Wohlgeboren
Sehr geehrter Herr Schönberg!
Ich hoffe Sie inzwischen aus Amsterdam zurückgekehrt
und erwarte mit grösstem Interesse Ihre Nachrichten, sowohl in
Bezug auf die stattgehabte Aufführung1, als auch bezüglich der in
Aussicht genommenen „Gurrelieder“-Aufführung.
Meine Versuche, dass Sie die Wiener Aufführung2 der
Gurrelieder“ diesmal leiten, haben keinen Erfolg gehabt. Die Sache
musste an zahlreichen kleinen Schwierigkeiten scheitern, die schwerer
zu beseitigen gewesen wären als eine einzige grosse.
Von Wood ist inzwischen durch Vermittlung der Firma
Breitkopf & Härtel wegen der Bedingungen für die projektierte
Gurrelieder“ Aufführung angefragt worden, die ich auch sofort be-
kanntgegeben habe. Wie sorgfältig Wood die Aufführung vorzubereiten
gedenkt, geht daraus hervor, dass er das Material für 9 Monate ge-
liehen haben will.
Unmittelbar nach der Wiener Aufführung wird mit
der Vervielfältigung des Materiales begonnen werden, vorausge-
setzt, dass die Unterhandlungen mit Mengelberg und Wood zu einem
definitiven Abschluss kommen. Um aber jedwede überflüssige Kosten
zu ersparen (denn die normalen Kosten verschlingen ja schon ein

kleines Vermögen) muss ich für die Druckerei ein tadelloses
Vorlagematerial von Partitur und Stimmen erhalten. Bei dem
Umfang und der Kompliziertheit dieser Sache würden nachträgliche
Korrekturen, Aenderungen, Retouchen und dergl. derart hohe Kosten
verursachen, dass wir sie tatsächlich nicht tragen könnten.
Nachdem Sie die Beschaffenheit des Materiales aus Ihren Proben
und Aufführungen nunmehr genau kennen, erbitte ich mir Ihre
baldigsten Vorschläge und Aeusserungen in dieser Angelegenheit,
damit wir am Tage nach der Wiener Aufführung die Organisierung
der ganzen Vervielfältigungsarbeit beginnen können.
Hoffentlich erhalte ich nun auch bald die Korrektur-
Abzüge der „Pierrot Lieder“. Ich habe das Werk in meinem Frühjahrs-
Katalog bereits angekündigt, da es ja schon seit Monaten gestochen
vorliegt.
Die Kriti[t]ken über den Leipziger Erfolg3 lasse ich in
ähnlicher Weise, wie über die erste Wiener Aufführung drucken
und benütze[n] sie als weiteres Propaganda-Material.
Mit vielen herzlichen Grüssen Ihr in warmer Verehrung ergebener
P. S. Per Postpaket liess ich Ihnen
die Orchester partitur4 zu
SchrekerDer ferne Klang“ als
Dedikationsexemplar zugehen.
Wohlgeboren
Sehr geehrter Herr Schönberg!
Ich hoffe Sie inzwischen aus Amsterdam zurückgekehrt und erwarte mit grösstem Interesse Ihre Nachrichten, sowohl in Bezug auf die stattgehabte Aufführung1, als auch bezüglich der in Aussicht genommenen „Gurrelieder“-Aufführung.
Meine Versuche, dass Sie die Wiener Aufführung2 der „Gurrelieder“ diesmal leiten, haben keinen Erfolg gehabt. Die Sache musste an zahlreichen kleinen Schwierigkeiten scheitern, die schwerer zu beseitigen gewesen wären als eine einzige grosse.
Von Wood ist inzwischen durch Vermittlung der Firma Breitkopf & Härtel wegen der Bedingungen für die projektierte „Gurrelieder“ Aufführung angefragt worden, die ich auch sofort bekanntgegeben habe. Wie sorgfältig Wood die Aufführung vorzubereiten gedenkt, geht daraus hervor, dass er das Material für 9 Monate geliehen haben will.
Unmittelbar nach der Wiener Aufführung wird mit der Vervielfältigung des Materiales begonnen werden, vorausgesetzt, dass die Unterhandlungen mit Mengelberg und Wood zu einem definitiven Abschluss kommen. Um aber jedwede überflüssige Kosten zu ersparen (denn die normalen Kosten verschlingen ja schon ein kleines Vermögen) muss ich für die Druckerei ein tadelloses Vorlagematerial von Partitur und Stimmen erhalten. Bei dem Umfang und der Kompliziertheit dieser Sache würden nachträgliche Korrekturen, Aenderungen, Retouchen und dergl. derart hohe Kosten verursachen, dass wir sie tatsächlich nicht tragen könnten. Nachdem Sie die Beschaffenheit des Materiales aus Ihren Proben und Aufführungen nunmehr genau kennen, erbitte ich mir Ihre baldigsten Vorschläge und Aeusserungen in dieser Angelegenheit, damit wir am Tage nach der Wiener Aufführung die Organisierung der ganzen Vervielfältigungsarbeit beginnen können.
Hoffentlich erhalte ich nun auch bald die Korrektur-Abzüge der „Pierrot Lieder“. Ich habe das Werk in meinem Frühjahrs-Katalog bereits angekündigt, da es ja schon seit Monaten gestochen vorliegt.
Die Kritiken über den Leipziger Erfolg3 lasse ich in ähnlicher Weise, wie über die erste Wiener Aufführung drucken und benütze sie als weiteres Propaganda-Material.
Mit vielen herzlichen Grüssen Ihr in warmer Verehrung ergebener
Hertzka
P. S. Per Postpaket liess ich Ihnen die Orchester partitur4 zu SchrekerDer ferne Klang“ als Dedikationsexemplar zugehen.

17. März 1914


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 17. März 1914, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17697.

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