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Wohlgeboren
Lieber Herr Schönberg!
Sehr erfreut war ich, aus Ihrem w/. Vorgestrigen1 zu ersehen,
dass in Amsterdam die Proben2 recht gut geworden sind und dass sich
bloss die Bläser darüber beklagt haben, dass in dem Werke sehr
viele Pausen sind, d. h. dass die Pausen-Takte nicht eingeschrieben
sind. Offenbar hat unser Kopist sich und den Bläsern Mühe und Ar-
beit ersparen wollen und diese dem Dirigenten zugemutet. Wir wer-
den das in beiden Materialen sofort richtigstellen lassen. Es ist
nur erstaunlich, dass die Leipziger3 Bläser sich darüber nicht be-
klagt haben. Es scheint also zwischen den Sachsen und den Hollän-
dern ein Temperamentsunterschied vorhanden
zu sein.
Was Webern betrifft, so wollte ich, es wäre mir möglich,
Ihrer Anregung zu entsprechen. Bis Mitte 1915 jedoch ist es voll-
kommen ausgeschlossen, irgend etwas Neues herauszubringen, zudem
von einem, für unseren Verlag neuen Komponisten. Wenn im nächsten
Jahre die allgemeinen Verhältnisse besser werden und die Amster-
damer
Aufführung der Orchesterstücke (Weberns) oder irgend welche Aufführungen
von Webern erfolgt sein werden, so will ich von ihm[,] von allem
anderen abgesehen,
etwas in die Universal-Edition aufnehmen, weil

ich weiss, dass ich Ihnen damit eine Freude mache.
Sie wissen nicht, wie schwierig jetzt die Verhältnisse
auf unseren Gebieten (Musik, Konzerte, Theater, etc.) sind
und wie ausserordentlich vorsichtig ich nach allen Richtungen hin
sein muss.
Mit vielen herzlichen Grüssen Ihr Ihnen warm ergebener

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Wohlgeboren
Lieber Herr Schönberg!
Sehr erfreut war ich, aus Ihrem w/. Vorgestrigen1 zu ersehen, dass in Amsterdam die Proben2 recht gut geworden sind und dass sich bloss die Bläser darüber beklagt haben, dass in dem Werke sehr viele Pausen sind, d. h. dass die Pausen-Takte nicht eingeschrieben sind. Offenbar hat unser Kopist sich und den Bläsern Mühe und Arbeit ersparen wollen und diese dem Dirigenten zugemutet. Wir werden das in beiden Materialen sofort richtigstellen lassen. Es ist nur erstaunlich, dass die Leipziger3 Bläser sich darüber nicht beklagt haben. Es scheint also zwischen den Sachsen und den Holländern ein Temperamentsunterschied vorhanden zu sein.
Was Webern betrifft, so wollte ich, es wäre mir möglich, Ihrer Anregung zu entsprechen. Bis Mitte 1915 jedoch ist es vollkommen ausgeschlossen, irgend etwas Neues herauszubringen, zudem von einem, für unseren Verlag neuen Komponisten. Wenn im nächsten Jahre die allgemeinen Verhältnisse besser werden und die Amsterdamer Aufführung der Orchesterstücke (Weberns) oder irgend welche Aufführungen von Webern erfolgt sein werden, so will ich von ihm etwas in die Universal-Edition aufnehmen, weil ich weiss, dass ich Ihnen damit eine Freude mache.
Sie wissen nicht, wie schwierig jetzt die Verhältnisse auf unseren Gebieten (Musik, Konzerte, Theater, etc.) sind und wie ausserordentlich vorsichtig ich nach allen Richtungen hin sein muss.
Mit vielen herzlichen Grüssen Ihr Ihnen warm ergebener Emil Hertzka

24. Juni 1914


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 24. Juni 1914, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17550.

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