W
Wohlgeboren
Lieber Herr Schönberg!
Auf das Vorsatzblatt der Kammersymphonie wird die Sitz-
ordnung und die von Ihnen gemachten Anmerkungen aufgenommen
werden.
Der uns empfohlene Kopist Sladek, hat sich als höchst
unverlässlicher Schreiber erwiesen und insbesonders in den
Holzbläsern Ihrer „Gurre-Lieder“ derartige Fehler gemacht,
dass seine Weiterverwendung ausgeschlossen ist.
Als ich am Abend nach der hiesigen Gurrelieder-Aufführung1
ein Telegramm an Sie richten wollte, haben mir die Herren vom
Philharmonischen Chor, Schreker, Dr. Löwy, etc. mitgeteilt, dass
Herr Berg erklärt hat, er werde Ihnen telegrafieren2. Mit Hin-
blick darauf habe ich dies unterlassen und es vorgezogen, Ihnen
sofort nach der Aufführung ausführlich zu schreiben, was ja auch
geschehen ist.
Was die Frage der Einladung seitens des Philharmonischen
Chores
betrifft, so fühle ich mich allerdings nicht kompetent,
diesbezüglich eine Aeusserung abzugeben, aber ich möchte doch
Ihrer Ansicht, dass die diesmalige Aufführung ein schönes Er-

trägnis ergeben hat, widersprechen. So weit mir bekannt ist
und mir auch von den wahrheitsliebenden Persönlichkeiten des Aus-
schusses mitgeteilt wurde, ist ein Reinerträgnis der beiden
Veranstaltungen inkl. Generalproben3 nicht zu erwarten und selbst
wenn – was nicht ganz wahrscheinlich ist – bei der VIII. Mahler-
Symphonie
Generalprobe und Aufführung ausverkauft werden sollte,
würde der Reingewinn sich für beide Veranstaltungen, höchstens
auf 1000 Kronen belaufen. – Nun kämpft der Philharmonische
Chor
aber derzeit noch so kolossal mit Existenz-Sorgen, dass
er bisher noch nicht einmal weiss, ob er im nächsten Jahr wird
Konzerte veranstalten können. Dass unter diesen Umständen zu
besonderer Noblesse nicht viel Animo vorhanden ist, ist ja lei-
der begreiflich.
Soeben trifft Manuskript4 George-Lieder und Korrektur
Pierrot ein. Ad George-Lieder möchte ich Sie befragen, ob es
Ihnen recht ist, wenn ich die Gesangstexte auf 1–2 Seiten

den Liedern vorsetze, damit sich jeder, der das Heft in die
Hand nimmt, leicht über die Texte orientieren kann.
Wie würden Sie sich zu der Idee verhalten, die George-
Lieder
in zwei Heften à M 3.– herauszubringen? Ich kann näm-
lich die Lieder komplett nicht unter M 6.– geben
. (was übrigens
im Verhältnis zu Opus 6 aus dem Drei Lilien-Verlag noch billig
ist, da das Heft mit 8 Liedern auch M 6.– kostet) Wenn Sie glau-
ben, dass die Lieder in zwei Heften à M 3.– die Lieder leichter verkäuflich sind
machen, so würde ich mich auch dazu entschliessen, obzwar mir,
offen gestanden, bei einem derartigen Zyklus die Teilung nicht
zweckmässig erscheint.
Mit vielen herzlichen Grüssen Ihr Ihnen aufrichtig ergebener

W
Wohlgeboren
Lieber Herr Schönberg!
Auf das Vorsatzblatt der Kammersymphonie wird die Sitzordnung und die von Ihnen gemachten Anmerkungen aufgenommen werden.
Der uns empfohlene Kopist Sladek, hat sich als höchst unverlässlicher Schreiber erwiesen und insbesonders in den Holzbläsern Ihrer „Gurre-Lieder“ derartige Fehler gemacht, dass seine Weiterverwendung ausgeschlossen ist.
Als ich am Abend nach der hiesigen Gurrelieder-Aufführung1 ein Telegramm an Sie richten wollte, haben mir die Herren vom Philharmonischen Chor, Schreker, Dr. Löwy, etc. mitgeteilt, dass Herr Berg erklärt hat, er werde Ihnen telegrafieren2. Mit Hinblick darauf habe ich dies unterlassen und es vorgezogen, Ihnen sofort nach der Aufführung ausführlich zu schreiben, was ja auch geschehen ist.
Was die Frage der Einladung seitens des Philharmonischen Chores betrifft, so fühle ich mich allerdings nicht kompetent, diesbezüglich eine Aeusserung abzugeben, aber ich möchte doch Ihrer Ansicht, dass die diesmalige Aufführung ein schönes Erträgnis ergeben hat, widersprechen. So weit mir bekannt ist und mir auch von den wahrheitsliebenden Persönlichkeiten des Ausschusses mitgeteilt wurde, ist ein Reinerträgnis der beiden Veranstaltungen inkl. Generalproben3 nicht zu erwarten und selbst wenn – was nicht ganz wahrscheinlich ist – bei der VIII. Mahler-Symphonie Generalprobe und Aufführung ausverkauft werden sollte, würde der Reingewinn sich für beide Veranstaltungen, höchstens auf 1000 Kronen belaufen. – Nun kämpft der Philharmonische Chor aber derzeit noch so kolossal mit Existenz-Sorgen, dass er bisher noch nicht einmal weiss, ob er im nächsten Jahr wird Konzerte veranstalten können. Dass unter diesen Umständen zu besonderer Noblesse nicht viel Animo vorhanden ist, ist ja leider begreiflich.
Soeben trifft Manuskript4 George-Lieder und Korrektur Pierrot ein. Ad George-Lieder möchte ich Sie befragen, ob es Ihnen recht ist, wenn ich die Gesangstexte auf 1–2 Seiten den Liedern vorsetze, damit sich jeder, der das Heft in die Hand nimmt, leicht über die Texte orientieren kann.
Wie würden Sie sich zu der Idee verhalten, die George-Lieder in zwei Heften à M 3.– herauszubringen? Ich kann nämlich die Lieder komplett nicht unter M 6.– geben . (was übrigens im Verhältnis zu Opus 6 aus dem Drei Lilien-Verlag noch billig ist, da das Heft mit 8 Liedern auch M 6.– kostet) Wenn Sie glauben, dass die Lieder in zwei Heften à M 3.– leichter verkäuflich sind , so würde ich mich dazu entschliessen, obzwar mir, offen gestanden, bei einem derartigen Zyklus die Teilung nicht zweckmässig erscheint.
Mit vielen herzlichen Grüssen Ihr Ihnen aufrichtig ergebener
Hertzka

30. März 1914


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 30. März 1914, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17527.

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