Sehr geehrter Herr!
Von meiner Urlaubsreise zurückgekehrt, finde ich
Ihre gesch. Zuschrift1 vom 25. d. vor.
Vor allem möchte ich betonen, dass meine Bemer-
kung, Ihnen als Verleger näherzutreten, keineswegs eine Höf-
lichkeitsphrase bedeuten sollte; ebenso, dass Ihre Offenheit
in der Präzisierung der Sachlage mir sehr wohltuend erscheint
und dass ich daher alles eher als böse über dieselbe sein kann.
Wiewohl unser Unternehmen augenblicklich noch nicht
jenen Punkt erreicht hat, um die immateriellen Vorteile eines
Werkes ohne Rücksicht auf die materiellen Chancen desselben
in den Vordergrund zu stellen, tue ich mein Bestes um
das Schaffen der jüngeren Zeitgenossen nach Möglichkeit zu för-
dern. Ich habe dabei allerdings keinen leichten Standpunkt
bei meinen Fachkollegen im Verwaltungsrate2 und muss daher bei
meinen Bestrebungen die grösste Vorsicht walten lassen.
Aus dem Gesagten werden Sie begreifen, dass ich
nicht so ohne Weiteres auf Ihre Anfrage, ob wir mit Ihnen be-
züglich des Verlages Ihrer Werke abschliessen wollen, zustimmend

oder ablehnend antworten kann.
Es ist zweifellos, dass wir Ihren Werken das gröss-
te Interesse entgegenbringen, obwohl wir uns über den derzei-
tigen Marktwert derselben keiner Täuschung hingeben.
Ehe wir nun nach irgend einer Richtung hin präzi-
sere Mitteilungen machen können, möchte ich Sie doch bitten,
mir die Manuskripte jener Werke3, die für uns in Betracht kämen,
einzusenden und uns mitzuteilen, ob Sie, wie wir es in zahlrei-
chen ähnlichen Fällen getan haben, einen Verlagsvertrag accep-
tieren würden, welcher Ihnen eine Tantieme von jedem verkauf-
ten Exemplar bietet.
Ich erwähne diesen Punkt, weil ich Ihnen eben-
falls offen bemerken möchte, dass eine derartige Abmachung
das Verlagsrisiko für den Verleger mildert und es ihm daher
möglich macht, ohne Schädigung des Komponisten, sich
leichter an den Verlag weniger rentabler Werke heranzuwagen.
Ich sehe nun gerne Ihren geschätzten weiteren
Mitteilungen entgegen und verbleibe
mit vorzüglicher Hochschätzung
ergebenst

Emil Hertzka
Sehr geehrter Herr!
Von meiner Urlaubsreise zurückgekehrt, finde ich Ihre gesch. Zuschrift1 vom 25. d. vor.
Vor allem möchte ich betonen, dass meine Bemerkung, Ihnen als Verleger näherzutreten, keineswegs eine Höflichkeitsphrase bedeuten sollte; ebenso, dass Ihre Offenheit in der Präzisierung der Sachlage mir sehr wohltuend erscheint und dass ich daher alles eher als böse über dieselbe sein kann.
Wiewohl unser Unternehmen augenblicklich noch nicht jenen Punkt erreicht hat, um die immateriellen Vorteile eines Werkes ohne Rücksicht auf die materiellen Chancen desselben in den Vordergrund zu stellen, tue ich mein Bestes um das Schaffen der jüngeren Zeitgenossen nach Möglichkeit zu fördern. Ich habe dabei allerdings keinen leichten Standpunkt bei meinen Fachkollegen im Verwaltungsrate2 und muss daher bei meinen Bestrebungen die grösste Vorsicht walten lassen.
Aus dem Gesagten werden Sie begreifen, dass ich nicht so ohne Weiteres auf Ihre Anfrage, ob wir mit Ihnen bezüglich des Verlages Ihrer Werke abschliessen wollen, zustimmend oder ablehnend antworten kann.
Es ist zweifellos, dass wir Ihren Werken das grösste Interesse entgegenbringen, obwohl wir uns über den derzeitigen Marktwert derselben keiner Täuschung hingeben.
Ehe wir nun nach irgend einer Richtung hin präzisere Mitteilungen machen können, möchte ich Sie doch bitten, mir die Manuskripte jener Werke3, die für uns in Betracht kämen, einzusenden und uns mitzuteilen, ob Sie, wie wir es in zahlreichen ähnlichen Fällen getan haben, einen Verlagsvertrag acceptieren würden, welcher Ihnen eine Tantieme von jedem verkauften Exemplar bietet.
Ich erwähne diesen Punkt, weil ich Ihnen ebenfalls offen bemerken möchte, dass eine derartige Abmachung das Verlagsrisiko für den Verleger mildert und es ihm daher möglich macht, ohne Schädigung des Komponisten, sich leichter an den Verlag weniger rentabler Werke heranzuwagen.
Ich sehe nun gerne Ihren geschätzten weiteren Mitteilungen entgegen und verbleibe
mit vorzüglicher Hochschätzung ergebenst
Emil Hertzka

28. Juli 1909


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 28. Juli 1909, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.21763.

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