Lieber Herr Direktor, auf Ihren letzten Brief1 kann ich mir kei-
nen Reim machen:
1) Wenn Sie den amerikanischen Vertrag2 lösen, d. h. die 500 Dollar
zurückzalen wollen, dann
a) besitzen Sie sie entweder
(warum wollen Sie mir dann meinen Anteil nicht geben[)] oder b) Sie müssen sie mit Schaden kaufen
(Sie wollen also lieber 500 Dollar mit Schaden
kaufen, ehe Sie mir mein Recht geben, wobei Sie
nur die Hälfte zu kaufen, also nur die Hälfte Schaden
hätten?!! ?)
2) Sie bringen also lieber Opfer (!) ehe Sie mir mein
Recht geben: das soll ich mir wohl gut merken, nicht wahr?
3) Aber schließlich ist das nicht meine Sache, da ich wie
ich Ihnen wiederholt gesagt habe, die Auflösung des ameri-
kanischen Vertrages wünsche. Ich werde auch sofort an be-
freundeter Stelle wissen lassen, dass ich frei werde und
Verhandlungen einleiten lassen.
4) Nun muss ich Ihnen aber mitteilen, dass ich unbeschadet der Lösung
dieser Frage, eine weitere Hinausschiebung unserer schwebenden Ange-
legenheit, in welcher ich vor 2 1/2 Monaten (Mitte December) den ersten
Schritt getan habe
3, leider unmöglich ist, weil ich definitiv nach
dem Kolisch-Konzert (9.III)4 circa am 12 oder 14. nach Traun-
kirchen
gehe. Ich muss Ihnen sagen, dass ich über diese Behandlung
sehr verstimmt und beu[u]n[h]ruhigt bin. Ja: wollen Sie denn
nicht eine friedliche Lösung suchen? Ich war schon einigemale nahe
daran, das zu glauben. Meine Situation zwar, ist günstiger, als sie je
war und ich kann nicht glauben, dass ein gescheiter Mensch, wie Sie das
nicht sofort erfasst und Frieden sucht. Mir, ehrlich gestanden, ist dieses
Feilschen und Verhandeln so zuwider, dass sich mir immer mehr

der Entschluss aufdrängt, mich nie wieder solchen Situationen aus-
zusetzen. Aber diesen letzten Kampf werde ich noch ausfechten:
wenn sie mich dazu zwingen. Aber ich hoffe noch immer das
Beste. Es sind ja noch fast 2 Wochen bis zu meiner Abreise.
Nun muss ich auch noch ein Wörtchen über meine Ab-
rechnung sagen: Es ist Ende Februar! Meinen Sie, dass da-
mit nicht allein schon meine Forderung nach fester Valuta
gerechtfertigt ist, wenn es vorkommen kann, dass ein
drittel der Zeit (33 %!!) bis zur nächstfälligen Abrechnung
bereits verstrichen ist, ohne dass ich die letztfällige habe!
Das muss jedenfalls auch anders werden.
Bitte stellen Sie sich beim Lesen dieses Briefes meine
Person so vor, wie sie ist, wenn sie liebenswürdig (soweit
man davon bei mir reden kann) ist: es ist versöhnlich
gemeint. Ich suche Frieden und Gerechtigkeit – so weit
bin ich allerdings ernst; aber ich hoffe bestimmt, bei-
des so zu finden,
wie ich es mir vorstelle, darum bin
ich mit Leichtigkeit und ohne Zwang liebenswürdig (und
hoffe, dass Sie dieses letzte auch finden.
Einstweilen also: Beste Grüße Ihr Arnold Schönberg
Herr Stein sagte mir heute, dass Sie mich hätten er-
suchen lassen, nach der Reger-Probe zu Ihnen zu
kommen. Das geht aber nicht. Da bin ich zu
müde.
Lieber Herr Direktor, auf Ihren letzten Brief1 kann ich mir keinen Reim machen:
1) Wenn Sie den amerikanischen Vertrag2 lösen, d. h. die 500 Dollar zurückzalen wollen, dann
a) besitzen Sie sie entweder (warum wollen Sie mir dann meinen Anteil nicht geben) oder b) Sie müssen sie mit Schaden kaufen (Sie wollen also lieber 500 Dollar mit Schaden kaufen, ehe Sie mir mein Recht geben, wobei Sie nur die Hälfte zu kaufen, also nur die Hälfte Schaden hätten?!! ?)
2) Sie bringen also lieber Opfer (!) ehe Sie mir mein Recht geben: das soll ich mir wohl gut merken, nicht wahr?
3) Aber schließlich ist das nicht meine Sache, da ich wie ich Ihnen wiederholt gesagt habe, die Auflösung des amerikanischen Vertrages wünsche. Ich werde auch sofort an befreundeter Stelle wissen lassen, dass ich frei werde und Verhandlungen einleiten lassen.
4) Nun muss ich Ihnen aber mitteilen, dass unbeschadet der Lösung dieser Frage, eine weitere Hinausschiebung unserer schwebenden Angelegenheit, in welcher ich vor 2 1/2 Monaten (Mitte December) den ersten Schritt getan habe3, leider unmöglich ist, weil ich definitiv nach dem Kolisch-Konzert (9.III)4 circa am 12 oder 14. nach Traunkirchen gehe. Ich muss Ihnen sagen, dass ich über diese Behandlung sehr verstimmt und beunruhigt bin. Ja: wollen Sie denn nicht eine friedliche Lösung suchen? Ich war schon einigemale nahe daran, das zu glauben. Meine Situation zwar, ist günstiger, als sie je war und ich kann nicht glauben, dass ein gescheiter Mensch, wie Sie das nicht sofort erfasst und Frieden sucht. Mir, ehrlich gestanden, ist dieses Feilschen und Verhandeln so zuwider, dass sich mir immer mehr der Entschluss aufdrängt, mich nie wieder solchen Situationen auszusetzen. Aber diesen letzten Kampf werde ich noch ausfechten: wenn sie mich dazu zwingen. Aber ich hoffe noch immer das Beste. Es sind ja noch fast 2 Wochen bis zu meiner Abreise.
Nun muss ich auch noch ein Wörtchen über meine Abrechnung sagen: Es ist Ende Februar! Meinen Sie, dass damit nicht allein schon meine Forderung nach fester Valuta gerechtfertigt ist, wenn es vorkommen kann, dass ein drittel der Zeit (33 %!!) bis zur nächstfälligen Abrechnung bereits verstrichen ist, ohne dass ich die letztfällige habe! Das muss jedenfalls auch anders werden.
Bitte stellen Sie sich beim Lesen dieses Briefes meine Person so vor, wie sie ist, wenn sie liebenswürdig (soweit man davon bei mir reden kann) ist: es ist versöhnlich gemeint. Ich suche Frieden und Gerechtigkeit – so weit bin ich allerdings ernst; aber ich hoffe bestimmt, beides so zu finden, wie ich es mir vorstelle, darum bin ich mit Leichtigkeit und ohne Zwang liebenswürdig (und hoffe, dass Sie dieses letzte auch finden.
Einstweilen also: Beste Grüße Ihr Arnold Schönberg
Herr Stein sagte mir heute, dass Sie mich hätten ersuchen lassen, nach der Reger-Probe zu Ihnen zu kommen. Das geht aber nicht. Da bin ich zu müde.


3. März 1922

Datierung laut Eingangsstempel

Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection


Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 3. März 1922, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.589.

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