Schl/Be
Wien, 27. Oktober 1949.
Mr.
Los Angeles 24,
California, USA.
Verehrter Meister!
Gestern fand das Festkonzert1 statt, dessen Programm2 ich
Ihnen beiliegend sende.
Erfreulich, und ich muss leider sagen überraschenderweise,
war der Saal fast bis auf den letzten Platz besetzt. Die
Aufführung war fast durchwegs gut. Interessieren wird Sie,
wahrscheinlich, dass das Klavierkonzert einen geradezu un-
geheuren Erfolg gehabt hat.
In der Pause konnten wir ein Gespräch belauschen, das aber
wahrscheinlich auch nur in Wien geführt werden kann. Der
diensthabende Wachmann sagte zu einem Herrn in der Diskus-
sion über das Gehörte: „Aber sehen Sie sich doch einmal
die Sachen genau an. Es lässt sich doch alles auf Tonika,
Dominante und Subdominante zurückführen.“
Ich hatte auch das Glück, vor kurzer Zeit in Paris dem
Konzert3 beizuwohnen, das Leibowitz zu Ihren Ehren veran-
staltete. Es war für mich sehr interessant, die „Ode an
Napoleon
“ von Frau Leibowitz zu hören, die dieser schwie-
rigen Aufgabe durchaus gewachsen war. Das Werk machte einen
solchen Eindruck, dass es sogar wiederholt werden musste.
Ergebenste Grüsse
1 Beilage

Schl/Be
Wien, 27. Oktober 1949.
Mr.
Los Angeles 24,
California, USA.
Verehrter Meister!
Gestern fand das Festkonzert1 statt, dessen Programm2 ich Ihnen beiliegend sende.
Erfreulich, und ich muss leider sagen überraschenderweise, war der Saal fast bis auf den letzten Platz besetzt. Die Aufführung war fast durchwegs gut. Interessieren wird Sie, wahrscheinlich, dass das Klavierkonzert einen geradezu ungeheuren Erfolg gehabt hat.
In der Pause konnten wir ein Gespräch belauschen, das aber wahrscheinlich auch nur in Wien geführt werden kann. Der diensthabende Wachmann sagte zu einem Herrn in der Diskussion über das Gehörte: „Aber sehen Sie sich doch einmal die Sachen genau an. Es lässt sich doch alles auf Tonika, Dominante und Subdominante zurückführen.“
Ich hatte auch das Glück, vor kurzer Zeit in Paris dem Konzert3 beizuwohnen, das Leibowitz zu Ihren Ehren veranstaltete. Es war für mich sehr interessant, die „Ode an Napoleon“ von Frau Leibowitz zu hören, die dieser schwierigen Aufgabe durchaus gewachsen war. Das Werk machte einen solchen Eindruck, dass es sogar wiederholt werden musste.
Ergebenste Grüsse Schlee 1 Beilage

27. Oktober 1949


Beilage: Programm, 26. Oktober 1949 (ASCI CP5835)

The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection

Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 27. Oktober 1949, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17760.

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