Wien, 5. Dezember 1935.
Sehr verehrter Meister Schönberg!
Ich kann es mir nicht versagen, Ihnen per-
sönlich ein paar Worte über die Aufführung1 der „Gurrelieder“ zu schreiben. Ich
glaube, Sie hätten Ihre Freude daran gehabt. Es war alles von einer Lebendig-
keit, einer Leuchtkraft und einem hinreissenden Schwung, wie ich sie selten
erlebt habe und ich kann Ihnen nicht sagen, welch tiefen Eindruck ich von dem
Werk empfing. Und nicht nur ich. Unbeschreiblich waren der Jubel und die Be-
geisterung nach jeder Aufführung und noch Tage lang sprach jeder, dem man
begegnete, von diesem grossen Erlebnis. Gerade in der jetzigen, alles eher
als schönen Zeit tut es so wohl, einmal voll und ganz von einem Kunstwerk
mitgerissen zu werden und ich danke Ihnen dafür von ganzem Herzen.
Empfangen Sie gleichzeitig meine
herzlichsten Wünsche für Weihnachten und das neue Jahr, die natürlich auch
für Ihre Frau und die kleine Nuria gelten, die wohl inzwischen schon ein
ganzer Mensch geworden ist.
Ich hoffe, dass es Ihnen allen recht gut geht
und verbleibe mit den schönsten Grüssen Ihre
Wien, 5. Dezember 1935.
Sehr verehrter Meister Schönberg!
Ich kann es mir nicht versagen, Ihnen persönlich ein paar Worte über die Aufführung1 der „Gurrelieder“ zu schreiben. Ich glaube, Sie hätten Ihre Freude daran gehabt. Es war alles von einer Lebendigkeit, einer Leuchtkraft und einem hinreissenden Schwung, wie ich sie selten erlebt habe und ich kann Ihnen nicht sagen, welch tiefen Eindruck ich von dem Werk empfing. Und nicht nur ich. Unbeschreiblich waren der Jubel und die Begeisterung nach jeder Aufführung und noch Tage lang sprach jeder, dem man begegnete, von diesem grossen Erlebnis. Gerade in der jetzigen, alles eher als schönen Zeit tut es so wohl, einmal voll und ganz von einem Kunstwerk mitgerissen zu werden und ich danke Ihnen dafür von ganzem Herzen.
Empfangen Sie gleichzeitig meine herzlichsten Wünsche für Weihnachten und das neue Jahr, die natürlich auch für Ihre Frau und die kleine Nuria gelten, die wohl inzwischen schon ein ganzer Mensch geworden ist.
Ich hoffe, dass es Ihnen allen recht gut geht
und verbleibe mit den schönsten Grüssen
Ihre Betti Rothe

5. Dezember 1935


Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Gertrud Schoenberg Collection

Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 5. Dezember 1935, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.20700.

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