Arnold Schönberg an Universal-Edition
20. Juni 1912
20/6. 1912
Lieber Herr Direktor – Sie haben wohl meinen
gestrigen Brief erhalten in dem ich mich
einverstanden erklärte.
gestrigen Brief erhalten in dem ich mich
einverstanden erklärte.
Heute morgens erhielt ich den beiliegenden
Brief, den ich beantwortete, dass ich an die
U. E. gebunden bin und nur wenn die mich
freigiebt…. etc.
Brief, den ich beantwortete, dass ich an die
U. E. gebunden bin und nur wenn die mich
freigiebt…. etc.
Nun möchte ich Sie – ich hätte das auch
ohne diesen Brief in 14 Tagen getan, denn
wir sind eben dabei das Werk mit den In-
strumenten zu probieren1 und ich hatte vor Sie zu
einer Probe einzuladen – fragen, ob Sie
dieses Werk erwerben wollen. Es heißt:
ohne diesen Brief in 14 Tagen getan, denn
wir sind eben dabei das Werk mit den In-
strumenten zu probieren1 und ich hatte vor Sie zu
einer Probe einzuladen – fragen, ob Sie
dieses Werk erwerben wollen. Es heißt:
Pierrot lunair (nach Albert Giraud
übersetzt von Otto
Erich
Hartleben) Melodramen-Cyklus für mit Begleitung
von Klavier Flöte (Picc) Clar Bass Clar) Geige (Bratsche)
und Vcell (5 Spieler)
Hartleben) Melodramen-Cyklus für mit Begleitung
von Klavier Flöte (Picc) Clar Bass Clar) Geige (Bratsche)
und Vcell (5 Spieler)
ist cirka 80 Partiturseiten lang; abendfüllend
müsste
herausgegeben werden, wi[e]
[e]twa
ein Kammermusikwerk mit Klavier (Klavier-
Quintett?) also in Partitur (Klavierstimme
groß gestochen, Instrumente klein darüber.) und
womöglich in (eventuell autografierten) Stimmen.
Jedes Stück hat eine andere Besetzung!!!
Es kommen vor 2 Soli (1) Klavier 2. Flöte allein!!!)
4 Duos, 7 Trios, 4 Quartette, 5 Quintette.
Insgesamt 22 Stücke2. (Vielleicht kommt noch
eins dazu!) Einige der Stücke sind fix ver-
bunden. Das ganze ist sehr wirkungsvoll!!
Frau Zehme, die mich zu dem Werk angeregt
hat, macht damit eine Tournee durch 30
Städte3! Ich habe ihr versprochen4, ihr das
alleinige Aufführungsrecht für 3 Jahre zu wahren, bin
aber nicht unbedingt daran gebunden. Ich glaube aber,
Sie können ihr das (nach Möglichkeit!) zusagen.
Ich wäre damit einverstanden, dass
das Werk erst bis zum December 1913
ein Kammermusikwerk mit Klavier (Klavier-
Quintett?) also in Partitur (Klavierstimme
groß gestochen, Instrumente klein darüber.) und
womöglich in (eventuell autografierten) Stimmen.
Jedes Stück hat eine andere Besetzung!!!
Es kommen vor 2 Soli (1) Klavier 2. Flöte allein!!!)
4 Duos, 7 Trios, 4 Quartette, 5 Quintette.
Insgesamt 22 Stücke2. (Vielleicht kommt noch
eins dazu!) Einige der Stücke sind fix ver-
bunden. Das ganze ist sehr wirkungsvoll!!
Frau Zehme, die mich zu dem Werk angeregt
hat, macht damit eine Tournee durch 30
Städte3! Ich habe ihr versprochen4, ihr das
alleinige Aufführungsrecht für 3 Jahre zu wahren, bin
aber nicht unbedingt daran gebunden. Ich glaube aber,
Sie können ihr das (nach Möglichkeit!) zusagen.
Ich wäre damit einverstanden, dass
das Werk erst bis zum December 1913
erscheint.
Nun möchte ich Sie fragen, ob Sie
bereit sind mir für dieses Werk und
außerdem das beiliegende Lied für
Harmonium, Celesta und Harfe einen
Vorschuss von 500 Mark zu geben.
Ich glaube dieses Honorar ist sehr ge-
ring, denn ich bekäme mindestens diese
Summe für die Melodramen allein.
bereit sind mir für dieses Werk und
außerdem das beiliegende Lied für
Harmonium, Celesta und Harfe einen
Vorschuss von 500 Mark zu geben.
Ich glaube dieses Honorar ist sehr ge-
ring, denn ich bekäme mindestens diese
Summe für die Melodramen allein.
Dann bekäme ich, wenn Sie meine
letzten Vorschläge annehmen, insgesamt
1500 Mark. Ich muss Ihnen sagen, dass ich
diese Summe augenblicklich deshalb
gerne hätte, weil ich meiner Frau, die
durch den Tod ihrer Mutter sehr herunter
ist5, gerne an die Ostsee bringen möchte.
Es ist uns natürlich das Verbleiben in dieser
Wohnung augenblicklich recht schwer, weil alles
an die Verstorbene erinnert.
letzten Vorschläge annehmen, insgesamt
1500 Mark. Ich muss Ihnen sagen, dass ich
diese Summe augenblicklich deshalb
gerne hätte, weil ich meiner Frau, die
durch den Tod ihrer Mutter sehr herunter
ist5, gerne an die Ostsee bringen möchte.
Es ist uns natürlich das Verbleiben in dieser
Wohnung augenblicklich recht schwer, weil alles
an die Verstorbene erinnert.
Deshalb bitte ich Sie sehr um sofortige
Antwort.
Hoffentlich sind Sie einve[rst]anden.
Bitte ich habe die Summe genannt, die
ich haben muss die ich brauche, bieten Sie mir also nicht
weniger, nicht wahr! –
Bitte ich habe die Summe genannt, die
ich haben muss die ich brauche, bieten Sie mir also nicht
weniger, nicht wahr! –
Die Melodramen kann ich Ihnen jetzt nicht
schicken, weil sie kopiert werden. Dagegen
sende ich Ihnen
schicken, weil sie kopiert werden. Dagegen
sende ich Ihnen
- I. das Harm. - Cel. - Harfe Lied
- II. die neuen Klavierstücke
- III. die 2 Balladen
- IV. die 3 Lieder6
- V. die Kammersinfonie7
(George Lieder
braucht Frau
Winternitz8) - VI Fortsetzung der Gurre
Lieder9.
Seite 21-60 und 111-122
Bitte um sofortige Antwort.
Mit den
herzlichsten Grüßen Ihr Arnold Schönberg
herzlichsten Grüßen Ihr Arnold Schönberg
probieren
Albertine Zehme hatte zuvor laufend
die jeweils fertig komponierten Melodramen aus Pierrot lunaire op. 21 mit Eduard
Steuermann studiert. Erste Proben mit allen Instrumenten
fanden am 18. und 19. Juni statt (Emil Gutmann an Arnold Schönberg, 17. Juni
1912; ASCC
12814).
22 Stücke
recte: 21.
Tournee durch 30
Städte
Schönbergs Kalender enthält 15
Einträge zur ersten Tournee von Pierrot
Lunaire op. 21 (Unterstreichungen kennzeichnen eigene
Dirigate), davon fanden statt:
9. Oktober 1912, Berlin, Choralion-Saal, Aufführung für geladene
Gäste;
16. Oktober 1912, Berlin, Choralion-Saal;
19. Oktober 1912, Hamburg, Musikhalle;
24. Oktober 1912, Dresden,
Künstlerhaus;
31. Oktober 1912, Breslau, Kammermusiksaal;
2. November 1912, Wien, Bösendorfer-Saal;
5. November 1912, München, Bayerischer Hof;
11. November 1912, Stuttgart, Oberes Museum; 14. November
1912, Karlsruhe;
15. November 1912, Mannheim, Kasinosaal; 17. November 1912, Frankfurt am Main; 22. November 1912, Greiz
Zwei
Wiederholungsaufführungen in Berlin am 1. und
8. Dezember kamen kurzfristig
hinzu (Kalendereinträge ASCI
DC12043; ASCI
DC12044; ASCI
DC12045; ASCI
DC12046; ASGA B 24/1, S. 223).
versprochen
Vertrag vgl. Nono-Schoenberg 1998, S.
109.
sehr herunter ist
„Jetzt schrieb ich ihm
[Emil Hertzka], er möge mir für
fünf Werke eine gewisse kleine Summe geben und legte ihm Briefe bei, aus
denen er entnehmen konnte, dass ich diese selbe Summe von anderen
Verlegern für drei der Werke haben könnte. Ja, wahrscheinlich eine viel
höhere herausschlagen könnte!!! Er bietet mir – bloss weil ich so
unvorsichtig war ihm zu sagen, dass ich das Geld dringend benötige, um
meiner Frau, die durch den
plötzlichen Tod ihrer Mutter sehr
herunter ist, eine notwendige Luftveränderung zu verschaffen, also
bloss, weil er weiss, dass ich es brauche, zwei Drittel des
Mindestbetrages und weniger, als unser Vertrag vorschreibt. Das ist ja
nichts Neues! Das macht er immer so, wenn er weiss, dass ich es brauche.
Aber das Gemeine ist, dass er mich ruhig auf Antwort warten lässt und
dann, ohne sich zu entscheiden, ob er meine kleine Mehrforderung
akzeptiert, einfach schreibt, ich soll warten, bis er nach Berlin kommt. Also wenigstens 8–10
Tage!!! Ich rechnete sicher auf seine Zusage und ging schon vorher,
erwartete das Geld und sass nun gestern da mit seinem Brief! Trotzdem
muss ich mich mit ihm einigen, denn er hat mich zu sehr in der Hand.“
(Arnold Schönberg an Alma Mahler, 5. Juli 1912; ASCC
6686).
Lieder
die Kammersinfonie
Partiturreinschrift, autograph.
Stichvorlage für den Erstdruck (ASGA B 11/2, Quelle B).
George Lieder
braucht Frau
Winternitz
Gurre
Lieder
Partiturreinschrift (ASGA B 16/1, Quelle C).
Kokoschka
Ein Gespräch zwischen Emil
Hertzka und dem Maler Oskar
Kokoschka konnte am 16. April
1912 bei einem Schönberg-Konzert des Rosé-Quartetts im Wiener Bösendorfersaal stattgefunden haben.
„Kokoschka war tief
begeistert u. bewegt“ (Alban Berg an Arnold Schönberg, 16.
April 1912; ASCC 19766).
20/6. 1912
Lieber Herr Direktor – Sie haben wohl meinen gestrigen Brief erhalten in dem ich mich einverstanden
erklärte.
Heute morgens erhielt ich den beiliegenden
Brief, den ich
beantwortete, dass ich an die
U. E. gebunden bin und nur wenn die mich
freigiebt…. etc.
Nun möchte ich Sie – ich hätte das auch ohne diesen Brief in 14 Tagen getan,
denn wir sind eben dabei das Werk mit den Instrumenten zu probieren1 und ich hatte vor Sie zu einer Probe einzuladen – fragen, ob Sie
dieses Werk erwerben wollen. Es heißt:
Pierrot lunair (nach Albert Giraud
übersetzt von Otto
Erich Hartleben) Melodramen-Cyklus mit Begleitung von Klavier Flöte (Picc) Clar
Bass Clar) Geige (Bratsche) und Vcell (5 Spieler)
ist cirka 80 Partiturseiten lang; abendfüllend müsste
herausgegeben werden, wie
etwa ein Kammermusikwerk mit Klavier
(Klavier-Quintett?) also in Partitur (Klavierstimme
groß gestochen, Instrumente klein darüber.) und womöglich in
(eventuell autografierten) Stimmen. Jedes Stück hat eine andere
Besetzung!!! Es kommen vor 2 Soli (1) Klavier 2. Flöte allein!!!) 4
Duos, 7 Trios, 4 Quartette, 5 Quintette. Insgesamt 22 Stücke2. (Vielleicht kommt noch eins dazu!) Einige
der Stücke sind fix verbunden. Das ganze ist sehr
wirkungsvoll!!
Frau Zehme, die mich zu dem Werk
angeregt hat, macht damit eine Tournee durch 30
Städte3!
Ich habe ihr versprochen4, ihr das alleinige Aufführungsrecht für 3 Jahre zu
wahren, bin aber nicht unbedingt daran gebunden.
Ich glaube aber, Sie können ihr das (nach Möglichkeit!) zusagen. Ich
wäre damit einverstanden, dass das Werk erst bis zum December 1913
erscheint.
Nun möchte ich Sie fragen, ob Sie bereit sind mir für dieses Werk und
außerdem das beiliegende Lied für
Harmonium, Celesta und Harfe einen Vorschuss von 500 Mark zu geben.
Ich glaube dieses Honorar ist sehr gering, denn ich bekäme mindestens diese Summe für die
Melodramen allein.
Dann bekäme ich, wenn Sie meine letzten Vorschläge annehmen, insgesamt
1500 Mark. Ich muss Ihnen sagen, dass ich diese Summe augenblicklich
deshalb gerne hätte, weil ich meiner Frau, die durch den Tod ihrer Mutter
sehr herunter ist5, gerne an die Ostsee bringen möchte. Es ist uns natürlich das
Verbleiben in dieser Wohnung augenblicklich recht schwer, weil alles
an die Verstorbene erinnert.
Deshalb bitte ich Sie sehr um sofortige Antwort.
Hoffentlich sind Sie einverstanden. Bitte
ich habe die Summe genannt, die ich haben muss
die ich brauche, bieten Sie mir also nicht
weniger, nicht wahr! –
Die Melodramen kann ich Ihnen jetzt nicht schicken, weil sie kopiert werden.
Dagegen sende ich Ihnen
- I. das Harm. - Cel. - Harfe Lied
- II. die neuen Klavierstücke
- III. die 2 Balladen
- IV. die 3 Lieder6
- V. die Kammersinfonie7 (George Lieder braucht Frau Winternitz8)
- VI Fortsetzung der Gurre Lieder9. Seite 21-60 und 111-122
Bitte um sofortige Antwort.
Mit den herzlichsten Grüßen Ihr
Arnold Schönberg
probieren
Albertine Zehme hatte zuvor laufend
die jeweils fertig komponierten Melodramen aus Pierrot lunaire op. 21 mit Eduard
Steuermann studiert. Erste Proben mit allen Instrumenten
fanden am 18. und 19. Juni statt (Emil Gutmann an Arnold Schönberg, 17. Juni
1912; ASCC
12814).
22 Stücke
recte: 21.
Tournee durch 30
Städte
Schönbergs Kalender enthält 15
Einträge zur ersten Tournee von Pierrot
Lunaire op. 21 (Unterstreichungen kennzeichnen eigene
Dirigate), davon fanden statt:
9. Oktober 1912, Berlin, Choralion-Saal, Aufführung für geladene
Gäste;
16. Oktober 1912, Berlin, Choralion-Saal;
19. Oktober 1912, Hamburg, Musikhalle;
24. Oktober 1912, Dresden,
Künstlerhaus;
31. Oktober 1912, Breslau, Kammermusiksaal;
2. November 1912, Wien, Bösendorfer-Saal;
5. November 1912, München, Bayerischer Hof;
11. November 1912, Stuttgart, Oberes Museum; 14. November
1912, Karlsruhe;
15. November 1912, Mannheim, Kasinosaal; 17. November 1912, Frankfurt am Main; 22. November 1912, Greiz
Zwei
Wiederholungsaufführungen in Berlin am 1. und
8. Dezember kamen kurzfristig
hinzu (Kalendereinträge ASCI
DC12043; ASCI
DC12044; ASCI
DC12045; ASCI
DC12046; ASGA B 24/1, S. 223).
versprochen
Vertrag vgl. Nono-Schoenberg 1998, S.
109.
sehr herunter ist
„Jetzt schrieb ich ihm
[Emil Hertzka], er möge mir für
fünf Werke eine gewisse kleine Summe geben und legte ihm Briefe bei, aus
denen er entnehmen konnte, dass ich diese selbe Summe von anderen
Verlegern für drei der Werke haben könnte. Ja, wahrscheinlich eine viel
höhere herausschlagen könnte!!! Er bietet mir – bloss weil ich so
unvorsichtig war ihm zu sagen, dass ich das Geld dringend benötige, um
meiner Frau, die durch den
plötzlichen Tod ihrer Mutter sehr
herunter ist, eine notwendige Luftveränderung zu verschaffen, also
bloss, weil er weiss, dass ich es brauche, zwei Drittel des
Mindestbetrages und weniger, als unser Vertrag vorschreibt. Das ist ja
nichts Neues! Das macht er immer so, wenn er weiss, dass ich es brauche.
Aber das Gemeine ist, dass er mich ruhig auf Antwort warten lässt und
dann, ohne sich zu entscheiden, ob er meine kleine Mehrforderung
akzeptiert, einfach schreibt, ich soll warten, bis er nach Berlin kommt. Also wenigstens 8–10
Tage!!! Ich rechnete sicher auf seine Zusage und ging schon vorher,
erwartete das Geld und sass nun gestern da mit seinem Brief! Trotzdem
muss ich mich mit ihm einigen, denn er hat mich zu sehr in der Hand.“
(Arnold Schönberg an Alma Mahler, 5. Juli 1912; ASCC
6686).
Lieder
die Kammersinfonie
Partiturreinschrift, autograph.
Stichvorlage für den Erstdruck (ASGA B 11/2, Quelle B).
George Lieder
braucht Frau
Winternitz
Gurre
Lieder
Partiturreinschrift (ASGA B 16/1, Quelle C).
Kokoschka
Ein Gespräch zwischen Emil
Hertzka und dem Maler Oskar
Kokoschka konnte am 16. April
1912 bei einem Schönberg-Konzert des Rosé-Quartetts im Wiener Bösendorfersaal stattgefunden haben.
„Kokoschka war tief
begeistert u. bewegt“ (Alban Berg an Arnold Schönberg, 16.
April 1912; ASCC 19766).
20. Juni 1912
Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Brief
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an Universal-Edition, 20. Juni 1912, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.6987.