Arnold Schönberg an Universal-Edition
22. Juni 1926
Lieber Herr Direktor, gelegentlich meiner Anmeldung1 als Mitglied der
Genossenschaft Deutscher Tonsetzer mache ich eine sehr überraschende
Entdeckung. Aus dem mir vorliegenden Verlagsschein über meine beiden
letzten Werke2 geht nämlich hervor, dass ich Ihnen nicht nur das Verlags-
sondern auch das Urheber- und Aufführungsrecht abgetreten haben soll.
Genossenschaft Deutscher Tonsetzer mache ich eine sehr überraschende
Entdeckung. Aus dem mir vorliegenden Verlagsschein über meine beiden
letzten Werke2 geht nämlich hervor, dass ich Ihnen nicht nur das Verlags-
sondern auch das Urheber- und Aufführungsrecht abgetreten haben soll.
Da ich mich nun genau daran erinnere, dass dieser Passus in unseren
früheren Abmachungen nicht erläutert wurde und dass Sie mir einmal,
als ich ihn beanstandete erklärten, es gienge aus „technischen Grün-
den“ nicht, dass Sie nicht das VerlagsrechtUrheber- und Aufführungsrecht besitzen; da ich weiters
keine Ahnung hatte, dass damit
eine Kürzung meiner Tantièmenanteile auf ein Drittel zusammenhängt,
da ich mir der Tragweite dieses Passus nicht bewusst war und Sie sie
mir auch nicht erklärt haben; da mir weiters bekannt ist, dass fast alle
Verleger sich mit dem Verlagsrecht begnügen und ich weiters weiss, dass
eine grosse Anzahl mir dem Namen nach bekannter Autoren Ihres Verlages
ebenfalls nur das Verlagsrecht an Sie abgetreten haben, nehme ich an,
dass es nur auf einem Irrtum beruht, dass man gerade mir, der ich der
älteste und vielleicht auch verdienstvollste unter Ihren lebenden
Autoren bin, dieses ungünstigere Formular zur Unterschrift hingelegt
hat und dass Sie nicht die Absicht hatten, gerade mich schlechter zu
stellen, als andere.
früheren Abmachungen nicht erläutert wurde und dass Sie mir einmal,
als ich ihn beanstandete erklärten, es gienge aus „technischen Grün-
den“ nicht, dass Sie nicht das VerlagsrechtUrheber- und Aufführungsrecht besitzen; da ich weiters
keine Ahnung hatte, dass damit
eine Kürzung meiner Tantièmenanteile auf ein Drittel zusammenhängt,
da ich mir der Tragweite dieses Passus nicht bewusst war und Sie sie
mir auch nicht erklärt haben; da mir weiters bekannt ist, dass fast alle
Verleger sich mit dem Verlagsrecht begnügen und ich weiters weiss, dass
eine grosse Anzahl mir dem Namen nach bekannter Autoren Ihres Verlages
ebenfalls nur das Verlagsrecht an Sie abgetreten haben, nehme ich an,
dass es nur auf einem Irrtum beruht, dass man gerade mir, der ich der
älteste und vielleicht auch verdienstvollste unter Ihren lebenden
Autoren bin, dieses ungünstigere Formular zur Unterschrift hingelegt
hat und dass Sie nicht die Absicht hatten, gerade mich schlechter zu
stellen, als andere.
Ich erwarte darum, dass Sie mir umgehend (meine Anmeldung verzögert sich
sonst) eine rechtsverbindliche und auf all[l]e meine Werke, also auf unseren
ganzen Vertrag sich beziehende Erklärung geben, welche diesen merkwürdi-
gen Fall aus der Welt schafft.
sonst) eine rechtsverbindliche und auf all[l]e meine Werke, also auf unseren
ganzen Vertrag sich beziehende Erklärung geben, welche diesen merkwürdi-
gen Fall aus der Welt schafft.
22.VI.1926
Herrn Direktor Emil Hertzka
Lieber Herr Direktor, gelegentlich meiner Anmeldung1 als Mitglied der
Genossenschaft Deutscher Tonsetzer mache ich eine sehr
überraschende Entdeckung. Aus dem mir vorliegenden Verlagsschein über meine beiden letzten
Werke2 geht nämlich hervor, dass
ich Ihnen nicht nur das Verlags- sondern auch das Urheber- und Aufführungsrecht abgetreten haben soll.
Da ich mich nun genau daran erinnere, dass dieser Passus in unseren früheren
Abmachungen nicht erläutert wurde und dass Sie mir einmal, als ich ihn
beanstandete erklärten, es gienge aus „technischen Gründen“ nicht, dass Sie nicht das Urheber- und Aufführungsrecht
besitzen; da ich weiters keine Ahnung hatte, dass damit
eine Kürzung meiner Tantièmenanteile auf ein Drittel zusammenhängt, da
ich mir der Tragweite dieses Passus nicht bewusst war und Sie sie mir
auch nicht erklärt haben; da mir weiters bekannt ist, dass fast alle
Verleger sich mit dem Verlagsrecht begnügen und ich weiters weiss, dass
eine grosse Anzahl mir dem Namen nach bekannter Autoren Ihres Verlages
ebenfalls nur das Verlagsrecht an Sie abgetreten haben, nehme ich an,
dass es nur auf einem Irrtum beruht, dass man gerade mir, der ich der älteste und vielleicht auch verdienstvollste
unter Ihren lebenden Autoren bin, dieses ungünstigere Formular zur
Unterschrift hingelegt hat und dass Sie nicht die Absicht hatten, gerade
mich schlechter zu stellen, als andere.
Ich erwarte darum, dass Sie mir umgehend (meine Anmeldung verzögert sich
sonst) eine rechtsverbindliche und auf alle meine Werke, also auf unseren ganzen Vertrag sich beziehende
Erklärung geben, welche diesen merkwürdigen Fall aus der Welt schafft.
22. Juni 1926
23. Juni 1926
Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Brief
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an Universal-Edition, 22. Juni 1926, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.1229.