W
Wohlgeboren
Lieber Herr Schönberg!
Heute am 25. August erhalte ich Ihre Postkarte1 vom 13. ds.
und ersehe daraus, dass Sie verschiedene meiner Briefe bis zum
13ten noch nicht erhalten haben, glaube aber bestimmt, dass diese
inzwischen bereits in Ihren Besitz gelangt sein werden. Ich habe
Ihnen in den verschiedenen Briefen, die momentane finanzielle
Situation dargelegt. Seit meinem letzten Schreiben vom 10. d. M.
hat sich die Sache nicht nur nicht gebessert, sondern noch
mehr verschlechtert. Unsere Bank kann augenblicklich für uns gar nichts
tun und von all den horrenden Aussenständen, die wir haben, geht trotz
Mahnungen und Ersuchen kein Heller ein, denn in Oesterreich benützt
jeder die Vorteile des Moratoriums und aus dem Ausland ist das
Hereinbekommen von Geld technisch überhaupt nicht möglich. Ich
hoffe noch immer, dass sich zumindest die materielle Situation anfangs
September bessern wird und ich kann Ihnen heute nur von neuem die
Versicherung geben, dass sobald es nur irgend möglich sein wird,
die bewusste Nachtragszahlung an Sie geleistet wird. Inzwischen wird
ja auch die Ueberweisung von Beträgen nach Deutschland wieder den norma-

len Verlauf nehmen, denn ich glaube kaum, dass es heute technisch
möglich wäre von Wien nach Berlin Geld ohne dafür irgend eine Ver-
antwortung zu übernehmen, zu expedieren.
Die allgemeine Stimmung ist hier mit Hinblick auf die
deutschen Siege2 recht gehoben. Bezüglich Oesterreich’s Erfolgen
hegt man Hoffnung und Geduld. Die Nachrichten, die ich Ihnen schrift-
lich geben könnte, kommen dort wahrscheinlich recht altbacken in
Ihre Hände. Ihre deutsche Berichterstattung funktioniert zweifel-
los besser, als unsere oesterreichische. Alles was hier nicht zum
Militär oder zum Roten Kreuz gehört und nicht viel Geld hat, kommt
sich recht überflüssig vor. Kunst, Musik, Kultur etc. das sind Dinge,
die so traumhaft fern liegen, dass man gar nicht glaubt, sie wären
je von Wichtigkeit gewesen oder könnten es je wieder werden.
Mit vielen herzlichen Grüssen an Sie und die Ihrigen Ihr Ihnen herzlich ergebener
Ich hoffe bestimmt, dass es
nach dem 1. September möglich sein
wird Ihnen etwas Geld zu überweisen.

W
Wohlgeboren
Lieber Herr Schönberg!
Heute am 25. August erhalte ich Ihre Postkarte1 vom 13. ds. und ersehe daraus, dass Sie verschiedene meiner Briefe bis zum 13ten noch nicht erhalten haben, glaube aber bestimmt, dass diese inzwischen bereits in Ihren Besitz gelangt sein werden. Ich habe Ihnen in den verschiedenen Briefen, die momentane finanzielle Situation dargelegt. Seit meinem letzten Schreiben vom 10. d. M. hat sich die Sache nicht nur nicht gebessert, sondern noch mehr verschlechtert. Unsere Bank kann augenblicklich für uns gar nichts tun und von all den horrenden Aussenständen, die wir haben, geht trotz Mahnungen und Ersuchen kein Heller ein, denn in Oesterreich benützt jeder die Vorteile des Moratoriums und aus dem Ausland ist das Hereinbekommen von Geld technisch überhaupt nicht möglich. Ich hoffe noch immer, dass sich zumindest die materielle Situation anfangs September bessern wird und ich kann Ihnen heute nur von neuem die Versicherung geben, dass sobald es nur irgend möglich sein wird, die bewusste Nachtragszahlung an Sie geleistet wird. Inzwischen wird ja auch die Ueberweisung von Beträgen nach Deutschland wieder den normalen Verlauf nehmen, denn ich glaube kaum, dass es heute technisch möglich wäre von Wien nach Berlin Geld ohne dafür irgend eine Verantwortung zu übernehmen, zu expedieren.
Die allgemeine Stimmung ist hier mit Hinblick auf die deutschen Siege2 recht gehoben. Bezüglich Oesterreich’s Erfolgen hegt man Hoffnung und Geduld. Die Nachrichten, die ich Ihnen schriftlich geben könnte, kommen dort wahrscheinlich recht altbacken in Ihre Hände. Ihre deutsche Berichterstattung funktioniert zweifellos besser, als unsere oesterreichische. Alles was hier nicht zum Militär oder zum Roten Kreuz gehört und nicht viel Geld hat, kommt sich recht überflüssig vor. Kunst, Musik, Kultur etc. das sind Dinge, die so traumhaft fern liegen, dass man gar nicht glaubt, sie wären je von Wichtigkeit gewesen oder könnten es je wieder werden.
Mit vielen herzlichen Grüssen an Sie und die Ihrigen Ihr Ihnen herzlich ergebener
Herzka
Ich hoffe bestimmt, dass es nach dem 1. September möglich sein wird Ihnen etwas Geld zu überweisen.

25. August 1914


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 25. August 1914, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17562.

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