13/7.1913
z. Z. Gautzsch bei Leipzig
Villa Albertine
Geehrter Herr Direktor, auf mein ruhiges und
sachlich wohlbegründetes Verlangen, dass meine
Werke gedruckt werden sollen, die zum Theil schon mehr als 4 Jahre unge-
druckt liegen, schreiben Sie mir einen Brief1,
der nur das Resultat Ihres Jähzorns sein kann und
den ich deshalb nicht ernst nehmen will. Denn
wenn ich Ihnen auf Ihren Vorwurf, ich stünde,
weil ich den Druck meiner Kompositionen fordere,
und weil ich mich auf ein gesetzliches und vertragsmäßiges
Recht stütze, „jenseits von Gut und Böse“, wenn ich auf
diesen Vorwurf ebenfalls mit Beleidigungen ant-
worten wollte, würde ich mich noch lange nicht
so ins Unrecht setzen, wie Sie es tun, denn
wenn Sie von mir Vertragseinhaltung wünschen,
dann kann es doch kein Unrecht (jenseits von….) sein,
wenn ich auch von Ihnen Vertragseinhaltung verlange.
Oder meinen Sie, diemeine Rechte unseres Vertrags stünden
jenseits von Gut und Böse; aber die Rechte des Verlags wären
die reine Güte, Menschlichkeit und Wunschlosigkeit?
Oder ist es nicht vielleicht umgekehrt? Sie sind doch

wohl ein zu guter Geschäftsmann, a[ls] dass Sie mit
mir einen Vertrag machten, in welchem der Vorteil
des Autors (jenseits von….) ein das ethische Empfin-
[den] der ganzen Menschheit verletzendes Unrecht (jenseits von….
...) wäre. Seien wir aufrichtig: wenn Sie wirk-
lich so sentimental wären, einen solchen Vertrag
zu machen, dann wären Sie nicht der geeignete
Mann, um ein Geschäft, wie die Universal Edition
zu leiten. Da Sie aber (wie Karpath sagen würde) einer
der besten Direktoren der U. E. sind, so habe ich
zu der E ethischen Berechtigung meiner Forderung
einiges Vertrauen.
Und da Sie zu ihr dasselbe
Vertrauen haben, nehme ich Ihre Beleidigungen
als Jähzornsausbruch nicht ernst und theile Ihnen
folgendes mit:
Um Ihnen Gelegenheit zu geben, Ihren Zorn zu
besänftigen, werde ich während der nächsten Zeit
nichts unternehmen, um meine Sachen anders-
wo zu drucken. Ich will einige Zeit warten, bis
Sie sich besonnen haben. Vielleicht machen Sie
mir annehmbare Vorschläge. Ich will, wie ich

gesagt habe, [o]bwohl ich von anderen Verlagen mit
Leichtigkeit das Dreifache bekommen kann, mich mit
Ihnen vertragen. Aber das muss ich Ihnen sagen: darauf
kann ich nicht verzichten, dass meine Sachen gedruckt
werden. Sie sehen ich verlange kein Geld – nur die
Veröffentlichung!
Schreiben Sie mir bald, sonst könnte sich in
mir die Idee festsetzen, Sie seien absolut nicht
zu einer angemessenen Behandlung meiner
Angelegenheit zu haben und dann möchte ich nicht
umsonst gewartet haben.
Also, heute noch: Herzlichsten Gruß Ihr Arnold Schönberg
13/7.1913
z. Z. Gautzsch bei Leipzig
Villa Albertine
Geehrter Herr Direktor, auf mein ruhiges und sachlich wohlbegründetes Verlangen, dass meine Werke gedruckt werden sollen, die zum Theil schon mehr als 4 Jahre ungedruckt liegen, schreiben Sie mir einen Brief1, der nur das Resultat Ihres Jähzorns sein kann und den ich deshalb nicht ernst nehmen will. Denn wenn ich Ihnen auf Ihren Vorwurf, ich stünde, weil ich den Druck meiner Kompositionen fordere, und weil ich mich auf ein gesetzliches und vertragsmäßiges Recht stütze, „jenseits von Gut und Böse“, wenn ich auf diesen Vorwurf ebenfalls mit Beleidigungen antworten wollte, würde ich mich noch lange nicht so ins Unrecht setzen, wie Sie es tun, denn wenn Sie von mir Vertragseinhaltung wünschen, dann kann es doch kein Unrecht (jenseits von….) sein, wenn ich auch von Ihnen Vertragseinhaltung verlange. Oder meinen Sie, meine Rechte unseres Vertrags stünden jenseits von Gut und Böse; aber die Rechte des Verlags wären die reine Güte, Menschlichkeit und Wunschlosigkeit? Oder ist es nicht vielleicht umgekehrt? Sie sind doch wohl ein zu guter Geschäftsmann, als dass Sie mit mir einen Vertrag machten, in welchem der Vorteil des Autors (jenseits von….) ein das ethische Empfin den der ganzen Menschheit verletzendes Unrecht (jenseits von…. ...) wäre. Seien wir aufrichtig: wenn Sie wirklich so sentimental wären, einen solchen Vertrag zu machen, dann wären Sie nicht der geeignete Mann, um ein Geschäft, wie die Universal Edition zu leiten. Da Sie aber (wie Karpath sagen würde) einer der besten Direktoren der U. E. sind, so habe ich zu der ethischen Berechtigung meiner Forderung einiges Vertrauen. Und da Sie zu ihr dasselbe Vertrauen haben, nehme ich Ihre Beleidigungen als Jähzornsausbruch nicht ernst und theile Ihnen folgendes mit:
Um Ihnen Gelegenheit zu geben, Ihren Zorn zu besänftigen, werde ich während der nächsten Zeit nichts unternehmen, um meine Sachen anderswo zu drucken. Ich will einige Zeit warten, bis Sie sich besonnen haben. Vielleicht machen Sie mir annehmbare Vorschläge. Ich will, wie ich gesagt habe, obwohl ich von anderen Verlagen mit Leichtigkeit das Dreifache bekommen kann, mich mit Ihnen vertragen. Aber das muss ich Ihnen sagen: darauf kann ich nicht verzichten, dass meine Sachen gedruckt werden. Sie sehen ich verlange kein Geld – nur die Veröffentlichung!
Schreiben Sie mir bald, sonst könnte sich in mir die Idee festsetzen, Sie seien absolut nicht zu einer angemessenen Behandlung meiner Angelegenheit zu haben und dann möchte ich nicht umsonst gewartet haben.
Also, heute noch: Herzlichsten Gruß Ihr Arnold Schönberg

13. Juli 1913


Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection



Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 13. Juli 1913, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.6853.

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