12/X
Lieber Herr Direktor, herzlichsten Dank für Ihren freundlichen Brief und
das Angebot, mir die restlichen 150 Mark auf meine Harmonie-
lehre
zu geben. Ich nehme das einstweilen an und bitte Sie
mir die Summe möglichst rasch zu schicken. Dagegen ist es
mir unklar, warum es gegen unsere Verabredung ist, dass ich
auf das neue Orchesterlied1 150 Mark bekommen soll. Ich kann
mir nur denken, dass es etwa wegen der Bestimmung ist,
dass Sie sich erst innerhalb 4 Wochen entscheiden müssen.
Aber in einem dringenden Fall gehen Sie doch wohl von
dieser Bedingung ab. Nicht wahr? Uebrigens hat das ja
zunächst etwas Zeit, wenn Sie mirs für die Harmonie-
lehre
geben.
Nun muss ich Sie bitten sich mit dem 2ten Beitrag2 noch ein
paar Tage zu gedulden. Es ist verflucht: ich kann nicht auf
Bestellung arbeiten. Sobald ich muss, kann ich nicht. Ich muss
jetzt ein paar Tage einfach nicht dran denken, dann gehts wieder.
Ich lege Ihnen, damit Sie sehen, wie ich mich mit sowas plage
noch 3 Versuche über diesen Brahms-Ausspruch bei. Dazwischen
liegen immer qualvolle Stunden! Ich schenke Ihnen persönlich diese
Manuskripte“; wenn etwas aus dem wird, muss ich es ohnedies ganz neu
anfangen. – Haben Sie übrigens meiner Beiträge wegen keine Sorge.
Sie werden 10 bekommen; ich habe ja Vorrat. Und schlimmstenfalls,
bin ich eventuell bereit Ihnen den Mahler-Vortrag, den Specht wie-
derholt von mir verlangt hat, als Ersatz dafür zu überlassen. Das täte
ich aber nur ungern, weil ich ihn vorher doch noch überarbeiten müsste.
Aber Sie bekommen bestimmt die Beiträge und ich hoffe Ihnen
noch in der nächsten Woche einige schicken zu können. Bitte, wenn Sie
mich darum mahnen: nicht dringend. Sonst werd ich wieder unsicher.
Viele herzliche Grüße Ihr Arnold Schönberg
Herzlichsten Dank für die wunderschönen Reklamemarken.
Halten Sie es für möglich, dass man Hauptmann für die Dramatisierung der
Seraphita
3 gewinnen könnte?
12/X
Lieber Herr Direktor, herzlichsten Dank für Ihren freundlichen Brief und das Angebot, mir die restlichen 150 Mark auf meine Harmonielehre zu geben. Ich nehme das einstweilen an und bitte Sie mir die Summe möglichst rasch zu schicken. Dagegen ist es mir unklar, warum es gegen unsere Verabredung ist, dass ich auf das neue Orchesterlied1 150 Mark bekommen soll. Ich kann mir nur denken, dass es etwa wegen der Bestimmung ist, dass Sie sich erst innerhalb 4 Wochen entscheiden müssen. Aber in einem dringenden Fall gehen Sie doch wohl von dieser Bedingung ab. Nicht wahr? Uebrigens hat das ja zunächst etwas Zeit, wenn Sie mirs für die Harmonielehre geben.
Nun muss ich Sie bitten sich mit dem 2ten Beitrag2 noch ein paar Tage zu gedulden. Es ist verflucht: ich kann nicht auf Bestellung arbeiten. Sobald ich muss, kann ich nicht. Ich muss jetzt ein paar Tage einfach nicht dran denken, dann gehts wieder. Ich lege Ihnen, damit Sie sehen, wie ich mich mit sowas plage noch 3 Versuche über diesen Brahms-Ausspruch bei. Dazwischen liegen immer qualvolle Stunden! Ich schenke Ihnen persönlich diese „Manuskripte“; wenn etwas aus dem wird, muss ich es ohnedies ganz neu anfangen. – Haben Sie übrigens meiner Beiträge wegen keine Sorge. Sie werden 10 bekommen; ich habe ja Vorrat. Und schlimmstenfalls, bin ich eventuell bereit Ihnen den Mahler-Vortrag, den Specht wiederholt von mir verlangt hat, als Ersatz dafür zu überlassen. Das täte ich aber nur ungern, weil ich ihn vorher doch noch überarbeiten müsste. Aber Sie bekommen bestimmt die Beiträge und ich hoffe Ihnen noch in der nächsten Woche einige schicken zu können. Bitte, wenn Sie mich darum mahnen: nicht dringend. Sonst werd ich wieder unsicher.
Viele herzliche Grüße Ihr Arnold Schönberg
Herzlichsten Dank für die wunderschönen Reklamemarken. Halten Sie es für möglich, dass man Hauptmann für die Dramatisierung der „Seraphita3 gewinnen könnte?

12. Oktober 1913



Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection



Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 12. Oktober 1913, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.29.

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