D/M.
Wien, 11. Mai 1928.
Herrn
Verehrter, lieber Meister Schönberg!
Gestern aus Deutschland zurückgekehrt, finde ich
Ihr liebes Schreiben vom 7. Mai vor. Ich habe mich sofort in
der Angelegenheit der Arbeiten von Greissle erkundigt und
kann Ihnen nun mitteilen, dass die Einkünfte, die er vom
1. Jänner bis 7. Mai durch Arbeiten in der U.E. hatte, S 1414.–
betragen haben, das sind also etwa 320 S monatlich. Aller-
dings muss berücksichtigt werden, dass Herr Greissle in den
ersten Monaten mehr mit Kollationierungen beschäftigt war,
später jedoch mehr mit Kopiaturarbeiten. Die Kollationierungs-
arbeiten sind selbstverständlich diejenigen, die weit mehr
einbringen. Nun hat es sich aber leider herausgestellt, dass
Herr Greissle für Kollationierungsarbeiten nicht genügend ver-
lässlich ist und, nachdem wiederholte Anstände vorgekommen sind,
mussten die Kollationierungsarbeiten anderweitig vergeben werden,
während ihm Kopiaturarbeiten zufielen. Es kann betont werden,
dass Herr Greissle ausserodentlich fleissig ist, die Kopia-
turen im allgemeinen zur besten Zufriedenheit macht und auch
verhältnismässig grosse Arbeiten in kurzer Zeit erledigt, so
dass nach dieser Richtung hin noch niemals ein Anstand vorge-
kommen ist. Vielleicht wird es möglich sein, ihm bei Gelegenheit

wieder eine Kollationierungsarbeit probeweise zu übertragen. Sollte
sich dann seine Arbeit als absolut verlässlich erweisen, dann wäre
er sicherlich in der Lage, mehr zu verdienen. ich werde mir aber von
nun ab monatlich über die Beschäftigung und über das Einkommen von
Herrn Greissle Bericht erstatten lassen und, wenn es nötig erscheint,
zu seinen Gunsten intervenieren.
Ich freue mich sehr, dass Sie an „Pult und Taktstock
einen kleinen Beitrag sandten und auch einen Artikel in Aussicht
stellen.
In Wiesbaden ist leider die „Erwartung“ ausgeblieben.
Ich war sehr desperat, als ich abends, knapp bevor ich ins Theater
wollte, erfuhr, dass infolge Erkrankung eines Hauptdarstellers in
Busoni’sTurandot“ mit der Turandot auch die Erwartung abgesagt
werden musste, nachdem kein anderes Ergänzungswerk möglich war.
Bekker hat das natürlich auch sehr bedauert und will das Werk in
dieser Saison jedenfalls noch 1–2 mal geben.
Die drei Krenek-Einakter1 hatten starken Erfolg. Sie kom-
men dem Publikum sehr entgegen.
Mit vielen herzlichen Grüssen, auch an Ihre verehrte
Frau,
Ihr in aufrichtiger Verehrung ergebener
Emil Hertzka

D/M.
Wien, 11. Mai 1928.
Verehrter, lieber Meister Schönberg!
Gestern aus Deutschland zurückgekehrt, finde ich Ihr liebes Schreiben vom 7. Mai vor. Ich habe mich sofort in der Angelegenheit der Arbeiten von Greissle erkundigt und kann Ihnen nun mitteilen, dass die Einkünfte, die er vom 1. Jänner bis 7. Mai durch Arbeiten in der U.E. hatte, S 1414.– betragen haben, das sind also etwa 320 S monatlich. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass Herr Greissle in den ersten Monaten mehr mit Kollationierungen beschäftigt war, später jedoch mehr mit Kopiaturarbeiten. Die Kollationierungsarbeiten sind selbstverständlich diejenigen, die weit mehr einbringen. Nun hat es sich aber leider herausgestellt, dass Herr Greissle für Kollationierungsarbeiten nicht genügend verlässlich ist und, nachdem wiederholte Anstände vorgekommen sind, mussten die Kollationierungsarbeiten anderweitig vergeben werden, während ihm Kopiaturarbeiten zufielen. Es kann betont werden, dass Herr Greissle ausserodentlich fleissig ist, die Kopiaturen im allgemeinen zur besten Zufriedenheit macht und auch verhältnismässig grosse Arbeiten in kurzer Zeit erledigt, so dass nach dieser Richtung hin noch niemals ein Anstand vorgekommen ist. Vielleicht wird es möglich sein, ihm bei Gelegenheit wieder eine Kollationierungsarbeit probeweise zu übertragen. Sollte sich dann seine Arbeit als absolut verlässlich erweisen, dann wäre er sicherlich in der Lage, mehr zu verdienen. ich werde mir aber von nun ab monatlich über die Beschäftigung und über das Einkommen von Herrn Greissle Bericht erstatten lassen und, wenn es nötig erscheint, zu seinen Gunsten intervenieren.
Ich freue mich sehr, dass Sie an „Pult und Taktstock“ einen kleinen Beitrag sandten und auch einen Artikel in Aussicht stellen.
In Wiesbaden ist leider die „Erwartung“ ausgeblieben. Ich war sehr desperat, als ich abends, knapp bevor ich ins Theater wollte, erfuhr, dass infolge Erkrankung eines Hauptdarstellers in Busoni’sTurandot“ mit der Turandot auch die Erwartung abgesagt werden musste, nachdem kein anderes Ergänzungswerk möglich war. Bekker hat das natürlich auch sehr bedauert und will das Werk in dieser Saison jedenfalls noch 1–2 mal geben.
Die drei Krenek-Einakter1 hatten starken Erfolg. Sie kommen dem Publikum sehr entgegen.
Mit vielen herzlichen Grüssen, auch an Ihre verehrte Frau,
Ihr in aufrichtiger Verehrung ergebener
Emil Hertzka

11. Mai 1928


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 11. Mai 1928, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17595.

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