D/M.
Herrn
Roquebrune Cap Martin,
Sehr verehrter Meister Schönberg!
Unsere und die allgemeine Annahme, dass Sie in der
ersten Dezemberwoche in Berlin anwesend sein werden, hat sich
als irrig erwiesen
1. Vorgestern nach Wien zurückgekehrt, fand
ich hier einige an das Büro gerichtete Zuschriften2 vor, die
eine mir unerklärliche Verärgerung bekunden. Ich weiss nicht,
was die U.E. wieder verbrochen hat. Jedenfalls muss es etwas
sehr Grosses sein und ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie
mir darüber Nachricht geben könnten.
In Berlin wohnte ich Generalprobe3 und Aufführung4
der „Variationen“ bei. Das Werk wurde von niemandem (einige
wenige Auserwählte ausgenommen) verstanden. Eine kleine Schar
unentwegter Pfeifer und Zischer hat ein Skandälchen provoziert,
das sofort von allen Blättern übermässig aufgebauscht wurde.
Die gesamte Kritik steht dem Werke absolut verständnislos gegen-
über und ich bin nicht sicher, ob die Aufführung an diesem
Resultat bei Publikum und Presse nicht beigetragen hat. Der
einzige Mensch, der in der Lage gewesen wäre zu beurteilen, ob
die Aufführung gut oder schlecht war, wären Sie gewesen.
Obwohl mir Herr Rufer vor wenigen Tagen in Berlin

mitgeteilt hat, dass Sie über Wien nach Berlin kämen und dass
er glaubt, Sie würden schwerlich vor Weihnachten nach Berlin
kommen, sende ich diesen Brief doch noch an Ihre bisherige
Adresse ab.
Ich hoffe, dass es Ihnen und Ihrer verehrten Frau
gut geht und dass der einzige Grund der Verschiebung Ihrer
Rückreise in Ihrer Arbeitsfreudigkeit liegt, und verbleibe
mit den herzlichsten Grüssen an Sie beide
Ihr in warmer Verehrung ergebener

D/M.
Herrn
Roquebrune Cap Martin,
Sehr verehrter Meister Schönberg!
Unsere und die allgemeine Annahme, dass Sie in der ersten Dezemberwoche in Berlin anwesend sein werden, hat sich als irrig erwiesen1. Vorgestern nach Wien zurückgekehrt, fand ich hier einige an das Büro gerichtete Zuschriften2 vor, die eine mir unerklärliche Verärgerung bekunden. Ich weiss nicht, was die U.E. wieder verbrochen hat. Jedenfalls muss es etwas sehr Grosses sein und ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir darüber Nachricht geben könnten.
In Berlin wohnte ich Generalprobe3 und Aufführung4 der „Variationen“ bei. Das Werk wurde von niemandem (einige wenige Auserwählte ausgenommen) verstanden. Eine kleine Schar unentwegter Pfeifer und Zischer hat ein Skandälchen provoziert, das sofort von allen Blättern übermässig aufgebauscht wurde. Die gesamte Kritik steht dem Werke absolut verständnislos gegenüber und ich bin nicht sicher, ob die Aufführung an diesem Resultat bei Publikum und Presse nicht beigetragen hat. Der einzige Mensch, der in der Lage gewesen wäre zu beurteilen, ob die Aufführung gut oder schlecht war, wären Sie gewesen.
Obwohl mir Herr Rufer vor wenigen Tagen in Berlin mitgeteilt hat, dass Sie über Wien nach Berlin kämen und dass er glaubt, Sie würden schwerlich vor Weihnachten nach Berlin kommen, sende ich diesen Brief doch noch an Ihre bisherige Adresse ab.
Ich hoffe, dass es Ihnen und Ihrer verehrten Frau gut geht und dass der einzige Grund der Verschiebung Ihrer Rückreise in Ihrer Arbeitsfreudigkeit liegt, und verbleibe mit den herzlichsten Grüssen an Sie beide Ihr in warmer Verehrung ergebener Emil Hertzka

14. Dezember 1928


Randanmerkung auf der zweiten Seite = Ich und die Hegemonie in der Musik

Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Nachlass Arnold Schönberg


Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 14. Dezember 1928, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.20102.

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