stets bisher, auch diesmal sehr, sehr gerne
Ihren Wünschen voll und ganz entsprochen, leider ist es aber doch ganz
unmöglich gewesen und ich konnte Ihnen nicht mehr als 500 Mark telegra-
fisch heute vormittags anweisen, die sich wohl inzwischen schon in Ih-
ren Händen befinden.
Ihren Wünschen voll und ganz entsprochen, leider ist es aber doch ganz
unmöglich gewesen und ich konnte Ihnen nicht mehr als 500 Mark telegra-
fisch heute vormittags anweisen, die sich wohl inzwischen schon in Ih-
ren Händen befinden.
Die Vorschuss-Zahlung von 500 Mark ist nicht speziell auf
Ihre Oper „Serafita“2 gebucht worden, sondern auf Ihr Gesamt-Konto,
d. h. auf Ihre gesamten Eingänge, die aus allen Werken inklus. der „Har-
monielehre“ resultieren.
Ihre Oper „Serafita“2 gebucht worden, sondern auf Ihr Gesamt-Konto,
d. h. auf Ihre gesamten Eingänge, die aus allen Werken inklus. der „Har-
monielehre“ resultieren.
Erlassen Sie mir, sehr geehrter Herr Schönberg, Ihnen die
Gründe mitzuteilen, die mich verhindern, Ihnen die gewünschten tausend
Mark einzusenden, aber wir sind bemüssigt, aus sehr wichtigen Gründen
für einige Zeit eine ganz besondere Sparsamkeit und Zurückhaltung an
den Tag zu legen und insbesondere kann ich nicht ganz unvorhergesehene
und nicht-budgetierte Posten in der letzten Woche des Jahres anweisen.
Gründe mitzuteilen, die mich verhindern, Ihnen die gewünschten tausend
Mark einzusenden, aber wir sind bemüssigt, aus sehr wichtigen Gründen
für einige Zeit eine ganz besondere Sparsamkeit und Zurückhaltung an
den Tag zu legen und insbesondere kann ich nicht ganz unvorhergesehene
und nicht-budgetierte Posten in der letzten Woche des Jahres anweisen.
Vielleicht wird es später einmal möglich sein, Ihnen anlässlich
der schon seit langem in Aussicht genommenen Zusammenfassung unserer ver-
schiedenen Abmachungen in eine einzige Vertragsformel, noch eine weitere
Vorschusszahlung zu leisten. Derzeit sind, wie Sie ja selbst immer wie-
der betont haben, diese vielen Neben- und Zusatz-Abmachungen so kompli-
ziert, dass man sich nur mit grosser Mühe zurechtfindet.
der schon seit langem in Aussicht genommenen Zusammenfassung unserer ver-
schiedenen Abmachungen in eine einzige Vertragsformel, noch eine weitere
Vorschusszahlung zu leisten. Derzeit sind, wie Sie ja selbst immer wie-
der betont haben, diese vielen Neben- und Zusatz-Abmachungen so kompli-
ziert, dass man sich nur mit grosser Mühe zurechtfindet.
Zu meiner Freude habe ich von Frau Zehme
vernommen, dass die
ersten Gurre-Lieder-Proben3 prächtig von statten gingen, dass Sie sich
trotz der kolossalen Anstrengung sehr wohl und frisch befunden haben
und mit dem Orchester sehr rasch in vollen Kontakt kamen. Ich bin auch
riesig froh, dass die ausserordentlichen Opfer, die ich neuerdings für
die Materialherstellung gebracht habe, nicht vergebens waren und dass
sich irgend welche nennenswerten Störungen der Proben aus Materialgrün-
den nicht ergeben haben.
ersten Gurre-Lieder-Proben3 prächtig von statten gingen, dass Sie sich
trotz der kolossalen Anstrengung sehr wohl und frisch befunden haben
und mit dem Orchester sehr rasch in vollen Kontakt kamen. Ich bin auch
riesig froh, dass die ausserordentlichen Opfer, die ich neuerdings für
die Materialherstellung gebracht habe, nicht vergebens waren und dass
sich irgend welche nennenswerten Störungen der Proben aus Materialgrün-
den nicht ergeben haben.
Frau Zehme bittet dringend, dass das
Material in Leipzig
bleibe. Nun sind aber zwei Materiale in Leipzig und das ist wohl
nicht notwendig. Ich bitte Sie, mir vielleicht mitzuteilen, welches
Material Sie in den Proben benützt haben und zwar, ob das alte4 oder
das neue5, damit wir sofort Veranlassung treffen können, dass das nicht
benötigte nach Wien zurückkomme.
bleibe. Nun sind aber zwei Materiale in Leipzig und das ist wohl
nicht notwendig. Ich bitte Sie, mir vielleicht mitzuteilen, welches
Material Sie in den Proben benützt haben und zwar, ob das alte4 oder
das neue5, damit wir sofort Veranlassung treffen können, dass das nicht
benötigte nach Wien zurückkomme.
Die Münchner Aufführung ist, wie Sie wohl
erfahren haben,
auf nächste Saison verschoben6 worden, was sehr, sehr unangenehm ist.
auf nächste Saison verschoben6 worden, was sehr, sehr unangenehm ist.
Indem ich Ihnen recht angenehme Feiertage wünsche, verbleibe
ich mit besten Grüssen Ihr ganz ergebener
ich mit besten Grüssen Ihr ganz ergebener
N.S.
Da ich nicht weiss, ob Sie das soeben er-
schienene Mahler-Buch von Specht besitzen, las-
se ich Ihnen – ohne irgend welche Verleger-
Legitimation – nur von dem Wunsche gelei-
tet, Ihnen eine Freude zu machen, gleich-
zeitig per Kreuzband ein Exemplar zugehen.
Da ich nicht weiss, ob Sie das soeben er-
schienene Mahler-Buch von Specht besitzen, las-
se ich Ihnen – ohne irgend welche Verleger-
Legitimation – nur von dem Wunsche gelei-
tet, Ihnen eine Freude zu machen, gleich-
zeitig per Kreuzband ein Exemplar zugehen.
Telegramm
Oper „Serafita“
Zwischen 1911 und 1914 trug sich
Schönberg mit dem Gedanken,
ein Oratorium basierend auf August Strindberg, Jakob ringt und Honoré de Balzac, Seraphita zu
komponieren. Die dem frühen Entstehungsstadium der Jakobsleiter zuzurechnende Idee änderte
sich, als Schönberg im Sommer
1912 entschied, Seraphita unabhängig vom Oratorium
zu vertonen. Ob Schönberg an
Gerhart Hauptmann mit einer
Anfrage zur Einrichtung des Texts herantrat, ist nicht bekannt. Ende
1913/Anfang 1914 beschäftigte sich Marie
Pappenheim mit der Dramatisierung (ASGA B 17/2, S.
192ff.).
Gurre-Lieder-Proben
Probendaten laut Kalendereintrag: 17.
bis 19. Dezember 1913 (ASCI
DC12068). Dabei handelte es sich um Vorproben, da das
Orchester im März 1914 keine
zusätzlichen Probentermine frei hatte (Albertine Zehme an Arnold
Schönberg, 8. August 1913; ASCC 18520).
das alte
Stimmenmaterial der Uraufführung, teilweise
verschollen: Chorstimmen (ASGA B 16/1, Quelle G.1); Männerchorstimmen (ASGA B 16/1, Quelle G.1a); autographierte Stimmen der I.
und II. Geigen (ASGA B 16/1, Quelle G.2*); autographierte Bratschen-,
Violoncello- und Kontrabaßstimmen (ASGA B 16/1, Quelle G.3); handschriftliche Bläser-,
Harfen-, Celesta- und Schlagwerkstimmen (ASGA B 16/1, Quelle G.4*).
das neue
Anfang Juli
1913 entschloss sich Schönberg zu einer Revision des Gurre-Lieder-Stimmenmaterials. Im Hinblick auf die
Herstellung von Abschriften von Partitur und Bläserstimmen beauftragte
die UE
Josef Polnauer mit der Durchsicht
des Materials. In diesem Zusammenhang hatte Schönberg vorgeschlagen, die Bläserstimmen zu
Bläserpartituren zusammenzufassen. Am 8. Juli
1913 schrieb er an Polnauer (ASCC
ID 23133), „dass er nun doch die Gurre-Lieder-Partitur revidiere und zu diesem Zweck die von
diesem übersandte Liste mit den Uraufführungsretuschen heranziehe." (ASGA B 16/3, S. 27;
Arnold Schönberg an Josef Polnauer, 5. Juli 1913; ASCC
23083).
verschoben
Die für 16. Februar 1914 angesetzte Münchener Erstaufführung der Gurre-Lieder
musste auf die kommende Saison verschoben werden, da Bruno Walter parallel mit der
Einstudierung von Franz Schreker, Der ferne
Klang befasst war (Bruno Walter an Arnold Schönberg, 12.
Dezember 1913; ASCC
18041;
Allgemeine Zeitung
1914). Wegen kriegsbedingtem Mangel an Chorsängern kam es Anfang 1915 zu einer weiteren Verschiebung.
Die Aufführung kam schließlich nicht zustande (Bruno Walter an Arnold
Schönberg, 3. Jänner 1915; ASCC
18040).
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WIEN
I·Reichsratsstrasse 9
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Länderbank, Wien·Postsparkassen-Konto: 57557.
Wien 22. Dez. 1913.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
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Sternwartenstr. 15–21
WIEN
I·Reichsratsstrasse 9
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 22877·Bank-Konto: k·k·privil·österr.
Länderbank, Wien·Postsparkassen-Konto: 57557.
Wien 22. Dez. 1913.
W
Lieber Herr Schönberg!
Gestern Abend erhielt ich Ihr Telegramm1, aus dem ich zu meinem Bedauern ersehe, dass Sie sich wieder in
Geldverlegenheiten befinden.
Ich hätte, wie stets bisher, auch diesmal sehr, sehr gerne Ihren Wünschen
voll und ganz entsprochen, leider ist es aber doch ganz unmöglich gewesen
und ich konnte Ihnen nicht mehr als 500 Mark telegrafisch heute vormittags anweisen, die sich wohl inzwischen schon
in Ihren Händen befinden.
Die Vorschuss-Zahlung von 500 Mark ist nicht speziell auf Ihre Oper „Serafita“2 gebucht worden, sondern auf Ihr Gesamt-Konto, d. h. auf Ihre
gesamten Eingänge, die aus allen Werken inklus. der „Harmonielehre“ resultieren.
Erlassen Sie mir, sehr geehrter Herr Schönberg, Ihnen die Gründe mitzuteilen, die mich
verhindern, Ihnen die gewünschten tausend Mark einzusenden, aber wir sind
bemüssigt, aus sehr wichtigen Gründen für einige Zeit eine ganz besondere
Sparsamkeit und Zurückhaltung an den Tag zu legen und insbesondere kann ich
nicht ganz unvorhergesehene und nicht-budgetierte Posten in der letzten
Woche des Jahres anweisen.
Vielleicht wird es später einmal möglich sein, Ihnen anlässlich der schon
seit langem in Aussicht genommenen Zusammenfassung unserer verschiedenen Abmachungen in eine einzige Vertragsformel, noch eine
weitere Vorschusszahlung zu leisten. Derzeit sind, wie Sie ja selbst immer
wieder betont haben, diese vielen Neben- und Zusatz-Abmachungen so
kompliziert, dass man sich nur mit grosser Mühe zurechtfindet.
Zu meiner Freude habe ich von Frau Zehme
vernommen, dass die ersten Gurre-Lieder-Proben3 prächtig von statten gingen, dass Sie sich trotz der kolossalen
Anstrengung sehr wohl und frisch befunden haben und mit dem Orchester sehr
rasch in vollen Kontakt kamen. Ich bin auch riesig froh, dass die
ausserordentlichen Opfer, die ich neuerdings für die Materialherstellung
gebracht habe, nicht vergebens waren und dass sich irgend welche
nennenswerten Störungen der Proben aus Materialgründen nicht ergeben haben.
Frau Zehme bittet dringend, dass das
Material in Leipzig
bleibe. Nun sind aber zwei Materiale in Leipzig und das ist wohl nicht notwendig. Ich bitte Sie,
mir vielleicht mitzuteilen, welches Material Sie in den Proben benützt
haben und zwar, ob das alte4 oder das neue5, damit wir sofort Veranlassung treffen können, dass das nicht
benötigte nach Wien
zurückkomme.
Die Münchner Aufführung ist, wie Sie wohl
erfahren haben, auf nächste Saison verschoben6 worden, was sehr, sehr unangenehm ist.
Indem ich Ihnen recht angenehme Feiertage wünsche, verbleibe
ich mit besten Grüssen Ihr ganz ergebener Hertzka
ich mit besten Grüssen Ihr ganz ergebener Hertzka
N.S.
Da ich nicht weiss, ob Sie das soeben erschienene Mahler-Buch von
Specht besitzen, lasse ich Ihnen – ohne irgend welche VerlegerLegitimation – nur von dem Wunsche geleitet, Ihnen eine Freude zu machen, gleichzeitig per Kreuzband ein Exemplar zugehen.
Telegramm
Oper „Serafita“
Zwischen 1911 und 1914 trug sich
Schönberg mit dem Gedanken,
ein Oratorium basierend auf August Strindberg, Jakob ringt und Honoré de Balzac, Seraphita zu
komponieren. Die dem frühen Entstehungsstadium der Jakobsleiter zuzurechnende Idee änderte
sich, als Schönberg im Sommer
1912 entschied, Seraphita unabhängig vom Oratorium
zu vertonen. Ob Schönberg an
Gerhart Hauptmann mit einer
Anfrage zur Einrichtung des Texts herantrat, ist nicht bekannt. Ende
1913/Anfang 1914 beschäftigte sich Marie
Pappenheim mit der Dramatisierung (ASGA B 17/2, S.
192ff.).
Gurre-Lieder-Proben
Probendaten laut Kalendereintrag: 17.
bis 19. Dezember 1913 (ASCI
DC12068). Dabei handelte es sich um Vorproben, da das
Orchester im März 1914 keine
zusätzlichen Probentermine frei hatte (Albertine Zehme an Arnold
Schönberg, 8. August 1913; ASCC 18520).
das alte
Stimmenmaterial der Uraufführung, teilweise
verschollen: Chorstimmen (ASGA B 16/1, Quelle G.1); Männerchorstimmen (ASGA B 16/1, Quelle G.1a); autographierte Stimmen der I.
und II. Geigen (ASGA B 16/1, Quelle G.2*); autographierte Bratschen-,
Violoncello- und Kontrabaßstimmen (ASGA B 16/1, Quelle G.3); handschriftliche Bläser-,
Harfen-, Celesta- und Schlagwerkstimmen (ASGA B 16/1, Quelle G.4*).
das neue
Anfang Juli
1913 entschloss sich Schönberg zu einer Revision des Gurre-Lieder-Stimmenmaterials. Im Hinblick auf die
Herstellung von Abschriften von Partitur und Bläserstimmen beauftragte
die UE
Josef Polnauer mit der Durchsicht
des Materials. In diesem Zusammenhang hatte Schönberg vorgeschlagen, die Bläserstimmen zu
Bläserpartituren zusammenzufassen. Am 8. Juli
1913 schrieb er an Polnauer (ASCC
ID 23133), „dass er nun doch die Gurre-Lieder-Partitur revidiere und zu diesem Zweck die von
diesem übersandte Liste mit den Uraufführungsretuschen heranziehe." (ASGA B 16/3, S. 27;
Arnold Schönberg an Josef Polnauer, 5. Juli 1913; ASCC
23083).
verschoben
Die für 16. Februar 1914 angesetzte Münchener Erstaufführung der Gurre-Lieder
musste auf die kommende Saison verschoben werden, da Bruno Walter parallel mit der
Einstudierung von Franz Schreker, Der ferne
Klang befasst war (Bruno Walter an Arnold Schönberg, 12.
Dezember 1913; ASCC
18041;
Allgemeine Zeitung
1914). Wegen kriegsbedingtem Mangel an Chorsängern kam es Anfang 1915 zu einer weiteren Verschiebung.
Die Aufführung kam schließlich nicht zustande (Bruno Walter an Arnold
Schönberg, 3. Jänner 1915; ASCC
18040).
22. Dezember 1913
The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Brief
Zitierhinweis:
Universal-Edition an Arnold Schönberg, 22. Dezember 1913, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17513.