Arnold Schönberg an Universal-Edition
13. April 1911
13/4. 1911
P.T. Universal Edition, ich brauche dringendst,
[alle]s das, was ich aus meiner Harmonie-
lehre bereits zum Druck abgeliefert habe.
Ich bin in einem Kapitel auf eine sehr
große Schwierigkeit gestoßen und muss
– ehe ich dieses Kapitel vollenden kann –
alles durchlesen, was an cirka 8-12
Stellen (die ich aber nicht genau weiß) des
Vorhergehenden gestanden ist. Auf das bereits
Gedruckte hat das mutmaßlich gar keinen
Einfluss, da ich es jedenfalls in dem
[Ka]pitel an dem ich gerade arbeite1 richtig-
stellen kann. Es handelt sich also keinesfalls
um eine Satz-Aenderung. Wenigstens ist sie
mir vorläufig unwahrscheinlich. Und wenn
Sie notwendig werden sollte, werde ich
[alle]s das, was ich aus meiner Harmonie-
lehre bereits zum Druck abgeliefert habe.
Ich bin in einem Kapitel auf eine sehr
große Schwierigkeit gestoßen und muss
– ehe ich dieses Kapitel vollenden kann –
alles durchlesen, was an cirka 8-12
Stellen (die ich aber nicht genau weiß) des
Vorhergehenden gestanden ist. Auf das bereits
Gedruckte hat das mutmaßlich gar keinen
Einfluss, da ich es jedenfalls in dem
[Ka]pitel an dem ich gerade arbeite1 richtig-
stellen kann. Es handelt sich also keinesfalls
um eine Satz-Aenderung. Wenigstens ist sie
mir vorläufig unwahrscheinlich. Und wenn
Sie notwendig werden sollte, werde ich
mit der größten Rücksicht vorgehen.
Ich bitte also zu veranlassen:
I. dass mir zunächst sofort Alles
das zugeschickt wird, was schon gedruckt
ist. Womöglich in (drei) Bürstenabzüg[en]
mit dem Originalmanuskript.
das zugeschickt wird, was schon gedruckt
ist. Womöglich in (drei) Bürstenabzüg[en]
mit dem Originalmanuskript.
II. dass alles Uebrige, mir in
längstens 8 Tagen geschickt wird.
Im Bürsten-Abzug, und im Manuskript.
Der Druck braucht deswegen
nicht unterbrochen zu werden. Denn
in 8 Tagen muss es ja möglich sein,
den Rest zu drucken. Aber in 8 Tagen
muss ich es unbedingt haben. Denn
dann bin ich an einer Stelle, wo ich
diese Frage (um die es sich handelt)
unbedingt gelöst haben muss. Hätte
längstens 8 Tagen geschickt wird.
Im Bürsten-Abzug, und im Manuskript.
Der Druck braucht deswegen
nicht unterbrochen zu werden. Denn
in 8 Tagen muss es ja möglich sein,
den Rest zu drucken. Aber in 8 Tagen
muss ich es unbedingt haben. Denn
dann bin ich an einer Stelle, wo ich
diese Frage (um die es sich handelt)
unbedingt gelöst haben muss. Hätte
ich es nicht, dann müsste ich
dieses
Kapitel vorläufig so gut ich kann machen
und dann könnten Satz-Aenderungen
entstehen, für deren Kosten ich keine
Verantwortung übernehme.
Kapitel vorläufig so gut ich kann machen
und dann könnten Satz-Aenderungen
entstehen, für deren Kosten ich keine
Verantwortung übernehme.
Dann aber auch: ich kann nicht
eher die Fortsetzung schicken, ehe
ich diese Frage ins Reine ge-
bracht habe, weil es sich um ein
Prinzip2 handelt, dass sich durchs
ganze Werk zieht und dass an
mehr als 20 Stellen citiert3 ist.
eher die Fortsetzung schicken, ehe
ich diese Frage ins Reine ge-
bracht habe, weil es sich um ein
Prinzip2 handelt, dass sich durchs
ganze Werk zieht und dass an
mehr als 20 Stellen citiert3 ist.
Ich hoffe man nimmt das ge-
nügend ernst und erledigt meinen
Wunsch sofort.
nügend ernst und erledigt meinen
Wunsch sofort.
gerade arbeite
Bezug auf Kapitel 8. „Die chromatische Skala
als Grundlage der Tonalität“, dessen Argumentationsgrundlage auf
eine Anregung des Philosophen Robert Neumann zurückging.
Prinzip
Robert Neumann „tadelte“ u. a., „daß das Prinzip,
nach welchem auf den Nebenstufen Dominanten errichtet werden, nirgends
ausgesprochen ist, so daß man meinen kann, die Nebendominanten wären nur
eingeführt, weil sie sich aus den Kirchentonarten ergeben […] Es ist
nicht unrichtig, daß die Prinzipien meiner Darstellung nirgends
zusammenhängend gesagt sind. Aber es ist die Frage, ob das unbedingt
nötig ist, da sie ja doch an den entsprechenden Stellen immer wieder
angewendet werden. Aber ich will sie trotzdem hier
rekapitulieren.“ (Harmonielehre 1911, S.
431f.).
20
Stellen citiert
U.
a. im Kapitel „Neben-Dominanten und andere aus den Kirchentonarten
übernommene leiterfremde Akkorde“. In einer Einfügung reklamiert
Schönberg die Verwendung des
Begriffs „Nebendominante“ in Abgrenzung zu Hugo Riemann (Riemann 1893) und Heinrich Schenker (Schenker 1906; Exemplar aus dem
Schönberg Nachlass; BOOK S8 v.1) für sich.
über Violins
Continuo
Ein nicht erhaltener Text von Arnold Schönberg über Moritz Violin, Über das sogenannte
Continuo.
13/4. 1911
P.T. Universal Edition, ich brauche dringendst,
alles das, was ich aus meiner Harmonielehre bereits zum Druck abgeliefert habe. Ich
bin in einem Kapitel auf eine sehr
große Schwierigkeit gestoßen und muss – ehe ich
dieses Kapitel vollenden kann – alles durchlesen, was an cirka 8-12
Stellen (die ich aber nicht genau weiß) des Vorhergehenden gestanden
ist. Auf das bereits Gedruckte hat das mutmaßlich gar keinen Einfluss, da ich es jedenfalls in dem
Kapitel an dem ich gerade arbeite1
richtigstellen kann. Es handelt sich also keinesfalls um eine
Satz-Aenderung. Wenigstens ist sie mir vorläufig unwahrscheinlich. Und wenn
Sie notwendig werden sollte, werde ich mit der größten Rücksicht vorgehen.
Ich bitte also zu veranlassen:
I. dass mir zunächst sofort Alles das zugeschickt
wird, was schon gedruckt ist. Womöglich in (drei) Bürstenabzügen
mit dem Originalmanuskript.
II. dass alles Uebrige, mir in längstens 8 Tagen geschickt wird. Im
Bürsten-Abzug, und[?] im
Manuskript. Der Druck braucht deswegen nicht unterbrochen zu werden.
Denn in 8 Tagen muss es ja möglich sein, den Rest zu drucken. Aber in
8 Tagen
muss ich es unbedingt haben. Denn dann bin ich an
einer Stelle, wo ich diese Frage (um die es sich handelt) unbedingt
gelöst haben muss. Hätte ich es nicht, dann müsste ich
dieses Kapitel vorläufig so gut ich kann machen und dann könnten
Satz-Aenderungen entstehen, für deren Kosten ich keine
Verantwortung übernehme.
Dann aber auch: ich kann nicht eher die Fortsetzung schicken, ehe ich
diese Frage ins Reine gebracht habe, weil es sich um ein
Prinzip2 handelt, dass sich durchs
ganze Werk zieht und dass an mehr als 20
Stellen citiert3 ist.
Ich hoffe man nimmt das genügend ernst und erledigt meinen Wunsch sofort.
gerade arbeite
Bezug auf Kapitel 8. „Die chromatische Skala
als Grundlage der Tonalität“, dessen Argumentationsgrundlage auf
eine Anregung des Philosophen Robert Neumann zurückging.
Prinzip
Robert Neumann „tadelte“ u. a., „daß das Prinzip,
nach welchem auf den Nebenstufen Dominanten errichtet werden, nirgends
ausgesprochen ist, so daß man meinen kann, die Nebendominanten wären nur
eingeführt, weil sie sich aus den Kirchentonarten ergeben […] Es ist
nicht unrichtig, daß die Prinzipien meiner Darstellung nirgends
zusammenhängend gesagt sind. Aber es ist die Frage, ob das unbedingt
nötig ist, da sie ja doch an den entsprechenden Stellen immer wieder
angewendet werden. Aber ich will sie trotzdem hier
rekapitulieren.“ (Harmonielehre 1911, S.
431f.).
20
Stellen citiert
U.
a. im Kapitel „Neben-Dominanten und andere aus den Kirchentonarten
übernommene leiterfremde Akkorde“. In einer Einfügung reklamiert
Schönberg die Verwendung des
Begriffs „Nebendominante“ in Abgrenzung zu Hugo Riemann (Riemann 1893) und Heinrich Schenker (Schenker 1906; Exemplar aus dem
Schönberg Nachlass; BOOK S8 v.1) für sich.
über Violins
Continuo
Ein nicht erhaltener Text von Arnold Schönberg über Moritz Violin, Über das sogenannte
Continuo.
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an Universal-Edition, 13. April 1911, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.6935.