23. Februar 1921
Lieber Herr Direktor, ich erfuhr schon durch meine Tochter (!!) dass Sie
wegen der Harmonielehre anders über mich denken, als uns beiden zuträglich
und angemessen ist und war noch mehr darüber verwundert, als dass ich es über-
haupt erfahre, darüber, dass es meine Tochter erfahren musste – dass sie
daran glauben musste. Ich hätte das nicht für nötig gehalten, da ja alle
Mitteilungen durch die Post mich direkt erreichen.
Zur Sache selbst habe ich nun soviel zu bemerken, dass dadurch allein schon
erklärt ist, warum ich nicht Zeit fand, Ihnen zu antworten.
  • I. Trifft die Schuld, dass wir ohne Harmonielehre dastehen nicht
    mich, sondern Sie, indem Sie (ohne mich zu befragen und nachdem
    mir mehreremale der Betrag für den Satz aufgerechnet wurde) den
    Satz ablegen ließen, wodurch ich 4 (vier-)fachen Schaden erlitt:
    • 1) 1. Indem dadurch meine Anteile und mein Gewinn sich verringerte,
    • 2. Indem mir zuzeiten wo ich das Geld gebraucht hätte keine Verkäufe
      gutgeschrieben werden konnten.
    • 3. Indem die werbende Kraft dieses Werkes für mein übriges Schaffen
      außer Tätigkeit gesetzt wird und
    • 4. insbesondere, indem ich jetzt gezwungen wurde, die Neube-
      arbeitung viel früher zu machen, als es mir passt, was mir sowohl
      künstlerisch (wegen des Ausreifenlassens) als auch materiell (wegen
      meiner Zeiteinteilung) höchst unangenehm ist.
  • II. Also habe ich Sie schon zur Zeit der Herstellung II. Auflage gefragt, ob Sie ei-
    ne Neubearbeitung wünschen, was Sie damals ablehnten und
    behaupteten es hätte noch einige Jahre Zeit, worin Sie sich irrten
    und mich nach kaum einem halben Jahr um eine Neubear-
    beitung ersuchten
  • III. Haben Sie, als ich die Hälfte der Neubearbeitung fertig hatte und
    im besten Zuge war, mich aufgefordert, lieber zu komponieren,
    die Harmonie-L. hätte noch Zeit. Sie hatten damals die Kosten be-
    rechnet und schwankten, ob Sie den Neudruck schon jetzt machen

  • wollten und erst, als ich Ihnen nachwies, dass der Verkaufspreis
    für das Buch ruhig höher sein könne und Einwendungen gegen
    das Fehlen des Werkes machte, wurden Sie – anscheinend,
    denn Sie teilten mir damals Ihre Sinnesänderung nicht
    mit – anderer Meinung, denn knapp vor Ihrer Abreise wurde
    ich aufgefordert das Manuskript zu schicken, ohne vorher etwas
    darüber gehört zu haben. Inzwischen hatte ich jedoch zugunsten des
    Komponierens mit der Bearbeitung aufgehört, dann kam die
    Zeit der Abreise mit Vorbereitungen, Vorsorgen und Unruhe und so
    blieb die Arbeit stecken. Dass ich hier nicht dazu komme zu
    arbeiten, muss Sie nun nicht wundern. Denn wenn Sie
    auch annehmen, wie Sie meiner Tochter ebenso witzig als
    spöttisch sagten, dass ich, woran Sie kein Interesse hätten (das
    meinige kommt wohl auch einigermaßen [...] in Betracht) in
    Holland österreichische Schüler unterrichte, so müssten Sie
    sich selbst doch darüber wundern, dass mir die Holländer
    bloß für diese Tätigkeit 10.000 Gulden bezalen.
Was nun jedoch den Verkauf1 meiner Harm.-L. nach Amerika
anbelangt, so befinde ich mich zu Ihrer Auffassung in einem sehrso
bedeutenden Gegensatz, dass ich, wenn Ihre Ungeduld meinen gut[en]
Vorschlag nicht gestört hätte, im Interesse unserer freundschaftlichen
Beziehungen über diesen Gegenstand lieber mündlich verhandelt
hätte, da ich überzeugt bin, dass Sie meine Gründe, als eine bessere
Wahrung unserer Interessen gefunden hätten, wenn ich mit Ihnen
gesprochen hätte. Und ich meine fast: es ist jetzt noch besser, wir
sprechen nach meiner Rückkehr uns lieber in Ruhe und Wohl-
wollen darüber aus, als uns in Briefen einander unangenehme
Dinge zu sagen (d. h.: ich tue es, wie Sie sehen nicht; ich bin
liebenswürdig wie immer; aber Sie sind spitzig) wobei nur
Ärger herauskommt, während wir uns doch mündlich schließlich
immer geeinigt haben und gute Freunde geblieben sind. Sie
sehen, ich werde ruhiger. Vor 10 Jahren hätte ich Ihnen einen
wütenden Brief geschrieben! Wann aber wird Ihr Tempra-
ment einmal sanfter, abgeklärter werden?

Um Ihnen kurz jedoch meine Einwendungen zur
Kenntnis zu bringen, diene folgendes:
  • I. Finde ich den Betrag von 500 Dollar sehr gering. Es
    sind das 2000 Friedens-Mark und das entspricht kaum dem
    Gewinn bei 500 Exemplaren, welcher ja beinahe 4 Mark
    pro Exemplar ausmachte. (Sie haben mir übrigens gar nichts
    Näheres über Ihre Abmachung mitgeteilt; weder die Höhe der Auf-
    lage, noch die Bestimmungen für die Zukunft, noch wer über-
    setzt etc)
  • II. Ist bei der Uebersetzung dieses Werkes nicht einmal das
    Geld die erste Frage, sondern: die Uebersetzung: Ein Werk
    vom künstlerischen Rang dieses, könnte nicht einem x-be-
    liebigen übergeben werden und nur nachdem mir von einigen
    wichtigen Stellen Proben vorgelegt worden sind, könnte ich
    jemanden dazu autorisieren. Und an dieser künstlerischen
    Frage sind auch Sie beteiligt. Der Harm.-L. verdanke ich ge-
    ring 9 Zehntel meiner Anhänger. Aber Sie glauben doch
    nicht, dass es das rein schulmäßige ist, was den Leuten
    daran gefällt! Das könnten sie viel bequemer bei Thuille2
    und Stöhr3 bekommen. Sondern es ist die künstlerische und
    moralische Wirkung, die hier wirkt und die nicht bloß Mu-
    siker, sondern auch Literaten und Gelehrte anzieht. Und
    die kann nur durch eine ebenbürtige Uebersetzung
    wiedergegeben werden – sonst bleibts eine „Harmonie-
    lehre[“] und die wird keinen Absatz finden.
  • III. Ist nebenbei die englische Uebersetzung, wenn Sie
    sie verkaufen
    eigentlich ein Schaden für das deutsche
    Original. Denn die Engländer und anderen Ausländer, die
    bisher das Deutsche gelesen haben, werden nunmehr die englische
    benutzen können. Und es giebt viele Ausländer, die schlecht
    deutsch können
    aber besser englisch, als deutsch und die gehen
    Ihnen nun verloren
    .

  • IV. Etwas anderes jedoch wäre es, wenn Sie die englische
    Ausgabe selbst herstellten. Den Uebersetzer könnte man leicht
    bekommen und zufriedenstellen. Und Sie hätten nicht nur keinen
    Entfall durch die Uebersetzung, sondern selbst den vollen Valuta-
    Gewinn. Sie sollten das riskieren. Ich selbst kann hiebei
    bestimmt mithelfen. Insbesondere auch durch meine auslän-
    dischen Beziehungen.
  • V. Was nun die Frage eines Valuta-Schadens anbelangt, so bin ich
    von Ihrer Klugheit in solchen Dingen vielzusehr überzeugt, als dass
    ich das für etwas anderes, als für einen Schreckschuss halte: Sie, der Sie
    mir vor Ihrer Abreise die ausgezeichnete Idee mitgeteilt haben,
    dass Sie alle Ihre Valuta-Einnahmen in Dollar stehen lassen w[ollen],
    Sie werden nicht gerade mit diesen 500 Dollar zum nächsten
    Greissler gelaufen sein und sie eingewechselt haben. Aber wenn, so
    würde ich es sehr bedauern, dass Sie dadurch einen Schaden haben und
    mich freuen, dass Sie an mich keine Ansprüche stellen können, da
    Sie über diesen Punkt keine wie immer geartete Zusage von mir besitzen
Was nun die Erhöhung der Herstellungskosten anbelangt, so haben
sich viel weitblickendere Menschen, als ich scheinbar auf diesen Um-
stand nicht gefasst gemacht, sonst besäßen wir von der Harm. L. sicher
jetzt 2–3000 Exemplare zum Preis von 1917 oder 18. Aber ich halte das,
so aufrichtig ich es bedaure, dennoch für kein größeres Unglück, als
alle vorhergehenden Preissteigerungen; denn: entsprechend den
Herstellungskosten wird der Verkaufspreis
angesetzt. Gewiss
wäre höherer Gewinn zu erzielen, aber dem Absatz wird der Preis
nicht schaden, schon wegen des Verhältnisses zwischen Krone und
Mark nicht.
Bitte: akzeptieren Sie nun meinen Vorschlag, über die ganze
Angelegenheit nach meiner Rückkehr uns mündlich zu unterhalten.
Viel lieber als einen polemischen, hätte ich Ihnen einen Freund-
schaftsbrief geschrieben. Dass ich Ihnen aber nicht früher schrieb
als heute, werden Sie begreifen können, wenn Sie daran

denken, dass auch Sie mir aus Amerika nur eine
einzige Postkarte geschrieben haben. Ja wenn ich
in die Schreibmaschine diktieren könnte, wie
Sie, würde ich auch rascher meine Korrespondenz er-
ledigen.
Nun befinde ich mich in den letzten Wochen meines hiesigen Aufent-
haltes, probiere bereits Gurrelieder4 und denke an die Rück-
reise. Es war nicht durchaus alles so, wie es hätte sein
sollen. Durch Mengelbergs Krankheit und eine gewisse
Schwerfälligkeit und Arbeitsscheu der Holländer war
manches arg verschlampt worden. Nach und nach wurde
es besser und nun scheint – wenn mich nicht alles
täuscht – sich mit der Gurrelieder Aufführung ein schöner
Abschluss des Ganzen vorzubereiten.
Ich komme gleich nach der Aufführung5 nach Wien: ca
22–23 März. Aber nur für wenige Wochen. Dann
will ich arbeiten und vorher – ehe ich an die Neu-
bearbeitung der Harmonielehre gehe, noch an die
Wiederherstellung unserer Harmonie bearbeiten.
Seien Sie bis dahin aufs herzlichste begrüßt und
lassen Sie sichs gut gehen. Ihr
Arnold Schönberg
23. Februar 1921
Lieber Herr Direktor, ich erfuhr schon durch meine Tochter (!!) dass Sie wegen der Harmonielehre anders über mich denken, als uns beiden zuträglich und angemessen ist und war noch mehr darüber verwundert, als dass ich es überhaupt erfahre, darüber, dass es meine Tochter erfahren musste – dass sie daran glauben musste. Ich hätte das nicht für nötig gehalten, da ja alle Mitteilungen durch die Post mich direkt erreichen.
Zur Sache selbst habe ich nun soviel zu bemerken, dass dadurch allein schon erklärt ist, warum ich nicht Zeit fand, Ihnen zu antworten.
  • I. Trifft die Schuld, dass wir ohne Harmonielehre dastehen nicht mich, sondern Sie, indem Sie (ohne mich zu befragen und nachdem mir mehreremale der Betrag für den Satz aufgerechnet wurde) den Satz ablegen ließen, wodurch ich 4 (vier-)fachen Schaden erlitt:
    • 1. Indem dadurch meine Anteile und mein Gewinn sich verringerte,
    • 2. Indem mir zuzeiten wo ich das Geld gebraucht hätte keine Verkäufe gutgeschrieben werden konnten.
    • 3. Indem die werbende Kraft dieses Werkes für mein übriges Schaffen außer Tätigkeit gesetzt wird und
    • 4. insbesondere, indem ich jetzt gezwungen wurde, die Neubearbeitung viel früher zu machen, als es mir passt, was mir sowohl künstlerisch (wegen des Ausreifenlassens) als auch materiell (wegen meiner Zeiteinteilung) höchst unangenehm ist.
  • II. Also habe ich Sie schon zur Zeit der Herstellung II. Auflage gefragt, ob Sie eine Neubearbeitung wünschen, was Sie damals ablehnten und behaupteten es hätte noch einige Jahre Zeit, worin Sie sich irrten und mich nach kaum einem halben Jahr um eine Neubearbeitung ersuchten
  • III. Haben Sie, als ich die Hälfte der Neubearbeitung fertig hatte und im besten Zuge war, mich aufgefordert, lieber zu komponieren, die Harmonie-L. hätte noch Zeit. Sie hatten damals die Kosten berechnet und schwankten, ob Sie den Neudruck schon jetzt machen wollten und erst, als ich Ihnen nachwies, dass der Verkaufspreis für das Buch ruhig höher sein könne und Einwendungen gegen das Fehlen des Werkes machte, wurden Sie – anscheinend, denn Sie teilten mir damals Ihre Sinnesänderung nicht mit – anderer Meinung, denn knapp vor Ihrer Abreise wurde ich aufgefordert das Manuskript zu schicken, ohne vorher etwas darüber gehört zu haben. Inzwischen hatte ich jedoch zugunsten des Komponierens mit der Bearbeitung aufgehört, dann kam die Zeit der Abreise mit Vorbereitungen, Vorsorgen und Unruhe und so blieb die Arbeit stecken. Dass ich hier nicht dazu komme zu arbeiten, muss Sie nun nicht wundern. Denn wenn Sie auch annehmen, wie Sie meiner Tochter ebenso witzig als spöttisch sagten, dass ich, woran Sie kein Interesse hätten (das meinige kommt wohl auch einigermaßen in Betracht) in Holland österreichische Schüler unterrichte, so müssten Sie sich selbst doch darüber wundern, dass mir die Holländer bloß für diese Tätigkeit 10.000 Gulden bezalen.
Was nun jedoch den Verkauf1 meiner Harm.-L. nach Amerika anbelangt, so befinde ich mich zu Ihrer Auffassung in einem so bedeutenden Gegensatz, dass ich, wenn Ihre Ungeduld meinen guten Vorschlag nicht gestört hätte, im Interesse unserer freundschaftlichen Beziehungen über diesen Gegenstand lieber mündlich verhandelt hätte, da ich überzeugt bin, dass Sie meine Gründe, als eine bessere Wahrung unserer Interessen gefunden hätten, wenn ich mit Ihnen gesprochen hätte. Und ich meine fast: es ist jetzt noch besser, wir sprechen nach meiner Rückkehr uns lieber in Ruhe und Wohlwollen darüber aus, als uns in Briefen einander unangenehme Dinge zu sagen (d. h.: ich tue es, wie Sie sehen nicht; ich bin liebenswürdig wie immer; aber Sie sind spitzig) wobei nur Ärger herauskommt, während wir uns doch mündlich schließlich immer geeinigt haben und gute Freunde geblieben sind. Sie sehen, ich werde ruhiger. Vor 10 Jahren hätte ich Ihnen einen wütenden Brief geschrieben! Wann aber wird Ihr Temprament einmal sanfter, abgeklärter werden?
Um Ihnen kurz jedoch meine Einwendungen zur Kenntnis zu bringen, diene folgendes:
  • I. Finde ich den Betrag von 500 Dollar sehr gering. Es sind das 2000 Friedens-Mark und das entspricht kaum dem Gewinn bei 500 Exemplaren, welcher ja beinahe 4 Mark pro Exemplar ausmachte. (Sie haben mir übrigens gar nichts Näheres über Ihre Abmachung mitgeteilt; weder die Höhe der Auflage, noch die Bestimmungen für die Zukunft, noch wer übersetzt etc)
  • II. Ist bei der Uebersetzung dieses Werkes nicht einmal das Geld die erste Frage, sondern: die Uebersetzung: Ein Werk vom künstlerischen Rang dieses, könnte nicht einem x-beliebigen übergeben werden und nur nachdem mir von einigen wichtigen Stellen Proben vorgelegt worden sind, könnte ich jemanden dazu autorisieren. Und an dieser künstlerischen Frage sind auch Sie beteiligt. Der Harm.-L. verdanke ich gering 9 Zehntel meiner Anhänger. Aber Sie glauben doch nicht, dass es das rein schulmäßige ist, was den Leuten daran gefällt! Das könnten sie viel bequemer bei Thuille2 und Stöhr3 bekommen. Sondern es ist die künstlerische und moralische Wirkung, die hier wirkt und die nicht bloß Musiker, sondern auch Literaten und Gelehrte anzieht. Und die kann nur durch eine ebenbürtige Uebersetzung wiedergegeben werden – sonst bleibts eine „Harmonielehre“ und die wird keinen Absatz finden.
  • III. Ist nebenbei die englische Uebersetzung, wenn Sie sie verkaufen eigentlich ein Schaden für das deutsche Original. Denn die Engländer und anderen Ausländer, die bisher das Deutsche gelesen haben, werden nunmehr die englische benutzen können. Und es giebt viele Ausländer, die schlecht deutsch können aber besser englisch, als deutsch und die gehen Ihnen nun verloren.
  • IV. Etwas anderes jedoch wäre es, wenn Sie die englische Ausgabe selbst herstellten. Den Uebersetzer könnte man leicht bekommen und zufriedenstellen. Und Sie hätten nicht nur keinen Entfall durch die Uebersetzung, sondern selbst den vollen Valuta-Gewinn. Sie sollten das riskieren. Ich selbst kann hiebei bestimmt mithelfen. Insbesondere auch durch meine ausländischen Beziehungen.
  • V. Was nun die Frage eines Valuta-Schadens anbelangt, so bin ich von Ihrer Klugheit in solchen Dingen vielzusehr überzeugt, als dass ich das für etwas anderes, als für einen Schreckschuss halte: Sie, der Sie mir vor Ihrer Abreise die ausgezeichnete Idee mitgeteilt haben, dass Sie alle Ihre Valuta-Einnahmen in Dollar stehen lassen wollen, Sie werden nicht gerade mit diesen 500 Dollar zum nächsten Greissler gelaufen sein und sie eingewechselt haben. Aber wenn, so würde ich es sehr bedauern, dass Sie dadurch einen Schaden haben und mich freuen, dass Sie an mich keine Ansprüche stellen können, da Sie über diesen Punkt keine wie immer geartete Zusage von mir besitzen
Was nun die Erhöhung der Herstellungskosten anbelangt, so haben sich viel weitblickendere Menschen, als ich scheinbar auf diesen Umstand nicht gefasst gemacht, sonst besäßen wir von der Harm. L. sicher jetzt 2–3000 Exemplare zum Preis von 1917 oder 18. Aber ich halte das, so aufrichtig ich es bedaure, dennoch für kein größeres Unglück, als alle vorhergehenden Preissteigerungen; denn: entsprechend den Herstellungskosten wird der Verkaufspreis angesetzt. Gewiss wäre höherer Gewinn zu erzielen, aber dem Absatz wird der Preis nicht schaden, schon wegen des Verhältnisses zwischen Krone und Mark nicht.
Bitte: akzeptieren Sie nun meinen Vorschlag, über die ganze Angelegenheit nach meiner Rückkehr uns mündlich zu unterhalten. Viel lieber als einen polemischen, hätte ich Ihnen einen Freundschaftsbrief geschrieben. Dass ich Ihnen aber nicht früher schrieb als heute, werden Sie begreifen können, wenn Sie daran denken, dass auch Sie mir aus Amerika nur eine einzige Postkarte geschrieben haben. Ja wenn ich in die Schreibmaschine diktieren könnte, wie Sie, würde ich auch rascher meine Korrespondenz erledigen.
Nun befinde ich mich in den letzten Wochen meines hiesigen Aufenthaltes, probiere bereits Gurrelieder4 und denke an die Rückreise. Es war nicht durchaus alles so, wie es hätte sein sollen. Durch Mengelbergs Krankheit und eine gewisse Schwerfälligkeit und Arbeitsscheu der Holländer war manches arg verschlampt worden. Nach und nach wurde es besser und nun scheint – wenn mich nicht alles täuscht – sich mit der Gurrelieder Aufführung ein schöner Abschluss des Ganzen vorzubereiten.
Ich komme gleich nach der Aufführung5 nach Wien: ca 22–23 März. Aber nur für wenige Wochen. Dann will ich arbeiten und vorher – ehe ich an die Neubearbeitung der Harmonielehre gehe, noch die Wiederherstellung unserer Harmonie bearbeiten.
Seien Sie bis dahin aufs herzlichste begrüßt und lassen Sie sichs gut gehen. Ihr Arnold Schönberg

23. Februar 1921


Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection



Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 23. Februar 1921, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.603.

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