W
Wohlgeboren
Sehr geehrter Herr Schönberg!
im Besitz Ihres Geschätzten1 vom 11. ds. erscheint mir Ihr
erster Beitrag für die Konzertwoche „Warum neue Melodien schwer
verständlich sind
“, vorzüglich geeignet. Das einzige Bedenken, das
man vielleicht haben könnte wäre nur, dass es dem grossen Publi-
kum etwas zu hoch erscheinen wird. Wenn Sie in ein oder dem anderen
künftigen Falle dem Fassungsvermögen auch jener Leute Rechnung tragen
könnten, die keine allzuweitgehenden musikalischen Kenntnisse und
Fähigkeiten haben, so wäre das sehr angenehm. Aber wenn Ihnen das
nicht tunlich oder möglich erscheint, dann wollen sie meinen Einwand
als nicht gemacht betrachten.
Mit der Verfilmung der „Glücklichen Hand“ hatte ich bisher
noch keine solche (glückliche Hand). Buch und Bedingungen habe ich
allerdings erhalten, aber so rasch wie Sie sich das vorstellen,
geht die Sache wohl nicht.
Mit dem russischen Ballett habe ich absolut keinerlei Be-
ziehung oder Fühlung. Wenn ich den Leuten einen Vorschlag mache,
wird derselbe kaum beachtet werden. Könnte Siloti in der Sache
nicht den Vermittler abgeben?

Ueber die Aufführung der „Gurre-Lieder“ in Wien und Buda-
pest
habe ich dieselben Zeitungsnotizen2 gelesen, die wohl auch Ih-
nen zugekommen sind. Etwas anderes weiss ich darüber nicht. Ich
stehe dieser Sache sehr skeptisch gegenüber und fürchte, die Sache
wird ebenso verlaufen, wie die im Vorjahre geplante Wiederholung3.
Mit verbindlichen Grüssen Ihr ganz ergebener
N. S.
Die mitfolgenden Reklame-Marken der
eben verflossenen Adria-Ausstellung4
werden Ihren Kindern5 hoffentlich
Freude machen.
N. S.
Die mir eingesandte unvollendete Skizze
zu dem II. Konzertwoche-Aufsatz retour-
niere ich anbei.
Der Betrag von M 150.- abzüglich Porto
ging heute an sie ab.

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Wohlgeboren
Sehr geehrter Herr Schönberg!
im Besitz Ihres Geschätzten1 vom 11. ds. erscheint mir Ihr erster Beitrag für die Konzertwoche „Warum neue Melodien schwer verständlich sind“, vorzüglich geeignet. Das einzige Bedenken, das man vielleicht haben könnte wäre nur, dass es dem grossen Publikum etwas zu hoch erscheinen wird. Wenn Sie in ein oder dem anderen künftigen Falle dem Fassungsvermögen auch jener Leute Rechnung tragen könnten, die keine allzuweitgehenden musikalischen Kenntnisse und Fähigkeiten haben, so wäre das sehr angenehm. Aber wenn Ihnen das nicht tunlich oder möglich erscheint, dann wollen sie meinen Einwand als nicht gemacht betrachten.
Mit der Verfilmung der „Glücklichen Hand“ hatte ich bisher noch keine solche (glückliche Hand). Buch und Bedingungen habe ich allerdings erhalten, aber so rasch wie Sie sich das vorstellen, geht die Sache wohl nicht.
Mit dem russischen Ballett habe ich absolut keinerlei Beziehung oder Fühlung. Wenn ich den Leuten einen Vorschlag mache, wird derselbe kaum beachtet werden. Könnte Siloti in der Sache nicht den Vermittler abgeben?
Ueber die Aufführung der „Gurre-Lieder“ in Wien und Budapest habe ich dieselben Zeitungsnotizen2 gelesen, die wohl auch Ihnen zugekommen sind. Etwas anderes weiss ich darüber nicht. Ich stehe dieser Sache sehr skeptisch gegenüber und fürchte, die Sache wird ebenso verlaufen, wie die im Vorjahre geplante Wiederholung3.
Mit verbindlichen Grüssen Ihr ganz ergebener Hertzka
N. S. Die mitfolgenden Reklame-Marken der eben verflossenen Adria-Ausstellung4 werden Ihren Kindern5 hoffentlich Freude machen.
N. S. Die mir eingesandte unvollendete Skizze zu dem II. Konzertwoche-Aufsatz retourniere ich anbei.
Der Betrag von M 150.- abzüglich Porto ging heute an sie ab.

13. Oktober 1913



The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 13. Oktober 1913, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17499.

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