Lieber Herr Schönberg.
Also ich gratuliere zu dem Erfo-
lge, den Sie mit Ihrem Liederabende1 gehabt haben. Hoffentlich hat die
Presse2 nachher nicht gar zu sehr gewütet. Gestern hatte ich eine schwa-
che Stunde, in der ich so etwas wie menschliche Beziehungen zu Ihren
Liedern gewann. Und zwar gefielen sie mir, nachdem ich gerade die neu-
sten Lieder von Strauss durchgesehen hatte.. Na – es wird schon noch
kommen; von uns alten Leuten kann man nicht verlangen, das wir gleich
so feurig mitgehen, wie die Jugend. Sobald ich Sicheres über meine Wie-
ner
Reise wissen werde, werde ich Ihnen Nachricht geben. Ich möchte na-
türlich sehr gern das Quartett und die Kammersymphonie hören3 und,
wenn es irgend geht, möchte ich auch den letzten Proben beiwohnen.
Sie erhalten nunmehr die letzten Bogen der Revision. Ich bitte
sie nach Durchsicht direkt nach Leipzig an C. G. Röder zu schicken.
Die Korrekturen und Revisionen sind von Röder leider mit grosser
Saumseligkeit besorgt worden; es ist überhaupt seit einiger Zeit kein
rechter Verlass mehr auf die früher sehr zuverlässige Firma. Wir
wollen nur hoffen, dass wir noch rechtzeitig zum Konzert fertig werden.
Mit besten Grüssen, auch an Ihre Frau
Ihr

Max Marschalk
Senden Sie alles an Kritiken, was Sie kriegen können; ich glaube, dass
jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, wo wir etwas nachhelfen müssen.
Lieber Herr Schönberg.
Also ich gratuliere zu dem Erfolge, den Sie mit Ihrem Liederabende1 gehabt haben. Hoffentlich hat die Presse2 nachher nicht gar zu sehr gewütet. Gestern hatte ich eine schwache Stunde, in der ich so etwas wie menschliche Beziehungen zu Ihren Liedern gewann. Und zwar gefielen sie mir, nachdem ich gerade die neusten Lieder von Strauss durchgesehen hatte.. Na – es wird schon noch kommen; von uns alten Leuten kann man nicht verlangen, das wir gleich so feurig mitgehen, wie die Jugend. Sobald ich Sicheres über meine Wiener Reise wissen werde, werde ich Ihnen Nachricht geben. Ich möchte natürlich sehr gern das Quartett und die Kammersymphonie hören3 und, wenn es irgend geht, möchte ich auch den letzten Proben beiwohnen.
Sie erhalten nunmehr die letzten Bogen der Revision. Ich bitte sie nach Durchsicht direkt nach Leipzig an C. G. Röder zu schicken. Die Korrekturen und Revisionen sind von Röder leider mit grosser Saumseligkeit besorgt worden; es ist überhaupt seit einiger Zeit kein rechter Verlass mehr auf die früher sehr zuverlässige Firma. Wir wollen nur hoffen, dass wir noch rechtzeitig zum Konzert fertig werden.
Mit besten Grüssen, auch an Ihre Frau Ihr
Max Marschalk
Senden Sie alles an Kritiken, was Sie kriegen können; ich glaube, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, wo wir etwas nachhelfen müssen.

29. Jänner 1907


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

Verlag Dreililien an Arnold Schönberg, 29. Jänner 1907, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.12399.

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