Hei/Bo.
Herrn
Sehr verehrter Meister Schönberg!
Wir erhielten soeben Ihr Schreiben vom
5. ds. M., mit der Kopie der Vorbemerkungen1. Hierüber sowie
über die Stichanweisungen erhalten Sie von der Verlagsab-
teilung Nachricht.
Wir haben von Herrn Kapellmeister Stein
die Nachricht erhalten, dass Sie unmittelbar zu den Variationen
nach Berlin kommen würden
2 und haben Ihnen infolgedessen nichts
über die Aufnahme des Werkes geschrieben. Wir hatten ferner
Ihre Nachricht bezüglich Zusendung der Partitur3 Ihrer Suite
erhalten, von der Sie schrieben, dass Sie sie in Dresden diri-
gieren sollen. Wir mussten infolgedessen naturgemäss annehmen,
dass Sie Nachrichten in Roquebrune nicht mehr erreichen würden.
und haben auch die Partitur der Suite an die Berliner Adresse
geschickt
Auch Herr Direktor Hertzka, welcher eigens zu der
Aufführung4 der Variationen nach Berlin gefahren ist, hatte be-
stimmt erwartet, Sie dort zu sehen und hat Ihnen ja am 19. No-
vember schon diesbezüglich geschrieben. Erst heute entnehmen
wir den Dresdner Zeitungen, dass nicht Sie, sondern Herr
Kutzschbach die Aufführung5 dirigiert. Die Vorbemerkungen wur-
den Ihnen infolge dieser Unkenntnis Ihres Aufenthaltes am 30.XI.

zusammen mit der von Herrn Greissle revidierten Orchester-
besetzung an Ihre Berliner Adresse geschickt und angefragt,
ob Vorbemerkung und Orchesterbesetzung nun in dieser Form
gedruckt werden können. Wir möchten also ganz ausdrücklich
betonen, dass die von Ihnen gerügten Unterlassungen nur durch
die Unkenntnis Ihres Aufenthaltortes herbeigeführt wurden.
Die Aufführung unter Furtwängler soll ganz
ausgezeichnet gewesen sein. Sowohl bei der Generalprobe wie
bei der Aufführung wurde in ziemlich lebhafter Weise demon-
striert. Wir gestatten uns Ihnen eine Kritik6 anbei zu über-
mitteln. Herr Direktor Hertzka kommt anfangs nächster Woche
aus Berlin zurück und wird Ihnen dann sicherlich sofort auf
Grund seines eigenen Eindruckes genaues über Aufführung und
Aufnahme schreiben.
Wir schrieben Ihnen auch schon nach Berlin
dass die Duisburger Intendanz Ihre Wünsche bezüglich der Auf-
führung
7 der „Glücklichen Hand“ vollkommen akzeptiert und sich
mit Ihnen in Verbindung setzen wird. Die Intendanz teilt uns
mit, dass sie mit dem Studium des Werkes schon beschäftigt ist.
Für die Aufführung8 der Suite in Dresden ha-
ben wir sowohl die Dresdner Kritik als auch auswärtige Kritiker
mit Material versehen. Eine Vorbereitung9 des Publikums ist
schon in den Dresdner Neuesten Nachrichten erschienen.

Hei/Bo.
Sehr verehrter Meister Schönberg!
Wir erhielten soeben Ihr Schreiben vom 5. ds. M., mit der Kopie der Vorbemerkungen1. Hierüber sowie über die Stichanweisungen erhalten Sie von der Verlagsabteilung Nachricht.
Wir haben von Herrn Kapellmeister Stein die Nachricht erhalten, dass Sie unmittelbar zu den Variationen nach Berlin kommen würden2 und haben Ihnen infolgedessen nichts über die Aufnahme des Werkes geschrieben. Wir hatten ferner Ihre Nachricht bezüglich Zusendung der Partitur3 Ihrer Suite erhalten, von der Sie schrieben, dass Sie sie in Dresden dirigieren sollen. Wir mussten infolgedessen naturgemäss annehmen, dass Sie Nachrichten in Roquebrune nicht mehr erreichen würden. Auch Herr Direktor Hertzka, welcher eigens zu der Aufführung4 der Variationen nach Berlin gefahren ist, hatte bestimmt erwartet, Sie dort zu sehen und hat Ihnen ja am 19. November schon diesbezüglich geschrieben. Erst heute entnehmen wir den Dresdner Zeitungen, dass nicht Sie, sondern Herr Kutzschbach die Aufführung5 dirigiert. Die Vorbemerkungen wurden Ihnen infolge dieser Unkenntnis Ihres Aufenthaltes am 30.XI. zusammen mit der von Herrn Greissle revidierten Orchesterbesetzung an Ihre Berliner Adresse geschickt und angefragt, ob Vorbemerkung und Orchesterbesetzung nun in dieser Form gedruckt werden können. Wir möchten also ganz ausdrücklich betonen, dass die von Ihnen gerügten Unterlassungen nur durch die Unkenntnis Ihres Aufenthaltortes herbeigeführt wurden.
Die Aufführung unter Furtwängler soll ganz ausgezeichnet gewesen sein. Sowohl bei der Generalprobe wie bei der Aufführung wurde in ziemlich lebhafter Weise demonstriert. Wir gestatten uns Ihnen eine Kritik6 anbei zu übermitteln. Herr Direktor Hertzka kommt anfangs nächster Woche aus Berlin zurück und wird Ihnen dann sicherlich sofort auf Grund seines eigenen Eindruckes genaues über Aufführung und Aufnahme schreiben.
Wir schrieben Ihnen auch schon nach Berlin dass die Duisburger Intendanz Ihre Wünsche bezüglich der Aufführung7 der „Glücklichen Hand“ vollkommen akzeptiert und sich mit Ihnen in Verbindung setzen wird. Die Intendanz teilt uns mit, dass sie mit dem Studium des Werkes schon beschäftigt ist.
Für die Aufführung8 der Suite in Dresden haben wir sowohl die Dresdner Kritik als auch auswärtige Kritiker mit Material versehen. Eine Vorbereitung9 des Publikums ist schon in den Dresdner Neuesten Nachrichten erschienen.

8. Dezember 1928


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 8. Dezember 1928, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17793.

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