Verlag Dreililien an Arnold Schönberg
2. August 1905
Vorstellungsgange folgt, so soll
man nachher nicht fordern, dass
der Hörer als absolute Musik neh-
me, was eben nicht als absolute
Musik gewachsen ist. Ich bin
nebenbei der Meinung, dass das
Publikum williger folgen wird!
Also – raus mit dem Programm.
Schicken Sie mir die Partitur
dann bald zurück. Wir wollen
sie doch lieber erst nur auto-
man nachher nicht fordern, dass
der Hörer als absolute Musik neh-
me, was eben nicht als absolute
Musik gewachsen ist. Ich bin
nebenbei der Meinung, dass das
Publikum williger folgen wird!
Also – raus mit dem Programm.
Schicken Sie mir die Partitur
dann bald zurück. Wir wollen
sie doch lieber erst nur auto-
graphieren lassen3; das Stechen
bleibt ja immer noch, und
wenn ein Werk nicht aufgeführt
wird, und [...] wenn es nicht
mit Erfolg aufgeführt wird, so
kauft kein Mensch eine Partitur
und wenn sie noch so klein und
noch so billig ist.
bleibt ja immer noch, und
wenn ein Werk nicht aufgeführt
wird, und [...] wenn es nicht
mit Erfolg aufgeführt wird, so
kauft kein Mensch eine Partitur
und wenn sie noch so klein und
noch so billig ist.
So – und nun seien Sie
nicht so faul; uns Geld ab-
locken unter dem Vorwande
nicht so faul; uns Geld ab-
locken unter dem Vorwande
an eine grosse
Arbeit gehen zu
wollen und nachher auf der
Bärenhaut liegen – das ist
zum Mindesten niederträchtig.
Können Sie eine Melodie mit
einer einfachen Begleitung schreiben?
Wissen Sie, dass Modulationen
nur im Gegensatz zur Tonalität
wirken, und dass Polyphonie, sollen
wir sie als blühend empfinden, in
Gegensatz zur Homophonie ge-
wollen und nachher auf der
Bärenhaut liegen – das ist
zum Mindesten niederträchtig.
Können Sie eine Melodie mit
einer einfachen Begleitung schreiben?
Wissen Sie, dass Modulationen
nur im Gegensatz zur Tonalität
wirken, und dass Polyphonie, sollen
wir sie als blühend empfinden, in
Gegensatz zur Homophonie ge-
bracht werden muss? Und
dass ein unentwegt polyphones
Stück genau so monoton wirken
kann wie ein dito homophones?
Wollen Sie mir versprechen diese
weisen Lehren zu beherzigen?
dass ein unentwegt polyphones
Stück genau so monoton wirken
kann wie ein dito homophones?
Wollen Sie mir versprechen diese
weisen Lehren zu beherzigen?
Indessen – ich will nichts
gesagt haben – und ich begrüsse
Sie als Ihr erg. Max Marschalk
gesagt haben – und ich begrüsse
Sie als Ihr erg. Max Marschalk
Partitur
Nachgewiesene Quellen: Partiturreinschrift, autograph (ASGA B 10, Quelle C); Partiturabschrift, möglicherweise
autograph; zugleich Autographiervorlage für den Erstdruck,
verschollen (ASGA B 10, Quelle G*). Die Existenz einer
Partiturabschrift geht aus Verlag
Dreililien an Arnold Schönberg, 15. Oktober 1908 hervor;
Herstellungszeitpunkt nicht ermittelt.
Programmmusik
Nach negativen Erfahrungen
mit Reaktionen auf den dem Streichsextett Verklärte Nacht op. 4 zugrunde liegenden Text von Richard Dehmel verzichtete Schönberg auf die Mitteilung des
Programms zu Pelleas und Melisande op. 5
nach einem Text von Maurice Maeterlinck und hielt später Programme
seiner Kompositionen gänzlich geheim (ASGA B 22, S. 82).
autographieren lassen
Unvollständige, im Auftrag der Verlags Dreililien Berlin hergestellte
autographische Partiturabschrift, bestehend aus 15 Bögen, verschollen
(ASGA A 10, Quelle F*).
Schicken Sie mir die Rh. Ztg
wieder!
Halensee, 2. Aug 05
Lieber Herr Schönberg
Hier haben Sie Ihre Partitur1; seien Sie um des Himmels willen nicht wehleidig und streichen Sie, was sich
irgend streichen lässt. Und dann – die Sache ist Programmmusik2
und wenn man schon einmal einen poëtischen Gedanken – und Vorstellungsgange folgt, so soll man nachher nicht
fordern, dass der Hörer als absolute Musik nehme, was eben nicht als absolute Musik gewachsen ist. Ich
bin nebenbei der Meinung, dass das Publikum williger folgen wird!
Also – raus mit dem Programm. Schicken Sie mir die Partitur dann
bald zurück. Wir wollen sie doch lieber erst nur[?]
autographieren lassen3; das Stechen bleibt ja immer noch, und wenn ein Werk nicht
aufgeführt wird, und wenn es nicht mit Erfolg aufgeführt wird, so kauft kein Mensch
eine Partitur und wenn sie noch so klein und noch so billig ist.
So – und nun seien Sie nicht so faul; uns Geld ablocken unter dem Vorwande an eine grosse
Arbeit gehen zu wollen und nachher auf der Bärenhaut liegen – das ist
zum Mindesten niederträchtig. Können Sie eine Melodie mit einer
einfachen Begleitung schreiben? Wissen Sie, dass Modulationen nur im
Gegensatz zur Tonalität wirken, und dass Polyphonie, sollen wir sie
als blühend empfinden, in Gegensatz zur Homophonie ge
bracht werden muss? Und dass ein unentwegt
polyphones Stück genau so monoton wirken kann wie ein dito homophones? Wollen Sie mir versprechen diese weisen Lehren zu
beherzigen?
Indessen – ich will nichts gesagt haben – und ich begrüsse Sie
als Ihr erg.
Max Marschalk
Partitur
Nachgewiesene Quellen: Partiturreinschrift, autograph (ASGA B 10, Quelle C); Partiturabschrift, möglicherweise
autograph; zugleich Autographiervorlage für den Erstdruck,
verschollen (ASGA B 10, Quelle G*). Die Existenz einer
Partiturabschrift geht aus Verlag
Dreililien an Arnold Schönberg, 15. Oktober 1908 hervor;
Herstellungszeitpunkt nicht ermittelt.
Programmmusik
Nach negativen Erfahrungen
mit Reaktionen auf den dem Streichsextett Verklärte Nacht op. 4 zugrunde liegenden Text von Richard Dehmel verzichtete Schönberg auf die Mitteilung des
Programms zu Pelleas und Melisande op. 5
nach einem Text von Maurice Maeterlinck und hielt später Programme
seiner Kompositionen gänzlich geheim (ASGA B 22, S. 82).
autographieren lassen
Unvollständige, im Auftrag der Verlags Dreililien Berlin hergestellte
autographische Partiturabschrift, bestehend aus 15 Bögen, verschollen
(ASGA A 10, Quelle F*).
Schicken Sie mir die Rh. Ztg
wieder!
2. August 1905
The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Brief
Zitierhinweis:
Verlag Dreililien an Arnold Schönberg, 2. August 1905, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.13042.