schl/Wi.
Wien, 25. Jänner 1947.
Herrn
Los Angeles, 24, California
Sehr verehrter Meister!
Besten Dank für Ihren Brief vom 23. XII. Es wurde hier sehr
viel darüber gesprochen, dass Stadt und Staat Ihnen gemein-
sam ein Angebot machen wollten, das Ihnen die Möglichkeit
gäbe, bei einer Uebersiedlung nach Wien ganz Ihrem Schaffen
zu leben. Ich wurde in diesem Zusammenhang auch einmal ge-
fragt, ob ich glaube, dass Sie die Leitung der Musikakademie
übernehmen würden, wobei ausdrücklich darauf hingewiesen
wurde, dass Sie hiebei jedoch nicht mit Arbeit überlastet
werden sollten, sondern es sich mehr um eine Ehrenpräsident-
schaft handle, für die aber irgendein monatlicher Betrag
ausgesetzt werden sollte, d. h. die Stelle sollte so sein,
dass Sie jede Tätigkeit, die Ihnen Freude macht, ausüben
können, ohne aber an irgendeine bestimmte Tätigkeit für be-
stimmte Zeit gebunden zu sein. Ich habe damals geantwortet,
dass ich selbstverständlich Ihre Intentionen nicht kenne,
aber glaube, dass Sie sich zumindest über ein solches Ange-
bot freuen würden. Leider ziehen sich alle diese Verhandlun-
gen ungeheuer in die Länge und es sprechen natürlich auch
viele Menschen mit, die keine Ahnung haben, worum es sich
eigentlich handelt. Ich werde mich jetzt einmal erkundigen,
was aus der Angelegenheit geworden ist, werde dies selbst-
verständlich aber tun, ohne mich irgendwie auf Sie oder Ihren
Brief zu berufen.
Mit ergebensten Grüssen und den besten Wünschen

schl/Wi.
Wien, 25. Jänner 1947.
Herrn
Los Angeles, 24, California
Sehr verehrter Meister!
Besten Dank für Ihren Brief vom 23. XII. Es wurde hier sehr viel darüber gesprochen, dass Stadt und Staat Ihnen gemeinsam ein Angebot machen wollten, das Ihnen die Möglichkeit gäbe, bei einer Uebersiedlung nach Wien ganz Ihrem Schaffen zu leben. Ich wurde in diesem Zusammenhang auch einmal gefragt, ob ich glaube, dass Sie die Leitung der Musikakademie übernehmen würden, wobei ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, dass Sie hiebei jedoch nicht mit Arbeit überlastet werden sollten, sondern es sich mehr um eine Ehrenpräsidentschaft handle, für die aber irgendein monatlicher Betrag ausgesetzt werden sollte, d. h. die Stelle sollte so sein, dass Sie jede Tätigkeit, die Ihnen Freude macht, ausüben können, ohne aber an irgendeine bestimmte Tätigkeit für bestimmte Zeit gebunden zu sein. Ich habe damals geantwortet, dass ich selbstverständlich Ihre Intentionen nicht kenne, aber glaube, dass Sie sich zumindest über ein solches Angebot freuen würden. Leider ziehen sich alle diese Verhandlungen ungeheuer in die Länge und es sprechen natürlich auch viele Menschen mit, die keine Ahnung haben, worum es sich eigentlich handelt. Ich werde mich jetzt einmal erkundigen, was aus der Angelegenheit geworden ist, werde dies selbstverständlich aber tun, ohne mich irgendwie auf Sie oder Ihren Brief zu berufen.
Mit ergebensten Grüssen und den besten Wünschen
Schlee

25. Jänner 1947


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 25. Jänner 1947, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17734.

Download:
Dieses Dokument als TEI-XML herunterladen