Schoenberg, Hotel Régina, 2 Place des Pyramides Paris
20/VII/33 [...]
PT UE Wien I. Karlsplatz 6
ich verstehe nicht, dass Sie mich hier in
der grössten Verlegenheit sitzen lassen! Ich muss Ihnen
sagen, dass dieses Vorgehen [...] mein Vertrauen in einem
Mass erschüttert, welches ich vorläufig nicht ausdrücken
mag.
Sie werden inzwischen erfahren haben, dass
ich durch einen hiesigen Freund bei dem Bankhaus
Friedenstein
, Börsengasse 12 habe anfragen lassen und dass
dieses im höchsten Grad erstaunt war, dass Sie mir diesen
kleinen Betrag nicht schicken zu können vorgeben; es hat
versprochen bei Ihnen anzurufen und Sie werden daraus
sehen, dass man doch nicht ganz so wehrlos ist, als Sie
glauben; aber dass ich immerhin jetzt weiss, welcher Art
Ihre Freundschaft für mich ist, wessen ich mich von Ihnen
zu versehen habe.
Schon aus Achtung für mich hätten Sie mich
nicht in einer Notlage lassen dürfen. Und ich muss Ihnen
sagen: was immer man gegen Herzka sagen mochte, so hat er
einen nie in Not gelassen! Das sollten Sie am allermeisten
berücksichtigen! Es hat noch keinem Segen gebracht,
der sich schlecht gegen mich benommen hat; Segen n[c]icht,
das können Sie mir glauben!
Ich bin wirklich aufs tiefste enttäuscht, denn
ich habe geglaubt, bei Ihnen Verständnis für meine Person
und Mitgefühl für das Unrecht zu finden, das mir durch Herz-
ka
geschehen war.
Ich rechne nun damit, dass ich in längstens
36 Stunden auf telegrafischem Weg das Geld erhalte: denn
ich bin schon zwei Hotelrechnungen hier schuldig.
Augenblicklich kann ich Sie nich[t] herzlich,
sondern nur hochachtungsvoll grüssen. Geben Sie sich Mühe,
die andere Art wieder zu verdienen.
Schoenberg, Hotel Régina, 2 Place des Pyramides Paris

PT UE Wien I. Karlsplatz 6
ich verstehe nicht, dass Sie mich hier in der grössten Verlegenheit sitzen lassen! Ich muss Ihnen sagen, dass dieses Vorgehen mein Vertrauen in einem Mass erschüttert, welches ich vorläufig nicht ausdrücken mag.
Sie werden inzwischen erfahren haben, dass ich durch einen hiesigen Freund bei dem Bankhaus Friedenstein, Börsengasse 12 habe anfragen lassen und dass dieses im höchsten Grad erstaunt war, dass Sie mir diesen kleinen Betrag nicht schicken zu können vorgeben; es hat versprochen bei Ihnen anzurufen und Sie werden daraus sehen, dass man doch nicht ganz so wehrlos ist, als Sie glauben; aber dass ich immerhin jetzt weiss, welcher Art Ihre Freundschaft für mich ist, wessen ich mich von Ihnen zu versehen habe.
Schon aus Achtung für mich hätten Sie mich nicht in einer Notlage lassen dürfen. Und ich muss Ihnen sagen: was immer man gegen Herzka sagen mochte, so hat er einen nie in Not gelassen! Das sollten Sie am allermeisten berücksichtigen! Es hat noch keinem Segen gebracht, der sich schlecht gegen mich benommen hat; Segen nicht, das können Sie mir glauben!
Ich bin wirklich aufs tiefste enttäuscht, denn ich habe geglaubt, bei Ihnen Verständnis für meine Person und Mitgefühl für das Unrecht zu finden, das mir durch Herzka geschehen war.
Ich rechne nun damit, dass ich in längstens 36 Stunden auf telegrafischem Weg das Geld erhalte: denn ich bin schon zwei Hotelrechnungen hier schuldig.
Augenblicklich kann ich Sie nicht herzlich, sondern nur hochachtungsvoll grüssen. Geben Sie sich Mühe, die andere Art wieder zu verdienen.

19. Juli 1933


Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection


Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 19. Juli 1933, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.2307.

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