Universal-Edition an Arnold Schönberg
2. Juni 1915
UNIVERSAL-EDITION, A.-G.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Seeburgstr. 14–20
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 3228, 4533·Bank-Konto: k-k·priv·öst·
Länderbank. Wien·Postsparkassen·Konto 57557.
Wien 2. Juni 1915.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Seeburgstr. 14–20
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 3228, 4533·Bank-Konto: k-k·priv·öst·
Länderbank. Wien·Postsparkassen·Konto 57557.
Wien 2. Juni 1915.
W
Wohlgeboren
Herrn Arnold Schönberg
Lieber Herr Schönberg!
Ihre Briefe1 vom 28.
pto. habe ich erhalten und ich
bin betrübt, aus denselben die unerfreuliche Situation in der
Sie sich befinden, zu ersehen. Ihr Schreiben an den Wiener
Tonkünstler-Verein habe ich weitergegeben. Die Erledigung
wird baldigst in der Weise erfolgen, dass Sie ein monatliches Darlehen
erhalten werden; dieses Darlehen kann aber nicht annähernd den
Betrag von M 400.– monatlich erreichen und es ist ein grosses
Missverständnis Ihrerseits, wenn Sie meinen, dass ich von einem
derartigen monatlichen Darlehen jemals gesprochen habe. Die
Mittel des Tonkünstler-Vereins und die derzeitigen Spenden sind
nicht so, dass derartige monatliche Ausszahlungen für einzelne
Künstler überhaupt in Kombination kommen können. Sie können sich
denkend, dass das was ich in dieser Angelegenheit für Sie zu tun
vermochte, reichlich getan habe. Es ist sehr, sehr bedauerlich,
dass Sie sich anlässlich Ihres Hierseins so gar nicht die Zeit
nehmen konnten, mit mir über wichtige Sie berührende materielle
Fragen der nächsten Zukunft zu sprechen. Wir hätten im gemein-
schaftlichen Gespräche zweifellos Auswege und Möglichkeiten ge-
funden, die für Sie vielleicht von grösserer Wichtigkeit gewe-
sen wären, als manches andere, was Sie hier unternommen haben.
bin betrübt, aus denselben die unerfreuliche Situation in der
Sie sich befinden, zu ersehen. Ihr Schreiben an den Wiener
Tonkünstler-Verein habe ich weitergegeben. Die Erledigung
wird baldigst in der Weise erfolgen, dass Sie ein monatliches Darlehen
erhalten werden; dieses Darlehen kann aber nicht annähernd den
Betrag von M 400.– monatlich erreichen und es ist ein grosses
Missverständnis Ihrerseits, wenn Sie meinen, dass ich von einem
derartigen monatlichen Darlehen jemals gesprochen habe. Die
Mittel des Tonkünstler-Vereins und die derzeitigen Spenden sind
nicht so, dass derartige monatliche Ausszahlungen für einzelne
Künstler überhaupt in Kombination kommen können. Sie können sich
denkend, dass das was ich in dieser Angelegenheit für Sie zu tun
vermochte, reichlich getan habe. Es ist sehr, sehr bedauerlich,
dass Sie sich anlässlich Ihres Hierseins so gar nicht die Zeit
nehmen konnten, mit mir über wichtige Sie berührende materielle
Fragen der nächsten Zukunft zu sprechen. Wir hätten im gemein-
schaftlichen Gespräche zweifellos Auswege und Möglichkeiten ge-
funden, die für Sie vielleicht von grösserer Wichtigkeit gewe-
sen wären, als manches andere, was Sie hier unternommen haben.
Es gibt zahllose Dinge, die einer mündlichen Verständigung
sehr leicht, einer schriftlichen sehr schwer zugängig sind.
Dass ich Ihnen in dieser für Sie kritischen Situation helfen
will, ist keine Frage; ob ich Ihnen aber helfen kann, erscheint
mir nicht ganz sicher. Sie können sich denken, dass weder für
die Universal-Edition noch für mich persönlich es jetzt leicht
ist, durchzuhalten. Die Verpflichtungen die wir haben, sind
weit grösser, als in Friedenszeiten und die Mittel zur Befrie-
digung derselben nur mit den grössten Schwierigkeiten aufzu-
bringen. Ich kann Ihnen namens der Universal-Edition weitere
Vorschüsse vorerst nicht in Aussicht stellen. Anlässlich der
anfangs Juli zu machenden Halbjahres-Rechnung Ihres Kontos
wird es sich ergeben, wie sich die Eingänge auf demselben im
Verhältnis zu den Ausgaben gestaltet haben und dann können wir
in dieser Sache weitere Entschliessungen treffen.
sehr leicht, einer schriftlichen sehr schwer zugängig sind.
Dass ich Ihnen in dieser für Sie kritischen Situation helfen
will, ist keine Frage; ob ich Ihnen aber helfen kann, erscheint
mir nicht ganz sicher. Sie können sich denken, dass weder für
die Universal-Edition noch für mich persönlich es jetzt leicht
ist, durchzuhalten. Die Verpflichtungen die wir haben, sind
weit grösser, als in Friedenszeiten und die Mittel zur Befrie-
digung derselben nur mit den grössten Schwierigkeiten aufzu-
bringen. Ich kann Ihnen namens der Universal-Edition weitere
Vorschüsse vorerst nicht in Aussicht stellen. Anlässlich der
anfangs Juli zu machenden Halbjahres-Rechnung Ihres Kontos
wird es sich ergeben, wie sich die Eingänge auf demselben im
Verhältnis zu den Ausgaben gestaltet haben und dann können wir
in dieser Sache weitere Entschliessungen treffen.
Einen Ausweg aus dieser schweren Situation, den ich
Ihnen gleich sagen möchte, könnte die „offizielle“ Musiker-Für-
sorge bilden, an deren Spitze Präsident Wiener steht. Diese mit
den Bestrebungen des Wiener Tonkünstler-Vereines parallele
aber in gar keinem Zusammenhang stehende Aktion verfügt über be-
deutend grössere Mittel, als der Wiener Tonkünstler-Verein, hat
trotzdem bisher weniger an Unterstützungen ausgegeben und die-
se wäre in der Lage, sich für Sie viel erfolgreicher einzusetzen,
als der Wiener Tonkünstler-Verein oder die Universal-Edition
kann. Nachdem Frau Mahler mit dem Präsident Wiener sehr befreun-
det ist, so wird es nicht die geringste[ns] Schwierigkeit machen,
Ihnen gleich sagen möchte, könnte die „offizielle“ Musiker-Für-
sorge bilden, an deren Spitze Präsident Wiener steht. Diese mit
den Bestrebungen des Wiener Tonkünstler-Vereines parallele
aber in gar keinem Zusammenhang stehende Aktion verfügt über be-
deutend grössere Mittel, als der Wiener Tonkünstler-Verein, hat
trotzdem bisher weniger an Unterstützungen ausgegeben und die-
se wäre in der Lage, sich für Sie viel erfolgreicher einzusetzen,
als der Wiener Tonkünstler-Verein oder die Universal-Edition
kann. Nachdem Frau Mahler mit dem Präsident Wiener sehr befreun-
det ist, so wird es nicht die geringste[ns] Schwierigkeit machen,
dass Ihnen aus diesem
Fonde für die nächsten Monate entweder
in Form eines Darlehens oder eines Zuschusses Beträge bezahlt
werden. Ich würde es für sehr wünschenswert halten, wenn Sie
entweder direkt, oder durch eine Ihnen geeignet scheinende
Persönlichkeit an Frau Mahler oder an Herrn Präsidenten Wiener
in dieser Angelegenheit herantreten würden. Die grossen Spen-
den, die diese Aktion erhalten hat, sind ausdrücklich für die
durch den Krieg in Not geratenen Musiker bestimmt und Ihr Fall
ist ja doch ein Schulfall für diese ganze Sache. Es kann sich
also nur darum handeln, dass die Anmeldung in zweckentsprechen-
der Weise erfolge und dass eine möglichst weitherzige Berück-
sichtigung befürwortet werde. Vielleicht teilen Sie mir über
diese Sache Ihre Meinung mit.
in Form eines Darlehens oder eines Zuschusses Beträge bezahlt
werden. Ich würde es für sehr wünschenswert halten, wenn Sie
entweder direkt, oder durch eine Ihnen geeignet scheinende
Persönlichkeit an Frau Mahler oder an Herrn Präsidenten Wiener
in dieser Angelegenheit herantreten würden. Die grossen Spen-
den, die diese Aktion erhalten hat, sind ausdrücklich für die
durch den Krieg in Not geratenen Musiker bestimmt und Ihr Fall
ist ja doch ein Schulfall für diese ganze Sache. Es kann sich
also nur darum handeln, dass die Anmeldung in zweckentsprechen-
der Weise erfolge und dass eine möglichst weitherzige Berück-
sichtigung befürwortet werde. Vielleicht teilen Sie mir über
diese Sache Ihre Meinung mit.
Wegen des Gedichtes für den III. und IV. Satz
Ihrer
Symphonie kann ich Ihnen leider nichts Besonderes sagen. Ver-
suchen Sie es mit den zwei neuen Zeitungen „Der neue Merkur“
Verlag Georg Müller, München und Berlin und „Die weissen Blätter“
herausgegeben von Efraim Frisch, Berlin. Es ist aber auch mög-
lich, dass sich Fischer in Berlin für die „Neue Rundschau“ da-
für interessieren würde. Jedenfalls ist ja Berlin mit seinen
hunderten Zeitschriften der geeignete Ort, um derartige künst-
lerische Erscheinungen herauszubringen.
Symphonie kann ich Ihnen leider nichts Besonderes sagen. Ver-
suchen Sie es mit den zwei neuen Zeitungen „Der neue Merkur“
Verlag Georg Müller, München und Berlin und „Die weissen Blätter“
herausgegeben von Efraim Frisch, Berlin. Es ist aber auch mög-
lich, dass sich Fischer in Berlin für die „Neue Rundschau“ da-
für interessieren würde. Jedenfalls ist ja Berlin mit seinen
hunderten Zeitschriften der geeignete Ort, um derartige künst-
lerische Erscheinungen herauszubringen.
Ich hoffe bald von Ihnen zu hören und bleibe mit
herzlichen Grüssen Ihr Ihnen warm ergebener
herzlichen Grüssen Ihr Ihnen warm ergebener
UNIVERSAL-EDITION, A.-G.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Seeburgstr. 14–20
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 3228, 4533·Bank-Konto: k-k·priv·öst·
Länderbank. Wien·Postsparkassen·Konto 57557.
Wien 2. Juni 1915.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Seeburgstr. 14–20
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 3228, 4533·Bank-Konto: k-k·priv·öst·
Länderbank. Wien·Postsparkassen·Konto 57557.
Wien 2. Juni 1915.
W
Lieber Herr Schönberg!
Ihre Briefe1 vom 28.
pto. habe ich erhalten und ich bin betrübt, aus denselben die
unerfreuliche Situation in der Sie sich befinden, zu ersehen. Ihr Schreiben an
den Wiener Tonkünstler-Verein habe ich
weitergegeben. Die Erledigung wird baldigst in
der Weise erfolgen, dass Sie ein monatliches Darlehen erhalten werden; dieses
Darlehen kann aber nicht
annähernd den Betrag von M 400.– monatlich erreichen und es ist ein grosses
Missverständnis Ihrerseits, wenn Sie meinen, dass ich von einem derartigen
monatlichen Darlehen jemals gesprochen habe. Die Mittel des Tonkünstler-Vereins und die derzeitigen Spenden sind
nicht so, dass derartige monatliche Ausszahlungen für einzelne Künstler
überhaupt in Kombination kommen können. Sie können sich denken, dass das was ich in dieser Angelegenheit für Sie zu tun
vermochte, reichlich getan habe. Es ist sehr, sehr bedauerlich, dass Sie
sich anlässlich Ihres Hierseins so gar nicht die Zeit nehmen konnten, mit mir
über wichtige Sie berührende materielle Fragen der nächsten Zukunft zu sprechen.
Wir hätten im gemeinschaftlichen Gespräche
zweifellos Auswege und Möglichkeiten gefunden,
die für Sie vielleicht von grösserer Wichtigkeit gewesen wären, als manches andere, was Sie hier unternommen haben.
Es gibt zahllose Dinge, die einer mündlichen Verständigung sehr leicht,
einer schriftlichen sehr schwer zugängig sind. Dass ich Ihnen in dieser für
Sie kritischen Situation helfen will, ist keine Frage; ob ich Ihnen aber
helfen kann, erscheint mir nicht ganz sicher. Sie können sich denken, dass
weder für die Universal-Edition noch für
mich persönlich es jetzt leicht ist, durchzuhalten. Die Verpflichtungen die
wir haben, sind weit grösser, als in Friedenszeiten und die Mittel zur
Befriedigung derselben nur mit den grössten Schwierigkeiten aufzubringen. Ich kann Ihnen namens der Universal-Edition weitere Vorschüsse vorerst nicht in
Aussicht stellen. Anlässlich der anfangs Juli
zu machenden Halbjahres-Rechnung Ihres Kontos wird es sich ergeben, wie
sich die Eingänge auf demselben im Verhältnis zu den Ausgaben gestaltet
haben und dann können wir in dieser Sache weitere Entschliessungen
treffen.
Einen Ausweg aus dieser schweren Situation, den ich Ihnen gleich sagen
möchte, könnte die „offizielle“ Musiker-Fürsorge bilden, an deren Spitze Präsident Wiener steht. Diese mit den Bestrebungen des
Wiener Tonkünstler-Vereines parallele aber in gar keinem Zusammenhang stehende Aktion verfügt über
bedeutend grössere Mittel, als der Wiener
Tonkünstler-Verein, hat trotzdem bisher weniger an
Unterstützungen ausgegeben und diese wäre in der Lage, sich für Sie viel erfolgreicher
einzusetzen, als der Wiener
Tonkünstler-Verein oder die Universal-Edition
kann. Nachdem Frau Mahler mit dem
Präsident Wiener sehr befreundet ist, so wird es nicht die geringste Schwierigkeit machen, dass Ihnen aus diesem
Fonde für die nächsten Monate entweder in Form eines Darlehens oder eines
Zuschusses Beträge bezahlt werden. Ich würde es für sehr wünschenswert
halten, wenn Sie entweder direkt, oder durch eine Ihnen geeignet scheinende
Persönlichkeit an Frau Mahler oder an
Herrn Präsidenten Wiener
in dieser Angelegenheit herantreten würden. Die grossen Spenden, die diese Aktion erhalten hat, sind ausdrücklich für die
durch den Krieg in Not geratenen Musiker bestimmt und Ihr Fall ist ja
doch ein Schulfall für diese ganze Sache. Es kann sich also nur darum
handeln, dass die Anmeldung in zweckentsprechender Weise erfolge und dass eine möglichst weitherzige Berücksichtigung befürwortet werde. Vielleicht teilen Sie mir über
diese Sache Ihre Meinung mit.
Wegen des Gedichtes für den III. und IV. Satz
Ihrer Symphonie kann ich Ihnen leider nichts Besonderes sagen. Versuchen Sie es mit den zwei neuen Zeitungen
„Der neue Merkur“ Verlag
Georg Müller, München und Berlin und
„Die weissen Blätter“
herausgegeben von Efraim Frisch, Berlin. Es ist aber auch möglich, dass sich Fischer in Berlin für die „Neue
Rundschau“ dafür
interessieren würde. Jedenfalls ist ja Berlin
mit seinen hunderten Zeitschriften der geeignete Ort, um derartige künstlerische Erscheinungen herauszubringen.
Ich hoffe bald von Ihnen zu hören und bleibe mit herzlichen Grüssen
Ihr Ihnen warm ergebener
Emil Hertzka
Emil Hertzka
Zitierhinweis:
Universal-Edition an Arnold Schönberg, 2. Juni 1915, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.20913.