Universal-Edition an Arnold Schönberg
30. Dezember 1914
UNIVERSAL-EDITION, A.-G.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Seeburgstr. 14–20
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 3228, 4533·Bank-Konto: k-k·priv·öst·
Länderbank. Wien·Postsparkassen·Konto 57557.
Wien30. Dezember 1914
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Seeburgstr. 14–20
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
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Länderbank. Wien·Postsparkassen·Konto 57557.
Wien30. Dezember 1914
W
Wohlgeboren
Herrn Arnold Schönberg
Lieber Herr Schönberg!
Soeben erhalte ich Ihr liebes Schreiben1 vom 21. ds.
Es dauert also neun Tage, bis Nachrichten aus Berlin hieher
gelangen. Das ist ja schon beinahe, wie es in der Zeit der
Postkutsche gewesen ist. Aber man gewöhnt sich daran, wie an
vieles Andere, das einem vor Jahresfrist noch unmöglich und
phantastisch erschienen wäre.
Es dauert also neun Tage, bis Nachrichten aus Berlin hieher
gelangen. Das ist ja schon beinahe, wie es in der Zeit der
Postkutsche gewesen ist. Aber man gewöhnt sich daran, wie an
vieles Andere, das einem vor Jahresfrist noch unmöglich und
phantastisch erschienen wäre.
Ihrem Wunsche entsprechend erkläre ich mich damit
einverstanden, Ihnen für zka. 100 Kronen Ladenpreis Musikalien
auf Konto zu liefern und sende ihnen mitfolgend einen Katalog
zum Zwecke der Auswahl ein.
einverstanden, Ihnen für zka. 100 Kronen Ladenpreis Musikalien
auf Konto zu liefern und sende ihnen mitfolgend einen Katalog
zum Zwecke der Auswahl ein.
Was Ihre Wünsche wegen weiterer Freiexemplare betrifft,
so kann ich Ihnen die Exemplare des Sextetts nicht schicken, nach-
dem Sie sich diesbzgl. an den Drei Lilien-Verlag Berlin, wenden
müssten. Die Exemplare des „Modernen Liedes“2 erscheinen erst in
etwa acht Tagen und Sie erhalten dann die Beleg-Exemplare sofort.
Von der grossen Partitur „Pierrot“ und der Partitur des II. Quar-
tetts lasse ich Ihnen noch je 4 Exemplare zugehen, nachdem aber
von beiden Werken keine grossen Auflagen3 gedruckt wurden, bitten
wir Sie um möglichste Sparsamkeit bei der Verteilung.
so kann ich Ihnen die Exemplare des Sextetts nicht schicken, nach-
dem Sie sich diesbzgl. an den Drei Lilien-Verlag Berlin, wenden
müssten. Die Exemplare des „Modernen Liedes“2 erscheinen erst in
etwa acht Tagen und Sie erhalten dann die Beleg-Exemplare sofort.
Von der grossen Partitur „Pierrot“ und der Partitur des II. Quar-
tetts lasse ich Ihnen noch je 4 Exemplare zugehen, nachdem aber
von beiden Werken keine grossen Auflagen3 gedruckt wurden, bitten
wir Sie um möglichste Sparsamkeit bei der Verteilung.
Ihre Betrachtungen über die Wiener
Verhältnisse können
dahin ergänzt werden, dass der Fall nicht nur in Wien, sondern
überall ganz ähnlich liegt oder haben Sie es erfahren, dass es
in Berlin so viel besser wäre? Dass die Stellung, die Sie vor
zwei Jahren in der Tasche hatten von Ihnen damals abgelehnt wurde4,
ist nicht die Schuld von Wien und von Wiener. Das wissen Sie ja
am besten.
dahin ergänzt werden, dass der Fall nicht nur in Wien, sondern
überall ganz ähnlich liegt oder haben Sie es erfahren, dass es
in Berlin so viel besser wäre? Dass die Stellung, die Sie vor
zwei Jahren in der Tasche hatten von Ihnen damals abgelehnt wurde4,
ist nicht die Schuld von Wien und von Wiener. Das wissen Sie ja
am besten.
Unmittelbar vor den Feiertagen war der Direktor des
Stadt-Theaters in Breslau, Runge bei mir. Wir sprachen über ver-
schiedene Opernwerke und es kam die Rede auf die Kapellmeister-
Frage. Er möchte neben seinem ersten Kapellmeister Prüwer, auch
noch einen zweiten haben, eine jüngere Kraft, nicht teuer, mög-
lichst eine interessantere musikalische Persönlichkeit. Ich frug
ihn, ob er Lust zu einem interessanten Experiment hätte und
als er im Prinzipe zustimmte, habe ich ihm geraten, Sie für das
Stadt-Theater zu gewinnen und aus Ihnen, den ich als absolutes
Dirigiertalent bezeichnete, einen Opern-Kapellmeister zu machen,
dem insbesonders gewisse Werke die Ihrer Eigenart liegen würden,
übertragen werden könnten. Abgesehen davon, müsste Ihnen probe-
weise eine Zeit zur Verfügung gestellt werden, während der Sie
die gewissen Erfahrungen die das Handwerk mit sich bringt, zu
machen hätten. Ich erklärte ihm, dass sein Risiko bei der ganzen
Sache kein grosses wäre; Sie wären heute noch eine verhältnismässig
billige Kraft; gelingt das Experiment, dann bedeutet es für sein
Unternehmen geradezu eine Sensation, gelingt es nicht, dann hat
er das Bewusstsein, etwas Eigenartiges und Gutes gewollt zu haben,
was eben nicht durchführbar gewesen wäre.
Stadt-Theaters in Breslau, Runge bei mir. Wir sprachen über ver-
schiedene Opernwerke und es kam die Rede auf die Kapellmeister-
Frage. Er möchte neben seinem ersten Kapellmeister Prüwer, auch
noch einen zweiten haben, eine jüngere Kraft, nicht teuer, mög-
lichst eine interessantere musikalische Persönlichkeit. Ich frug
ihn, ob er Lust zu einem interessanten Experiment hätte und
als er im Prinzipe zustimmte, habe ich ihm geraten, Sie für das
Stadt-Theater zu gewinnen und aus Ihnen, den ich als absolutes
Dirigiertalent bezeichnete, einen Opern-Kapellmeister zu machen,
dem insbesonders gewisse Werke die Ihrer Eigenart liegen würden,
übertragen werden könnten. Abgesehen davon, müsste Ihnen probe-
weise eine Zeit zur Verfügung gestellt werden, während der Sie
die gewissen Erfahrungen die das Handwerk mit sich bringt, zu
machen hätten. Ich erklärte ihm, dass sein Risiko bei der ganzen
Sache kein grosses wäre; Sie wären heute noch eine verhältnismässig
billige Kraft; gelingt das Experiment, dann bedeutet es für sein
Unternehmen geradezu eine Sensation, gelingt es nicht, dann hat
er das Bewusstsein, etwas Eigenartiges und Gutes gewollt zu haben,
was eben nicht durchführbar gewesen wäre.
Die Sache hat ihn unter dem Eindrucke unserer damaligen
Unterredung sehr interessiert. Wie er sich zu der Sache weiter
verhalten hat, ob er Ihnen schon geschrieben hat oder ob er sich
die Sache von irgend einem Berater gleich wieder aus dem Kopfe
schlagen liess, weiss ich nicht. Er wollte Sie auf seine Kosten
zunächst nach Breslau kommen lassen, um Sie kennen zu lernen und
mit Ihnen unverbindlich über die Angelegenheit zu sprechen.
Unterredung sehr interessiert. Wie er sich zu der Sache weiter
verhalten hat, ob er Ihnen schon geschrieben hat oder ob er sich
die Sache von irgend einem Berater gleich wieder aus dem Kopfe
schlagen liess, weiss ich nicht. Er wollte Sie auf seine Kosten
zunächst nach Breslau kommen lassen, um Sie kennen zu lernen und
mit Ihnen unverbindlich über die Angelegenheit zu sprechen.
Ich weiss nun allerdings nicht, wie Sie zu dieser Idee
stehen. Vielleicht ist es jetzt schon zu spät, einen derart ge-
fährlichen Sprung in eine neue Karriere zu wagen, vielleicht aber
auch nicht. Ich habe es jedenfalls gut gemeint und harre mit In-
teresse Ihrer Mitteilung, ob die Sache weiter verfolgt wer-
den kann.
stehen. Vielleicht ist es jetzt schon zu spät, einen derart ge-
fährlichen Sprung in eine neue Karriere zu wagen, vielleicht aber
auch nicht. Ich habe es jedenfalls gut gemeint und harre mit In-
teresse Ihrer Mitteilung, ob die Sache weiter verfolgt wer-
den kann.
Bis diese Zeilen in Ihre Hände gelangt sind, ist das
Schauer-Jahr 1914 vorbei und ich wünsche Ihnen für das kommende
Jahr alles Gute und Schöne.
Schauer-Jahr 1914 vorbei und ich wünsche Ihnen für das kommende
Jahr alles Gute und Schöne.
Schreiben
„Modernen Liedes“
Das moderne Lied, Wien 1915,
U. E.
5500.
Auflagen
Pierrot lunaire op. 21; Lieferdatum: 3. Juli 1914, Auflage: 200; Büttenausgabe
Lieferdatum: 30. Juli 1914, Auflage: 50
(Buchon 2015, Bd.
5, S. 663); Streichquartett Nr. 2 op. 10:
Lieferdatum: 7. Oktober 1910, Auflage: 94
; Lieferdatum: 31. Jänner 1912, Auflage:
157 (ASGA B 20, S.
140).
abgelehnt wurde
Arnold Schönberg an Karl Ritter von Wiener, 29. November
1911 (ASCC 7816).
Manuskript
Partiturreinschrift, autograph
(ASGA B 6/2, Quelle C).
UNIVERSAL-EDITION, A.-G.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Seeburgstr. 14–20
WIEN
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Musikvereinsgebäude
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 3228, 4533·Bank-Konto: k-k·priv·öst·
Länderbank. Wien·Postsparkassen·Konto 57557.
Wien30. Dezember 1914
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Seeburgstr. 14–20
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 3228, 4533·Bank-Konto: k-k·priv·öst·
Länderbank. Wien·Postsparkassen·Konto 57557.
Wien30. Dezember 1914
W
Lieber Herr Schönberg!
Soeben erhalte ich Ihr liebes Schreiben1 vom 21. ds. Es dauert also neun Tage, bis Nachrichten aus Berlin hieher gelangen. Das ist ja schon
beinahe, wie es in der Zeit der Postkutsche gewesen ist. Aber man gewöhnt
sich daran, wie an vieles Andere, das einem vor Jahresfrist noch unmöglich
und phantastisch erschienen wäre.
Ihrem Wunsche entsprechend erkläre ich mich damit einverstanden, Ihnen für
zka. 100 Kronen Ladenpreis Musikalien auf Konto zu liefern und sende ihnen
mitfolgend einen Katalog zum Zwecke der Auswahl ein.
Was Ihre Wünsche wegen weiterer Freiexemplare betrifft, so kann ich Ihnen
die Exemplare des Sextetts nicht schicken, nachdem Sie sich diesbzgl. an den Drei
Lilien-Verlag
Berlin, wenden müssten. Die
Exemplare des „Modernen Liedes“2 erscheinen erst in etwa
acht Tagen und Sie erhalten dann die Beleg-Exemplare sofort. Von der
grossen Partitur „Pierrot“ und der Partitur des
II. Quartetts lasse ich Ihnen noch je 4 Exemplare zugehen,
nachdem aber von beiden Werken keine grossen Auflagen3 gedruckt wurden, bitten wir Sie um möglichste
Sparsamkeit bei der Verteilung.
Ihre Betrachtungen über die Wiener
Verhältnisse können dahin ergänzt werden, dass der Fall nicht nur in
Wien, sondern überall ganz
ähnlich liegt oder haben Sie es erfahren, dass es in Berlin so viel besser wäre? Dass die Stellung,
die Sie vor zwei Jahren in der Tasche hatten von Ihnen damals abgelehnt wurde4, ist nicht die Schuld von
Wien und von Wiener. Das wissen Sie ja am besten.
Unmittelbar vor den Feiertagen war der Direktor des Stadt-Theaters in Breslau, Runge bei mir.
Wir sprachen über verschiedene Opernwerke und es kam die Rede auf die
Kapellmeister-Frage. Er möchte neben seinem ersten
Kapellmeister Prüwer, auch noch einen
zweiten haben, eine jüngere Kraft, nicht teuer, möglichst eine interessantere musikalische Persönlichkeit. Ich frug
ihn, ob er Lust zu einem interessanten Experiment hätte und als er im
Prinzipe zustimmte, habe ich ihm geraten, Sie für das
Stadt-Theater zu gewinnen und aus Ihnen, den
ich als absolutes Dirigiertalent bezeichnete, einen Opern-Kapellmeister zu
machen, dem insbesonders gewisse Werke die Ihrer Eigenart liegen würden,
übertragen werden könnten. Abgesehen davon, müsste Ihnen probeweise eine Zeit zur Verfügung gestellt werden, während der Sie
die gewissen Erfahrungen die das Handwerk mit sich bringt, zu machen
hätten. Ich erklärte ihm, dass sein Risiko bei der ganzen Sache kein
grosses wäre; Sie wären heute noch eine verhältnismässig billige Kraft;
gelingt das Experiment, dann bedeutet es für sein Unternehmen geradezu eine
Sensation, gelingt es nicht, dann hat er das Bewusstsein, etwas
Eigenartiges und Gutes gewollt zu haben, was eben nicht durchführbar
gewesen wäre.
Die Sache hat ihn unter dem Eindrucke unserer damaligen Unterredung sehr
interessiert. Wie er sich zu der Sache weiter verhalten hat, ob er Ihnen
schon geschrieben hat oder ob er sich die Sache von irgend einem Berater
gleich wieder aus dem Kopfe schlagen liess, weiss ich nicht. Er wollte Sie
auf seine Kosten zunächst nach Breslau kommen lassen, um Sie kennen zu lernen und mit
Ihnen unverbindlich über die Angelegenheit zu sprechen.
Ich weiss nun allerdings nicht, wie Sie zu dieser Idee stehen. Vielleicht
ist es jetzt schon zu spät, einen derart gefährlichen Sprung in eine neue Karriere zu wagen, vielleicht
aber auch nicht. Ich habe es jedenfalls gut gemeint und harre mit Interesse Ihrer Mitteilung, ob die Sache weiter verfolgt werden kann.
Bis diese Zeilen in Ihre Hände gelangt sind, ist das Schauer-Jahr 1914 vorbei und ich wünsche Ihnen für das kommende
Jahr alles Gute und Schöne.
Schreiben
„Modernen Liedes“
Das moderne Lied, Wien 1915,
U. E.
5500.
Auflagen
Pierrot lunaire op. 21; Lieferdatum: 3. Juli 1914, Auflage: 200; Büttenausgabe
Lieferdatum: 30. Juli 1914, Auflage: 50
(Buchon 2015, Bd.
5, S. 663); Streichquartett Nr. 2 op. 10:
Lieferdatum: 7. Oktober 1910, Auflage: 94
; Lieferdatum: 31. Jänner 1912, Auflage:
157 (ASGA B 20, S.
140).
abgelehnt wurde
Arnold Schönberg an Karl Ritter von Wiener, 29. November
1911 (ASCC 7816).
Manuskript
Partiturreinschrift, autograph
(ASGA B 6/2, Quelle C).
30. Dezember 1914
The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Brief
Zitierhinweis:
Universal-Edition an Arnold Schönberg, 30. Dezember 1914, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17567.