Arnold Schönberg an Universal-Edition
12. Oktober 1913
12/X
Lieber Herr Direktor, herzlichsten Dank für Ihren freundlichen Brief und
das Angebot, mir die restlichen 150 Mark auf meine Harmonie-
lehre zu geben. Ich nehme das einstweilen an und bitte Sie
mir die Summe möglichst rasch zu schicken. Dagegen ist es
mir unklar, warum es gegen unsere Verabredung ist, dass ich
auf das neue Orchesterlied1 150 Mark bekommen soll. Ich kann
mir nur denken, dass es etwa wegen der Bestimmung ist,
dass Sie sich erst innerhalb 4 Wochen entscheiden müssen.
Aber in einem dringenden Fall gehen Sie doch wohl von
dieser Bedingung ab. Nicht wahr? Uebrigens hat das ja
zunächst etwas Zeit, wenn Sie mirs für die Harmonie-
lehre geben.
das Angebot, mir die restlichen 150 Mark auf meine Harmonie-
lehre zu geben. Ich nehme das einstweilen an und bitte Sie
mir die Summe möglichst rasch zu schicken. Dagegen ist es
mir unklar, warum es gegen unsere Verabredung ist, dass ich
auf das neue Orchesterlied1 150 Mark bekommen soll. Ich kann
mir nur denken, dass es etwa wegen der Bestimmung ist,
dass Sie sich erst innerhalb 4 Wochen entscheiden müssen.
Aber in einem dringenden Fall gehen Sie doch wohl von
dieser Bedingung ab. Nicht wahr? Uebrigens hat das ja
zunächst etwas Zeit, wenn Sie mirs für die Harmonie-
lehre geben.
Nun muss ich Sie bitten sich mit dem 2ten
Beitrag2 noch ein
paar Tage zu gedulden. Es ist verflucht: ich kann nicht auf
Bestellung arbeiten. Sobald ich muss, kann ich nicht. Ich muss
jetzt ein paar Tage einfach nicht dran denken, dann gehts wieder.
Ich lege Ihnen, damit Sie sehen, wie ich mich mit sowas plage
noch 3 Versuche über diesen Brahms-Ausspruch bei. Dazwischen
liegen immer qualvolle Stunden! Ich schenke Ihnen persönlich diese
„Manuskripte“; wenn etwas aus dem wird, muss ich es ohnedies ganz neu
anfangen. – Haben Sie übrigens meiner Beiträge wegen keine Sorge.
Sie werden 10 bekommen; ich habe ja Vorrat. Und schlimmstenfalls,
bin ich eventuell bereit Ihnen den Mahler-Vortrag, den Specht wie-
derholt von mir verlangt hat, als Ersatz dafür zu überlassen. Das täte
ich aber nur ungern, weil ich ihn vorher doch noch überarbeiten müsste.
Aber Sie bekommen bestimmt die Beiträge und ich hoffe Ihnen
noch in der nächsten Woche einige schicken zu können. Bitte, wenn Sie
mich darum mahnen: nicht dringend. Sonst werd ich wieder unsicher.
paar Tage zu gedulden. Es ist verflucht: ich kann nicht auf
Bestellung arbeiten. Sobald ich muss, kann ich nicht. Ich muss
jetzt ein paar Tage einfach nicht dran denken, dann gehts wieder.
Ich lege Ihnen, damit Sie sehen, wie ich mich mit sowas plage
noch 3 Versuche über diesen Brahms-Ausspruch bei. Dazwischen
liegen immer qualvolle Stunden! Ich schenke Ihnen persönlich diese
„Manuskripte“; wenn etwas aus dem wird, muss ich es ohnedies ganz neu
anfangen. – Haben Sie übrigens meiner Beiträge wegen keine Sorge.
Sie werden 10 bekommen; ich habe ja Vorrat. Und schlimmstenfalls,
bin ich eventuell bereit Ihnen den Mahler-Vortrag, den Specht wie-
derholt von mir verlangt hat, als Ersatz dafür zu überlassen. Das täte
ich aber nur ungern, weil ich ihn vorher doch noch überarbeiten müsste.
Aber Sie bekommen bestimmt die Beiträge und ich hoffe Ihnen
noch in der nächsten Woche einige schicken zu können. Bitte, wenn Sie
mich darum mahnen: nicht dringend. Sonst werd ich wieder unsicher.
Viele herzliche Grüße Ihr
Arnold Schönberg
Orchesterlied
Arnold Schönberg, Vier Lieder für Gesang und
Orchester op. 22: Seraphita op. 22/1.
Beitrag
Beiträge für Die Konzertwoche, eine Beilage zu
Konzertprogrammen des Wiener
Konzerthauses: Arnold
Schönberg, Warum neue Melodien schwer verständlich sind; Zum
zweiten Beitrag sandte Schönberg
drei Entwürfe.
Dramatisierung der „Seraphita“
Zwischen 1911 und 1914 trug sich
Schönberg mit dem Gedanken,
ein Oratorium basierend auf August Strindberg, Jakob ringt und Honoré de Balzac, Seraphita zu
komponieren. Die dem frühen Entstehungsstadium der Jakobsleiter zuzurechnende Idee änderte
sich, als Schönberg im Sommer
1912 entschied, Seraphita unabhängig vom Oratorium
zu vertonen. Ob Schönberg an
Gerhart Hauptmann mit einer
Anfrage zur Einrichtung des Texts herantrat, ist nicht bekannt. Ende
1913/Anfang 1914 beschäftigte sich Marie
Pappenheim mit der Dramatisierung (ASGA B 17/2, S.
192ff.).
12/X
Lieber Herr Direktor, herzlichsten Dank für Ihren freundlichen Brief und das Angebot, mir die restlichen
150 Mark auf meine Harmonielehre zu geben. Ich nehme das einstweilen an und
bitte Sie mir die Summe möglichst rasch zu schicken. Dagegen ist es
mir unklar, warum es gegen unsere Verabredung ist, dass ich auf das
neue Orchesterlied1 150 Mark bekommen soll. Ich kann mir nur denken, dass es etwa wegen
der Bestimmung ist, dass Sie sich erst innerhalb 4 Wochen entscheiden
müssen. Aber in einem dringenden Fall gehen Sie doch wohl von dieser
Bedingung ab. Nicht wahr? Uebrigens hat das ja zunächst etwas Zeit, wenn
Sie mirs für die Harmonielehre geben.
Nun muss ich Sie bitten sich mit dem 2ten
Beitrag2 noch ein paar Tage zu gedulden. Es ist verflucht: ich kann
nicht auf Bestellung arbeiten. Sobald ich muss, kann ich nicht. Ich muss
jetzt ein paar Tage einfach nicht dran denken, dann gehts wieder. Ich
lege Ihnen, damit Sie sehen, wie ich mich mit sowas plage noch 3 Versuche
über diesen Brahms-Ausspruch bei. Dazwischen
liegen immer qualvolle Stunden! Ich schenke Ihnen persönlich diese „Manuskripte“; wenn etwas aus dem wird, muss ich es ohnedies ganz neu anfangen. – Haben Sie
übrigens meiner Beiträge wegen keine Sorge. Sie werden 10 bekommen; ich
habe ja Vorrat. Und schlimmstenfalls, bin ich eventuell bereit Ihnen den
Mahler-Vortrag, den Specht wiederholt von mir verlangt hat, als Ersatz dafür zu überlassen.
Das täte ich aber nur ungern, weil ich ihn vorher doch noch überarbeiten
müsste. Aber Sie bekommen bestimmt die Beiträge und ich hoffe Ihnen
noch in der nächsten Woche einige schicken zu können. Bitte, wenn Sie
mich darum mahnen: nicht dringend. Sonst werd ich wieder unsicher.
Viele herzliche Grüße Ihr
Arnold Schönberg
Orchesterlied
Arnold Schönberg, Vier Lieder für Gesang und
Orchester op. 22: Seraphita op. 22/1.
Beitrag
Beiträge für Die Konzertwoche, eine Beilage zu
Konzertprogrammen des Wiener
Konzerthauses: Arnold
Schönberg, Warum neue Melodien schwer verständlich sind; Zum
zweiten Beitrag sandte Schönberg
drei Entwürfe.
Dramatisierung der „Seraphita“
Zwischen 1911 und 1914 trug sich
Schönberg mit dem Gedanken,
ein Oratorium basierend auf August Strindberg, Jakob ringt und Honoré de Balzac, Seraphita zu
komponieren. Die dem frühen Entstehungsstadium der Jakobsleiter zuzurechnende Idee änderte
sich, als Schönberg im Sommer
1912 entschied, Seraphita unabhängig vom Oratorium
zu vertonen. Ob Schönberg an
Gerhart Hauptmann mit einer
Anfrage zur Einrichtung des Texts herantrat, ist nicht bekannt. Ende
1913/Anfang 1914 beschäftigte sich Marie
Pappenheim mit der Dramatisierung (ASGA B 17/2, S.
192ff.).
12. Oktober 1913
Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Brief
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an Universal-Edition, 12. Oktober 1913, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.29.