1./II. 1912
Lieber Herr Direktor, ich freue mich außerordentlich, aus Ihrem Brief1
zu entnehmen, dass Sie mich doch nicht ganz aufgeben wollen,
was mir umsolieber ist, als es mir ein ausgesprochenes Bedürfnis
ist, alle meine Werke bei der Universal Edition zu haben.
Deshalb habe ich mich auch entschlossen, Ihnen in noch einigen
Dingen entgegenzukommen2, um Ihnen den Abschluss unserer
Beziehungen zu erleichtern.
Und zwar:
  • 1.) Ich begnüge mich, wenn Sie bereit sind meine
    später folgenden Forderungen zu erfüllen mit einer
    2.) Baarzalung von 500 Mark
  • 2. und erkläre mich außerdem bereit, die Partitur der Kammer Sinphonie
    selbst eigenhändig auf Straube-Matritzen zu schreiben3!!!
  • 3. Bin ich damit einverstanden, dass die in Rede stehenden
    Werke bis 1914 herausgegeben werden müssen. Und zwar
    innerhalb folgender Termine:
die Gurrelieder4 bis Herbst1. September 1912
[die] Georgelieder5 und
die Kammersinfonie6 (deshalb schreibe ich die Kam. Sinf.
selbst, was Ihnen Zeit und Geld erspart!)
der Chor7 bis Frühjahr 1913
die Lieder8 bis Frühjahr 1914
und Balladen
Dadurch sind Sie in der Lage etwaige neue Werke
von mir bequem zwischen 1913 und 1914 einzuschieben, wenn
[...] das wichtig sein sollte.
Dagegen muss ich, da mich Ihr Brief auf verschiedene
Mängel unseres Vertrages aufmerksam machte, auf einige

Bedingungen bestehen, die ich im folgenden auseinandersetze.
(Ich las Ihren Brief erst gestern durch und begriff erst jetzt, wie
weitgehend ich gegen meinen Willen an Sie gebunden wäre,
und wie verhängnisvoll das für mich werden könnte, wenn Sie
diese betreffenden „Zusätze“ anwenden wollten.)
Nämlich: durch die verschiedenen Zusätze, die Sie zu
unserem Vertrag jedesmal gemacht haben, sooft Sie ein
neues Werk erwarben, respektive mir einen Honorar-Vor-
schuss gaben, ist unser erster Vertrag eigentlich vollständig
unwirksam worden. Nun ist ja dieser Vertrag an sich für
mich schon in der Hinsicht nicht sehr günstig, als ich, selbst wenn
ich ganz denselben Erfolg hätte wie Rich. Strauss
es
bei meinen Lebzeiten nicht zu dem 10. Teil seiner Honorare
bringen könnte. Selbst nicht wenn ich einen größeren
Erfolg
hätte!!! Nun ich aber durch Ihren Brief die ver-
schiedenen Zusätze voll verstanden habe, sehe ich, dass ich ja
eigentlich aller meiner Ansprüche auf Honorare auf mein zukünftiges
Schaffen verlustig gienge. Und Sie werden nun ein-
sehen, dass es mir nicht möglich sein könnte unter
solchen Umständen einen noch 8 Jahre laufenden Ver-
trag einzuhalten. Ich weiß, dass Sie das damals nicht
taten um mich zu schädigen; Im Gegenteil: ich bin
fest überzeugt, dass Sie mein Bestes wollen und dass
Sie diese Veränderungen nur vornahmen, um momen-
tan
eine Möglichkeit zu schaffen, mir eine Summe
auszuzahlen, ohne etwas zu drucken. Da Sie sich aber
jetzt entschließen wollen, die betreffenden Werke
zu drucken, da also somit diese Werke vollgültiges
Unterpfand werden für Ihre Barzahlungen, ist es nun
wohl für Sie ein Leichtes, diese wohl nur provi-
sorischen Abmachungen jetzt zu annullieren und

damit den ersten Vertrag wieder in seine Rechte treten zu
lassen.
Meine Bedingung lautet demnach:
  • I. die mir von Ihnen seit Beginn unseres Vertrages für
    [mei]ne Kompositionen ausgezahlten Beträge, werden genaubeiläufig
    [na]ch dem Schlüssel den der erste Vertrag dafür angiebt (10 %
    [vo]m Ladenpreis der ersten 300 Exemplare) aufgeteilt.
  • II. die für theoretische Werke gezalten Summen stehen auf
    einem eigenen Konto und werden nicht mit den Kompositionen
    verquickt
  • III. da sich durch diese Aufteilung eine zu große Summe
    ergiebt, die Sie mir jedenfalls nicht auszahlen wollen,
    [ko]mme ich Ihnen in der Weise entgegen, dass ich mich mit
    einer Barzalung von 500 Mark begnüge und auf den
    Rest verzichte.
  • IV. dagegen gelten alle den ersten Vertrag einschrän-
    kenden nachträglichen Zusätze als aufgehoben, mit Ausnahme
    jener beiden Punkte unserer Abmachungen9 vom 22/11.1910
    in welchen einige zwei Punkte unseres Hauptvertrages in-
    terpretiert werden. Nämlich: den unter Absatz 5) genannten
    [d]ieses Briefes vom 22/11.1910, soweit sie nicht dieser heutigen
    vorliegenden Bedingung widersprechen.
  • V. dagegen treten nun wieder die übrig bleibenden
    Bestimmungen unseres Hauptvertrages in Kraft; insbesondere
    die, dass ich für jedes neue von Ihnen erworbene Werk den
    vertrags mäßigen Honorar-Vorschuss ausgezahlt erhalte.
  • VI. dafür, dass ich die Kammersymphonie selbst schreibe,
    erhalte ichwerden mir von Ihnen für dieses Werk statt 10 %, jedes-
    mal 15 % vom Ladenpreis gutgeschrieben. (Den Vor-
    schuss berechnen wir noch nach 10 %).
Lieber Herr Direktor, ich fürchte [(]Sie sind ja
[(]da Sie ein selbständiger und ideenreicher Mensch sind)

ein wenig behaftet mit jener Erregbarkeit, welche selbständige
Menschen auszeichnet. Deshalb fürchte ich, dass Sie im ersten
Moment, wenn Sie diesen Brief lesen, in Zorn gera-
ten werden und vielleicht in diesem ersten Zorn etwas
täten, was weder meinem noch Ihrem Interesse dient.
Ich weiß das, denn ich bin (leider!) selbst so!! Wäre
ich bei Ihnen, so bin ich überzeugt, es gelänge mir, Sie
zu beschwichtigen. Und Sie sehen ja: ich verwende alle
meine Farbenkünste um Sie mir freundlich ge-
sinnt zu erhalten. Und ich bitte Sie dringend, lesen
Sie diesen Brief noch einmal. Denken Sie mit
Freundschaft an mich! Versuchen Sie ein-
mal sich auf meinen Standpunkt zu stellen.
Und vor Allem: Ueberlegen Sie, wie wenig ich
eigentlich verlange!!!!
Denn was besagen dieser Bri Forderungen eigentlich.
Nichts anderes, als dass ich jenen ersten Vertrag wieder
hergestellt haben will, den Sie seinerzeit
aus eigenem freien Willen mit mir geschlossen
haben (und der ja materiell nicht einmal sehr günstig für mich ist!!)
Und dafür bin ich bereit ein Opfer von
1000 Mark
zu bringen. und die Kammersymphonie selbst zu schreiben! Ich, ein armer Musikant,
der Geld sehr dringend braucht. (Denn ich kann Ihnen
sagen, es ist mir ein Leichtes innerhalb 8 Tagen für diese
5 Werke 1500 Mark zu bekommen!!) Aber ich bringe dieses
Opfer, erstens weil ich mit Ihnen in freundschaftlichen
Beziehungen bleiben will, zweitens weil es unmöglich
ist mit einem Verlag zu arbeiten, wenn man mit

ihm nicht auf gutem Fuß steht; und drittens (und dafür
müsste ich das Äußerste riskieren) weil ich nicht in der
Lage bin auf die Einkünfte aus meinen Kompositionen
solange zu verzichten, bis die Honorare Vorschüsse, die
ich von Ihnen habe (und die mir eigentlich vertraglich zustehen)
durch den Verkauf von Noten gedeckt sind, obwol
unser erster Vertrag das Gegenteil davon ausspricht.
Und das ist doch wirklich wenig: nur den ersten
Vertrag will ich wieder haben! Den Sie ja selbst
mir angeboten haben.
Und die nachträglichen Zusätze, die ja nur einem
momentanen Bedürfnis entsprangen, und die ja
jetzt wo ich allenthalben Aufführungen und auch Erfolge
habe, überflüssig sind und durch den Druck der Wer-
ke entfallen können.
Ich bitte Sie vielmals: stellen Sie sich auf
meinen Standpunkt!! Vergegenwärtigen Sie sich
meine Situation!!! Alle Komponisten meines
Ranges erhalten von Ihren Verlegern hohe Summen.
Das 10fache (und mehr!!) von dem was ich bekommen
soll. Und ich verlange nur: dass ich dieses 1/100 bis 1/10
wenigstens bekomme! (Obwohl ich es andererseits
mehrfach haben könnte! Ist das wirklich unbescheiden?
Lieber Herr Direktor, Sie wissen dass ich Sie
sehr gerne habe und ich habe vor Allem an Ihnen
nebst Ihrer hervorragenden kaufmännischen Intelligenz
und Ihrem Interesse für moderne Musik, vor Allem
und über Alles geschätzt, dass Sie ein guter Mensch

sind. Ich darf Sie deshalb wohl bitten: Stellen Sie
sich auf meinen Standpunkt, auf den des
ökonomisch-Schwächeren!! Und entscheiden Sie nicht
nach dem Buchstaben Ihres Vertrages, sondern nach
jenem richtigen Gefühl, mit dem Sie mir ja sooft
beizuspringen bereit waren, wenn ich in Not war.
Und ich bitte Sie: ändern Sie nichts an den klaren Be-
dingungen, die ich gestellt habe. Denn, so leid es mir
täte, ich könnte nichts anderes annehmen. Verlieren
wir nicht dadurch Zeit!! Denn ich fürchte sehr
ich könnte nicht lange mehr warten! Und ich
bitte lassen Sie mich nicht auf Antwort warten,
sondern schreiben Sie mir umgehend, so dass ich
Ihre Antwort spätestens am Montag (5. Februar) habe.
Denn ich muss Klarheit haben. Und unser gegenwärtiges
Verhältnis ist zu unklar, zu verworren, als dass
[...] sich dabei nicht fortwährend Reibereien heraus-
stellten! Und ich wünsche Ruhe, Klarheit und Freund-
lichkeit!
Und Sie doch auch! Nicht wahr?
Ich grüße Sie einstweilen in aller Herzlichkeit
und hoffe bestimmt auf eine freundschaftliche Antwort. Ihr
Arnold Schönberg

Für die Verteilung der Vorschüsse auf die Werke schlage ich folgendes vor:
Ich sollte vertraglich bekommen (300 mal 10 %)
für
I. Klavierstücke à 3 Kr. 90 Kronen ––––– 90 Kronen
II. Orchesterlieder à 9.60 288 〃 [Kronen] ––––– 250 〃 [Kronen]
III. Pelleas à 48.- 1440 〃 [Kronen] ––––– 700 〃 [Kronen] 600!
IV. Gurrelieder à 24.- 720 〃 [Kronen] ––––– 600 〃 [Kronen]
V. Monodram à 12.- 360 〃 [Kronen] ––––– 300 〃 [Kronen]
VI Glückliche Hand à 12.- 360 〃 [Kronen] ––––– 300 〃 [Kronen]
VII Kammersinf. à 24.- 740.– 〃 [Kronen] ––––– 650 〃 [Kronen]
VIII George Lieder à 9.60 288.– 〃 [Kronen] ––––– 250 〃 [Kronen]
IX Chor à –.86 108.– 〃 [Kronen] ––––– 100 〃 [Kronen]
X. Balladen à 6 180.– 〃 [Kronen] ––––– 150 〃 [Kronen]
XI Drei Lieder10 à 4 120.– 〃 [Kronen] ––––– 100 〃 [Kronen]
4694.– 3390 Kronen!
Das sind doch sehr niedrige
Ansätze!! Nicht wahr
Ich habe erhalten:
2800 Kronen und beanspruche noch 500 Mark =
600 600 Kron
3400.–
Die Verteilung kann also so erfolgen,
wie die rechts stehenden Zahlen angeben
1./II. 1912
Lieber Herr Direktor, ich freue mich außerordentlich, aus Ihrem Brief1 zu entnehmen, dass Sie mich doch nicht ganz aufgeben wollen, was mir umsolieber ist, als es mir ein ausgesprochenes Bedürfnis ist, alle meine Werke bei der Universal Edition zu haben.
Deshalb habe ich mich auch entschlossen, Ihnen in noch einigen Dingen entgegenzukommen2, um Ihnen den Abschluss unserer Beziehungen zu erleichtern. Und zwar:
  • 1.) Ich begnüge mich, wenn Sie bereit sind meine später folgenden Forderungen zu erfüllen mit einer Baarzalung von 500 Mark
  • 2. und erkläre mich außerdem bereit, die Partitur der Kammer Sinphonie selbst eigenhändig auf Straube-Matritzen zu schreiben3!!!
  • 3. Bin ich damit einverstanden, dass die in Rede stehenden Werke bis 1914 herausgegeben werden müssen. Und zwar innerhalb folgender Termine:
die Gurrelieder4 bis 1. September 1912
die Georgelieder5 und
die Kammersinfonie6 (deshalb schreibe ich die Kam. Sinf.
selbst, was Ihnen Zeit und Geld erspart!)
der Chor7 bis Frühjahr 1913
die Lieder8 bis Frühjahr 1914
und Balladen
Dadurch sind Sie in der Lage etwaige neue Werke von mir bequem zwischen 1913 und 1914 einzuschieben, wenn das wichtig sein sollte.
Dagegen muss ich, da mich Ihr Brief auf verschiedene Mängel unseres Vertrages aufmerksam machte, auf einige Bedingungen bestehen, die ich im folgenden auseinandersetze. (Ich las Ihren Brief erst gestern durch und begriff erst jetzt, wie weitgehend ich gegen meinen Willen an Sie gebunden wäre, und wie verhängnisvoll das für mich werden könnte, wenn Sie diese betreffenden „Zusätze“ anwenden wollten.)
Nämlich: durch die verschiedenen Zusätze, die Sie zu unserem Vertrag jedesmal gemacht haben, sooft Sie ein neues Werk erwarben, respektive mir einen Honorar-Vorschuss gaben, ist unser erster Vertrag eigentlich vollständig unwirksam worden. Nun ist ja dieser Vertrag an sich für mich schon in der Hinsicht nicht sehr günstig, als ich, selbst wenn ich ganz denselben Erfolg hätte wie Rich. Strauss es bei meinen Lebzeiten nicht zu dem 10. Teil seiner Honorare bringen könnte. Selbst nicht wenn ich einen größeren Erfolg hätte!!! Nun ich aber durch Ihren Brief die verschiedenen Zusätze voll verstanden habe, sehe ich, dass ich ja eigentlich aller meiner Ansprüche auf Honorare auf mein zukünftiges Schaffen verlustig gienge. Und Sie werden nun einsehen, dass es mir nicht möglich sein könnte unter solchen Umständen einen noch 8 Jahre laufenden Vertrag einzuhalten. Ich weiß, dass Sie das damals nicht taten um mich zu schädigen; Im Gegenteil: ich bin fest überzeugt, dass Sie mein Bestes wollen und dass Sie diese Veränderungen nur vornahmen, um momentan eine Möglichkeit zu schaffen, mir eine Summe auszuzahlen, ohne etwas zu drucken. Da Sie sich aber jetzt entschließen wollen, die betreffenden Werke zu drucken, da also somit diese Werke vollgültiges Unterpfand werden für Ihre Barzahlungen, ist es nun wohl für Sie ein Leichtes, diese wohl nur provisorischen Abmachungen jetzt zu annullieren und damit den ersten Vertrag wieder in seine Rechte treten zu lassen.
Meine Bedingung lautet demnach:
  • I. die mir von Ihnen seit Beginn unseres Vertrages für meine Kompositionen ausgezahlten Beträge, werden beiläufig nach dem Schlüssel den der erste Vertrag dafür angiebt (10 % vom Ladenpreis der ersten 300 Exemplare) aufgeteilt.
  • II. die für theoretische Werke gezalten Summen stehen auf einem eigenen Konto und werden nicht mit den Kompositionen verquickt
  • III. da sich durch diese Aufteilung eine zu große Summe ergiebt, die Sie mir jedenfalls nicht auszahlen wollen, komme ich Ihnen in der Weise entgegen, dass ich mich mit einer Barzalung von 500 Mark begnüge und auf den Rest verzichte.
  • IV. dagegen gelten alle den ersten Vertrag einschränkenden nachträglichen Zusätze als aufgehoben, mit Ausnahme jener beiden Punkte unserer Abmachungen9 vom 22/11.1910 in welchen zwei Punkte unseres Hauptvertrages interpretiert werden. Nämlich: den unter Absatz 5) genannten dieses Briefes vom 22/11.1910, soweit sie nicht dieser vorliegenden Bedingung widersprechen.
  • V. dagegen treten nun wieder die übrig bleibenden Bestimmungen unseres Hauptvertrages in Kraft; insbesondere die, dass ich für jedes neue von Ihnen erworbene Werk den vertrags mäßigen Honorar-Vorschuss ausgezahlt erhalte.
  • VI. dafür, dass ich die Kammersymphonie selbst schreibe, werden mir von Ihnen für dieses Werk statt 10 %, jedesmal 15 % vom Ladenpreis gutgeschrieben. (Den Vorschuss berechnen wir noch nach 10 %).
Lieber Herr Direktor, ich fürchte Sie sind ja (da Sie ein selbständiger und ideenreicher Mensch sind) ein wenig behaftet mit jener Erregbarkeit, welche selbständige Menschen auszeichnet. Deshalb fürchte ich, dass Sie im ersten Moment, wenn Sie diesen Brief lesen, in Zorn geraten werden und vielleicht in diesem ersten Zorn etwas täten, was weder meinem noch Ihrem Interesse dient. Ich weiß das, denn ich bin (leider!) selbst so!! Wäre ich bei Ihnen, so bin ich überzeugt, es gelänge mir, Sie zu beschwichtigen. Und Sie sehen ja: ich verwende alle meine Farbenkünste um Sie mir freundlich gesinnt zu erhalten. Und ich bitte Sie dringend, lesen Sie diesen Brief noch einmal. Denken Sie mit Freundschaft an mich! Versuchen Sie einmal sich auf meinen Standpunkt zu stellen. Und vor Allem: Ueberlegen Sie, wie wenig ich eigentlich verlange!!!!
Denn was besagen diese Forderungen eigentlich. Nichts anderes, als dass ich jenen ersten Vertrag wieder hergestellt haben will, den Sie seinerzeit aus eigenem freien Willen mit mir geschlossen haben (und der ja materiell nicht einmal sehr günstig für mich ist!!) Und dafür bin ich bereit ein Opfer von 1000 Mark zu bringen. und die Kammersymphonie selbst zu schreiben! Ich, ein armer Musikant, der Geld sehr dringend braucht. (Denn ich kann Ihnen sagen, es ist mir ein Leichtes innerhalb 8 Tagen für diese 5 Werke 1500 Mark zu bekommen!!) Aber ich bringe dieses Opfer, erstens weil ich mit Ihnen in freundschaftlichen Beziehungen bleiben will, zweitens weil es unmöglich ist mit einem Verlag zu arbeiten, wenn man mit ihm nicht auf gutem Fuß steht; und drittens (und dafür müsste ich das Äußerste riskieren) weil ich nicht in der Lage bin auf die Einkünfte aus meinen Kompositionen solange zu verzichten, bis die Vorschüsse, die ich von Ihnen habe (und die mir eigentlich vertraglich zustehen) durch den Verkauf von Noten gedeckt sind, obwol unser erster Vertrag das Gegenteil davon ausspricht.
Und das ist doch wirklich wenig: nur den ersten Vertrag will ich wieder haben! Den Sie ja selbst mir angeboten haben.
Und die nachträglichen Zusätze, die ja nur einem momentanen Bedürfnis entsprangen, und die ja jetzt wo ich allenthalben Aufführungen und auch Erfolge habe, überflüssig sind und durch den Druck der Werke entfallen können.
Ich bitte Sie vielmals: stellen Sie sich auf meinen Standpunkt!! Vergegenwärtigen Sie sich meine Situation!!! Alle Komponisten meines Ranges erhalten von Ihren Verlegern hohe Summen. Das 10fache (und mehr!!) von dem was ich bekommen soll. Und ich verlange nur: dass ich dieses 1/100 bis 1/10 wenigstens bekomme! (Obwohl ich es andererseits mehrfach haben könnte! Ist das wirklich unbescheiden? Lieber Herr Direktor, Sie wissen dass ich Sie sehr gerne habe und ich habe vor Allem an Ihnen nebst Ihrer hervorragenden kaufmännischen Intelligenz und Ihrem Interesse für moderne Musik, vor Allem und über Alles geschätzt, dass Sie ein guter Mensch sind. Ich darf Sie deshalb wohl bitten: Stellen Sie sich auf meinen Standpunkt, auf den des ökonomisch-Schwächeren!! Und entscheiden Sie nicht nach dem Buchstaben Ihres Vertrages, sondern nach jenem richtigen Gefühl, mit dem Sie mir ja sooft beizuspringen bereit waren, wenn ich in Not war.
Und ich bitte Sie: ändern Sie nichts an den klaren Bedingungen, die ich gestellt habe. Denn, so leid es mir täte, ich könnte nichts anderes annehmen. Verlieren wir nicht dadurch Zeit!! Denn ich fürchte sehr ich könnte nicht lange mehr warten! Und ich bitte lassen Sie mich nicht auf Antwort warten, sondern schreiben Sie mir umgehend, so dass ich Ihre Antwort spätestens am Montag (5. Februar) habe. Denn ich muss Klarheit haben. Und unser gegenwärtiges Verhältnis ist zu unklar, zu verworren, als dass sich dabei nicht fortwährend Reibereien herausstellten! Und ich wünsche Ruhe, Klarheit und Freundlichkeit!
Und Sie doch auch! Nicht wahr?
Ich grüße Sie einstweilen in aller Herzlichkeit und hoffe bestimmt auf eine freundschaftliche Antwort. Ihr Arnold Schönberg
Für die Verteilung der Vorschüsse auf die Werke schlage ich folgendes vor: Ich sollte vertraglich bekommen (300 mal 10 %) für
I. Klavierstücke à 3 Kr. 90 Kronen ––––– 90 Kronen
II. Orchesterlieder à 9.60 288 Kronen ––––– 250 Kronen
III. Pelleas à 48.- 1440 Kronen ––––– 700 Kronen 600!
IV. Gurrelieder à 24.- 720 Kronen ––––– 600 Kronen
V. Monodram à 12.- 360 Kronen ––––– 300 Kronen
VI Glückliche Hand à 12.- 360 Kronen ––––– 300 Kronen
VII Kammersinf. à 24.- 740.– Kronen ––––– 650 Kronen
VIII George Lieder à 9.60 288.– Kronen ––––– 250 Kronen
IX Chor à –.86 108.– Kronen ––––– 100 Kronen
X. Balladen à 6 180.– Kronen ––––– 150 Kronen
XI Drei Lieder10 à 4 120.– Kronen ––––– 100 Kronen
4694.– 3390 Kronen!
Das sind doch sehr niedrige Ansätze!! Nicht wahr
Ich habe erhalten:
2800 Kronen und beanspruche noch 500 Mark =
600 600 Kron
3400.–
Die Verteilung kann also so erfolgen, wie die rechts stehenden Zahlen angeben

1. Februar 1912


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Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 1. Februar 1912, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.294.

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