Universal-Edition an Arnold Schönberg
16. Juni 1915
UNIVERSAL-EDITION, A.-G.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Seeburgstr. 14–20
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 3228, 4533·Bank-Konto: k-k·priv·öst·
Länderbank. Wien·Postsparkassen·Konto 57557.
Wien 16. Juni 1915.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Seeburgstr. 14–20
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 3228, 4533·Bank-Konto: k-k·priv·öst·
Länderbank. Wien·Postsparkassen·Konto 57557.
Wien 16. Juni 1915.
Lieber Herr Schönberg!
Es ist mir nicht leicht, auf Ihr Schreiben1 vom 9. ds.,
das ich eben erst erhalte, zu antworten. Manches was Sie sagen,
erfordert Widerspruch und Berichtigung; ich glaube aber, dass
es besser ist, wenn ich diejenigen Dinge, in denen ich mit
Ihnen nicht übereinstimme, einfach unberührt lasse, weil ja
bei einer derartigen Polemik nichts herauskommt und Ihnen auch
damit nicht geholfen wäre, wenn ich Ihnen oder Sie mir bewei-
sen könnten, dass der andere Teil unrecht hat.
das ich eben erst erhalte, zu antworten. Manches was Sie sagen,
erfordert Widerspruch und Berichtigung; ich glaube aber, dass
es besser ist, wenn ich diejenigen Dinge, in denen ich mit
Ihnen nicht übereinstimme, einfach unberührt lasse, weil ja
bei einer derartigen Polemik nichts herauskommt und Ihnen auch
damit nicht geholfen wäre, wenn ich Ihnen oder Sie mir bewei-
sen könnten, dass der andere Teil unrecht hat.
Was die Hilfs-Aktion betrifft, so habe ich mich
inzwischen näher informiert und ich glaube, dass es einer direkten
Protektion bei Herrn von Wiener nicht bedarf. Ich bitte Sie
ein Schreiben an die: Offizielle Hilfs-Aktion für notleidende
Musiker, Wien I. Konzerthaus-Gesellschaft zu richten und in
diesem Schreiben um Gewährung eines Darlehens von K 200.–
monatlich zu bitten. Ich glaube zwar, dass Sie diesen Betrag
nicht werden bekommen können, sondern wohl nur die Hälfte, aber
es ist ja immer besser in so einem Falle mehr anzusprechen.
inzwischen näher informiert und ich glaube, dass es einer direkten
Protektion bei Herrn von Wiener nicht bedarf. Ich bitte Sie
ein Schreiben an die: Offizielle Hilfs-Aktion für notleidende
Musiker, Wien I. Konzerthaus-Gesellschaft zu richten und in
diesem Schreiben um Gewährung eines Darlehens von K 200.–
monatlich zu bitten. Ich glaube zwar, dass Sie diesen Betrag
nicht werden bekommen können, sondern wohl nur die Hälfte, aber
es ist ja immer besser in so einem Falle mehr anzusprechen.
Gleichzeitig bitte ich Sie, ein Schreiben an die
„Kunstfürsorge“2 zu Handen des geschäftsführenden Vize-Präsi-
denten Herrn Paul Wilhelm zu richten und in diesem Schreiben
entweder ein einmaliges Darlehen, oder einen monatlichen Dar-
lehensbetrag in der Höhe von etwa K 200.– zu beanspruchen.
Dieses an die Kunstfürsorge zu richtende Schreiben wird von un-
serem Herrn Dr. Bittner wärmstens befürwortet werden und es
ist daher möglich, dass Ihrem Wunsche entsprochen werden wird.
„Kunstfürsorge“2 zu Handen des geschäftsführenden Vize-Präsi-
denten Herrn Paul Wilhelm zu richten und in diesem Schreiben
entweder ein einmaliges Darlehen, oder einen monatlichen Dar-
lehensbetrag in der Höhe von etwa K 200.– zu beanspruchen.
Dieses an die Kunstfürsorge zu richtende Schreiben wird von un-
serem Herrn Dr. Bittner wärmstens befürwortet werden und es
ist daher möglich, dass Ihrem Wunsche entsprochen werden wird.
Der Tonkünstler-Verein hat aus seiner
Fürsorge-
Aktion Ihnen ein Darlehen von K 1000.– in fünf Monats Raten à K 200.–
bewilligt. Ohne Wissen und ohne Hinzutun der anderen Ausschuss-
Mitglieder hat ein in seinen freien Stunden kritisierender Mu-
siklehrer, der sich bei den Fürsorge-Arbeiten ausserordentlich
fleissig betätigt, sich verpflichtet gefühlt, Ihnen ein Begleit-
schreiben3 zu senden. Derselbe hat mir einige Andeutungen über
den Inhalt des Briefes gemacht, die ich ihm gegenüber sofort
als in hohem Grade unpassend bezeichnet habe. Da es sich um
eine private Enuntiation des erwähnten Herrn handelt, bitte
ich Sie, falls irgend etwas in dem Briefe gestanden hätte, was
Ihnen nicht recht ist, dafür nach gar keiner Richtung hin den
Wiener Tonkünstler-Verein verantwortlich zu machen und zur
Kenntnis zu nehmen, dass der bewilligte Darlehens-Betrag in
gar keinem Zusammenhang mit der Schreiberei des betreffenden
Klavierlehrers ist.
Aktion Ihnen ein Darlehen von K 1000.– in fünf Monats Raten à K 200.–
bewilligt. Ohne Wissen und ohne Hinzutun der anderen Ausschuss-
Mitglieder hat ein in seinen freien Stunden kritisierender Mu-
siklehrer, der sich bei den Fürsorge-Arbeiten ausserordentlich
fleissig betätigt, sich verpflichtet gefühlt, Ihnen ein Begleit-
schreiben3 zu senden. Derselbe hat mir einige Andeutungen über
den Inhalt des Briefes gemacht, die ich ihm gegenüber sofort
als in hohem Grade unpassend bezeichnet habe. Da es sich um
eine private Enuntiation des erwähnten Herrn handelt, bitte
ich Sie, falls irgend etwas in dem Briefe gestanden hätte, was
Ihnen nicht recht ist, dafür nach gar keiner Richtung hin den
Wiener Tonkünstler-Verein verantwortlich zu machen und zur
Kenntnis zu nehmen, dass der bewilligte Darlehens-Betrag in
gar keinem Zusammenhang mit der Schreiberei des betreffenden
Klavierlehrers ist.
erscheint mir sehr erfreulich und ich werde mich selbstver-
ständlich, falls Sie in Wien Gelegenheit fänden, mich zu
sprechen, zu Ihrer Verfügung halten.
ständlich, falls Sie in Wien Gelegenheit fänden, mich zu
sprechen, zu Ihrer Verfügung halten.
Mit herzlichen Grüssen
Ihr Ihnen ganz ergebener
Schreiben
„Kunstfürsorge“
„Das gefertigte, aus Künstlern und Kunstfreunden gebildete Komitee
hat es sich zur Aufgabe gemacht, den durch die Kriegslage notleidend
gewordenen Künstlern in würdiger Weise zu helfen, von der festen
Ueberzeugung durchdrungen, daß kein warmfühlendes Herz, das je vom
Zauber der Kunst ergriffen wurde, sich nun ihrem Hilferuf
verschließen wird!“ (Fremden-Blatt 1915).
Dem Präsidium gehörten u. a. an: der Komponist Julius Bittner und der Schriftsteller
Paul Wilhelm, ein
Jugendfreund Schönbergs. Dem
Komitee gehörten u. a. an: Anna
Bahr-Mildenburg, Edmund
Eysler, Leo
Fall, Leo Feld,
Emil Hertzka, Wilhelm Klitsch, Franz Lehar, Felix Salten, Artur Schnitzler, Moriz Violin und Erika Stiedry Wagner.
Begleitschreiben
UNIVERSAL-EDITION, A.-G.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Seeburgstr. 14–20
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 3228, 4533·Bank-Konto: k-k·priv·öst·
Länderbank. Wien·Postsparkassen·Konto 57557.
Wien 16. Juni 1915.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Seeburgstr. 14–20
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 3228, 4533·Bank-Konto: k-k·priv·öst·
Länderbank. Wien·Postsparkassen·Konto 57557.
Wien 16. Juni 1915.
Lieber Herr Schönberg!
Es ist mir nicht leicht, auf Ihr Schreiben1 vom 9. ds., das ich eben erst
erhalte, zu antworten. Manches was Sie sagen, erfordert Widerspruch und
Berichtigung; ich glaube aber, dass es besser ist, wenn ich diejenigen
Dinge, in denen ich mit Ihnen nicht übereinstimme, einfach unberührt lasse,
weil ja bei einer derartigen Polemik nichts herauskommt und Ihnen auch
damit nicht geholfen wäre, wenn ich Ihnen oder Sie mir beweisen könnten, dass der andere Teil unrecht hat.
Was die Hilfs-Aktion betrifft, so habe ich mich inzwischen näher informiert und ich glaube, dass es einer
direkten Protektion bei Herrn von
Wiener nicht bedarf. Ich bitte Sie ein Schreiben an die:
Offizielle Hilfs-Aktion für notleidende Musiker, Wien I.
Konzerthaus-Gesellschaft zu richten und in
diesem Schreiben um Gewährung eines Darlehens von K 200.– monatlich zu
bitten. Ich glaube zwar, dass Sie diesen Betrag nicht werden bekommen
können, sondern wohl nur die Hälfte, aber es ist ja immer besser in so
einem Falle mehr anzusprechen.
Gleichzeitig bitte ich Sie, ein Schreiben an die „Kunstfürsorge“2 zu Handen des geschäftsführenden Vize-Präsidenten Herrn Paul Wilhelm
zu richten und in diesem Schreiben entweder ein einmaliges Darlehen, oder
einen monatlichen Darlehensbetrag in der Höhe von etwa K 200.– zu beanspruchen.
Dieses an die Kunstfürsorge zu richtende
Schreiben wird von unserem Herrn Dr. Bittner
wärmstens befürwortet werden und es ist daher möglich, dass Ihrem Wunsche
entsprochen werden wird.
Der Tonkünstler-Verein hat aus seiner
Fürsorge-Aktion Ihnen ein Darlehen von K 1000.– in fünf Monats Raten à K 200.– bewilligt. Ohne Wissen
und ohne Hinzutun der anderen Ausschuss-Mitglieder hat ein in
seinen freien Stunden kritisierender Musiklehrer, der sich bei den Fürsorge-Arbeiten
ausserordentlich fleissig betätigt, sich verpflichtet gefühlt, Ihnen ein Begleitschreiben3 zu senden. Derselbe hat mir einige Andeutungen über den Inhalt des
Briefes gemacht, die ich ihm gegenüber sofort als in hohem Grade unpassend
bezeichnet habe. Da es sich um eine private Enuntiation des erwähnten Herrn handelt, bitte ich Sie, falls irgend
etwas in dem Briefe gestanden hätte, was Ihnen nicht recht ist, dafür nach
gar keiner Richtung hin den
Wiener Tonkünstler-Verein verantwortlich zu
machen und zur Kenntnis zu nehmen, dass der bewilligte Darlehens-Betrag in
gar keinem Zusammenhang mit der Schreiberei des betreffenden
Klavierlehrers ist.
Die Aussicht, dass Sie den Sommer als Gast von Frau
Lieser in Hietzing und auf dem Semmering verbringen können, erscheint mir sehr erfreulich und ich werde mich selbstverständlich, falls Sie in Wien Gelegenheit fänden, mich zu sprechen, zu Ihrer
Verfügung halten.
Schreiben
„Kunstfürsorge“
„Das gefertigte, aus Künstlern und Kunstfreunden gebildete Komitee
hat es sich zur Aufgabe gemacht, den durch die Kriegslage notleidend
gewordenen Künstlern in würdiger Weise zu helfen, von der festen
Ueberzeugung durchdrungen, daß kein warmfühlendes Herz, das je vom
Zauber der Kunst ergriffen wurde, sich nun ihrem Hilferuf
verschließen wird!“ (Fremden-Blatt 1915).
Dem Präsidium gehörten u. a. an: der Komponist Julius Bittner und der Schriftsteller
Paul Wilhelm, ein
Jugendfreund Schönbergs. Dem
Komitee gehörten u. a. an: Anna
Bahr-Mildenburg, Edmund
Eysler, Leo
Fall, Leo Feld,
Emil Hertzka, Wilhelm Klitsch, Franz Lehar, Felix Salten, Artur Schnitzler, Moriz Violin und Erika Stiedry Wagner.
Begleitschreiben
16. Juni 1915
The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Brief
Zitierhinweis:
Universal-Edition an Arnold Schönberg, 16. Juni 1915, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17578.