D/M.
Herrn
MONTE CARLO,
Sehr verehrter Meister Schönberg!
Ich war in der vergangenen Woche so ausserordentlich
übermüdet, dass ich mich einige Tage schonen musste und komme
daher erst heute dazu, Ihre freundliche Zuschrift vom 14. d. M.
zu beantworten. – Ich freue mich, dass Sie meinen Vorschlag,
sich zuerst an andere Verleger zu wenden,1 für gerecht erachten
und ich hoffe, Sie werden es inzwischen schon getan haben2, denn
Sie schreiben selbst, dass Sie in nächster Zeit den Vorschlag
irgend eines Verlages haben dürften. Was nun den weiteren Vor-
gang betrifft, der Ihnen Sorge zu machen scheint, so glaube
ich, dass dieser ganz einfach wäre. Ich habe nicht die Empfin-
dung, dass es gegen einen Verleger, der Ihnen einen Vorschlag
macht, unfair erscheint, wenn Sie mir dieses Anbot bekannt-
geben, denn wenn Sie mir ein Vorrecht bei gleichen Bedingungen
einräumen – was Sie ja getan haben – sind Sie verpflichtet,
mir ein derartiges Anbot bekanntzugeben. Gerade dadurch können
Sie unter keinen Umständen zwischen zwei Stühlen zu sitzen
kommen. Der Kernpunkt der Sache für Sie ist doch, von der U.E.
den für Sie bei einem anderen Verlag höchst erreichbaren Preis
zu bekommen. Die U.E. kann nur dann diesen höchst erreichbaren

Preis bieten, wenn Sie ihn nennen. Sie können ihn aber erst
dann nennen, bis er Ihnen von einem anderen Verlag geboten wird.
Ergo müssen Sie ein Anbot von einem anderen Verlag zu erhalten
trachten. Mit einem Angebot der U.E. würde Ihr Zweck absolut
nicht erreicht werden können und wir wären auch ganz ausserstande,
ein solches Anbot zu machen. Ich glaube, dass Sie diesen Stand-
punkt begreifen und sehe mit grossem Interesse Ihren weiteren
Mitteilungen entgegen.
Mit vielen herzlichen Grüssen, auch an Ihre verehrte Frau,
Ihr in warmer Verehrung ergebener

D/M.
Herrn
MONTE CARLO,
Sehr verehrter Meister Schönberg!
Ich war in der vergangenen Woche so ausserordentlich übermüdet, dass ich mich einige Tage schonen musste und komme daher erst heute dazu, Ihre freundliche Zuschrift vom 14. d. M. zu beantworten. – Ich freue mich, dass Sie meinen Vorschlag, sich zuerst an andere Verleger zu wenden,1 für gerecht erachten und ich hoffe, Sie werden es inzwischen schon getan haben2, denn Sie schreiben selbst, dass Sie in nächster Zeit den Vorschlag irgend eines Verlages haben dürften. Was nun den weiteren Vorgang betrifft, der Ihnen Sorge zu machen scheint, so glaube ich, dass dieser ganz einfach wäre. Ich habe nicht die Empfindung, dass es gegen einen Verleger, der Ihnen einen Vorschlag macht, unfair erscheint, wenn Sie mir dieses Anbot bekanntgeben, denn wenn Sie mir ein Vorrecht bei gleichen Bedingungen einräumen – was Sie ja getan haben – sind Sie verpflichtet, mir ein derartiges Anbot bekanntzugeben. Gerade dadurch können Sie unter keinen Umständen zwischen zwei Stühlen zu sitzen kommen. Der Kernpunkt der Sache für Sie ist doch, von der U.E. den für Sie bei einem anderen Verlag höchst erreichbaren Preis zu bekommen. Die U.E. kann nur dann diesen höchst erreichbaren Preis bieten, wenn Sie ihn nennen. Sie können ihn aber erst dann nennen, bis er Ihnen von einem anderen Verlag geboten wird. Ergo müssen Sie ein Anbot von einem anderen Verlag zu erhalten trachten. Mit einem Angebot der U.E. würde Ihr Zweck absolut nicht erreicht werden können und wir wären auch ganz ausserstande, ein solches Anbot zu machen. Ich glaube, dass Sie diesen Standpunkt begreifen und sehe mit grossem Interesse Ihren weiteren Mitteilungen entgegen.
Mit vielen herzlichen Grüssen, auch an Ihre verehrte Frau,
Ihr in warmer Verehrung ergebener
Emil Hertzka

22. Jänner 1929


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 22. Jänner 1929, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17799.

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