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Wohlgeboren
Lieber Herr Schönberg!
Von meinem Feiertagsurlaub zurückgekehrt, finde ich Ihre
gesch. Zuschrift vom 27. pto. vor. Es tut mir herzlich leid, dass
ich den Brief nicht rechtzeitig erhalten habe, denn ich hätte
wahrscheinlich, um Ihnen aus der peinlichen Verlegenheit vor
dem 1. Jänner zu helfen, Ihren Wunsch noch ein letztesmal er-
füllt. Nun nehme ich an, dass Sie die betreffende Angelegenheit
auf anderem Wege ordnen konnten und dass daher die Dringlichkeit
für einen weiteren Vorschuss nicht vorliegt.
Ich treffe Mittwochs, den 14. ds. in Berlin ein und möchte
am liebsten im Laufe des Mittwoch-Vormittags mit Ihnen zusammen-
kommen und verschiedene Fragen besprechen. Ich möchte bei dieser
Gelegenheit auch eine Zusammenfassung unserer verschiedenen Abma-
chungen mit Ihnen durchsprechen und endlich zu einem neuen, ein-
heitlichen, klaren Vertrag kommen. Es liegt nicht in meiner Ab-
sicht, diesen Vertrag für Sie irgendwie ungünstiger zu gestalten.
Das Mahler-Buch haben Sie wohl inzwischen schon erhalten.
Was Ihren Wunsch wegen Ankündigung Ihrer letzterschienenen
Werke in den Musikzeitungen betrifft, so kommt derselbe insoferne
postfestum, weil verschiedene der letzten Werke schon wiederholt

in Musik-Zeitschriften angekündigt waren. Die neuen Klavierstücke
zum Beispiel sind seit vielen Wochen allabendlich in Wien in
allen Konzerthaus-Programmen angekündigt. In den Berliner „Signalen“1
war unlängst ebenfalls ein diesbzgl. Inserat. Ich werde aber jetzt
trotzdem ein ganzseitiges Inserat in zahlreichen Fachblättern2
über Ihre letzten Neuerscheinungen aufgeben und werden darin die
Einzelausgaben3 der „Gurre-Lieder“ und alles Weitere in ausführlicher
Weise aufgenommen werden. – Ein Spezialkatalog Ihrer Werke ist
schon seit längerer Zeit in Vorbereitung, doch hauptsächlich
wegen der unleidlichen Buchdruckerstreik-Verhältnisse konnte die
Sache bisher nicht ausgeführt werden. Ich habe mir für diesen
Katalog bereits ein sehr gutes Klischee Ihres besten Porträts
anfertigen lassen und hoffe, dass dieser Spezialkatalog nun tat-
sächlich bald herauskommen wird.
Die Nikisch-Aufführung4 der Kammersymphonie in Leipzig findet heute statt;
ich bin selbst sehr neugierig, wie die Sache werden wird. Eine vor-
bildliche Wirkung auf die anderen Dirigenten traue ich mir nicht davon zu ver-
sprechen.
Riesig froh bin ich, dass Sie sich von der Leipziger Auffüh-
rung
5 der Gurre-Lieder das Beste versprechen. Ein starker Leipziger [-]
Erfolg ist allerdings sehr wertvoll. Im Londoner „Musical Times“
soll in der Nummer vom 1. Jänner ein längerer Artikel6 über Sie
stehen. Ich lasse mir das SacheHeft eben kommen und gebe Ihnen evt. über
den Inhalt später Nachricht.
Ich danke Ihnen noch schliesslich herzlich für die lieben
Worte, aus denen ich die gute Gesinnung, die Sie mir entgegenbringen
hervorgeht. Dass mir diese gewahrt bleibe, wünsche ich mir von Herzen.
Mit den besten Grüssen Ihr Ihnen in aufrichtiger Hochschätzung ergebener

W
Wohlgeboren
Lieber Herr Schönberg!
Von meinem Feiertagsurlaub zurückgekehrt, finde ich Ihre gesch. Zuschrift vom 27. pto. vor. Es tut mir herzlich leid, dass ich den Brief nicht rechtzeitig erhalten habe, denn ich hätte wahrscheinlich, um Ihnen aus der peinlichen Verlegenheit vor dem 1. Jänner zu helfen, Ihren Wunsch noch ein letztesmal erfüllt. Nun nehme ich an, dass Sie die betreffende Angelegenheit auf anderem Wege ordnen konnten und dass daher die Dringlichkeit für einen weiteren Vorschuss nicht vorliegt.
Ich treffe Mittwoch, den 14. ds. in Berlin ein und möchte am liebsten im Laufe des Mittwoch-Vormittags mit Ihnen zusammenkommen und verschiedene Fragen besprechen. Ich möchte bei dieser Gelegenheit auch eine Zusammenfassung unserer verschiedenen Abmachungen mit Ihnen durchsprechen und endlich zu einem neuen, einheitlichen, klaren Vertrag kommen. Es liegt nicht in meiner Absicht, diesen Vertrag für Sie irgendwie ungünstiger zu gestalten.
Das Mahler-Buch haben Sie wohl inzwischen schon erhalten.
Was Ihren Wunsch wegen Ankündigung Ihrer letzterschienenen Werke in den Musikzeitungen betrifft, so kommt derselbe insoferne postfestum, weil verschiedene der letzten Werke schon wiederholt in Musik-Zeitschriften angekündigt waren. Die neuen Klavierstücke zum Beispiel sind seit vielen Wochen allabendlich in Wien in allen Konzerthaus-Programmen angekündigt. In den Berliner „Signalen“1 war unlängst ebenfalls ein diesbzgl. Inserat. Ich werde aber jetzt trotzdem ein ganzseitiges Inserat in zahlreichen Fachblättern2 über Ihre letzten Neuerscheinungen aufgeben und werden darin die Einzelausgaben3 der „Gurre-Lieder“ und alles Weitere in ausführlicher Weise aufgenommen werden. – Ein Spezialkatalog Ihrer Werke ist schon seit längerer Zeit in Vorbereitung, doch hauptsächlich wegen der unleidlichen Buchdruckerstreik-Verhältnisse konnte die Sache bisher nicht ausgeführt werden. Ich habe mir für diesen Katalog bereits ein sehr gutes Klischee Ihres besten Porträts anfertigen lassen und hoffe, dass dieser Spezialkatalog nun tatsächlich bald herauskommen wird.
Die Nikisch-Aufführung4 der Kammersymphonie in Leipzig findet heute statt; ich bin selbst sehr neugierig, wie die Sache werden wird. Eine vorbildliche Wirkung auf die anderen Dirigenten traue ich mir nicht davon zu versprechen.
Riesig froh bin ich, dass Sie sich von der Leipziger Aufführung5 der Gurre-Lieder das Beste versprechen. Ein starker Leipziger Erfolg ist allerdings sehr wertvoll. Im Londoner „Musical Times“ soll in der Nummer vom 1. Jänner ein längerer Artikel6 über Sie stehen. Ich lasse mir das Heft eben kommen und gebe Ihnen evt. über den Inhalt später Nachricht.
Ich danke Ihnen noch schliesslich herzlich für die lieben Worte, aus denen die gute Gesinnung, die Sie mir entgegenbringen hervorgeht. Dass mir diese gewahrt bleibe, wünsche ich mir von Herzen.
Mit den besten Grüssen Ihr Ihnen in aufrichtiger Hochschätzung ergebener
Hertzka

7. Jänner 1914


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 7. Jänner 1914, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17515.

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