Erwin Stein an Arnold Schönberg
1. Juli 1938
Wien, 1.
Juli, 1938
Lieber Freund! Ich danke Ihnen von ganzem Herzen für das schöne
Zeugnis1, das ich in 3 Exemplaren erhielt, ebenso für die dem
einen Brief beiliegende Karte. Gerade heute habe ich es zum
erstenmal verwendet, u. zw. für das englische Home Office. Es
besteht nämlich die Möglichkeit, dass ich nach London zu Boosey
& Hawkes komme. Dies wäre mir schon darum lieb, weil diese
Leute die Vertretung der U.E. und von Schirmer haben, ich also
mit Ihren alten und neuen Werken in Verbindung bliebe. Mr.
Boosey war vor kurzem in Wien und wir haben uns gut gesprochen.
Die Entscheidung wird allerdings noch etliche Wochen oder Monate dauern,
aber vielleicht fahre ich doch schon in diesem Monat nach
London. Jedenfalls bereite ich alles für meine Ausreise vor
und mache gerade jetzt die nötigen Schritte bei den hiesigen
Behörden, wobei mir meine Frau sehr hilft. Sie und Marion
bleiben einstweilen hier. Seit gestern bin ich von der Universal-
Edition weg2. Winter bleibt noch einige Zeit als Berater des
neuen Direktors, der sich sehr anständig benimmt. Dr. Roth
ist vor einigen Tagen zu seinen Eltern nach Brünn gefahren, Heins-
heimer ist, wie sie wohl wissen, in Amerika, Dr. Kalmus in Lon-
don; Frl. Rothe bleibt im Verlag. – Webern sehe ich öfters, da-
gegen habe ich von Polnauer lange nichts gehört.* Weberns Schüler
Zenk wird wahrscheinlich Lektor in der U.E. werden. – Ich
glaube, die Anstellung bei B. & H. wäre die beste Lösung für mich.
Andere Chancen, die sich vorübergehend gezeigt hatten, haben
sich bisher nicht verwirklicht. Ich werde Sie natürlich gleich
verständigen, sobald sich etwas entscheidet oder sobald ich
wegfahre. –
Zeugnis1, das ich in 3 Exemplaren erhielt, ebenso für die dem
einen Brief beiliegende Karte. Gerade heute habe ich es zum
erstenmal verwendet, u. zw. für das englische Home Office. Es
besteht nämlich die Möglichkeit, dass ich nach London zu Boosey
& Hawkes komme. Dies wäre mir schon darum lieb, weil diese
Leute die Vertretung der U.E. und von Schirmer haben, ich also
mit Ihren alten und neuen Werken in Verbindung bliebe. Mr.
Boosey war vor kurzem in Wien und wir haben uns gut gesprochen.
Die Entscheidung wird allerdings noch etliche Wochen oder Monate dauern,
aber vielleicht fahre ich doch schon in diesem Monat nach
London. Jedenfalls bereite ich alles für meine Ausreise vor
und mache gerade jetzt die nötigen Schritte bei den hiesigen
Behörden, wobei mir meine Frau sehr hilft. Sie und Marion
bleiben einstweilen hier. Seit gestern bin ich von der Universal-
Edition weg2. Winter bleibt noch einige Zeit als Berater des
neuen Direktors, der sich sehr anständig benimmt. Dr. Roth
ist vor einigen Tagen zu seinen Eltern nach Brünn gefahren, Heins-
heimer ist, wie sie wohl wissen, in Amerika, Dr. Kalmus in Lon-
don; Frl. Rothe bleibt im Verlag. – Webern sehe ich öfters, da-
gegen habe ich von Polnauer lange nichts gehört.* Weberns Schüler
Zenk wird wahrscheinlich Lektor in der U.E. werden. – Ich
glaube, die Anstellung bei B. & H. wäre die beste Lösung für mich.
Andere Chancen, die sich vorübergehend gezeigt hatten, haben
sich bisher nicht verwirklicht. Ich werde Sie natürlich gleich
verständigen, sobald sich etwas entscheidet oder sobald ich
wegfahre. –
Zeugnis
Arnold Schönberg an Erwin Stein, 7. Juni 1938 (ASCC
3071).
von der Universal-Edition
weg
Der mehrmonatige
Verbleib Steins bei der UE nach dem sogenannten
„Anschluss“ Österreichs
an Deutschland und der beginnenden
Arisierung der UE erklärte sich aus dem
Umstand, dass Stein „im
laufenden Geschäft unentbehrlich und ein bedeutender Aktionär des
Verlages war“ (Brezinka 2005, S. 140).
Wien, 1.
Juli, 1938
Lieber Freund! Ich danke Ihnen von ganzem Herzen für das schöne
Zeugnis1, das ich in 3 Exemplaren erhielt, ebenso
für die dem einen Brief beiliegende Karte. Gerade heute habe ich es zum
erstenmal verwendet, u. zw. für das englische
Home Office. Es besteht nämlich die
Möglichkeit, dass ich nach London zu
Boosey & Hawkes komme. Dies wäre
mir schon darum lieb, weil diese Leute die Vertretung der U.E. und von Schirmer
haben, ich also mit Ihren alten und neuen Werken in Verbindung bliebe. Mr.
Boosey war vor kurzem in Wien und wir haben uns gut gesprochen. Die
Entscheidung wird allerdings noch etliche Wochen oder
Monate dauern, aber vielleicht fahre ich doch schon in diesem
Monat nach London. Jedenfalls bereite ich alles für meine Ausreise vor
und mache gerade jetzt die nötigen Schritte bei den hiesigen Behörden,
wobei mir meine Frau sehr hilft. Sie und
Marion
bleiben einstweilen hier. Seit gestern bin ich
von der Universal-Edition
weg2. Winter bleibt noch einige Zeit als Berater des neuen Direktors, der sich sehr anständig
benimmt. Dr. Roth
ist vor einigen Tagen zu seinen Eltern nach Brünn gefahren, Heinsheimer ist, wie sie wohl wissen, in Amerika, Dr. Kalmus in London; Frl. Rothe bleibt im Verlag. – Webern sehe ich öfters, dagegen habe ich von Polnauer
lange nichts gehört.
Weberns Schüler
Zenk wird wahrscheinlich Lektor in der
U.E. werden. – Ich glaube, die
Anstellung bei B. & H. wäre die beste Lösung
für mich. Andere Chancen, die sich vorübergehend gezeigt hatten, haben
sich bisher nicht verwirklicht. Ich werde Sie natürlich gleich
verständigen, sobald sich etwas entscheidet oder sobald ich wegfahre.
–
Zeugnis
Arnold Schönberg an Erwin Stein, 7. Juni 1938 (ASCC
3071).
von der Universal-Edition
weg
Der mehrmonatige
Verbleib Steins bei der UE nach dem sogenannten
„Anschluss“ Österreichs
an Deutschland und der beginnenden
Arisierung der UE erklärte sich aus dem
Umstand, dass Stein „im
laufenden Geschäft unentbehrlich und ein bedeutender Aktionär des
Verlages war“ (Brezinka 2005, S. 140).
1. Juli 1938
The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Brief
Zitierhinweis:
Erwin Stein an Arnold Schönberg, 1. Juli 1938, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.16834.