Universal-Edition an Arnold Schönberg
23. März 1914
UNIVERSAL-EDITION, A.-G.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Sternwartenstr. 15–21
WIEN
I·Reichsratsstrasse 9
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 22877·Bank-Konto: k·k·privil·österr.
Länderbank, Wien·Postsparkassen-Konto: 57557.
Wien 23. März 1914.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Sternwartenstr. 15–21
WIEN
I·Reichsratsstrasse 9
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 22877·Bank-Konto: k·k·privil·österr.
Länderbank, Wien·Postsparkassen-Konto: 57557.
Wien 23. März 1914.
W
Wohlgeboren
Herrn Arnold Schönberg
Sehr geehrter Herr Schönberg!
I). Eben erhalte ich die Partitur Ihrer Kammersymphonie mit den
neuen Retouchen. Das ist allerdings eine traurige Ueberraschung
und es wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als sofort nicht nur
die Partitur auf Grund der Retouchen neu herstellen zu lassen, son-
dern auch die ganzen Stimmen vollkommen neu autographieren und
drucken zu lassen. Das ist eine Arbeit, die bei sparsamer Taxie-
rung, mindestens 1000 Mark Kosten verursacht. Abgesehen davon, wol-
len Sie noch eine Partitur eigens für Orchesteraufführungen ein-
richten. Da werden dann natürlich wieder Stimmen-Eintragungen ge-
macht werden müssen, was ja mit Hinblick darauf, dass bei Orchesterauffüh-
rungen immer eine grosse Anzahl von Doubletten notwendig ist, wieder
ausserordentlich zeitraubend und kostspielig ist. Wann und wie diese
Spesen hereinkommen sollen, ist mir allerdings rätselhaft.
neuen Retouchen. Das ist allerdings eine traurige Ueberraschung
und es wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als sofort nicht nur
die Partitur auf Grund der Retouchen neu herstellen zu lassen, son-
dern auch die ganzen Stimmen vollkommen neu autographieren und
drucken zu lassen. Das ist eine Arbeit, die bei sparsamer Taxie-
rung, mindestens 1000 Mark Kosten verursacht. Abgesehen davon, wol-
len Sie noch eine Partitur eigens für Orchesteraufführungen ein-
richten. Da werden dann natürlich wieder Stimmen-Eintragungen ge-
macht werden müssen, was ja mit Hinblick darauf, dass bei Orchesterauffüh-
rungen immer eine grosse Anzahl von Doubletten notwendig ist, wieder
ausserordentlich zeitraubend und kostspielig ist. Wann und wie diese
Spesen hereinkommen sollen, ist mir allerdings rätselhaft.
Ehe ich nun aber die Partitur in die Stecherei gebe, möchte ich
unbedingt ein Partitur-Exemplar besitzen, in welchem Sie die Partitur
für die Orchester-Ausgabe einrichten, denn ich halte die ganze Idee,
zwei Ausgaben herzustellen, für sehr gefährlich. Viel richtiger er-
scheint mir, wenn man sowohl in der Partitur, als auch in den Streichern
unbedingt ein Partitur-Exemplar besitzen, in welchem Sie die Partitur
für die Orchester-Ausgabe einrichten, denn ich halte die ganze Idee,
zwei Ausgaben herzustellen, für sehr gefährlich. Viel richtiger er-
scheint mir, wenn man sowohl in der Partitur, als auch in den Streichern
die Veränderungen zwischen der Kammermusik-
und der Orchesterausgabe
in irgend einer Weise ersichtlich macht, so dass es dem Dirigenten
möglich wird, dasselbe Material für beide Ausgaben zu verwenden.
in irgend einer Weise ersichtlich macht, so dass es dem Dirigenten
möglich wird, dasselbe Material für beide Ausgaben zu verwenden.
So sehr ich es auch einsehe, dass es für das Werk
ausserordentlich
wichtig ist, wenn Verbesserungen, wann immer es auch sei, vorgenommen
werden, so finde ich nicht, dass es ganz gerecht ist, wenn die ganz
grossen Kosten derartiger Veränderungen und Verbesserungen vom Ver-
lag allein getragen werden. Bei jedem anderen Komponisten würde ich
es ohne weiteres ablehnen, derartige kolossale Nachtragsspesen zu
übernehmen; Ihnen gegenüber will ich mich nur darauf beschränken,
den prinzipiellen Standpunkt darzulegen.
wichtig ist, wenn Verbesserungen, wann immer es auch sei, vorgenommen
werden, so finde ich nicht, dass es ganz gerecht ist, wenn die ganz
grossen Kosten derartiger Veränderungen und Verbesserungen vom Ver-
lag allein getragen werden. Bei jedem anderen Komponisten würde ich
es ohne weiteres ablehnen, derartige kolossale Nachtragsspesen zu
übernehmen; Ihnen gegenüber will ich mich nur darauf beschränken,
den prinzipiellen Standpunkt darzulegen.
Es ist noch ein Glück, dass wir keine Studienpartitur der
Kammersymphonie anfertigen liessen, sonst wäre auch diese jetzt wert-
los geworden und hätte eingestampft werden können.
Kammersymphonie anfertigen liessen, sonst wäre auch diese jetzt wert-
los geworden und hätte eingestampft werden können.
Ihr Vorschlag, die Partitur in zwei Formaten und Preislagen
herauszugeben, erscheint mir nicht praktisch. Der Umfang der Studien Partitur
wird dadurch verdoppelt, also statt 56 Seiten 112 Seiten ausmachen
und das Format trotzdem nicht besonders handlich. Da ist schon die
Verkleinerung unbedingt zweckmässiger und ich will, nachdem Sie mir
die schriftliche Garantie bieten, dass ich in einem Jahre davon wenig-
stens 1000 Exemplare absetzen werde, sobald die definitive Fassung
der Orchester- und Kammermusik-Ausgabe vorliegt, die Herausgabe vornehmen.
herauszugeben, erscheint mir nicht praktisch. Der Umfang der Studien Partitur
wird dadurch verdoppelt, also statt 56 Seiten 112 Seiten ausmachen
und das Format trotzdem nicht besonders handlich. Da ist schon die
Verkleinerung unbedingt zweckmässiger und ich will, nachdem Sie mir
die schriftliche Garantie bieten, dass ich in einem Jahre davon wenig-
stens 1000 Exemplare absetzen werde, sobald die definitive Fassung
der Orchester- und Kammermusik-Ausgabe vorliegt, die Herausgabe vornehmen.
Schreiben Sie mir bitte sofort, ob Sie die Orchesterfassung in
das mir eingesandte Manuskript eintragen wollen oder ob Sie dies erst
dann tun können, bis Sie einen Korrekturabzug der „verbesserten Ausgabe“
erhalten haben werden.
das mir eingesandte Manuskript eintragen wollen oder ob Sie dies erst
dann tun können, bis Sie einen Korrekturabzug der „verbesserten Ausgabe“
erhalten haben werden.
Ein Umtausch der Partituren allein, hätte gar keinen Zweck. Wenn
an einen Austausch überhaupt mit praktischem ZweckWerth gedacht werden kann,
an einen Austausch überhaupt mit praktischem ZweckWerth gedacht werden kann,
so müssten die
Orchestermateriale allen Orchesterleitern die das
Werk erworben haben, umgetauscht werden. An eine Aufzahlung ist
dabei nicht zu denken.
Werk erworben haben, umgetauscht werden. An eine Aufzahlung ist
dabei nicht zu denken.
Ich behalte mir vor, auf diese Sache zurückzukommen, sobald
die verbesserte Auflage in Partitur und Stimmen vorliegt. Ein Ver-
zeichnis der Veränderungen in Partitur und Stimmen den Orchester Leitern zu
liefern, ist bei dem kolossalen Umfang der Aenderungen unpraktisch,
denn es wird sich niemand dazu entschliessen, die Veränderungen in
das Material auf eigene Kosten eintragen zu lassen.
die verbesserte Auflage in Partitur und Stimmen vorliegt. Ein Ver-
zeichnis der Veränderungen in Partitur und Stimmen den Orchester Leitern zu
liefern, ist bei dem kolossalen Umfang der Aenderungen unpraktisch,
denn es wird sich niemand dazu entschliessen, die Veränderungen in
das Material auf eigene Kosten eintragen zu lassen.
II). Was „Pierrot lunaire“ betrifft, so kann ich
an die Herstellung
der Stimmen erst dann gehen, bis das Aufführungs-Monopol der Frau
Zehme einen Verkauf ermöglicht. Vorläufig hätte es gar keinen Zweck,
Stimmen herauszugeben1, da ich sie ja nicht verkaufen darf. Wegen
dieses Aufführungsmonopols2 erbitte ich mir auch Ihre positiven Mittei-
lungen. Es werden ja zweifellos, sobald die Partitur im Druck er-
scheint, Anfragen wegen der Stimmen einlangen und ich kann nicht in
jedem einzelnen Fall bei Frau Zehme erst um event. Erlaubnis anfragen,
sondern muss dem Rechtsstandpunkt gemäss, mitteilen, dass ein Auffüh-
rungsrecht und Aufführungsmaterial derzeit nicht abgegeben werden kann.
der Stimmen erst dann gehen, bis das Aufführungs-Monopol der Frau
Zehme einen Verkauf ermöglicht. Vorläufig hätte es gar keinen Zweck,
Stimmen herauszugeben1, da ich sie ja nicht verkaufen darf. Wegen
dieses Aufführungsmonopols2 erbitte ich mir auch Ihre positiven Mittei-
lungen. Es werden ja zweifellos, sobald die Partitur im Druck er-
scheint, Anfragen wegen der Stimmen einlangen und ich kann nicht in
jedem einzelnen Fall bei Frau Zehme erst um event. Erlaubnis anfragen,
sondern muss dem Rechtsstandpunkt gemäss, mitteilen, dass ein Auffüh-
rungsrecht und Aufführungsmaterial derzeit nicht abgegeben werden kann.
Von Ihrem Widmungsvermerk der Pierrot-Partitur,
habe ich mit
aufrichtiger Befriedigung Kenntnis genommen.
aufrichtiger Befriedigung Kenntnis genommen.
Das Erscheinungsdatum3 der Partitur kann ich auch
nicht annähernd
angeben, da ich nicht weiss, wie gross die Korrekturen die Sie vorge-
nommen haben, sind und da ich mir darüber auch noch nicht ganz schlüssig
bin, ob nicht noch eine letzte Korrektur dieses komplizierten Werkes
vor Drucklegung durch Wöss vorgenommen werden sollte. Wenn dies wün-
schenswert oder notwendig wäre, dann würde allerdings die Herstellung
wieder um mehrere Tage verzögert werden, denn Herr von Wöss arbeitet
angeben, da ich nicht weiss, wie gross die Korrekturen die Sie vorge-
nommen haben, sind und da ich mir darüber auch noch nicht ganz schlüssig
bin, ob nicht noch eine letzte Korrektur dieses komplizierten Werkes
vor Drucklegung durch Wöss vorgenommen werden sollte. Wenn dies wün-
schenswert oder notwendig wäre, dann würde allerdings die Herstellung
wieder um mehrere Tage verzögert werden, denn Herr von Wöss arbeitet
recht langsamgewissenhaft und hat auch andere Arbeiten, die er nicht vollkommen
stehen lassen kann. Sollten Sie es für vollkommen überflüssig halten,
dass Wöss die Sache nochmals liest, oder dass überhaupt noch eine Kor-
rektur gelesen wird, dann ist ja eine Lieferung innerhalb etwa drei
Wochen zu erwarten.
stehen lassen kann. Sollten Sie es für vollkommen überflüssig halten,
dass Wöss die Sache nochmals liest, oder dass überhaupt noch eine Kor-
rektur gelesen wird, dann ist ja eine Lieferung innerhalb etwa drei
Wochen zu erwarten.
III). In Angelegenheit Ihrer Urgenz bezüglich des Harmonielehre-
Briefes, habe ich Ihnen vorgestern ausführlich geschrieben. Ein Brief
vom 24. Februar liegt mir nicht vor. Den neuen Vertrag4 sende ich Ihnen
gleichzeitigmorgen ein und bitte um Unterschrift, worauf Sie das Gegenexemplar
erhalten.
Briefes, habe ich Ihnen vorgestern ausführlich geschrieben. Ein Brief
vom 24. Februar liegt mir nicht vor. Den neuen Vertrag4 sende ich Ihnen
gleichzeitigmorgen ein und bitte um Unterschrift, worauf Sie das Gegenexemplar
erhalten.
IV). Amsterdam, Gurre-Lieder. Tausend Mark Kaufpreis für das
komplette Material, ist absolut zu wenig; dagegen würde ich, weil
ich die Wichtigkeit der Amsterdamer Aufführungen5 einsehe, mich damit
einverstanden erklären, dass als Material-Kaufpreis 1200 Mark berech-
net werden und dass für die Generalprobe, sowie jede weitere Auffüh-
rung, überdies eine Materialgebühr von je 100 Mark bezahlt wird.
Dadurch komme ich voraussichtlich auf den in Aussicht genommenen Mindest-Kaufpreis
von 1500 Mark. Ich glaube nicht, dass die Mehrforderung von 200 Mark
gegenüber der von Ihnen selbst genannten Bedingungen ein Hindernis be-
deuten kann. Ich warte jedenfalls ab, bis man aus Amsterdam in der
Angelegenheit an mich herantreten wird und werde Sie dann über alles
Weitere auf dem Laufenden halten.
komplette Material, ist absolut zu wenig; dagegen würde ich, weil
ich die Wichtigkeit der Amsterdamer Aufführungen5 einsehe, mich damit
einverstanden erklären, dass als Material-Kaufpreis 1200 Mark berech-
net werden und dass für die Generalprobe, sowie jede weitere Auffüh-
rung, überdies eine Materialgebühr von je 100 Mark bezahlt wird.
Dadurch komme ich voraussichtlich auf den in Aussicht genommenen Mindest-Kaufpreis
von 1500 Mark. Ich glaube nicht, dass die Mehrforderung von 200 Mark
gegenüber der von Ihnen selbst genannten Bedingungen ein Hindernis be-
deuten kann. Ich warte jedenfalls ab, bis man aus Amsterdam in der
Angelegenheit an mich herantreten wird und werde Sie dann über alles
Weitere auf dem Laufenden halten.
deutschen
Ausgabe, englisch herausgeben will. Eine endgiltige Ent-
scheidung aus London liegt allerdings noch nicht vor. Aber ich hoffe,
dass das zustandekommt.
scheidung aus London liegt allerdings noch nicht vor. Aber ich hoffe,
dass das zustandekommt.
Was das Gurrelieder-Material betrifft, so habe ich
wohl die
Absicht, die Partitur stechen zu lassen; ob ich diese Absicht jedoch
ausführen kann, hängt noch von den Kalkulationen ab, die ich bei mei-
ner Druckerei einholen liess.
Absicht, die Partitur stechen zu lassen; ob ich diese Absicht jedoch
ausführen kann, hängt noch von den Kalkulationen ab, die ich bei mei-
ner Druckerei einholen liess.
Aus ihren Bemerkungen schliesse ich, dass Sie die Partitur6
in der
in Leipzig aufgeführten Form noch immer nicht als die definitive
ansehen, da Sie in dieselbe noch Retouchen für die Neuherstellung
des Materiales machen wollen. Selbstverständlich wäre es ausseror-
dentlich wünschenswert, wenn Sie Einrichtungen treffen könnten, die
die Aufführungsmöglichkeit erleichtern. Dieses Werk würde, wie die
Oratorien von Bach, Händel oder Beethoven, im Repertoire einer jeden
grossen Chor- und Orchester-Vereinigung figurieren, wenn seiner Auf-
führbarkeit unter normalen Umständen, nicht geradezu unüberwindliche
Schwierigkeiten entgegenstünden. Es ist bei mir bereits angefragt
worden, ob nicht die Absicht bestünde, eine Ausgabe des Werkes für
kleinere Chor- und Orchester-Verhältnisse zu schaffen. Ich glaube nun
zwar nicht, dass dieser Gegenstand derzeit schon kombinationsreif
ist und es ist vorläufig das Wichtigste, dass das Werk in seiner Original-
gestalt, im grossen Stile herausgebracht, jene grandiose Wirkung ausübe,
in Leipzig aufgeführten Form noch immer nicht als die definitive
ansehen, da Sie in dieselbe noch Retouchen für die Neuherstellung
des Materiales machen wollen. Selbstverständlich wäre es ausseror-
dentlich wünschenswert, wenn Sie Einrichtungen treffen könnten, die
die Aufführungsmöglichkeit erleichtern. Dieses Werk würde, wie die
Oratorien von Bach, Händel oder Beethoven, im Repertoire einer jeden
grossen Chor- und Orchester-Vereinigung figurieren, wenn seiner Auf-
führbarkeit unter normalen Umständen, nicht geradezu unüberwindliche
Schwierigkeiten entgegenstünden. Es ist bei mir bereits angefragt
worden, ob nicht die Absicht bestünde, eine Ausgabe des Werkes für
kleinere Chor- und Orchester-Verhältnisse zu schaffen. Ich glaube nun
zwar nicht, dass dieser Gegenstand derzeit schon kombinationsreif
ist und es ist vorläufig das Wichtigste, dass das Werk in seiner Original-
gestalt, im grossen Stile herausgebracht, jene grandiose Wirkung ausübe,
die wir schon in Wien7 und Leipzig8 erlebt haben. Sie werden vielleicht,
wenn das Material einmal in guter Vervielfältigung vorliegt, für den
Spezialfall einer Aufführung in kleinem Rahmen, eine Ihnen noch möglich
erscheinende Reduktion9 vornehmen, die dann bei Gelingen für alle ähnli-
chen Fälle, als Vorbild dienen kann.
wenn das Material einmal in guter Vervielfältigung vorliegt, für den
Spezialfall einer Aufführung in kleinem Rahmen, eine Ihnen noch möglich
erscheinende Reduktion9 vornehmen, die dann bei Gelingen für alle ähnli-
chen Fälle, als Vorbild dienen kann.
In den nächsten Tagen werden die „Gurre-Lieder“
hier drei mal
erklingen: Mittwoch als nicht öffentliche Generalprobe, Donnerstag
als öffentliche und Freitag als Aufführung10. – Es tut mir sehr leid und
mit mir wahrscheinlich sehr vielen Anderen, dass Sie zur Aufführung
nicht hier sein werden und ich wünsche nur, dass sie gut werde und
Ihnen neue, begeisterte Anhänger bringe.
erklingen: Mittwoch als nicht öffentliche Generalprobe, Donnerstag
als öffentliche und Freitag als Aufführung10. – Es tut mir sehr leid und
mit mir wahrscheinlich sehr vielen Anderen, dass Sie zur Aufführung
nicht hier sein werden und ich wünsche nur, dass sie gut werde und
Ihnen neue, begeisterte Anhänger bringe.
Mit vielen herzlichen Grüssen
Ihr Ihnen immer warm ergebener
herauszugeben
Lieferdatum: 1.
Dezember 1920, Auflage: 200 (Buchon 2015, Bd.
5, S. 663).
Aufführungsmonopols
„Herr Arnold Schönberg räumt Frau Albertine Zehme das alleinige
Aufführungsrecht, dieser Kompositionen bis zum 30. April 1915 für alle Länder ein,
soferne sie bis zu diesem Zeitpunkt Manuskript bleiben, andernfalls
wird Herr Schönberg diese
Schutzfrist durch Vereinbarung mit dem betreffenden Verleger bis zu
diesem Zeitpunkt zu wahren bemüht sein.“ (Vertrag zwischen
Arnold Schönberg und Albertine Zehme, 10. März 1912; Nono-Schoenberg 1998, S.
109).
Erscheinungsdatum
Lieferdatum: 3. Juli 1914, Auflage: 200;
Büttenausgabe: Lieferdatum: 30. Juli
1914, Auflage: 50 (Buchon 2015, Bd. 5, S. 663).
Vertrag
„Auch mit Herzka
stehe ich jetzt besser. Wir haben einen neuen Vertrag geschlossen, der
wesentlich günstiger ist, als der alte und Herzka ist jetzt wirklich sehr nett gegen mich.
Uebrigens erscheinen jetzt endlich meine Noten. Noch in diesem Jahr
kommt: Pierrot, George-Lieder, Monodram und
Harm-Celesta-Lied, und nächstes Jahr
das Uebrige: Glückliche Hand, Seraphita Lied und andere Lieder.“
(Arnold Schönberg an Alma Mahler, 1. April 1914; ASCC
6723).
Aufführungen
Auf der Vorstandssitzung des Chorvereins vom 4.
März 1914 wurde beschlossen, die Gurre-Lieder am 12. Dezember
1914 in Amsterdam
aufzuführen. Zudem wurde eine mögliche Wiederholung als Volkskonzert am
13. Dezember in Betracht gezogen.
Schönberg hielt im Sommer 1914 Proben ab, die Aufführungen fanden
kriegsbedingt jedoch nicht statt (Willem Mengelberg an Arnold Schönberg,
4. März 1914; ASCC
14249; Algemeen
Handelsblad 1914).
Partitur
Partiturreinschrift (ASGA B 16/1, Quelle C).
Wien
Leipzig
Reduktion
Später realisierte reduzierte Fassung: Arnold Schönberg/Erwin Stein, Gurre-Lieder.
Aufführung
UNIVERSAL-EDITION, A.-G.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Sternwartenstr. 15–21
WIEN
I·Reichsratsstrasse 9
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 22877·Bank-Konto: k·k·privil·österr.
Länderbank, Wien·Postsparkassen-Konto: 57557.
Wien 23. März 1914.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Sternwartenstr. 15–21
WIEN
I·Reichsratsstrasse 9
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 22877·Bank-Konto: k·k·privil·österr.
Länderbank, Wien·Postsparkassen-Konto: 57557.
Wien 23. März 1914.
W
Sehr geehrter Herr Schönberg!
I). Eben erhalte ich die Partitur Ihrer Kammersymphonie mit den neuen Retouchen. Das ist allerdings
eine traurige Ueberraschung und es wird wohl nichts anderes übrig bleiben,
als sofort nicht nur die Partitur auf Grund der Retouchen neu herstellen zu
lassen, sondern auch die ganzen Stimmen vollkommen neu autographieren und
drucken zu lassen. Das ist eine Arbeit, die bei sparsamer Taxierung, mindestens 1000 Mark Kosten verursacht. Abgesehen davon,
wollen Sie noch eine Partitur eigens für Orchesteraufführungen
einrichten. Da werden dann natürlich wieder Stimmen-Eintragungen
gemacht werden müssen, was ja mit Hinblick darauf, dass bei
Orchesteraufführungen immer eine grosse Anzahl von Doubletten notwendig ist,
wieder ausserordentlich zeitraubend und kostspielig ist. Wann und wie diese
Spesen hereinkommen sollen, ist mir allerdings rätselhaft.
Ehe ich nun aber die Partitur in die Stecherei gebe, möchte ich unbedingt
ein Partitur-Exemplar besitzen, in welchem Sie die Partitur für die
Orchester-Ausgabe einrichten, denn ich halte die ganze Idee, zwei Ausgaben
herzustellen, für sehr gefährlich. Viel richtiger erscheint mir, wenn man sowohl in der Partitur, als auch in den
Streichern die Veränderungen zwischen der Kammermusik-
und der Orchesterausgabe in irgend einer Weise ersichtlich macht, so dass
es dem Dirigenten möglich wird, dasselbe Material für beide Ausgaben zu
verwenden.
So sehr ich es auch einsehe, dass es für das Werk
ausserordentlich wichtig ist, wenn Verbesserungen, wann immer es auch sei,
vorgenommen werden, so finde ich nicht, dass es ganz gerecht ist, wenn die
ganz grossen Kosten derartiger Veränderungen und Verbesserungen vom Verlag allein getragen werden. Bei jedem anderen Komponisten würde
ich es ohne weiteres ablehnen, derartige kolossale Nachtragsspesen zu
übernehmen; Ihnen gegenüber will ich mich nur darauf beschränken, den
prinzipiellen Standpunkt darzulegen.
Es ist noch ein Glück, dass wir keine Studienpartitur der
Kammersymphonie anfertigen liessen, sonst wäre
auch diese jetzt wertlos geworden und hätte eingestampft werden können.
Ihr Vorschlag, die Partitur in zwei Formaten und Preislagen herauszugeben,
erscheint mir nicht praktisch. Der Umfang der Studien Partitur wird dadurch verdoppelt, also statt 56 Seiten
112 Seiten ausmachen und das Format trotzdem nicht besonders handlich. Da
ist schon die Verkleinerung unbedingt zweckmässiger und ich will, nachdem
Sie mir die schriftliche Garantie bieten, dass ich in einem Jahre davon
wenigstens 1000 Exemplare absetzen werde, sobald die definitive
Fassung der Orchester- und Kammermusik-Ausgabe vorliegt, die Herausgabe
vornehmen.
Schreiben Sie mir bitte sofort, ob Sie die Orchesterfassung in das mir
eingesandte Manuskript eintragen wollen oder ob Sie dies erst dann tun
können, bis Sie einen Korrekturabzug der „verbesserten Ausgabe“ erhalten
haben werden.
Ein Umtausch der Partituren allein, hätte gar keinen Zweck. Wenn an einen
Austausch überhaupt mit praktischem Werth gedacht werden kann, so müssten die
Orchestermateriale allen Orchesterleitern die das
Werk erworben haben, umgetauscht werden. An eine Aufzahlung ist dabei
nicht zu denken.
Ich behalte mir vor, auf diese Sache zurückzukommen, sobald die verbesserte
Auflage in Partitur und Stimmen vorliegt. Ein Verzeichnis der Veränderungen in Partitur und Stimmen den Orchester Leitern zu liefern, ist bei dem
kolossalen Umfang der Aenderungen unpraktisch, denn es wird sich niemand
dazu entschliessen, die Veränderungen in das Material auf eigene Kosten
eintragen zu lassen.
II). Was „Pierrot lunaire“ betrifft, so kann ich
an die Herstellung der Stimmen erst dann gehen, bis das Aufführungs-Monopol
der Frau
Zehme einen Verkauf ermöglicht. Vorläufig
hätte es gar keinen Zweck, Stimmen herauszugeben1, da ich sie ja nicht verkaufen darf. Wegen dieses Aufführungsmonopols2 erbitte ich mir auch Ihre
positiven Mitteilungen. Es werden ja zweifellos, sobald die Partitur im Druck
erscheint, Anfragen wegen der Stimmen einlangen und ich kann nicht
in jedem einzelnen Fall bei Frau Zehme
erst um event. Erlaubnis anfragen, sondern muss dem Rechtsstandpunkt
gemäss, mitteilen, dass ein Aufführungsrecht und Aufführungsmaterial derzeit nicht abgegeben
werden kann.
Von Ihrem Widmungsvermerk der Pierrot-Partitur,
habe ich mit aufrichtiger Befriedigung Kenntnis genommen.
Das Erscheinungsdatum3 der Partitur kann ich auch
nicht annähernd angeben, da ich nicht weiss, wie gross die Korrekturen die
Sie vorgenommen haben, sind und da ich mir darüber auch noch nicht ganz
schlüssig bin, ob nicht noch eine letzte Korrektur dieses komplizierten
Werkes vor Drucklegung durch Wöss
vorgenommen werden sollte. Wenn dies wünschenswert oder notwendig wäre, dann würde allerdings die
Herstellung wieder um mehrere Tage verzögert werden, denn Herr von
Wöss arbeitet recht gewissenhaft und hat auch andere Arbeiten, die er nicht vollkommen stehen
lassen kann. Sollten Sie es für vollkommen überflüssig halten, dass
Wöss die Sache nochmals liest, oder
dass überhaupt noch eine Korrektur gelesen wird, dann ist ja eine Lieferung innerhalb etwa
drei Wochen zu erwarten.
III). In Angelegenheit Ihrer Urgenz bezüglich des Harmonielehre-Briefes, habe ich Ihnen vorgestern
ausführlich geschrieben. Ein Brief
vom 24. Februar liegt mir nicht vor. Den
neuen Vertrag4 sende ich Ihnen
morgen ein und bitte um Unterschrift, worauf Sie das Gegenexemplar
erhalten.
IV). Amsterdam, Gurre-Lieder. Tausend Mark Kaufpreis für das komplette
Material, ist absolut zu wenig; dagegen würde ich, weil ich die Wichtigkeit
der Amsterdamer
Aufführungen5 einsehe, mich damit
einverstanden erklären, dass als Material-Kaufpreis 1200 Mark berechnet werden und dass für die Generalprobe, sowie jede weitere
Aufführung, überdies eine Materialgebühr von je 100 Mark bezahlt wird.
Dadurch komme ich voraussichtlich auf den in
Aussicht genommenen Mindest-Kaufpreis von 1500
Mark. Ich glaube nicht, dass die Mehrforderung von 200 Mark gegenüber der
von Ihnen selbst genannten Bedingungen ein Hindernis bedeuten kann. Ich warte jedenfalls ab, bis man aus Amsterdam in der Angelegenheit an mich
herantreten wird und werde Sie dann über alles Weitere auf dem Laufenden
halten.
V). Die englische Uebersetzung für London, lässt Wood
selbst
besorgen und liefert sie mir für die Führer, die ich ganz analog der deutschen
Ausgabe, englisch herausgeben will. Eine endgiltige Entscheidung aus London
liegt allerdings noch nicht vor. Aber ich hoffe, dass das
zustandekommt.
Was das Gurrelieder-Material betrifft, so habe ich
wohl die Absicht, die Partitur stechen zu lassen; ob ich diese Absicht
jedoch ausführen kann, hängt noch von den Kalkulationen ab, die ich bei
meiner Druckerei einholen liess.
Aus ihren Bemerkungen schliesse ich, dass Sie die Partitur6
in der in Leipzig aufgeführten Form
noch immer nicht als die definitive ansehen, da Sie in dieselbe noch
Retouchen für die Neuherstellung des Materiales machen wollen.
Selbstverständlich wäre es ausserordentlich wünschenswert, wenn Sie Einrichtungen treffen könnten,
die die Aufführungsmöglichkeit erleichtern. Dieses Werk würde, wie die
Oratorien von Bach, Händel oder Beethoven, im Repertoire einer jeden grossen Chor- und
Orchester-Vereinigung figurieren, wenn seiner Aufführbarkeit unter normalen Umständen, nicht geradezu
unüberwindliche Schwierigkeiten entgegenstünden. Es ist bei mir bereits
angefragt worden, ob nicht die Absicht bestünde, eine Ausgabe des Werkes
für kleinere Chor- und Orchester-Verhältnisse zu schaffen. Ich glaube nun
zwar nicht, dass dieser Gegenstand derzeit schon kombinationsreif ist
und es ist vorläufig das Wichtigste, dass das Werk in seiner Originalgestalt, im grossen Stile herausgebracht, jene grandiose Wirkung
ausübe, die wir schon in Wien7 und Leipzig8 erlebt haben. Sie werden vielleicht, wenn das Material
einmal in guter Vervielfältigung vorliegt, für den Spezialfall einer
Aufführung in kleinem Rahmen, eine Ihnen noch möglich erscheinende Reduktion9 vornehmen, die dann bei
Gelingen für alle ähnlichen Fälle, als Vorbild dienen kann.
In den nächsten Tagen werden die „Gurre-Lieder“
hier drei mal erklingen: Mittwoch als nicht
öffentliche Generalprobe, Donnerstag
als öffentliche und Freitag als Aufführung10. – Es tut mir sehr leid und mit mir
wahrscheinlich sehr vielen Anderen, dass Sie zur Aufführung nicht hier sein
werden und ich wünsche nur, dass sie gut werde und Ihnen neue, begeisterte
Anhänger bringe.
herauszugeben
Lieferdatum: 1.
Dezember 1920, Auflage: 200 (Buchon 2015, Bd.
5, S. 663).
Aufführungsmonopols
„Herr Arnold Schönberg räumt Frau Albertine Zehme das alleinige
Aufführungsrecht, dieser Kompositionen bis zum 30. April 1915 für alle Länder ein,
soferne sie bis zu diesem Zeitpunkt Manuskript bleiben, andernfalls
wird Herr Schönberg diese
Schutzfrist durch Vereinbarung mit dem betreffenden Verleger bis zu
diesem Zeitpunkt zu wahren bemüht sein.“ (Vertrag zwischen
Arnold Schönberg und Albertine Zehme, 10. März 1912; Nono-Schoenberg 1998, S.
109).
Erscheinungsdatum
Lieferdatum: 3. Juli 1914, Auflage: 200;
Büttenausgabe: Lieferdatum: 30. Juli
1914, Auflage: 50 (Buchon 2015, Bd. 5, S. 663).
Vertrag
„Auch mit Herzka
stehe ich jetzt besser. Wir haben einen neuen Vertrag geschlossen, der
wesentlich günstiger ist, als der alte und Herzka ist jetzt wirklich sehr nett gegen mich.
Uebrigens erscheinen jetzt endlich meine Noten. Noch in diesem Jahr
kommt: Pierrot, George-Lieder, Monodram und
Harm-Celesta-Lied, und nächstes Jahr
das Uebrige: Glückliche Hand, Seraphita Lied und andere Lieder.“
(Arnold Schönberg an Alma Mahler, 1. April 1914; ASCC
6723).
Aufführungen
Auf der Vorstandssitzung des Chorvereins vom 4.
März 1914 wurde beschlossen, die Gurre-Lieder am 12. Dezember
1914 in Amsterdam
aufzuführen. Zudem wurde eine mögliche Wiederholung als Volkskonzert am
13. Dezember in Betracht gezogen.
Schönberg hielt im Sommer 1914 Proben ab, die Aufführungen fanden
kriegsbedingt jedoch nicht statt (Willem Mengelberg an Arnold Schönberg,
4. März 1914; ASCC
14249; Algemeen
Handelsblad 1914).
Partitur
Partiturreinschrift (ASGA B 16/1, Quelle C).
Wien
Leipzig
Reduktion
Später realisierte reduzierte Fassung: Arnold Schönberg/Erwin Stein, Gurre-Lieder.
Aufführung
23. März 1914
The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Brief
Zitierhinweis:
Universal-Edition an Arnold Schönberg, 23. März 1914, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17524.