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Wohlgeboren
Berlin
Lieber Herr Schönberg!
Der Postverkehr ist noch immer fürchterlich. Ihr
Schreiben1 vom 3. ds. ist erst am 7. hier eingelangt. – Ich
habe Hofmeister bezgl. der Geldsendungen entsprechend meine
Meinung gesagt. Bezügl. weiterer Sendung treffe raschest Verfügung. –
Was das Ausschreiben der Monodram-Stimmen betrifft, so
verstehe ich, dass Sie erst nach der zweiten Korrektur mit der
Arbeit beginnen können und ich treibe heute Geidel mit einem
Separat-Brief wegen rascher Uebersendung der Korrekturabzüge2 an.
Wegen des Noten-Papieres frage ich ebenfalls bei Geidel um den
Preis an.
Die Herausgabe der Partitur „Glückliche HandSeraphitta-
Lied
3 etz. ist derzeit leider ganz unmöglich. Wir müssen mit die-
sen Arbeiten unbedingt noch einige Zeit warten, denn die Verhält-
nisse sind hier noch immer trostlos.
Die mir eingesandte Liste habe ich zur direkten Expedi-
tion von Leipzig aus Hofmeister überwiesen und Sie werden die be-
treffenden Werke wohl in einigen Tagen erhalten. Ich bitte Sie, die
betreffenden Werke als kleine Weihnachtsgabe der Universal-Edition
anzusehen, sich aber trotzdem nicht im Geringsten zu besonderem

Dank verpflichtet zu fühlen.
Die Aufführung der Waldtauben-Erzählung4 mit Nikisch-Mildenburg werde
ich in die Hand nehmen, mich aber vorher mit Frau Mildenburg in
Verbindung setzen.
Was die beiden frei gewordenen Stellen in Wien betrifft,
so ist die von Heuberger noch lange zu seinen Lebzeiten ander-
seits besetzt worden (durch Dr. Joseph Marx,) während die von Sieg-
fried Ochs
vorerst gar nicht zur Besetzung gelangen soll. In der
Akademie ist leider zufolge Ihrer seinerzeitigen Ablehnung an
die Kre[e]ierung einer Stelle derzeit nicht zu denken. Ich habe
diesen Versuch in sehr ernster Weise aber resultatlos unternommen.
Bei der Singakademie der Konzerthausgesellschaft ist augenblick-
lich nicht die geringste Möglichkeit vorhanden, Ihre Kandidatur
als Chordirigent in Aussicht zu nehmen.
Dass ich für Sie gerne Alles tue, was irgendwie in mei-
ner Macht steht, brauche ich Ihnen nicht zu wiederholen und wenn
ich die geringste Möglichkeit oder Aussicht für irgend einen Weg
sehen werde, dann will ich ihn mit aller Energie verfolgen.
Mit vielen herzlichen Grüssen Ihr in aufrichtiger Hochschätzung
ergebener
Die von Ihnen zu
fertigenden Büttenblätter
für Pierrot lunaire
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sind noch immer nicht
zurück. Bitte gefl. Erledigung


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Wohlgeboren
Berlin
Lieber Herr Schönberg!
Der Postverkehr ist noch immer fürchterlich. Ihr Schreiben1 vom 3. ds. ist erst am 7. hier eingelangt. – Ich habe Hofmeister bezgl. der Geldsendungen entsprechend meine Meinung gesagt. Bezügl. weiterer Sendung treffe raschest Verfügung. –
Was das Ausschreiben der Monodram-Stimmen betrifft, so verstehe ich, dass Sie erst nach der zweiten Korrektur mit der Arbeit beginnen können und ich treibe heute Geidel mit einem Separat-Brief wegen rascher Uebersendung der Korrekturabzüge2 an. Wegen des Noten-Papieres frage ich ebenfalls bei Geidel um den Preis an.
Die Herausgabe der Partitur „Glückliche HandSeraphita-Lied3 etz. ist derzeit leider ganz unmöglich. Wir müssen mit diesen Arbeiten unbedingt noch einige Zeit warten, denn die Verhältnisse sind hier noch immer trostlos.
Die mir eingesandte Liste habe ich zur direkten Expedition von Leipzig aus Hofmeister überwiesen und Sie werden die betreffenden Werke wohl in einigen Tagen erhalten. Ich bitte Sie, die betreffenden Werke als kleine Weihnachtsgabe der Universal-Edition anzusehen, sich aber trotzdem nicht im Geringsten zu besonderem Dank verpflichtet zu fühlen.
Die Aufführung der Waldtauben-Erzählung4 mit Nikisch-Mildenburg werde ich in die Hand nehmen, mich aber vorher mit Frau Mildenburg in Verbindung setzen.
Was die beiden frei gewordenen Stellen in Wien betrifft, so ist die von Heuberger noch zu seinen Lebzeiten anderseits besetzt worden (durch Dr. Joseph Marx,) während die von Siegfried Ochs vorerst gar nicht zur Besetzung gelangen soll. In der Akademie ist leider zufolge Ihrer seinerzeitigen Ablehnung an die Kreierung einer Stelle derzeit nicht zu denken. Ich habe diesen Versuch in sehr ernster Weise aber resultatlos unternommen. Bei der Singakademie der Konzerthausgesellschaft ist augenblicklich nicht die geringste Möglichkeit vorhanden, Ihre Kandidatur als Chordirigent in Aussicht zu nehmen.
Dass ich für Sie gerne Alles tue, was irgendwie in meiner Macht steht, brauche ich Ihnen nicht zu wiederholen und wenn ich die geringste Möglichkeit oder Aussicht für irgend einen Weg sehen werde, dann will ich ihn mit aller Energie verfolgen.
Mit vielen herzlichen Grüssen Ihr in aufrichtiger Hochschätzung ergebener Emil Hertzka
Die von Ihnen zu fertigenden Büttenblätter für Pierrot lunaire5 sind noch immer nicht zurück. Bitte gefl. Erledigung

9. Dezember 1914


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 9. Dezember 1914, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17566.

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