Musikblätter des Anbruch an Arnold Schönberg
28. April 1923
MUSIKBLÄTTER
DES ANBRUCH
HALBMONATSSCHRIFT FÜR MODERNE MUSIK – HERAUSGEGEB. V. D. UNIVERSAL-EDITION A. G.
TELEPHON NUMMER 45-33 UND 32-28
BANKKONTO: LÄNDERBANK WIEN
TELEGR.-ADR.: MUSIKEDITION WIEN
SCHRIFTLEITUNG:
WIEN, I. KARLSPLATZ 6
EINZAHLUNGEN FÜR DAS DEUTSCHE
REICH: FRIEDR. HOFMEISTER G.m.b.H.
LEIPZIG, KARLSSTRASSE NUMMER 10
POSTSCHECK-KONTO LEIPZIG 68.752
WIEN, 28. April 1923.
DES ANBRUCH
HALBMONATSSCHRIFT FÜR MODERNE MUSIK – HERAUSGEGEB. V. D. UNIVERSAL-EDITION A. G.
TELEPHON NUMMER 45-33 UND 32-28
BANKKONTO: LÄNDERBANK WIEN
TELEGR.-ADR.: MUSIKEDITION WIEN
SCHRIFTLEITUNG:
WIEN, I. KARLSPLATZ 6
EINZAHLUNGEN FÜR DAS DEUTSCHE
REICH: FRIEDR. HOFMEISTER G.m.b.H.
LEIPZIG, KARLSSTRASSE NUMMER 10
POSTSCHECK-KONTO LEIPZIG 68.752
WIEN, 28. April 1923.
Hochverehrter Herr Schönberg!
Was den Artikel1 über Casella anlangt,
so ist er 1920 erschienen, also zu einer Zeit, in
der ich nicht Redakteur des Anbruch war. Ich habe
nichts getan, als eine schlechte Übersetzung aus
dem Italienischen auf Wunsch der damaligen Redaktion
verbessert. Ich glaubte bei jedem Leser voraussetzen
zu dürfen, dass er, auch ohne Streichungen und Fuss-
noten mich nicht für den eigentlichen Autor, (einen
Herrn Gatti) verantwortlich machen würde; bei meinem
allen in Betracht kommenden Kreisen bekannten Ein-
treten für Ihre Werke schien mir das so selbstver-
ständlich, dass ich jede Erklärung mit dem Ausdrucke
„zerebrale“ oder „Gehirnmusik“2 (wenn ich mich nicht
irre, hiess es so) nicht einverstanden zu sein, füglich
weglassen konnte.
so ist er 1920 erschienen, also zu einer Zeit, in
der ich nicht Redakteur des Anbruch war. Ich habe
nichts getan, als eine schlechte Übersetzung aus
dem Italienischen auf Wunsch der damaligen Redaktion
verbessert. Ich glaubte bei jedem Leser voraussetzen
zu dürfen, dass er, auch ohne Streichungen und Fuss-
noten mich nicht für den eigentlichen Autor, (einen
Herrn Gatti) verantwortlich machen würde; bei meinem
allen in Betracht kommenden Kreisen bekannten Ein-
treten für Ihre Werke schien mir das so selbstver-
ständlich, dass ich jede Erklärung mit dem Ausdrucke
„zerebrale“ oder „Gehirnmusik“2 (wenn ich mich nicht
irre, hiess es so) nicht einverstanden zu sein, füglich
weglassen konnte.
Ich habe übrigens nie gewusst, dass Ihnen
Herr Casella nicht genehm ist. Er war Mahlers Freund,
ist der Freund von Frau Mahler, wurde bei jedem sei-
ner Wiener Aufenthalte von Ihnen, sehr verehrter
Herr Schönberg, empfangen und erzählte Jedem, dass
Sie seine Musik sehr gelobt hätten. Diesem Casella,
der ausserdem selbst während des Krieges gegen den
italienischen Nationalismus in der Musik tapfer auf-
getreten war, galt mein Gruss, der erste mögliche
nach dem Kriege.
Herr Casella nicht genehm ist. Er war Mahlers Freund,
ist der Freund von Frau Mahler, wurde bei jedem sei-
ner Wiener Aufenthalte von Ihnen, sehr verehrter
Herr Schönberg, empfangen und erzählte Jedem, dass
Sie seine Musik sehr gelobt hätten. Diesem Casella,
der ausserdem selbst während des Krieges gegen den
italienischen Nationalismus in der Musik tapfer auf-
getreten war, galt mein Gruss, der erste mögliche
nach dem Kriege.
Nach wie vor bleibt mein Verhältnis zu
Ihnen das der gleichen Verehrung, die Ihnen wohl
bekannt sein wird, und hat sich nicht im geringsten geän-
dert als Sie mich, der ich Sie nach zwei Jahren aus
einem menschlichen und sachlichen Anlasse an einem
Ihnen das der gleichen Verehrung, die Ihnen wohl
bekannt sein wird, und hat sich nicht im geringsten geän-
dert als Sie mich, der ich Sie nach zwei Jahren aus
einem menschlichen und sachlichen Anlasse an einem
wie ich
glauben musste, vereinbarten Tage besu-
chen wollte, auf den schriftlichen Weg verwiesen.
chen wollte, auf den schriftlichen Weg verwiesen.
Wenn Sie nun so gut sein wollen, mir
bei der Biographie zu helfen, so bitte ich Sie
mir schriftlich so kurz es Ihnen beliebt mit-
zuteilen, welche biographische Daten oder Anga-
ben im Werke-Verzeichnis bei Wellesz Sie even-
tuell verbesserungsbedürftig halten. Wenn Sie das
lieber mündlich tun wollten, so bin ich gerne
bereit jederzeit nach Mödling zu kommen. Auch
diese Biographie ist übrigens auf einen beharr-
lich wiederholten Antrag des Verlages zurückzu-
führen, den ich gerade aus persönlichen Gründen
2 Jahre abzulehnen bemüht war. Nun möchte ich aber
die Sache anständig machen.
bei der Biographie zu helfen, so bitte ich Sie
mir schriftlich so kurz es Ihnen beliebt mit-
zuteilen, welche biographische Daten oder Anga-
ben im Werke-Verzeichnis bei Wellesz Sie even-
tuell verbesserungsbedürftig halten. Wenn Sie das
lieber mündlich tun wollten, so bin ich gerne
bereit jederzeit nach Mödling zu kommen. Auch
diese Biographie ist übrigens auf einen beharr-
lich wiederholten Antrag des Verlages zurückzu-
führen, den ich gerade aus persönlichen Gründen
2 Jahre abzulehnen bemüht war. Nun möchte ich aber
die Sache anständig machen.
Ich hoffe, dass Sie diese Zeilen ver-
stehensöhnen werden und bin stets
stehensöhnen werden und bin stets
Ihr sehr ergebener
Artikel
„Gehirnmusik“
Schönberg hatte an der Relativierung der atonalen
Schreibweise Casellas durch folgende
Formulierung Anstoß genommen: „Die Entwicklung des Ausdrucks bei
Casella geschieht im Laufe
vieler Jahre und nicht durch trockene Arbeit des Gehirnes, sondern
vielmehr Schritt für Schritt aus einer Bereicherung des
Gefühlslebens“ (Gatti 1920, S. 184).
MUSIKBLÄTTER
DES ANBRUCH
HALBMONATSSCHRIFT FÜR MODERNE MUSIK – HERAUSGEGEB. V. D. UNIVERSAL-EDITION A. G.
TELEPHON NUMMER 45-33 UND 32-28
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TELEGR.-ADR.: MUSIKEDITION WIEN
SCHRIFTLEITUNG:
WIEN, I. KARLSPLATZ 6
EINZAHLUNGEN FÜR DAS DEUTSCHE
REICH: FRIEDR. HOFMEISTER G.m.b.H.
LEIPZIG, KARLSSTRASSE NUMMER 10
POSTSCHECK-KONTO LEIPZIG 68.752
WIEN, 28. April 1923.
DES ANBRUCH
HALBMONATSSCHRIFT FÜR MODERNE MUSIK – HERAUSGEGEB. V. D. UNIVERSAL-EDITION A. G.
TELEPHON NUMMER 45-33 UND 32-28
BANKKONTO: LÄNDERBANK WIEN
TELEGR.-ADR.: MUSIKEDITION WIEN
SCHRIFTLEITUNG:
WIEN, I. KARLSPLATZ 6
EINZAHLUNGEN FÜR DAS DEUTSCHE
REICH: FRIEDR. HOFMEISTER G.m.b.H.
LEIPZIG, KARLSSTRASSE NUMMER 10
POSTSCHECK-KONTO LEIPZIG 68.752
WIEN, 28. April 1923.
Hochverehrter Herr Schönberg!
Die von Ihnen gewünschte Adresse Hauer’s
ist: Wien VIII., Josefstädterstrasse 74.
Was den Artikel1 über Casella anlangt, so ist er
1920 erschienen, also zu einer Zeit, in der
ich nicht Redakteur des Anbruch war. Ich habe
nichts getan, als eine schlechte Übersetzung aus dem Italienischen auf
Wunsch der damaligen Redaktion
verbessert. Ich glaubte bei jedem Leser voraussetzen zu dürfen, dass
er, auch ohne Streichungen und Fussnoten mich nicht für den eigentlichen Autor, (einen Herrn
Gatti) verantwortlich machen würde; bei
meinem allen in Betracht kommenden Kreisen bekannten Eintreten für Ihre Werke schien mir das so selbstverständlich, dass ich jede Erklärung mit dem Ausdrucke
„zerebrale“ oder „Gehirnmusik“2 (wenn ich mich nicht
irre, hiess es so) nicht einverstanden zu sein, füglich weglassen
konnte.
Ich habe übrigens nie gewusst, dass Ihnen Herr Casella nicht genehm ist. Er war Mahlers Freund, ist der Freund von Frau Mahler, wurde bei jedem seiner Wiener Aufenthalte
von Ihnen, sehr verehrter Herr Schönberg, empfangen und erzählte Jedem, dass Sie seine
Musik sehr gelobt hätten. Diesem Casella,
der ausserdem selbst während des Krieges gegen den
italienischen Nationalismus in der Musik
tapfer aufgetreten war, galt mein Gruss, der erste mögliche nach dem
Kriege.
Nach wie vor bleibt mein Verhältnis zu Ihnen das der gleichen Verehrung, die
Ihnen wohl bekannt sein wird und hat sich nicht im geringsten geändert als Sie mich, der ich Sie nach zwei Jahren aus einem
menschlichen und sachlichen Anlasse an einem wie ich
glauben musste, vereinbarten Tage besuchen wollte, auf den schriftlichen Weg verwiesen.
Wenn Sie nun so gut sein wollen, mir bei der Biographie zu helfen, so bitte
ich Sie mir schriftlich so kurz es Ihnen beliebt mitzuteilen, welche biographische Daten oder Angaben im Werke-Verzeichnis bei Wellesz Sie eventuell verbesserungsbedürftig halten. Wenn Sie das lieber
mündlich tun wollten, so bin ich gerne bereit jederzeit nach Mödling zu kommen. Auch diese Biographie
ist übrigens auf einen beharrlich wiederholten Antrag des Verlages zurückzuführen, den ich gerade aus persönlichen Gründen 2 Jahre
abzulehnen bemüht war. Nun möchte ich aber die Sache anständig machen.
Artikel
„Gehirnmusik“
Schönberg hatte an der Relativierung der atonalen
Schreibweise Casellas durch folgende
Formulierung Anstoß genommen: „Die Entwicklung des Ausdrucks bei
Casella geschieht im Laufe
vieler Jahre und nicht durch trockene Arbeit des Gehirnes, sondern
vielmehr Schritt für Schritt aus einer Bereicherung des
Gefühlslebens“ (Gatti 1920, S. 184).
28. April 1923
The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Brief
Zitierhinweis:
Musikblätter des Anbruch an Arnold Schönberg, 28. April 1923, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.21591.