11/7.1914
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Lieber Herr Direktor, obwol sehr beschäftigt,
beantworte ich doch sofort Ihren Brief.
Ich sehe den großen Propagandawert Ihres des
geplanten Sammelwerkes ein. Aber ich bin – durch
meine Eindrücke von solchen Ausgaben – ein so
angesagter Feind solcher Zusammenstellungen,
dass ich mich nicht ohneweiteres entschließen
kann, Ihnen meine Zusage zu geben. 1–2 solcher
Lieder machen da stets einen so uncharakteristischen
Eindruck – im besten Fall; meist aber wirken
sie direkt unsympathisch: wie einer der fühlt,
dass er „beliebt“ ist und sich „beliebt“ benimmt.
Das hasse ich!
Aber da ich einerseits weiß, dass Sie meine Zu-
stimmung (abgesehen von der Tantièmenfrage) nicht
nötig haben und ich Ihnen unbedingt den Gefallen
nicht abschlagen will, mache ich Ihnen den
Vorschlag, mich wenigstens durch Werke
zu verbreiten, die für mich charakteristisch
sind und erkläre mich bereit den Ab-

druck von
2 Liedern aus den George-Liedern
unter den von Ihnen geforderten Bedingungen zu ge-
statten, wenn Sie mir dafür zusagen, von diesem
Heft1 (wo es ohnedies kaum Sinn hat) keine wei-
teren Einzelausgaben zu veranstalten.
Damit wären 2 Fragen befriedigend gelöst:
1. haben die George-Lieder eine solche Propa-
ganda eher nötig, als die Orchesterlieder, denen
sie weniger nützt, weil ja das Original für
Orchester
ist!!!
2. Ist auch mein Schade dabei weit gerin-
ger, als wenn ich auf die Ertragsmöglichkeit auf eines Drittels eines opus
ganz verzichte
, was ichSie wohl bei Ihrem freundschaftlichen
Interesse für mich auch einsehen werden.
Ich lege eine diesbezügliche Erklärung bei.
Die Korrekturen2, die ich jetzt in den Gurreliedern
vorgenommen habe, sind so geringfügig, dass sie wohl
kaum aufhalten werden. Sollte das aber
dennoch der Fall sein, so bitte ich, sie einstweilen
nicht zu berücksichtigen und mir die betreffen-
den Blätter zurückzuschicken. Ich werde sie

zur rechten Zeit selbst eintragen
lassen. Vielleicht aber geht es
doch von Ihnen aus. – Bitte um Nachricht
darüber.
Viele herzlichste Grüße Ihr Arnold Schönberg
Kommen Sie nicht an München
vorbei? Ich bin dort ganz in
der Nähe
3, und würde sehr gerne
mit Ihnen wieder plaudern
11/7.1914
Lieber Herr Direktor, obwol sehr beschäftigt, beantworte ich doch sofort Ihren Brief.
Ich sehe den großen Propagandawert des geplanten Sammelwerkes ein. Aber ich bin – durch meine Eindrücke von solchen Ausgaben – ein so angesagter Feind solcher Zusammenstellungen, dass ich mich nicht ohneweiteres entschließen kann, Ihnen meine Zusage zu geben. 1–2 solcher Lieder machen da stets einen so uncharakteristischen Eindruck – im besten Fall; meist aber wirken sie direkt unsympathisch: wie einer der fühlt, dass er „beliebt“ ist und sich „beliebt“ benimmt. Das hasse ich!
Aber da ich einerseits weiß, dass Sie meine Zustimmung (abgesehen von der Tantièmenfrage) nicht nötig haben und ich Ihnen unbedingt den Gefallen nicht abschlagen will, mache ich Ihnen den Vorschlag, mich wenigstens durch Werke zu verbreiten, die für mich charakteristisch sind und erkläre mich bereit den Abdruck von
2 Liedern aus den George-Liedern
unter den von Ihnen geforderten Bedingungen zu gestatten, wenn Sie mir dafür zusagen, von diesem Heft1 (wo es ohnedies kaum Sinn hat) keine weiteren Einzelausgaben zu veranstalten.
Damit wären 2 Fragen befriedigend gelöst:
1. haben die George-Lieder eine solche Propaganda eher nötig, als die Orchesterlieder, denen sie weniger nützt, weil ja das Original für Orchester ist!!!
2. Ist auch mein Schade dabei weit geringer, als wenn ich auf die Ertragsmöglichkeit eines Drittels eines opus ganz verzichte, was Sie wohl bei Ihrem freundschaftlichen Interesse für mich auch einsehen werden.
Ich lege eine diesbezügliche Erklärung bei.
Die Korrekturen2, die ich jetzt in den Gurreliedern vorgenommen habe, sind so geringfügig, dass sie wohl kaum aufhalten werden. Sollte das aber dennoch der Fall sein, so bitte ich, sie einstweilen nicht zu berücksichtigen und mir die betreffenden Blätter zurückzuschicken. Ich werde sie zur rechten Zeit selbst eintragen lassen. Vielleicht aber geht es doch von Ihnen aus. – Bitte um Nachricht darüber.
Viele herzlichste Grüße Ihr Arnold Schönberg
Kommen Sie nicht an München vorbei? Ich bin dort ganz in der Nähe3, und würde sehr gerne mit Ihnen wieder plaudern

11. Juli 1914


Der Abdruck am linken oberen Rand lässt vermuten, dass Schönberg seinen Berliner Adressstempel verwendete. Den Sommer 1914 verbrachte er jedoch in Murnau

The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief, Kopie

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 11. Juli 1914, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.428.

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