Dr. K./Wi.
Wien, 12. Januar 1933.
Herrn
Sehr verehrter Herr Schönberg!
Für Ihr Schreiben vom 8. I. müssen wir Ihnen zunächst
herzlichst danken. Es wäre zu schön gewesen, wenn wir Ihr neues
Cellokonzert
nach Monn in der U.E. hätten herausbringen können.
Aber leider verträgt unser Geldbeutel, der für den Tagesbedarf
zwar genügend dotiert ist, noch nicht die Erwerbung kostbarer
Schätze. Wir sind alle – ob mit Recht oder Unrecht – optimistisch
für die Zukunft der wirtschaftlichen Entwicklung, aber vorläufig
kann ein ernster Wiener Musikverlag in Dollars nicht rechnen,
sondern sich höchstens Neuerwerbungen auf Basis von Ladenpreis-
tantiemen erlauben. Wenn das nicht geht, so müssen wir vorder-
hand, wenn auch sehr schweren Herzens, verzichten.
In der Abmachung vom 11. September 1932 ist bezüglich
Von heute auf morgen“ kein Enddatum erwähnt, weil uns der Be-
griff zwei Jahre genügend präzis erschienen ist, d. h. wir haben
den Vertrieb der Oper bis zum 10. September 1934. Die Frage der
Deckung Ihrer Herstellungskosten bei Notenverkäufen ist nicht
besprochen worden, wir glauben aber nicht, dass eine Provision
von einem Viertel der beim Verlag eingehenden Beträge für die
ganze Manipulation (Lagerhaltung, Fakturierung, Inkasso, Ver-
rechnung und Propaganda) zu hoch angesetzt ist. Auch sind wir
der Meinung, dass Sie, wenn wir den Vertrieb haben, ohne uns
Exemplare nicht abgeben sollen. Hingegen steht es Ihnen frei,
den Ladenpreis beliebig hoch anzusetzen und wenn wir das Lager
einmal übernommen haben
1, was hoffentlich nach den letzten Nach-
richten von Herrn Schlee bald der Fall sein wird, so bitten wir
nun um Bekanntgabe Ihrer Wünsche. Unsere Provision noch unter
25 % anzusetzen, halten wir nicht für gerecht, denn wenn Sie
den Ladenpreis sehr niedrig ansetzen, so ist unser Viertel ent-
sprechend niedriger und schliesslich muss man ausser den Her-
stellungskosten auch irgend welche Kosten für den Vertrieb ein-
stellen. Sollte es sich aber nur um eine bestimmte Anzahl han-
deln, die Sie in irgend einer Sonderaktion billig abgeben wollen,
so soll der Zweck eines solchen ausnahmsweisen Verkaufs an un-
serer Provision nicht scheitern.
Wir danken Ihnen noch vielmals für Ihr Angebot und
zeichnen mit besten Empfehlungen in vorzüglicher Hochschätzung

Dr. K./Wi.
Wien, 12. Januar 1933.
Herrn
Sehr verehrter Herr Schönberg!
Für Ihr Schreiben vom 8. I. müssen wir Ihnen zunächst herzlichst danken. Es wäre zu schön gewesen, wenn wir Ihr neues Cellokonzert nach Monn in der U.E. hätten herausbringen können. Aber leider verträgt unser Geldbeutel, der für den Tagesbedarf zwar genügend dotiert ist, noch nicht die Erwerbung kostbarer Schätze. Wir sind alle – ob mit Recht oder Unrecht – optimistisch für die Zukunft der wirtschaftlichen Entwicklung, aber vorläufig kann ein ernster Wiener Musikverlag in Dollars nicht rechnen, sondern sich höchstens Neuerwerbungen auf Basis von Ladenpreistantiemen erlauben. Wenn das nicht geht, so müssen wir vorderhand, wenn auch sehr schweren Herzens, verzichten.
In der Abmachung vom 11. September 1932 ist bezüglich „Von heute auf morgen“ kein Enddatum erwähnt, weil uns der Begriff zwei Jahre genügend präzis erschienen ist, d. h. wir haben den Vertrieb der Oper bis zum 10. September 1934. Die Frage der Deckung Ihrer Herstellungskosten bei Notenverkäufen ist nicht besprochen worden, wir glauben aber nicht, dass eine Provision von einem Viertel der beim Verlag eingehenden Beträge für die ganze Manipulation (Lagerhaltung, Fakturierung, Inkasso, Verrechnung und Propaganda) zu hoch angesetzt ist. Auch sind wir der Meinung, dass Sie, wenn wir den Vertrieb haben, ohne uns Exemplare nicht abgeben sollen. Hingegen steht es Ihnen frei, den Ladenpreis beliebig hoch anzusetzen und wenn wir das Lager einmal übernommen haben1, was hoffentlich nach den letzten Nachrichten von Herrn Schlee bald der Fall sein wird, so bitten wir nun um Bekanntgabe Ihrer Wünsche. Unsere Provision noch unter 25 % anzusetzen, halten wir nicht für gerecht, denn wenn Sie den Ladenpreis sehr niedrig ansetzen, so ist unser Viertel entsprechend niedriger und schliesslich muss man ausser den Herstellungskosten auch irgend welche Kosten für den Vertrieb einstellen. Sollte es sich aber nur um eine bestimmte Anzahl handeln, die Sie in irgend einer Sonderaktion billig abgeben wollen, so soll der Zweck eines solchen ausnahmsweisen Verkaufs an unserer Provision nicht scheitern.
Wir danken Ihnen noch vielmals für Ihr Angebot und
zeichnen mit besten Empfehlungen
in vorzüglicher Hochschätzung

Winter Dr Kalmus

12. Jänner 1933


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 12. Jänner 1933, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17374.

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