Universal-Edition an Arnold Schönberg
16. April 1914
UNIVERSAL-EDITION, A.-G.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Sternwartenstr. 15–21
WIEN
I·Reichsratsstrasse 9
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 22877·Bank-Konto: k·k·privil·österr.
Länderbank, Wien·Postsparkassen-Konto: 57557.
Wien 16. April 1914.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Sternwartenstr. 15–21
WIEN
I·Reichsratsstrasse 9
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 22877·Bank-Konto: k·k·privil·österr.
Länderbank, Wien·Postsparkassen-Konto: 57557.
Wien 16. April 1914.
W
Wohlgeboren
Herrn Arnold Schönberg
Lieber Herr Schönberg!
Von der
Opus-Nummer
für „George-Lieder“ haben wir
Kenntnis genommen und erwarten innerhalb der nächsten acht
Tage Gurrelieder-Partitur und Monodram. Dass Amsterdam1 und
Leipzig2 bereits sicher ist, und dass wahrscheinlich auch Berlin
3kommen wird, freut mich sehr. Aus London habe ich noch keiner-
lei Definitivum. Dagegen schreibt mir Zemlinsky heute, dass
er den von mir verlangten Materialpreis (der allerdings entge-
genkommend war), bei Teweles durchgesetzt hat, so dass wir
also auch mit dieser Aufführung4 rechnen dürfen.
Kenntnis genommen und erwarten innerhalb der nächsten acht
Tage Gurrelieder-Partitur und Monodram. Dass Amsterdam1 und
Leipzig2 bereits sicher ist, und dass wahrscheinlich auch Berlin
3kommen wird, freut mich sehr. Aus London habe ich noch keiner-
lei Definitivum. Dagegen schreibt mir Zemlinsky heute, dass
er den von mir verlangten Materialpreis (der allerdings entge-
genkommend war), bei Teweles durchgesetzt hat, so dass wir
also auch mit dieser Aufführung4 rechnen dürfen.
Grosse Sorge macht mir die Frage betreffend die Herstellung
der Orchesterpartitur Gurrelieder. Die Kalkulationen für den
Stich ergeben kolossale Summen. Bei der autographischen Verviel-
fältigung könnte ich beinahe 4000 Mark ersparen. Allerdings
fällt dann die Möglichkeit, die Partitur verkleinert im Stich
herauszugeben, weg. Ich weiss, dass Sie mir zu dem Stich zu-
reden werden; aber ich weiss nicht, ob ich es werde tun können.
Die allgemeinen Verhältnisse in Bezug auf Absatz, Geldeingänge,
der Orchesterpartitur Gurrelieder. Die Kalkulationen für den
Stich ergeben kolossale Summen. Bei der autographischen Verviel-
fältigung könnte ich beinahe 4000 Mark ersparen. Allerdings
fällt dann die Möglichkeit, die Partitur verkleinert im Stich
herauszugeben, weg. Ich weiss, dass Sie mir zu dem Stich zu-
reden werden; aber ich weiss nicht, ob ich es werde tun können.
Die allgemeinen Verhältnisse in Bezug auf Absatz, Geldeingänge,
etc., sind in den letzten Monaten sehr unbefriedigende. Die
Reaktion nach der vorjährigen Krise kommt erst jetzt so recht
zum Vorschein. Sparen ist jetzt die Devise und in dieser Zeit
soll ich gleichzeitig die Pierrot-Partitur u. Stimmen, George-Lieder,
Monodram und Gurrelieder-Material herstellen lassen, ( davon
die Partitur im Stich,) Kammersymphonie-Neuauflage und Taschen-
partitur. Ich fürchte, dass das bei bestem Willen nicht gehen wird.
Es wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als dass wir uns mit
einer sehr sorgfältig autographierten Partitur begnügen müssen
und dass wir neben der faksimilierten Studienpartitur, die
bei dem Preise von 20 Mark bleibt, die grosse Partitur für
Studienzwecke für 30 Mark abgeben. – Ich habe auch schon an ei-
nen Ausweg gedacht, der Manches für sich hätte und zwar: den
I. Teil in Notenstich herstellen zu lassen und den II. und
III. Teil autographisch. Das bietet uns auch die Möglichkeit,
von einzelnen Gesängen, wie z. B. „Lied der Waldtaube“, eine
Separatausgabe der Partitur herauszugeben.
Reaktion nach der vorjährigen Krise kommt erst jetzt so recht
zum Vorschein. Sparen ist jetzt die Devise und in dieser Zeit
soll ich gleichzeitig die Pierrot-Partitur u. Stimmen, George-Lieder,
Monodram und Gurrelieder-Material herstellen lassen, ( davon
die Partitur im Stich,) Kammersymphonie-Neuauflage und Taschen-
partitur. Ich fürchte, dass das bei bestem Willen nicht gehen wird.
Es wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als dass wir uns mit
einer sehr sorgfältig autographierten Partitur begnügen müssen
und dass wir neben der faksimilierten Studienpartitur, die
bei dem Preise von 20 Mark bleibt, die grosse Partitur für
Studienzwecke für 30 Mark abgeben. – Ich habe auch schon an ei-
nen Ausweg gedacht, der Manches für sich hätte und zwar: den
I. Teil in Notenstich herstellen zu lassen und den II. und
III. Teil autographisch. Das bietet uns auch die Möglichkeit,
von einzelnen Gesängen, wie z. B. „Lied der Waldtaube“, eine
Separatausgabe der Partitur herauszugeben.
Sie sehen, ich drehe und wende die Angelegenheit, um nur
einen vernünftigen Ausweg zu finden und wenn ich Ihnen diese
Sorgen mitteile, so geschieht es, damit Sie mir vielleicht
durch irgend einen Rat helfen können.
einen vernünftigen Ausweg zu finden und wenn ich Ihnen diese
Sorgen mitteile, so geschieht es, damit Sie mir vielleicht
durch irgend einen Rat helfen können.
Mit herzlichen Grüssen Ihr Ihnen in aufrichtiger Hochschätzung
ergebener
Amsterdam
Der Vorstand des Chorvereines Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst knüpfte die Realisierung einer Gurre-Lieder-Aufführung in Amsterdam an die Bedingung, das
Orchester- und Chormaterial nicht leihweise, sondern käuflich zu
erwerben. Schönberg hielt im
Sommer Proben ab, die Aufführung
fand kriegsbedingt jedoch nicht statt (Willem Mengelberg an
Arnold Schönberg, 4. März 1914; ASCC 14249; Algemeen Handelsblad 1914).
Leipzig
Eine Wiederholung der
Leipziger Aufführung
6. März 1914, Leipzig, Alberthalle war für 3. November
1914 angesetzt, wurde jedoch kriegsbedingt abgesagt
(Albertine Zehme an Arnold Schönberg, 25. April 1914; ASCC
18526; Albertine Zehme an Arnold Schönberg, 31. August 1914;
ASCC 18541).
Berlin
Eine insbesondere von Albertine Zehme vorangetriebene Initiative zu einer
Aufführung in Berlin blieb
ergebnislos (ASGA B
16/3, S. 59f.).
Aufführung
Alexander Zemlinsky führte am
27. Jänner und am 12. Februar 1916
Gurre-Lieder: Lied der Waldtaube auf (Tancsik 2000, S.
434f.).
UNIVERSAL-EDITION, A.-G.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Sternwartenstr. 15–21
WIEN
I·Reichsratsstrasse 9
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 22877·Bank-Konto: k·k·privil·österr.
Länderbank, Wien·Postsparkassen-Konto: 57557.
Wien 16. April 1914.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Sternwartenstr. 15–21
WIEN
I·Reichsratsstrasse 9
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 22877·Bank-Konto: k·k·privil·österr.
Länderbank, Wien·Postsparkassen-Konto: 57557.
Wien 16. April 1914.
W
Lieber Herr Schönberg!
Von der
Opus-Nummer
für „George-Lieder“ haben wir Kenntnis
genommen und erwarten innerhalb der nächsten acht Tage Gurrelieder-Partitur und Monodram. Dass Amsterdam1 und
Leipzig2 bereits sicher ist, und dass
wahrscheinlich auch Berlin 3kommen
wird, freut mich sehr. Aus London habe
ich noch keinerlei Definitivum. Dagegen schreibt mir Zemlinsky heute, dass er den von mir verlangten
Materialpreis (der allerdings entgegenkommend war), bei Teweles durchgesetzt hat, so dass wir also auch mit dieser
Aufführung4 rechnen dürfen.
Grosse Sorge macht mir die Frage betreffend die Herstellung der
Orchesterpartitur Gurrelieder. Die Kalkulationen
für den Stich ergeben kolossale Summen. Bei der autographischen Vervielfältigung könnte ich beinahe 4000 Mark ersparen. Allerdings fällt dann die Möglichkeit, die Partitur verkleinert
herauszugeben, weg. Ich weiss, dass Sie mir zu dem Stich zureden werden; aber ich weiss nicht, ob ich es werde tun können.
Die allgemeinen Verhältnisse in Bezug auf Absatz, Geldeingänge, etc., sind in den letzten Monaten sehr unbefriedigende. Die
Reaktion nach der vorjährigen Krise kommt erst jetzt so recht zum
Vorschein. Sparen ist jetzt die Devise und in dieser Zeit soll ich
gleichzeitig die Pierrot-Partitur u. Stimmen, George-Lieder,
Monodram und Gurrelieder-Material herstellen lassen, (
davon
die Partitur im Stich,)
Kammersymphonie-Neuauflage und Taschenpartitur. Ich fürchte, dass das
bei bestem Willen nicht gehen wird. Es wird wohl nichts anderes übrig
bleiben, als dass wir uns mit einer sehr sorgfältig autographierten
Partitur begnügen müssen und dass wir neben der faksimilierten
Studienpartitur, die bei dem Preise von 20 Mark bleibt, die grosse Partitur
für Studienzwecke für 30 Mark abgeben. – Ich habe auch schon an einen Ausweg gedacht, der Manches für sich hätte und zwar: den I. Teil in Notenstich herstellen zu lassen und den
II. und III. Teil autographisch. Das bietet uns auch die Möglichkeit,
von einzelnen Gesängen, wie z. B. „Lied der Waldtaube“, eine
Separatausgabe der Partitur herauszugeben.
Sie sehen, ich drehe und wende die Angelegenheit, um nur einen vernünftigen
Ausweg zu finden und wenn ich Ihnen diese Sorgen mitteile, so geschieht es,
damit Sie mir vielleicht durch irgend einen Rat helfen können.
Amsterdam
Der Vorstand des Chorvereines Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst knüpfte die Realisierung einer Gurre-Lieder-Aufführung in Amsterdam an die Bedingung, das
Orchester- und Chormaterial nicht leihweise, sondern käuflich zu
erwerben. Schönberg hielt im
Sommer Proben ab, die Aufführung
fand kriegsbedingt jedoch nicht statt (Willem Mengelberg an
Arnold Schönberg, 4. März 1914; ASCC 14249; Algemeen Handelsblad 1914).
Leipzig
Eine Wiederholung der
Leipziger Aufführung
6. März 1914, Leipzig, Alberthalle war für 3. November
1914 angesetzt, wurde jedoch kriegsbedingt abgesagt
(Albertine Zehme an Arnold Schönberg, 25. April 1914; ASCC
18526; Albertine Zehme an Arnold Schönberg, 31. August 1914;
ASCC 18541).
Berlin
Eine insbesondere von Albertine Zehme vorangetriebene Initiative zu einer
Aufführung in Berlin blieb
ergebnislos (ASGA B
16/3, S. 59f.).
Aufführung
Alexander Zemlinsky führte am
27. Jänner und am 12. Februar 1916
Gurre-Lieder: Lied der Waldtaube auf (Tancsik 2000, S.
434f.).
16. April 1914
The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Brief
Zitierhinweis:
Universal-Edition an Arnold Schönberg, 16. April 1914, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17532.