7.II.1922
Lieber Herr Direktor, hat Ihnen Herr Winter meine
Bitte denn nicht ausgerichtet? Er versprach mir
Ihnen zu sagen, dass es mir unmöglich ist, in
die Stadt zu kommen und dass ich Sie bäte
entweder mir einmal das Vergnügen zu
machen, oder brieflich die Sache zu erledigen.
Allerdings vor dem Brief schreiben habe ich noch
i[mm]er Angst; da wird man nie fertig,
weil es doch immer noch Details giebt über
die man sich mündlich besser einigt. Ich muss
Sie sehr darum bitten, doch mir auch einmal
einen Ihrer Arbeitstage zu widmen. Wenn
Sie (was ich Ihnen schon aus Eitelkeit glaube, aber auch
auf anderengrund vieler Beweisen) mich wirklich
schätzen
, dann müssen Sie verhindern, dass ich
soviel von meiner Arbeitszeit verliere! Ich
brauche jede Minute jetzt. Ich habe viel vor und
[vie]les ist im besten Gang.
Wir müssen unsere Angelegenheit schleunigst
ordnen, denn ich gehe sowie ich die Harmonie-
lehre
erledigt habe (in ca 8 Tagen) nach Traun-
kirchen
und von dort wird man lange nichts
von mir hören. Ich kann nicht mehr Briefe
schreiben! Ich will nur arbeiten
Ich rechne bestimmt auf Ihre Einsicht!
Ich stehe Ihnen jeden Tag zur Verfügung. Wenn
Sie, mit klaren, meine Wünsche berücksichtigen-

den Vorschlägen kommen, können wir sehr rasch
fertig sein. Nur dieses „Kämpfen“ hält so lange auf.
Und: dass ich nicht nachgeben kann, wissen Sie
so gut, wie ich. Aber ich will nicht sagen, dass ich in
dem einen oder dem anderen Punkt durch ein
wirkliches Aequivalent zufrieden zu stellen
wäre; aber es müsste mir wirklich Gleichwertiges
geboten werden. In den Hauptfragen wird das aller-
dings kaum möglich sein.
Also bitte: fassen Sie einen Entschluss und
machen wir rasch Frieden! Wir vertragen uns
ja auch sonst gut.
Viele herzl. Grüße Ihr Arnold Schönberg
7.II.1922
Lieber Herr Direktor, hat Ihnen Herr Winter meine Bitte denn nicht ausgerichtet? Er versprach mir Ihnen zu sagen, dass es mir unmöglich ist, in die Stadt zu kommen und dass ich Sie bäte entweder mir einmal das Vergnügen zu machen, oder brieflich die Sache zu erledigen. Allerdings vor dem Brief schreiben habe ich noch immer Angst; da wird man nie fertig, weil es doch immer noch Details giebt über die man sich mündlich besser einigt. Ich muss Sie sehr darum bitten, doch mir auch einmal einen Ihrer Arbeitstage zu widmen. Wenn Sie (was ich Ihnen schon aus Eitelkeit glaube, aber auch auf grund vieler Beweise) mich wirklich schätzen, dann müssen Sie verhindern, dass ich soviel von meiner Arbeitszeit verliere! Ich brauche jede Minute jetzt. Ich habe viel vor und vieles ist im besten Gang.
Wir müssen unsere Angelegenheit schleunigst ordnen, denn ich gehe sowie ich die Harmonielehre erledigt habe (in ca 8 Tagen) nach Traunkirchen und von dort wird man lange nichts von mir hören. Ich kann nicht mehr Briefe schreiben! Ich will nur arbeiten
Ich rechne bestimmt auf Ihre Einsicht! Ich stehe Ihnen jeden Tag zur Verfügung. Wenn Sie, mit klaren, meine Wünsche berücksichtigenden Vorschlägen kommen, können wir sehr rasch fertig sein. Nur dieses „Kämpfen“ hält so lange auf. Und: dass ich nicht nachgeben kann, wissen Sie so gut, wie ich. Aber ich will nicht sagen, dass ich in dem einen oder dem anderen Punkt durch ein wirkliches Aequivalent zufrieden zu stellen wäre; aber es müsste mir wirklich Gleichwertiges geboten werden. In den Hauptfragen wird das allerdings kaum möglich sein.
Also bitte: fassen Sie einen Entschluss und machen wir rasch Frieden! Wir vertragen uns ja auch sonst gut.
Viele herzl. Grüße Ihr Arnold Schönberg

7. Februar 1922


Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection


Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 7. Februar 1922, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.7067.

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