Schl/Wi.
Wien, 28. November 1949.
Herrn
Los Angeles 24, Calif./USA
Sehr verehrter, lieber Herr Professor!
Besten Dank für Ihren Brief vom 15. November. Ich verstehe
zwar nicht, inwiefern Sie bei der Überweisung Ihres Guthabens
Verluste haben. Denn zumindest bisher war das Wechselverhält-
nis für Sie eher günstig. Trotzdem sind wir natürlich sehr
gerne bereit, Ihre Wünsche zu erfüllen und werden zunächst
Ihrem Sohn S 360.– zum Ankauf von Kohlen geben und Ihr Konto
damit belasten.
Dass Sie die Abrechnung über die Materialgebühren stattge-
habter Aufführungen so spät erhalten, liegt darin, dass die Be-
träge bei uns erst sehr spät eingehen. Ausserdem fehlt es bei
einigen Ländern noch an Überweisungsmöglichkeiten, weshalb diese
Beträge, obwohl sie in den betreffenden Ländern bezahlt sind,
noch nicht zur Verrechnung kommen konnten. Es scheint aber, dass
nach der jetzt erfolgten Regelung alles wieder normaler funktio-
nieren wird.
Ich habe mich sehr gefreut, dass Sie eine gute Kritik über
meine Frau aus der Schweiz erhalten haben. Leider haben aller-
hand Intrigen dazu geführt, dass ich meine Frau gebeten habe,
Pierrot lunaire“ nicht mehr zu machen, denn ich will nicht den
Anschein erwecken, als Leiter des Verlages meine Frau vorzu-
schieben. Immerhin haben aber die Aufführungen, die meine Frau
gemacht hat, sehr viel dazu beigetragen, dass „Pierrot lunaire
jetzt wieder an vielen Stellen neu einstudiert wurde. Mit dem
italienischen Ensemble hat nun auch Marya Freund den „Pierrot
wieder in Paris1 und in London2 aufgeführt. Wie Sie wahrscheinlich
wissen, hat auch Leibowitz im Sommer eine private Aufführung3 in
Paris veranstaltet und auch in Wien hat sich jetzt eine andere
Gruppe zusammengetan und „Pierrot“ im Radio gemacht.
Meine Frau ist zwar sehr unglücklich, dass sie das Opfer bringen
muss, denn sie hat sich sehr stark in das Werk eingelebt, aber
sie sieht die von mir befürchtete „Inkompatibilität“ ein.
Mit besten Grüssen

Schl/Wi.
Wien, 28. November 1949.
Herrn
Los Angeles 24, Calif./USA
Sehr verehrter, lieber Herr Professor!
Besten Dank für Ihren Brief vom 15. November. Ich verstehe zwar nicht, inwiefern Sie bei der Überweisung Ihres Guthabens Verluste haben. Denn zumindest bisher war das Wechselverhältnis für Sie eher günstig. Trotzdem sind wir natürlich sehr gerne bereit, Ihre Wünsche zu erfüllen und werden zunächst Ihrem Sohn S 360.– zum Ankauf von Kohlen geben und Ihr Konto damit belasten.
Dass Sie die Abrechnung über die Materialgebühren stattgehabter Aufführungen so spät erhalten, liegt darin, dass die Beträge bei uns erst sehr spät eingehen. Ausserdem fehlt es bei einigen Ländern noch an Überweisungsmöglichkeiten, weshalb diese Beträge, obwohl sie in den betreffenden Ländern bezahlt sind, noch nicht zur Verrechnung kommen konnten. Es scheint aber, dass nach der jetzt erfolgten Regelung alles wieder normaler funktionieren wird.
Ich habe mich sehr gefreut, dass Sie eine gute Kritik über meine Frau aus der Schweiz erhalten haben. Leider haben allerhand Intrigen dazu geführt, dass ich meine Frau gebeten habe, „Pierrot lunaire“ nicht mehr zu machen, denn ich will nicht den Anschein erwecken, als Leiter des Verlages meine Frau vorzuschieben. Immerhin haben aber die Aufführungen, die meine Frau gemacht hat, sehr viel dazu beigetragen, dass „Pierrot lunaire“ jetzt wieder an vielen Stellen neu einstudiert wurde. Mit dem italienischen Ensemble hat nun auch Marya Freund den „Pierrot“ wieder in Paris1 und in London2 aufgeführt. Wie Sie wahrscheinlich wissen, hat auch Leibowitz im Sommer eine private Aufführung3 in Paris veranstaltet und auch in Wien hat sich jetzt eine andere Gruppe zusammengetan und „Pierrot“ im Radio gemacht.
Meine Frau ist zwar sehr unglücklich, dass sie das Opfer bringen muss, denn sie hat sich sehr stark in das Werk eingelebt, aber sie sieht die von mir befürchtete „Inkompatibilität“ ein.
Mit besten Grüssen Schlee

28. November 1949


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 28. November 1949, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17762.

Download:
Dieses Dokument als TEI-XML herunterladen