Arnold Schönberg an Universal-Edition
16. November 1912
Zehlendorf am 16. November 1912
Lieber Herr Direktor Herzka,
Ich schicke Ihnen heute die
korrigierten Stimmen von „Pelleas und Melisande“
und das Fehlerverzeichnis1! Da die Ausbesserung
in den Materialen für Amsterdam2 undMann-
heim3 sehr dringend ist und es zu spät
werden würde, wenn das erst über Sie gienge,
habe ich von meinem Bruder das Fehlerver-
zeichnis mit zwei Durchschriften copieren
lassen. Eines davon sende ich nach Mann-
heim, das andere nach Amsterdam mit
dem Auftrag die Fehler darnach zu ver-
bessern. Das Original dieser Copie lege
ich den korrigierten Stimmen bei, sodass Sie
2 Fehlerverzeichnisse haben, die Sie eventuell
korrigierten Stimmen von „Pelleas und Melisande“
und das Fehlerverzeichnis1! Da die Ausbesserung
in den Materialen für Amsterdam2 undMann-
heim3 sehr dringend ist und es zu spät
werden würde, wenn das erst über Sie gienge,
habe ich von meinem Bruder das Fehlerver-
zeichnis mit zwei Durchschriften copieren
lassen. Eines davon sende ich nach Mann-
heim, das andere nach Amsterdam mit
dem Auftrag die Fehler darnach zu ver-
bessern. Das Original dieser Copie lege
ich den korrigierten Stimmen bei, sodass Sie
2 Fehlerverzeichnisse haben, die Sie eventuell
für Frankfurt
, Wien4 und Petersburg5 be-
nutzen können. Selbstverständlich bitte ich
Sie, die anderen Fehlerverzeichnisse von
Amsterdam und Mannheim einzufordern.
nutzen können. Selbstverständlich bitte ich
Sie, die anderen Fehlerverzeichnisse von
Amsterdam und Mannheim einzufordern.
Gleichzeitig sende ich Ihnen noch ein
von mir angefertigtes Verzeichnis der
Fehler in der Partitur, die zum Teil
bei der Gelegenheit gefunden wurden.
Wollen Sie das auch copieren lassen
und gleichfalls an die betreffenden Städte
senden. Nach Amsterdam und Mannheim
habe ich Durchschriften selbst gesendet.
von mir angefertigtes Verzeichnis der
Fehler in der Partitur, die zum Teil
bei der Gelegenheit gefunden wurden.
Wollen Sie das auch copieren lassen
und gleichfalls an die betreffenden Städte
senden. Nach Amsterdam und Mannheim
habe ich Durchschriften selbst gesendet.
An der Herstellung der Kopien des
Fehlerverzeichnisses hat mein Bruder
nahezu 12 Stunden gearbeitet. Es ist
also nötig, dass Sie ihm dafür ein
Extrahonorar geben, das ich Sie selbst zu
bemessen bitte.
Fehlerverzeichnisses hat mein Bruder
nahezu 12 Stunden gearbeitet. Es ist
also nötig, dass Sie ihm dafür ein
Extrahonorar geben, das ich Sie selbst zu
bemessen bitte.
Wollen Sie nun so freundlich
sein, das Honorar für
meinen Bruder
umgehend an mich zu senden. –
Ihren gestrigen Brief6 werde ich
Nachmittag separat beantworten.
umgehend an mich zu senden. –
Ihren gestrigen Brief6 werde ich
Nachmittag separat beantworten.
Ps. Das Fehlerverzeichnis hat sich rentiert!
Es sind über 350 Fehler! Davon 60 schwere!!
Notenfehler! Das ist reichlich eine Probe!
Es sind über 350 Fehler! Davon 60 schwere!!
Notenfehler! Das ist reichlich eine Probe!
Mir wird eben eine Stunde abgesagt, also
kann ich Ihnen gleich antworten.
kann ich Ihnen gleich antworten.
Leider kann ich hier in Berlin die
Gurre-Lieder
Partitur in so kurzer Zeit nicht kopieren lassen7. Ich
selbst kenne keinen einzigen Kopisten. Dagegen habe
ich einmal einen gesucht (resp. Frau Zehme) und da
hat einer endlich die Arbeit übernommen, hat
uns 3 Wochen hingehalten und sie dann un-
berührt zurückgegeben! Dieses Risiko kann ich
Partitur in so kurzer Zeit nicht kopieren lassen7. Ich
selbst kenne keinen einzigen Kopisten. Dagegen habe
ich einmal einen gesucht (resp. Frau Zehme) und da
hat einer endlich die Arbeit übernommen, hat
uns 3 Wochen hingehalten und sie dann un-
berührt zurückgegeben! Dieses Risiko kann ich
natürlich nicht übernehmen.
Die Arbeit ist kolossal umfa[ng]reich Ich
schätze cirka 1000–1500 Seiten (wenigstens)
Dazu brauch man gering 3–4 sehr flinke Copisten!
Mein Bruder ist vorläufig für schnelle Sachen
nicht zu verwenden. Er arbeitet sehr gewissenhaft,
aber ebenso langsam! Er ist eher für Kalligrafie
geeignet, als für Schnellschrift. Ich glaube er
würde in der verfügbaren Zeit keine 200
Seiten schreiben. Und das genügt doch nicht!
Ich habe jedenfalls alles mögliche sofort per
Telefon versucht. Eine Auskunft die ich er-
hielt muss ich Ihnen mitteilen. Von Simrock,
an den ich mich unter Berufung auf Sie wandte:
er suche selbst seit 8 Tagen Copisten. Obwohl er
viele (die überbeschäftigt sind[)], habe[)] sei es ihm
bis jetzt noch nicht gelungen einen zu bekommen.
Nach dieser Auskunft habe ich Ihnen telegrafiert!
schätze cirka 1000–1500 Seiten (wenigstens)
Dazu brauch man gering 3–4 sehr flinke Copisten!
Mein Bruder ist vorläufig für schnelle Sachen
nicht zu verwenden. Er arbeitet sehr gewissenhaft,
aber ebenso langsam! Er ist eher für Kalligrafie
geeignet, als für Schnellschrift. Ich glaube er
würde in der verfügbaren Zeit keine 200
Seiten schreiben. Und das genügt doch nicht!
Ich habe jedenfalls alles mögliche sofort per
Telefon versucht. Eine Auskunft die ich er-
hielt muss ich Ihnen mitteilen. Von Simrock,
an den ich mich unter Berufung auf Sie wandte:
er suche selbst seit 8 Tagen Copisten. Obwohl er
viele (die überbeschäftigt sind[)], habe[)] sei es ihm
bis jetzt noch nicht gelungen einen zu bekommen.
Nach dieser Auskunft habe ich Ihnen telegrafiert!
künstlerorchester, oder von der
Volksoper (Hofoper??) oder Konzertverein und
tun Sie außerdem folgendes.
Volksoper (Hofoper??) oder Konzertverein und
tun Sie außerdem folgendes.
Lassen Sie Berg zu sich kommen und
sagen Sie ihm, die Aufführung8 der Gurre-
Lieder sei in Frage gestellt. Ob er und
folgende * meiner Schüler und Freunde (vielleicht
weiß jeder noch einen dazu!!) jeder einen
Theil (cirka 150–200 Seiten Stimmen)
übernehmen will. Versprechen Sie ihm
und einigen anderen ein Frei-Exemplar der
Partitur oder des Auszuges und ein gutes
Honorar. Wenn man jedem ein paar
Seiten der Partitur (10–20) giebt, müsste
[es] möglich sein. Vielleicht macht es auch
der eine oder andere aus der Studien
partitur. Man muss eben jedem
nur einen möglichst kleinen Theil zu-
muten, womöglich sogar nur 100–150 Seiten.
Das sind 10 Seiten täglich. Vielleicht
gehts so. Die Namen der Betreffenden
sagen Sie ihm, die Aufführung8 der Gurre-
Lieder sei in Frage gestellt. Ob er und
folgende * meiner Schüler und Freunde (vielleicht
weiß jeder noch einen dazu!!) jeder einen
Theil (cirka 150–200 Seiten Stimmen)
übernehmen will. Versprechen Sie ihm
und einigen anderen ein Frei-Exemplar der
Partitur oder des Auszuges und ein gutes
Honorar. Wenn man jedem ein paar
Seiten der Partitur (10–20) giebt, müsste
[es] möglich sein. Vielleicht macht es auch
der eine oder andere aus der Studien
partitur. Man muss eben jedem
nur einen möglichst kleinen Theil zu-
muten, womöglich sogar nur 100–150 Seiten.
Das sind 10 Seiten täglich. Vielleicht
gehts so. Die Namen der Betreffenden
sind: (außer 1)
Berg)
| 2) Paul Königer (XIII Kup[p]elwiesergasse 27) | |
| 3) Karl Linke (XV Sechshauserstraße 36/38) | |
| 4) Josef Polnauer (VX. Sechshauserstraße 10) | |
| 5) Schmidt (ein Schüler von Berg, der
ka[nn]
sehr viel machen, da er Zeit hat und sicher sehr geschickt und ver- lässlich ist!!) |
|
| 6) Heller und | die Sie ja kennen (Berg weiß Adressen) |
| 7) Galizenstein | |
| 8. Vielleicht ist auch Dr
Rudolf Rèti
dafür zu haben. (das weiß ich aber nicht!) |
- kurzsichtig ist.
- Heller und Galizenstein sind vielleicht weniger
fleißig aber 10 Seiten kann jeder leisten. - Linke hat wenig Zeit kann aber
auch etwas tun!
So dass man auf cirka 60–80
Seiten mindestens täglich rechnen kann
(vielleicht sogar bis 90). Das macht
nach cirka 14 Tagen cirka 800–1000
Seiten. Wenn Sie dann für den
Rest Kopisten finden, gehts vielleicht doch.
Seiten mindestens täglich rechnen kann
(vielleicht sogar bis 90). Das macht
nach cirka 14 Tagen cirka 800–1000
Seiten. Wenn Sie dann für den
Rest Kopisten finden, gehts vielleicht doch.
Es wäre sehr traurig, wenn die
[A]ufführung der Gurrelieder daran
scheitern sollte!! Sie haben die vollständige
Partitur seit einem vollen Jahr bei sich9!!
[A]ufführung der Gurrelieder daran
scheitern sollte!! Sie haben die vollständige
Partitur seit einem vollen Jahr bei sich9!!
Ich werde hier in Berlin noch trachten
Kopisten zu bekommen. Geht es dann
lasse ich einen Theil hier machen. Aber
Kopisten zu bekommen. Geht es dann
lasse ich einen Theil hier machen. Aber
rechnen könne Sie darauf nicht.
Und nun: damit nicht das-
selbe mit den Stimmen der
Kammersynphonie passiert, die ja
für Wien (23. Februar) gebraucht werden,
bitte ich Sie mir den Auftrag für
meinen Bruder für die Stimmen
des Quartetts der Kammersinfonie
und vielleicht auch gleich für das
Material der Orchesterlieder zu geben.
Nicht wahr: das darf doch nicht mehr
vorkommen!!!
selbe mit den Stimmen der
Kammersynphonie passiert, die ja
für Wien (23. Februar) gebraucht werden,
bitte ich Sie mir den Auftrag für
meinen Bruder für die Stimmen
des Quartetts der Kammersinfonie
und vielleicht auch gleich für das
Material der Orchesterlieder zu geben.
Nicht wahr: das darf doch nicht mehr
vorkommen!!!
Hoffentlich scheitert die Sache nicht.
Bitte um umgehenden Bericht.
Bitte um umgehenden Bericht.
Herzl Gruß
Schönberg
Fehlerverzeichnis
Nachgewiesene Quellen: Fehlerliste zum Erstdruck,
autograph (ASGA B 10, Quelle J1); Fehlerliste zum Erstdruck
(Durchschläge einer autographen Fehlerliste) und zu den
Orchesterstimmen (von fremder Hand); insgesamt 45 Blätter (ASGA B 10, Quelle J2).
Amsterdam
Mannheim
Wien
Die Planung begann im April 1912 mit der
Bestellung von Alban Berg zum
Berater des Akademischen Verbands für
Literatur und Musik unter der Leitung des neuen
Obmanns Erhard Buschbeck (Alban Berg an Arnold Schönberg, 23. April
1912; ASCC 19767). Im Herbst 1912
wandte sich zudem Richard
Specht mit der Idee an Schönberg „im ersten Merkerkonzert, das
voraussichtlich im November stattfinden wird, […] Ihre Kammersymphonie oder – eventuell! –
‚Pelleas und
Melisande‘?! zu neuer Geltung zu bringen“ (Richard
Specht an Arnold Schönberg, 24. September 1912; ASCC 14265). Beide Unternehmungen ließen sich aufgrund
mangelnder Saal- und Orchesterkapazitäten im November 1912 nicht realisieren. Im Dezember 1912 entschied Schönberg, von einer reinen Schönberg-Aufführung abzugehen und
andere Werke – insbesondere Anton Webern,
Sechs Stücke für großes Orchester op. 6 – zu
programmieren, um „die Aufmerksamkeit des Publikums auf mein
Dirigieren zu lenken“ (Arnold Schönberg an Erhard Buschbeck, 13.
Dezember 1912; ASCC 7685). Mehrere in Aussicht genommene Termine konnten
nicht realisiert werden. Am zunächst angepeilten 23. Februar 1913 fand schließlich die
Uraufführung der Gurre-Lieder statt:
23. Februar 1913, Wien, Großer Musikvereinssaal, Philharmonischer Chor.
Im Fall des 8. Jänner 1913
beschuldigte Buschbeck u. a. Emil
Hertzka der Hintertreibung, „daß der Verleger der
Werke die Aufführung – unter der Leitung des Komponisten –
hintertreibt, ist doch immerhin selbst für Wiener Verhältnisse etwas Neues und
Merkwürdiges“ (Erhard Buschbeck an Arnold Schönberg 18. Dezember
1912; ASCC 10368). Aus Arnold Schönberg an Alban Berg, 7.
Jänner 1913 (ASCC 309), geht die Programmplanung mit Werken von
Webern, Berg, Schönberg und Gustav
Mahler hervor; im März
erfolgt die letztendliche Disposition durch Einbezug eines Zemlinskys-Werks (Arnold Schönberg an
Alexander Zemlinsky 8. März 1913; ASCC 324) sowie die Festlegung von Proben und
Aufführungstermin (Erhard Buschbeck an Arnold Schönberg, 17. März
1913; ASCC 10370).
Petersburg
Brief
kopieren
lassen
Die nach der Partiturreinschrift (ASGA B 16/1, Quelle C) faksimilierte Partitur hatte
sich als zu kleindimensioniert für Dirigierzwecke
herausgestellt. Die Herstellung der Orchesterstimmen war im
Hinblick auf die Uraufführung
23. Februar 1913, Wien, Großer Musikvereinssaal, Philharmonischer Chor ebenfalls
höchst dringend.
Aufführung
Die späte Materialherstellung hatte zwar nicht die Absage, jedoch eine Verschiebung des zu diesem
Zeitpunkt geplanten Konzerttermins am 18. Jänner 1913 zufolge (ASGA B 16/3, S. 41).
seit einem vollen Jahr
bei sich
Zehlendorf am 16. November 1912
Lieber Herr Direktor Herzka,
Ich schicke Ihnen heute die korrigierten Stimmen von „Pelleas und Melisande“ und das Fehlerverzeichnis1! Da die Ausbesserung
in den Materialen für Amsterdam2 undMannheim3 sehr dringend ist und es zu spät werden würde,
wenn das erst über Sie gienge, habe ich von meinem Bruder das Fehlerverzeichnis mit zwei Durchschriften copieren lassen. Eines
davon sende ich nach Mannheim, das andere nach Amsterdam mit dem Auftrag die Fehler
darnach zu verbessern. Das Original dieser Copie lege ich den
korrigierten Stimmen bei, sodass Sie 2 Fehlerverzeichnisse haben, die
Sie eventuell für Frankfurt
, Wien4 und Petersburg5 benutzen können. Selbstverständlich bitte ich Sie, die
anderen Fehlerverzeichnisse von
Amsterdam und Mannheim einzufordern.
Gleichzeitig sende ich Ihnen noch ein von mir angefertigtes Verzeichnis
der Fehler in der Partitur, die zum Teil bei der Gelegenheit
gefunden wurden. Wollen Sie das auch copieren lassen und
gleichfalls an die betreffenden Städte senden. Nach Amsterdam und Mannheim
habe ich Durchschriften selbst gesendet.
An der Herstellung der Kopien des Fehlerverzeichnisses hat mein Bruder
nahezu 12 Stunden gearbeitet. Es ist also nötig, dass Sie ihm
dafür ein Extrahonorar geben, das ich Sie selbst zu bemessen
bitte.
Wollen Sie nun so freundlich sein, das Honorar für
meinen Bruder
umgehend an mich zu senden. – Ihren gestrigen
Brief6 werde ich Nachmittag separat beantworten.
Ps. Das Fehlerverzeichnis hat sich rentiert! Es
sind über 350 Fehler! Davon 60 schwere!!
Notenfehler! Das ist reichlich eine Probe!
Mir wird eben eine Stunde abgesagt, also kann ich Ihnen gleich
antworten.
Leider kann ich hier in Berlin die
Gurre-Lieder
Partitur in so kurzer Zeit nicht kopieren
lassen7.
Ich selbst kenne keinen einzigen Kopisten. Dagegen habe ich einmal
einen gesucht (resp. Frau Zehme) und da
hat einer endlich die Arbeit übernommen, hat uns 3 Wochen hingehalten und sie dann unberührt zurückgegeben! Dieses Risiko kann ich natürlich nicht übernehmen.
Die Arbeit ist kolossal umfangreich Ich
schätze cirka 1000–1500 Seiten (wenigstens) Dazu brauch man gering
3–4 sehr flinke Copisten! Mein Bruder ist vorläufig für schnelle Sachen nicht zu verwenden. Er arbeitet
sehr gewissenhaft, aber ebenso langsam! Er ist eher für Kalligrafie
geeignet, als für Schnellschrift. Ich glaube er würde in der
verfügbaren Zeit keine 200 Seiten schreiben. Und das genügt doch nicht!
Ich habe jedenfalls alles mögliche sofort per Telefon versucht.
Eine Auskunft die ich erhielt muss ich Ihnen mitteilen. Von Simrock, an den ich mich unter Berufung auf Sie
wandte:
er suche selbst seit 8 Tagen Copisten. Obwohl er
viele (die überbeschäftigt sind), habe sei es ihm bis jetzt noch nicht gelungen einen zu bekommen.
Nach dieser Auskunft habe ich Ihnen telegrafiert!
– Nun habe ich aber eine andere Idee. Trachten Sie in Wien noch ein bis zwei Copisten zu
bekommen. Eventuell vom Ton
künstlerorchester, oder von der
Volksoper (Hofoper??) oder Konzertverein und tun Sie außerdem folgendes.
Lassen Sie Berg zu sich kommen und
sagen Sie ihm, die Aufführung8 der Gurre-Lieder sei in Frage gestellt. Ob er und folgende meiner Schüler und Freunde (vielleicht weiß jeder noch einen
dazu!!) jeder einen Theil (cirka 150–200 Seiten Stimmen)
übernehmen will. Versprechen Sie ihm und einigen anderen ein
Frei-Exemplar der Partitur oder des Auszuges und ein gutes
Honorar. Wenn man jedem ein paar Seiten der Partitur (10–20)
giebt, müsste
es möglich sein. Vielleicht macht es auch
der eine oder andere aus der Studienpartitur. Man muss
eben jedem nur einen möglichst kleinen Theil
zumuten, womöglich sogar nur
100–150 Seiten. Das sind 10 Seiten täglich. Vielleicht gehts so.
Die Namen der Betreffenden sind: (außer 1)
Berg)
| 2) Paul Königer (XIII Kupelwiesergasse 27) | |
| 3) Karl Linke (XV Sechshauserstraße 36/38) | |
| 4) Josef Polnauer (VX. Sechshauserstraße 10) | |
| 5) Schmidt (ein Schüler von Berg, der
kann
sehr viel machen, da er Zeit hat und sicher sehr geschickt und ver lässlich ist!!) |
|
| 6) Heller und | die Sie ja kennen (Berg weiß Adressen) |
| 7) Galizenstein | |
| 8. Vielleicht ist auch Dr
Rudolf Rèti
dafür zu haben. (das weiß ich aber nicht!) |
Am meisten wird Schmidt machen
können. Ich hoffe, dass der 25–30 Seiten täglich zustande
bringt.
- Berg vielleicht (15–20)
- Koniger ebenso 15–20
- Polnauer etwas weniger, weil er sehr kurzsichtig ist.
- Heller und Galizenstein sind vielleicht weniger fleißig aber 10 Seiten kann jeder leisten.
- Linke hat wenig Zeit kann aber auch etwas tun!
So dass man auf cirka 60–80 Seiten mindestens täglich rechnen kann
(vielleicht sogar bis 90). Das macht nach cirka 14 Tagen cirka
800–1000 Seiten. Wenn Sie dann für den Rest Kopisten finden, gehts
vielleicht doch.
Es wäre sehr traurig, wenn die
Aufführung der Gurrelieder daran scheitern sollte!! Sie haben die
vollständige Partitur seit einem vollen Jahr
bei sich9!!
Ich werde hier in Berlin noch trachten
Kopisten zu bekommen. Geht es dann lasse ich einen Theil hier
machen. Aber rechnen könne Sie darauf nicht.
Und nun: damit nicht dasselbe mit den Stimmen der
Kammersynphonie passiert, die ja für
Wien (23. Februar) gebraucht werden,
bitte ich Sie mir den Auftrag für meinen Bruder für
die Stimmen des Quartetts der Kammersinfonie
und vielleicht auch gleich für das Material der Orchesterlieder zu
geben.
Nicht wahr: das darf doch nicht mehr vorkommen!!!
Hoffentlich scheitert die Sache nicht. Bitte um umgehenden Bericht.
Herzl Gruß
Schönberg
Fehlerverzeichnis
Nachgewiesene Quellen: Fehlerliste zum Erstdruck,
autograph (ASGA B 10, Quelle J1); Fehlerliste zum Erstdruck
(Durchschläge einer autographen Fehlerliste) und zu den
Orchesterstimmen (von fremder Hand); insgesamt 45 Blätter (ASGA B 10, Quelle J2).
Amsterdam
Mannheim
Wien
Die Planung begann im April 1912 mit der
Bestellung von Alban Berg zum
Berater des Akademischen Verbands für
Literatur und Musik unter der Leitung des neuen
Obmanns Erhard Buschbeck (Alban Berg an Arnold Schönberg, 23. April
1912; ASCC 19767). Im Herbst 1912
wandte sich zudem Richard
Specht mit der Idee an Schönberg „im ersten Merkerkonzert, das
voraussichtlich im November stattfinden wird, […] Ihre Kammersymphonie oder – eventuell! –
‚Pelleas und
Melisande‘?! zu neuer Geltung zu bringen“ (Richard
Specht an Arnold Schönberg, 24. September 1912; ASCC 14265). Beide Unternehmungen ließen sich aufgrund
mangelnder Saal- und Orchesterkapazitäten im November 1912 nicht realisieren. Im Dezember 1912 entschied Schönberg, von einer reinen Schönberg-Aufführung abzugehen und
andere Werke – insbesondere Anton Webern,
Sechs Stücke für großes Orchester op. 6 – zu
programmieren, um „die Aufmerksamkeit des Publikums auf mein
Dirigieren zu lenken“ (Arnold Schönberg an Erhard Buschbeck, 13.
Dezember 1912; ASCC 7685). Mehrere in Aussicht genommene Termine konnten
nicht realisiert werden. Am zunächst angepeilten 23. Februar 1913 fand schließlich die
Uraufführung der Gurre-Lieder statt:
23. Februar 1913, Wien, Großer Musikvereinssaal, Philharmonischer Chor.
Im Fall des 8. Jänner 1913
beschuldigte Buschbeck u. a. Emil
Hertzka der Hintertreibung, „daß der Verleger der
Werke die Aufführung – unter der Leitung des Komponisten –
hintertreibt, ist doch immerhin selbst für Wiener Verhältnisse etwas Neues und
Merkwürdiges“ (Erhard Buschbeck an Arnold Schönberg 18. Dezember
1912; ASCC 10368). Aus Arnold Schönberg an Alban Berg, 7.
Jänner 1913 (ASCC 309), geht die Programmplanung mit Werken von
Webern, Berg, Schönberg und Gustav
Mahler hervor; im März
erfolgt die letztendliche Disposition durch Einbezug eines Zemlinskys-Werks (Arnold Schönberg an
Alexander Zemlinsky 8. März 1913; ASCC 324) sowie die Festlegung von Proben und
Aufführungstermin (Erhard Buschbeck an Arnold Schönberg, 17. März
1913; ASCC 10370).
Petersburg
Brief
kopieren
lassen
Die nach der Partiturreinschrift (ASGA B 16/1, Quelle C) faksimilierte Partitur hatte
sich als zu kleindimensioniert für Dirigierzwecke
herausgestellt. Die Herstellung der Orchesterstimmen war im
Hinblick auf die Uraufführung
23. Februar 1913, Wien, Großer Musikvereinssaal, Philharmonischer Chor ebenfalls
höchst dringend.
Aufführung
Die späte Materialherstellung hatte zwar nicht die Absage, jedoch eine Verschiebung des zu diesem
Zeitpunkt geplanten Konzerttermins am 18. Jänner 1913 zufolge (ASGA B 16/3, S. 41).
seit einem vollen Jahr
bei sich
16. November 1912
Beilage zu Heinrich Schönberg an Universal-Edition, 16. November 1912; Beilage: Notiz, 16. November 1912
Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Brief
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an Universal-Edition, 16. November 1912, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.7016.