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Wohlgeboren
Lieber Herr Schönberg!
Von der Opus-Nummer für „George-Lieder“ haben wir
Kenntnis genommen und erwarten innerhalb der nächsten acht
Tage Gurrelieder-Partitur und Monodram. Dass Amsterdam1 und
Leipzig2 bereits sicher ist, und dass wahrscheinlich auch Berlin
3kommen wird, freut mich sehr. Aus London habe ich noch keiner-
lei Definitivum. Dagegen schreibt mir Zemlinsky heute, dass
er den von mir verlangten Materialpreis (der allerdings entge-
genkommend war), bei Teweles durchgesetzt hat, so dass wir
also auch mit dieser Aufführung4 rechnen dürfen.
Grosse Sorge macht mir die Frage betreffend die Herstellung
der Orchesterpartitur Gurrelieder. Die Kalkulationen für den
Stich ergeben kolossale Summen. Bei der autographischen Verviel-
fältigung könnte ich beinahe 4000 Mark ersparen. Allerdings
fällt dann die Möglichkeit, die Partitur verkleinert im Stich
herauszugeben, weg. Ich weiss, dass Sie mir zu dem Stich zu-
reden werden; aber ich weiss nicht, ob ich es werde tun können.
Die allgemeinen Verhältnisse in Bezug auf Absatz, Geldeingänge,

etc., sind in den letzten Monaten sehr unbefriedigende. Die
Reaktion nach der vorjährigen Krise kommt erst jetzt so recht
zum Vorschein. Sparen ist jetzt die Devise und in dieser Zeit
soll ich gleichzeitig die Pierrot-Partitur u. Stimmen, George-Lieder,
Monodram und Gurrelieder-Material herstellen lassen, ( davon
die Partitur im Stich,) Kammersymphonie-Neuauflage und Taschen-
partitur. Ich fürchte, dass das bei bestem Willen nicht gehen wird.
Es wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als dass wir uns mit
einer sehr sorgfältig autographierten Partitur begnügen müssen
und dass wir neben der faksimilierten Studienpartitur, die
bei dem Preise von 20 Mark bleibt, die grosse Partitur für
Studienzwecke für 30 Mark abgeben. – Ich habe auch schon an ei-
nen Ausweg gedacht, der Manches für sich hätte und zwar: den
I. Teil in Notenstich herstellen zu lassen und den II. und
III. Teil autographisch. Das bietet uns auch die Möglichkeit,
von einzelnen Gesängen, wie z. B. „Lied der Waldtaube“, eine
Separatausgabe der Partitur herauszugeben.
Sie sehen, ich drehe und wende die Angelegenheit, um nur
einen vernünftigen Ausweg zu finden und wenn ich Ihnen diese
Sorgen mitteile, so geschieht es, damit Sie mir vielleicht
durch irgend einen Rat helfen können.
Mit herzlichen Grüssen Ihr Ihnen in aufrichtiger Hochschätzung ergebener

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Wohlgeboren
Lieber Herr Schönberg!
Von der Opus-Nummer für „George-Lieder“ haben wir Kenntnis genommen und erwarten innerhalb der nächsten acht Tage Gurrelieder-Partitur und Monodram. Dass Amsterdam1 und Leipzig2 bereits sicher ist, und dass wahrscheinlich auch Berlin 3kommen wird, freut mich sehr. Aus London habe ich noch keinerlei Definitivum. Dagegen schreibt mir Zemlinsky heute, dass er den von mir verlangten Materialpreis (der allerdings entgegenkommend war), bei Teweles durchgesetzt hat, so dass wir also auch mit dieser Aufführung4 rechnen dürfen.
Grosse Sorge macht mir die Frage betreffend die Herstellung der Orchesterpartitur Gurrelieder. Die Kalkulationen für den Stich ergeben kolossale Summen. Bei der autographischen Vervielfältigung könnte ich beinahe 4000 Mark ersparen. Allerdings fällt dann die Möglichkeit, die Partitur verkleinert herauszugeben, weg. Ich weiss, dass Sie mir zu dem Stich zureden werden; aber ich weiss nicht, ob ich es werde tun können. Die allgemeinen Verhältnisse in Bezug auf Absatz, Geldeingänge, etc., sind in den letzten Monaten sehr unbefriedigende. Die Reaktion nach der vorjährigen Krise kommt erst jetzt so recht zum Vorschein. Sparen ist jetzt die Devise und in dieser Zeit soll ich gleichzeitig die Pierrot-Partitur u. Stimmen, George-Lieder, Monodram und Gurrelieder-Material herstellen lassen, ( davon die Partitur im Stich,) Kammersymphonie-Neuauflage und Taschenpartitur. Ich fürchte, dass das bei bestem Willen nicht gehen wird. Es wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als dass wir uns mit einer sehr sorgfältig autographierten Partitur begnügen müssen und dass wir neben der faksimilierten Studienpartitur, die bei dem Preise von 20 Mark bleibt, die grosse Partitur für Studienzwecke für 30 Mark abgeben. – Ich habe auch schon an einen Ausweg gedacht, der Manches für sich hätte und zwar: den I. Teil in Notenstich herstellen zu lassen und den II. und III. Teil autographisch. Das bietet uns auch die Möglichkeit, von einzelnen Gesängen, wie z. B. „Lied der Waldtaube“, eine Separatausgabe der Partitur herauszugeben.
Sie sehen, ich drehe und wende die Angelegenheit, um nur einen vernünftigen Ausweg zu finden und wenn ich Ihnen diese Sorgen mitteile, so geschieht es, damit Sie mir vielleicht durch irgend einen Rat helfen können.
Mit herzlichen Grüssen Ihr Ihnen in aufrichtiger Hochschätzung ergebener
Hertzka

16. April 1914


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 16. April 1914, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17532.

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