W
Wohlgeboren
Lieber Herr Schönberg!
Ich habe in der vergangenen Woche einen so starken Kehlkopf-
Kartharrh gehabt, dass ich leider arbeitsunfähig war und auch in
Ihrem Interesse nichts habe unternehmen können. Immerhin habe ich
Ihnen durch unsere Leipziger Firma auf Ihr Konto der Deutschen Bank
100 Mark überweisen lassen. Den Rest will ich Ihnen spätestens
bis 1. Oktober überweisen.
Unverständlich ist mir, dass ich nun schon seit 3 Wochen von
Ihnen keinen Brief erhalten habe. Sie telegrafierten1 mir am 28/VIII.
ob ich Ihr Schreiben2 vom 18. erhalten habe. Ich antwortete Ihnen
sofort telegrafisch3, dass ich den Brief nicht erhalten habe und
erwartete immer eine Aufklärung. Diese Aufklärung kam aber nicht,
was mich sehr verwundert hat. Ich erbitte mir nun eine freundl.
Aufklärung. Für Ihre Nachricht bitte ich Sie, von unserer neuen
Büro-Adresse Kenntnis zu nehmen und zwar: Wien I. Karlsplatz 6
(Musikvereinsgebäude), nachdem wir von morgen ab mit unseren Büros
bereits an diese Adresse übersiedeln.
Die Verhältnisse sind leider momentan noch so, dass jeder mit
sich und seinen allernächsten Angehörigen so den Kopf voller Sorgen
hat, dass es nicht leicht ist, andere Interessen zu erwecken. Ich
habe schon einige Versuche gemacht, die, wenn auch nicht vollkommen

negativ, so doch immerhin nicht sehr positiv ausgefallen sind.
Mit dem Präsidenten Wiener hoffe ich noch in den allernächsten
Tagen zusammenzukommen. Vielleicht könnten Sie wegen Eintreten
bei Wiener, sich auch noch an Frau Mahler wenden, die, wie ich
gestern gehört habe, schon wieder in Wien weilen soll und die ja
mit Wiener sehr befreundet ist.
In der Erwartung, von Ihnen sehr bald Nachricht zu erhalten,
verbleibe ich mit herzlichen Grüssen Ihr Ihnen warm ergebener

W
Wohlgeboren
Lieber Herr Schönberg!
Ich habe in der vergangenen Woche einen so starken Kehlkopf-Katarrh gehabt, dass ich leider arbeitsunfähig war und auch in Ihrem Interesse nichts habe unternehmen können. Immerhin habe ich Ihnen durch unsere Leipziger Firma auf Ihr Konto der Deutschen Bank 100 Mark überweisen lassen. Den Rest will ich Ihnen spätestens bis 1. Oktober überweisen.
Unverständlich ist mir, dass ich nun schon seit 3 Wochen von Ihnen keinen Brief erhalten habe. Sie telegrafierten1 mir am 28/VIII. ob ich Ihr Schreiben2 vom 18. erhalten habe. Ich antwortete Ihnen sofort telegrafisch3, dass ich den Brief nicht erhalten habe und erwartete immer eine Aufklärung. Diese Aufklärung kam aber nicht, was mich sehr verwundert hat. Ich erbitte mir nun eine freundl. Aufklärung. Für Ihre Nachricht bitte ich Sie, von unserer neuen Büro-Adresse Kenntnis zu nehmen und zwar: Wien I. Karlsplatz 6 (Musikvereinsgebäude), nachdem wir von morgen ab mit unseren Büros bereits an diese Adresse übersiedeln.
Die Verhältnisse sind leider momentan noch so, dass jeder mit sich und seinen allernächsten Angehörigen so den Kopf voller Sorgen hat, dass es nicht leicht ist, andere Interessen zu erwecken. Ich habe schon einige Versuche gemacht, die, wenn auch nicht vollkommen negativ, so doch immerhin nicht sehr positiv ausgefallen sind. Mit dem Präsidenten Wiener hoffe ich noch in den allernächsten Tagen zusammenzukommen. Vielleicht könnten Sie wegen Eintreten bei Wiener, sich auch noch an Frau Mahler wenden, die, wie ich gestern gehört habe, schon wieder in Wien weilen soll und die ja mit Wiener sehr befreundet ist.
In der Erwartung, von Ihnen sehr bald Nachricht zu erhalten, verbleibe ich mit herzlichen Grüssen Ihr Ihnen warm ergebener
Hertzka

9. September 1914


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection

Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 9. September 1914, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17564.

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