LH/Wi.
Herrn
Berlin – Charlottenburg 2,
Steinplatz 2, Pension Bavaria.
Sehr verehrter Meister Schönberg!
Wir danken Ihnen bestens für Ihr Schreiben
vom 16. d. M. und nehmen zur Kenntnis, daß Sie doch keine Tei-
lung von op. 27 wünschen und werden also von einer separaten
Ausgabe des 4. Chores absehen.
Was nun den Stich von op. 28 betrifft, so war
in letzter Zeit unsere Stecherei derartig überbürdet, daß es
bisher nicht möglich war, das Werk zu stechen, obwohl es schon
seit längerer Zeit von uns der Druckerei übergeben1 worden war.
Wir erhielten übrigens gestern das Manuskript2 des Werkes von
der Stecherei zurück mit der Anfrage, wie sie sich bei den
Spiegelkanons3 bezüglich des Untersatzes zu verhalten hat. Wir
sind nun selbst der Ansicht, daß die Spiegelung auch im Unter-
satz zum Ausdruck zu bringen ist, d. h. daß die kleinsten Noten-
einheiten normal zu verteilen und die darüber, bezw. darunter
stehenden größeren Einheiten in die Mitte zwischen die kleineren
zu setzen sind, also zum Beispiel . Da dies jedoch in
Ihrem Manuskript nicht konsequent durchgeführt ist, fragen wir
doch diesbezüglich auf alle Fälle bei Ihnen an, bevor wir der
Druckerei weitere Weisungen in dieser Sache erteilen. – Was den
Text der Spiegelkanons betrifft, müßte nicht auch da die

Spiegelung irgendwie zum Ausdruck gebracht werden?
Auch bei diesem Werk werden wir vorsichtshalber
von dem Chor11, der Instrumentalbegleitung enthält, eine Probe-
seite stechen lassen und sie Ihnen zur Begutachtung einsenden.
Mit dem Stich der übrigen Teile wird sogleich nach Eintreffen
Ihrer Anweisungen begonnen und wir werden alles tun, um den
Stich zu beschleunigen.
Wir haben nun noch eine Anfrage zu op. 28: In
dem Manuskript der Texte zu diesem Werk heißt es beim Anhang:
„Ein Spruch und drei Variationen über ihn“. Wir glauben nun,
daß es sich hier um einen Schreibfehler handeln dürfte und
wohl „zwei Variationen“ heißen soll, da ja der ganze Anhang
nur aus drei Stücken besteht.
Was nun Ihren Wunsch nach einer Berliner Kopiatur
der Stimmen Ihrer neuen Suite betrifft, so legen wir Ihnen über
Wunsch des Herrn Direktors Hertzka nahe, doch die Stimmen in
Wien schreiben zu lassen, eventuell unter Aufsicht eines Ihrer
Freunde (vielleicht Stein), da die Kopiaturkosten in Berlin
ca. das Dreifache der Wiener Preise betragen. Wir glauben, daß
Sie die Arbeit ruhig in Wien machen lassen können, da wir sehr
gewissenhafte Kopisten zur Verfügung haben und diese Arbeit
selbstverständlich nur dem allerbesten und erprobtesten Herrn
unseres Kopistenstabes anvertrauen würden.
Wir erwarten Ihre Antwort auf alle Anfragen dieses
Briefes und zeichnen mit ganz vorzüglicher Hochachtung

LH/Wi.
Herrn
Berlin – Charlottenburg 2,
Steinplatz 2, Pension Bavaria.
Sehr verehrter Meister Schönberg!
Wir danken Ihnen bestens für Ihr Schreiben vom 16. d. M. und nehmen zur Kenntnis, daß Sie doch keine Teilung von op. 27 wünschen und werden also von einer separaten Ausgabe des 4. Chores absehen.
Was nun den Stich von op. 28 betrifft, so war in letzter Zeit unsere Stecherei derartig überbürdet, daß es bisher nicht möglich war, das Werk zu stechen, obwohl es schon seit längerer Zeit von uns der Druckerei übergeben1 worden war. Wir erhielten übrigens gestern das Manuskript2 des Werkes von der Stecherei zurück mit der Anfrage, wie sie sich bei den Spiegelkanons3 bezüglich des Untersatzes zu verhalten hat. Wir sind nun selbst der Ansicht, daß die Spiegelung auch im Untersatz zum Ausdruck zu bringen ist, d. h. daß die kleinsten Noteneinheiten normal zu verteilen und die darüber, bezw. darunter stehenden größeren Einheiten in die Mitte zwischen die kleineren zu setzen sind, also zum Beispiel . Da dies jedoch in Ihrem Manuskript nicht konsequent durchgeführt ist, fragen wir doch diesbezüglich auf alle Fälle bei Ihnen an, bevor wir der Druckerei weitere Weisungen in dieser Sache erteilen. – Was den Text der Spiegelkanons betrifft, müßte nicht auch da die Spiegelung irgendwie zum Ausdruck gebracht werden?
Auch bei diesem Werk werden wir vorsichtshalber von dem Chor11, der Instrumentalbegleitung enthält, eine Probeseite stechen lassen und sie Ihnen zur Begutachtung einsenden. Mit dem Stich der übrigen Teile wird sogleich nach Eintreffen Ihrer Anweisungen begonnen und wir werden alles tun, um den Stich zu beschleunigen.
Wir haben nun noch eine Anfrage zu op. 28: In dem Manuskript der Texte zu diesem Werk heißt es beim Anhang: „Ein Spruch und drei Variationen über ihn“. Wir glauben nun, daß es sich hier um einen Schreibfehler handeln dürfte und wohl „zwei Variationen“ heißen soll, da ja der ganze Anhang nur aus drei Stücken besteht.
Was nun Ihren Wunsch nach einer Berliner Kopiatur der Stimmen Ihrer neuen Suite betrifft, so legen wir Ihnen über Wunsch des Herrn Direktors Hertzka nahe, doch die Stimmen in Wien schreiben zu lassen, eventuell unter Aufsicht eines Ihrer Freunde (vielleicht Stein), da die Kopiaturkosten in Berlin ca. das Dreifache der Wiener Preise betragen. Wir glauben, daß Sie die Arbeit ruhig in Wien machen lassen können, da wir sehr gewissenhafte Kopisten zur Verfügung haben und diese Arbeit selbstverständlich nur dem allerbesten und erprobtesten Herrn unseres Kopistenstabes anvertrauen würden.
Wir erwarten Ihre Antwort auf alle Anfragen dieses
Briefes und zeichnen mit ganz vorzüglicher Hochachtung

Dr Alfred Kalmus

21. April 1926


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 21. April 1926, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17656.

Download:
Dieses Dokument als TEI-XML herunterladen