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Wohlgeboren
Lieber Herr Schönberg!
Gestern Abend erhielt ich Ihr Telegramm1, aus dem ich zu
meinem Bedauern ersehe, dass Sie sich wieder in Geldverlegenheiten
befinden.
Ich hätte, wie stets bisher, auch diesmal sehr, sehr gerne
Ihren Wünschen voll und ganz entsprochen, leider ist es aber doch ganz
unmöglich gewesen und ich konnte Ihnen nicht mehr als 500 Mark telegra-
fisch heute vormittags anweisen, die sich wohl inzwischen schon in Ih-
ren Händen befinden.
Die Vorschuss-Zahlung von 500 Mark ist nicht speziell auf
Ihre Oper „Serafita“2 gebucht worden, sondern auf Ihr Gesamt-Konto,
d. h. auf Ihre gesamten Eingänge, die aus allen Werken inklus. der „Har-
monielehre
“ resultieren.
Erlassen Sie mir, sehr geehrter Herr Schönberg, Ihnen die
Gründe mitzuteilen, die mich verhindern, Ihnen die gewünschten tausend
Mark einzusenden, aber wir sind bemüssigt, aus sehr wichtigen Gründen
für einige Zeit eine ganz besondere Sparsamkeit und Zurückhaltung an
den Tag zu legen und insbesondere kann ich nicht ganz unvorhergesehene
und nicht-budgetierte Posten in der letzten Woche des Jahres anweisen.

Vielleicht wird es später einmal möglich sein, Ihnen anlässlich
der schon seit langem in Aussicht genommenen Zusammenfassung unserer ver-
schiedenen Abmachungen in eine einzige Vertragsformel, noch eine weitere
Vorschusszahlung zu leisten. Derzeit sind, wie Sie ja selbst immer wie-
der betont haben, diese vielen Neben- und Zusatz-Abmachungen so kompli-
ziert, dass man sich nur mit grosser Mühe zurechtfindet.
Zu meiner Freude habe ich von Frau Zehme vernommen, dass die
ersten Gurre-Lieder-Proben3 prächtig von statten gingen, dass Sie sich
trotz der kolossalen Anstrengung sehr wohl und frisch befunden haben
und mit dem Orchester sehr rasch in vollen Kontakt kamen. Ich bin auch
riesig froh, dass die ausserordentlichen Opfer, die ich neuerdings für
die Materialherstellung gebracht habe, nicht vergebens waren und dass
sich irgend welche nennenswerten Störungen der Proben aus Materialgrün-
den nicht ergeben haben.
Frau Zehme bittet dringend, dass das Material in Leipzig
bleibe. Nun sind aber zwei Materiale in Leipzig und das ist wohl
nicht notwendig. Ich bitte Sie, mir vielleicht mitzuteilen, welches
Material Sie in den Proben benützt haben und zwar, ob das alte4 oder
das neue
5, damit wir sofort Veranlassung treffen können, dass das nicht
benötigte nach Wien zurückkomme.
Die Münchner Aufführung ist, wie Sie wohl erfahren haben,
auf nächste Saison verschoben6 worden, was sehr, sehr unangenehm ist.
Indem ich Ihnen recht angenehme Feiertage wünsche, verbleibe
ich mit besten Grüssen Ihr ganz ergebener
N.S.
Da ich nicht weiss, ob Sie das soeben er-
schienene Mahler-Buch von Specht besitzen, las-
se ich Ihnen – ohne irgend welche Verleger-
Legitimation – nur von dem Wunsche gelei-
tet, Ihnen eine Freude zu machen, gleich-
zeitig per Kreuzband ein Exemplar zugehen.

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Wohlgeboren
Lieber Herr Schönberg!
Gestern Abend erhielt ich Ihr Telegramm1, aus dem ich zu meinem Bedauern ersehe, dass Sie sich wieder in Geldverlegenheiten befinden.
Ich hätte, wie stets bisher, auch diesmal sehr, sehr gerne Ihren Wünschen voll und ganz entsprochen, leider ist es aber doch ganz unmöglich gewesen und ich konnte Ihnen nicht mehr als 500 Mark telegrafisch heute vormittags anweisen, die sich wohl inzwischen schon in Ihren Händen befinden.
Die Vorschuss-Zahlung von 500 Mark ist nicht speziell auf Ihre Oper „Serafita“2 gebucht worden, sondern auf Ihr Gesamt-Konto, d. h. auf Ihre gesamten Eingänge, die aus allen Werken inklus. der „Harmonielehre“ resultieren.
Erlassen Sie mir, sehr geehrter Herr Schönberg, Ihnen die Gründe mitzuteilen, die mich verhindern, Ihnen die gewünschten tausend Mark einzusenden, aber wir sind bemüssigt, aus sehr wichtigen Gründen für einige Zeit eine ganz besondere Sparsamkeit und Zurückhaltung an den Tag zu legen und insbesondere kann ich nicht ganz unvorhergesehene und nicht-budgetierte Posten in der letzten Woche des Jahres anweisen.
Vielleicht wird es später einmal möglich sein, Ihnen anlässlich der schon seit langem in Aussicht genommenen Zusammenfassung unserer verschiedenen Abmachungen in eine einzige Vertragsformel, noch eine weitere Vorschusszahlung zu leisten. Derzeit sind, wie Sie ja selbst immer wieder betont haben, diese vielen Neben- und Zusatz-Abmachungen so kompliziert, dass man sich nur mit grosser Mühe zurechtfindet.
Zu meiner Freude habe ich von Frau Zehme vernommen, dass die ersten Gurre-Lieder-Proben3 prächtig von statten gingen, dass Sie sich trotz der kolossalen Anstrengung sehr wohl und frisch befunden haben und mit dem Orchester sehr rasch in vollen Kontakt kamen. Ich bin auch riesig froh, dass die ausserordentlichen Opfer, die ich neuerdings für die Materialherstellung gebracht habe, nicht vergebens waren und dass sich irgend welche nennenswerten Störungen der Proben aus Materialgründen nicht ergeben haben.
Frau Zehme bittet dringend, dass das Material in Leipzig bleibe. Nun sind aber zwei Materiale in Leipzig und das ist wohl nicht notwendig. Ich bitte Sie, mir vielleicht mitzuteilen, welches Material Sie in den Proben benützt haben und zwar, ob das alte4 oder das neue5, damit wir sofort Veranlassung treffen können, dass das nicht benötigte nach Wien zurückkomme.
Die Münchner Aufführung ist, wie Sie wohl erfahren haben, auf nächste Saison verschoben6 worden, was sehr, sehr unangenehm ist.
Indem ich Ihnen recht angenehme Feiertage wünsche, verbleibe
ich mit besten Grüssen Ihr ganz ergebener Hertzka
N.S. Da ich nicht weiss, ob Sie das soeben erschienene Mahler-Buch von Specht besitzen, lasse ich Ihnen – ohne irgend welche VerlegerLegitimation – nur von dem Wunsche geleitet, Ihnen eine Freude zu machen, gleichzeitig per Kreuzband ein Exemplar zugehen.

22. Dezember 1913


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 22. Dezember 1913, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17513.

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