Universal-Edition an Arnold Schönberg
30. Juni 1927
Sehr geehrter Herr Professor!
Das Moskauer Konservatorium gibt unter dem Titel
„Musikalische Wissenschaft“ eine Zeitschrift heraus. Das erste
Buch derselben, ein Doppelheft1 Nr. 1 und 2, enthält den Abdruck
eines Skizzenheftes Beethovens, das unlängst im Moskauer Archiv
aufgefunden wurde. Ueberdies beinhaltet es eine Reihe musik-
wissenschaftlicher Aufsätze, deren deutsche Uebersetzung gleich
beigegeben ist. – Ein Mitglied des Redaktions-Kollegiums, ein
junger moderner Komponist namens Alexander Weprik, wendet sich
nun an mich mit dem Ersuchen, ihm die Erlaubnis zur Aufnahme
einiger Kapiteln aus Ihrer Harmonielehre in die erwähnte Zeit-
schrift zu erwirken, um dadurch, besonders der musikalischen
Jugend, das moderne Schaffen und insbesondere die Schönberg’sche
Richtung näher zu bringen. Ich wollte schon anlässlich Ihres
Wiener Aufenthaltes mit Ihnen hierüber sprechen, mich jedoch
vorerst noch mit Herrn Direktor Hertzka ins Einvernehmen setzen.
Ich habe nun vor einigen Tagen mit ihm Rücksprache gepflogen,
während welcher er mir mitteilte, dass er als Verleger gegen
die beabsichtigte Veröffentlichung nichts einzuwenden hätte, so-
ferne auch Sie Ihr Einverständnis hiezu erteilen. Ich möchte be-
tonen, dass für Ihr Buch für Russland kein Schutzrecht existiert,
und lediglich aus ethischen Gründen und aus Liebe zu Ihrem
„Musikalische Wissenschaft“ eine Zeitschrift heraus. Das erste
Buch derselben, ein Doppelheft1 Nr. 1 und 2, enthält den Abdruck
eines Skizzenheftes Beethovens, das unlängst im Moskauer Archiv
aufgefunden wurde. Ueberdies beinhaltet es eine Reihe musik-
wissenschaftlicher Aufsätze, deren deutsche Uebersetzung gleich
beigegeben ist. – Ein Mitglied des Redaktions-Kollegiums, ein
junger moderner Komponist namens Alexander Weprik, wendet sich
nun an mich mit dem Ersuchen, ihm die Erlaubnis zur Aufnahme
einiger Kapiteln aus Ihrer Harmonielehre in die erwähnte Zeit-
schrift zu erwirken, um dadurch, besonders der musikalischen
Jugend, das moderne Schaffen und insbesondere die Schönberg’sche
Richtung näher zu bringen. Ich wollte schon anlässlich Ihres
Wiener Aufenthaltes mit Ihnen hierüber sprechen, mich jedoch
vorerst noch mit Herrn Direktor Hertzka ins Einvernehmen setzen.
Ich habe nun vor einigen Tagen mit ihm Rücksprache gepflogen,
während welcher er mir mitteilte, dass er als Verleger gegen
die beabsichtigte Veröffentlichung nichts einzuwenden hätte, so-
ferne auch Sie Ihr Einverständnis hiezu erteilen. Ich möchte be-
tonen, dass für Ihr Buch für Russland kein Schutzrecht existiert,
und lediglich aus ethischen Gründen und aus Liebe zu Ihrem
Schaffen für die Veröffentlichung Ihre Bewilligung eingeholt
wird. Eine materielle Beteiligung käme nicht in Frage, da die
Zeitschrift von den Professoren des Konservatoriums herausge-
geben wird und ein sich ergebendes Defizit zu Lasten der Profes-
soren und Schüler geht.
wird. Eine materielle Beteiligung käme nicht in Frage, da die
Zeitschrift von den Professoren des Konservatoriums herausge-
geben wird und ein sich ergebendes Defizit zu Lasten der Profes-
soren und Schüler geht.
Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn sie mir bald-
möglichst Ihre freundliche Rückäusserung zukommen liessen und
empfehle mich inzwischen als
möglichst Ihre freundliche Rückäusserung zukommen liessen und
empfehle mich inzwischen als
Doppelheft
Sehr geehrter Herr Professor!
Das Moskauer Konservatorium gibt unter dem Titel
„Musikalische Wissenschaft“ eine Zeitschrift heraus. Das erste
Buch derselben, ein Doppelheft1
Nr. 1 und 2, enthält den Abdruck eines Skizzenheftes Beethovens, das unlängst im Moskauer Archiv aufgefunden wurde. Ueberdies beinhaltet es
eine Reihe musikwissenschaftlicher
Aufsätze, deren deutsche Uebersetzung gleich beigegeben ist. – Ein
Mitglied des Redaktions-Kollegiums, ein junger moderner Komponist namens
Alexander Weprik, wendet sich nun an
mich mit dem Ersuchen, ihm die Erlaubnis zur Aufnahme einiger Kapiteln aus
Ihrer Harmonielehre in die erwähnte Zeitschrift zu erwirken, um dadurch,
besonders der musikalischen Jugend, das moderne Schaffen und insbesondere
die Schönberg’sche
Richtung näher zu
bringen. Ich wollte schon anlässlich Ihres
Wiener Aufenthaltes mit Ihnen hierüber sprechen, mich jedoch
vorerst noch mit Herrn Direktor Hertzka
ins Einvernehmen setzen. Ich habe nun vor einigen Tagen mit ihm Rücksprache
gepflogen, während welcher er mir mitteilte, dass er als Verleger gegen
die beabsichtigte Veröffentlichung nichts einzuwenden hätte, soferne auch Sie Ihr Einverständnis hiezu
erteilen. Ich möchte betonen, dass für Ihr
Buch für Russland kein Schutzrecht
existiert, und lediglich aus ethischen Gründen und aus Liebe zu Ihrem Schaffen für die Veröffentlichung Ihre Bewilligung eingeholt wird. Eine materielle Beteiligung käme nicht in Frage, da die Zeitschrift von den
Professoren des Konservatoriums herausgegeben wird und ein sich ergebendes Defizit zu Lasten der Professoren und Schüler geht.
Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn sie mir baldmöglichst Ihre freundliche Rückäusserung zukommen liessen und
empfehle mich inzwischen als
Doppelheft
Zitierhinweis:
Universal-Edition an Arnold Schönberg, 30. Juni 1927, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.19926.